# Probleme mit Anzuchterde erkennen und beheben: Verdichtung, pH-Wert, Nährstoffe

> Kruste, muffiger Geruch, blasse Sämlinge? So erkennst du verdichtete, überlagerte oder zu salzige Anzuchterde und weißt, was du als Nächstes prüfst.

- **URL:** https://samen.live/praxis/aussaat-anzucht/probleme-mit-anzuchterde-erkennen-und-beheben-experten-tipps-fuer-gesunde-pflanzen/
- **Bereich:** Gartenpraxis › Aussaat & Anzucht (Grundwissen)
- **Zuletzt geprüft:** 06. Oktober 2026
- **Herausgeber:** samen.live (total10 GmbH), Redaktion

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Die Oberfläche der Saatschale ist hart geworden, das Gießwasser bleibt stehen, und die Sämlinge wachsen seit dem Auflaufen kaum weiter. In dieser Lage bringt dich eine feste Prüfreihenfolge weiter als Dünger auf Verdacht. Ich sehe mir zuerst die Erde an, rieche daran und hebe erst danach einen Sämling heraus, um die Wurzeln zu prüfen.

Dieser Ratgeber behandelt die Probleme, die in der Erde selbst liegen: Verdichtung, überlagerte Erde, ein verschobener pH-Wert und ein Zuviel oder Zuwenig an Nährstoffen. Zu jedem Punkt erfährst du, woran du ihn erkennst und was du änderst.

Ein Kultursubstrat muss den Wurzeln Halt geben und ihre Versorgung mit Luft, Wasser und Nährstoffen sichern. Fällt eine dieser Aufgaben aus, zeigt sich das an der Erde, an der Pflanze oder an beiden. Den ganzen Weg von der Keimung bis zur Jungpflanze beschreibt der Ratgeber, [welche Rolle die Anzuchterde vom Samen bis zur Jungpflanze spielt](/praxis/aussaat-anzucht/der-weg-vom-samen-zur-pflanze-die-entscheidende-rolle-der-anzuchterde/).

## Woran erkennst du, dass mit der Anzuchterde etwas nicht stimmt?

Prüfe die Erde mit Augen, Fingern und Nase und sieh dir danach die Pflanzen an. Ein einzelnes Zeichen ist noch keine Diagnose, erst mehrere zusammen ergeben ein Bild.

### Was du an der Erde siehst und fühlst

Brauchbare Anzuchterde ist locker und durchlässig. Nimm etwas Erde in die Hand und drück sie zusammen: Zerfällt der Ballen beim Öffnen wieder, spricht das für eine geeignete Struktur. Bleibt ein fester, schmieriger Klumpen, ist die Erde zu nass oder zu dicht.

Sieh dir auch die Oberfläche an. Eine harte Kruste, auf der das Wasser stehen bleibt, deutet auf Verdichtung hin.

Ein weißlicher Belag auf der Oberfläche kann Schimmel sein und sagt für sich nichts über pH-Wert oder Nährstoffe. Kommt er immer wieder, steckt häufig übermäßiges Gießen oder schlechte Durchlüftung dahinter, also Bedingungen, die du bei verdichteter Erde ohnehin prüfst. Ursachen und Gegenmaßnahmen stehen im Ratgeber, [wie du Schimmel in der Anzuchterde erkennst und ihm vorbeugst](/praxis/aussaat-anzucht/schimmel-in-anzuchterden-wirksam-verhindern/).

### Was der Geruch verrät

Ein kräftiger Geruch beim Öffnen des Sacks ist kein Grund zum Wegwerfen. Organisch gedüngte Erde kann frisch geöffnet intensiv riechen: Der Geruch kann von mikrobieller Umsetzung stammen und beweist allein keinen Verderb. Riecht dagegen eine Schale faulig, die schon länger nass steht, kann das auf Luftmangel im Substrat hindeuten. Dann prüfst du als Nächstes die Abzugslöcher und deine Gießmenge.

### Was die Pflanzen zeigen

Die Tabelle ordnet die Befunde ein und nennt den ersten Prüfschritt.

| Befund | Kann hindeuten auf | Das prüfst du zuerst |
|---|---|---|
| Saat läuft nicht oder nur lückig auf | zu nasse oder ausgetrocknete Erde, unpassende Keimtemperatur, altes Saatgut | Feuchte mit dem Finger, Temperatur am Standort, Keimprobe |
| Sämlinge blass, dünn und weich | zu wenig Licht oder zu viel Wärme nach dem Pikieren | Standort und Temperatur |
| Wachstum stockt, Erde dauerhaft nass | Luftmangel durch Verdichtung oder Staunässe | Abzugslöcher, Untersetzer, Struktur der Erde |
| Wachstum stockt in frisch eingefüllter Erde | zu hoher Salzgehalt | Art der Erde, Alter des Sacks, bisherige Düngung |
| Stängelgrund verbräunt und eingeschnürt | Auflaufkrankheit | betroffene Sämlinge herausnehmen, Nässe verringern |
| Mücken fliegen aus der Erde auf | Trauermücken in ständig zu nasser Erde | Gießmenge und Untersetzer |
| weißlicher Belag auf der Oberfläche | Schimmel | Gießen und Durchlüftung |

Blasse, dünne und weiche Jungpflanzen sehen nach Nährstoffmangel aus. Dasselbe Bild entsteht aber, wenn die Pflanzen nach dem Pikieren zu wenig Licht oder zu viel Wärme bekommen. Stell die Schale deshalb zuerst heller und kühler, bevor du die Erde verdächtigst.

Keimt gar nichts, muss die Erde nicht der Grund sein. Salat zum Beispiel kann bei einer Keimtemperatur über 20 °C in der Keimung gehemmt sein. Ob das Saatgut noch keimt, zeigt eine Keimprobe: Lege je Sorte mindestens 20 Samen getrennt voneinander auf feuchtes Küchenpapier, rolle es ein und gib es in eine Tüte mit Luftlöchern. Keimen die Samen dort und in der Schale nicht, spricht das eher für die Bedingungen in der Schale als für das Saatgut.

Ein verbräunter, eingeschnürter Stängelgrund kann auf eine Auflaufkrankheit hinweisen. Bei Mischinfektionen lässt sich der Erreger am Schadbild nicht sicher bestimmen. Sämlinge mit diesem Schadbild nimmst du aus der Schale und hältst die übrige Erde weniger nass.

Die Wurzeln geben dir einen weiteren Hinweis. Gute Salatjungpflanzen haben weiße Wurzeln und einen gesunden Ballen. Braune, weiche Wurzeln in dauerhaft nasser Erde können auf Fäulnis hindeuten.

## Kann Anzuchterde schlecht werden?

Ja, Erde altert auch im Sack. Nach langer Lagerung kann bei Blumenerde der Salzgehalt gestiegen, der pH-Wert verändert und die Struktur schlechter sein. Bei torffreier und torfreduzierter Erde können organische Bestandteile während längerer Lagerung Nährstoffe freisetzen, und das erhöht den Salzgehalt.

Für die Aussaat hat das Folgen. Der Salzgehalt einer Aussaaterde sollte unter 0,5 g/l liegen, und Lagerung kann ihn anheben. Ein Sack, der beim Kauf zur Aussaat passte, kann nach langer Lagerung also zu salzig sein, ohne dass du es siehst.

> **Mini-Checkliste:** Sack aus dem Vorjahr prüfen. Ist die Erde noch locker oder klumpig und zusammengesackt? Riecht sie erdig oder faulig? Siehst du einen Belag? Stand der Sack verschlossen, kühl und schattig? Salzgehalt und pH-Wert erkennst du mit bloßem Auge nicht, sie lassen sich nur messen.

Ich schreibe das Kaufjahr auf jeden angebrochenen Sack. Für feine Saaten öffne ich einen frischen Sack, den Rest aus dem Vorjahr verbrauche ich beim Umtopfen größerer Pflanzen.

Damit Erde lange brauchbar bleibt, lagerst du unbenutztes Substrat im Gebinde dunkel, kühl und trocken. Angebrochene Säcke verschließt du gut und stellst sie kühl und schattig. Worauf es schon beim Einkauf ankommt, erklärt der Ratgeber, [nach welchen Kriterien du Anzuchterde auswählst und lagerst](/praxis/aussaat-anzucht/die-richtige-anzuchterde-waehlen-worauf-es-ankommt/).

Gebrauchte Erde ist ein eigener Fall. Substrat aus Gefäßen mit abgestorbenen oder kranken Pflanzen verwendest du nicht erneut als Pflanzsubstrat, und in regelmäßig gedüngter gebrauchter Erde können sich Nährsalze anreichern. Was sich trotzdem aufbereiten lässt, zeigt der Ratgeber, [wie du gebrauchte Anzuchterde aufbereitest und wann du es besser lässt](/praxis/aussaat-anzucht/anzuchterde-wiederverwenden-moeglichkeiten-und-grenzen/).

## Verdichtete Erde: erkennen, lockern, anders gießen

### Woran erkennst du Verdichtung?

Verdichtete Erde fühlt sich hart und schwer an. Die Oberfläche bildet eine Kruste, Wasser sickert nur langsam ein, und der Ballen trocknet kaum ab.

### Warum schadet sie den Wurzeln?

Die Erde muss Wasser aufnehmen und den Wurzeln trotzdem genug Luft lassen. In dichter, dauerhaft nasser Erde fehlt diese Luft. Bei Paprika hemmt zu nasses Anzuchtsubstrat das Wurzelwachstum und begünstigt das Eindringen von Welkepilzen.

Hinzu kommt ein zweites Risiko: Trauermückenlarven vermehren sich besonders in ständig zu nasser Topferde und können die Wurzeln von Jungpflanzen schädigen.

### Wie kommt es dazu?

Prüfe diese Punkte der Reihe nach:

- **Wasserabzug:** Anzuchtgefäße brauchen freie Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.
- **Untersetzer:** Töpfchen sollen nicht dauerhaft im Wasser stehen, sonst gelangt nach dem Gießen keine Luft an die Wurzeln.
- **Gießweise:** Ein kräftiger Strahl verschlämmt die Oberfläche und schwemmt feine Samen aus.
- **Andrücken:** Frische Aussaat drückst du nur leicht an, damit Samen und Keimwurzel Bodenkontakt bekommen.
- **Alter der Erde:** Lange gelagerte Blumenerde kann an Struktur verloren haben.

### So lockerst du die Erde wieder

1. Lockere die Kruste zwischen den Sämlingen vorsichtig mit einem Holzstäbchen und bleib dabei von den Wurzeln weg.
2. Gieß stehendes Wasser aus dem Untersetzer ab und mach verstopfte Abzugslöcher frei.
3. Prüfe vor dem nächsten Gießen die Feuchte mit dem Finger. Die Erde soll gleichmäßig feucht und niemals nass sein.
4. Halte die Oberfläche mit einer Sprühflasche feucht statt mit der Kanne.
5. Ist der ganze Ballen dicht und nass, setzt du die Sämlinge in frische, lockere Erde um. Pikieren kannst du, sobald nach den Keimblättern die ersten Laubblätter da sind.

Ich fülle die Erde für feine Saaten schon angefeuchtet in die Schale, damit ich nach dem Säen nicht kräftig wässern muss.

Für die nächste Aussaat kommt ein Zuschlag infrage: Gartenbau-Perlit erhöht die Luftkapazität und verbessert die Strukturstabilität. Nimm nur Perlit, das für den Gartenbau bestimmt ist, weil Bauprodukte beschichtet sein können. Weitere Bestandteile und die Frage nach Fertigerde oder Eigenmischung behandelt unsere Übersicht zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt [zu Salzgehalt, Bestandteilen und torffreien Mischungen der Anzuchterde](/praxis/aussaat-anzucht/).

## pH-Wert: wann er zum Problem wird und wie du ihn prüfst

Der pH-Wert bestimmt mit, ob die Wurzeln vorhandene Nährstoffe aufnehmen können. Ein verschobener pH-Wert zeigt sich deshalb nicht an der Erde, sondern an der Pflanze, und dort sieht er aus wie ein Nährstoffproblem.

> **Zahl im Blick:** Für die Bio-Gemüsejungpflanzenanzucht ist beschrieben, dass Phosphor bei einem pH über 7 sowie bei Temperaturen unter 12 °C schlecht aufgenommen wird.

Lange gelagerte Erde kann einen veränderten pH-Wert haben, und bei einem pH über 7 wird Phosphor in der beschriebenen Anzucht schlecht aufgenommen. Ein Sämling kann also in alter Erde Mangel zeigen, obwohl der Nährstoff vorhanden ist. Mehr Dünger behebt in diesem Fall nicht die Ursache.

Kälte wirkt dort genauso. Miss deshalb auch die Temperatur an der Fensterbank, bevor du die Erde verdächtigst.

### Wie misst du den pH-Wert?

Für den Hausgebrauch gibt es Teststreifen und Messgeräte. Halte dich an die Anleitung deines Tests und miss immer auf dieselbe Weise, damit du die Werte vergleichen kannst.

> **Kurz erklärt:** Die Messmethode verschiebt das Ergebnis. Wird der pH-Wert in Calciumchloridlösung gemessen, fällt er ungefähr 0,5 bis 1,0 Einheiten niedriger aus als in einer wässrigen Suspension.

Steht auf dem Sack ein pH-Wert und dein Test zeigt einen anderen, muss sich die Erde also nicht verändert haben. Erst wenn beide Werte auf dieselbe Art gemessen wurden, sagt der Unterschied etwas aus.

### Was tust du bei einem unpassenden pH-Wert?

Welcher Bereich passt, hängt von der Kultur ab, denn ein geeignetes Substrat ist in seinen Eigenschaften auf die jeweilige Kultur abgestimmt. Richte dich nach der Angabe auf dem Sack und nach der Kulturanleitung zu deinem Saatgut.

In der Saatschale korrigiere ich den pH-Wert nicht mit Zusätzen. Ich setze die Sämlinge in frische Erde um, weil ich in einer bepflanzten Schale nichts mehr gleichmäßig untermischen kann.

Kalk gehört nicht ohne Messung in die Erde. Für Gartenboden gilt: Liegt der gemessene pH-Wert über dem Zielbereich, der zu Boden und Kultur passt, kommen weder Kalk noch kalkhaltige Düngemittel dazu.

> **Mythos-Check:** Kaffeesatz wird nachgesagt, die Erde zu lockern, Nährstoffe zu liefern und den pH-Wert zu senken. Für die Saatschale spricht genau das dagegen: Aussaaterde soll nährstoffarm sein, und ohne Messung lässt sich nicht abschätzen, wie weit sich der pH-Wert verschiebt. Ich gebe Kaffeesatz auf den Kompost und nicht in die Anzucht.

## Zu viele oder zu wenige Nährstoffe: so unterscheidest du es

Anzuchterde ist mit Absicht nährstoffarm. Zur Aussaat passt ein Substrat, das nährstoffarm, humos und durchlässig ist, und der Keimling zehrt zunächst von den Nährstoffreserven im Samen. Die Hintergründe erklärt der Ratgeber, [warum Anzuchterde nährstoffarm sein soll und woraus sie besteht](/praxis/aussaat-anzucht/anzuchterde-naehrstoffarmer-boden-fuer-kraeftige-saemlinge/).

### Zu viel: der Salzgehalt als Maß

Wie viele gelöste Nährsalze eine Erde enthält, beschreibt der Salzgehalt. An ihm unterscheiden sich die Erden für die Stufen der Anzucht:

| Verwendung | Salzgehalt |
|---|---|
| Aussaaterde | sollte unter 0,5 g/l liegen |
| Substrat zum Pikieren | darf bis zu 1,5 g/l betragen |
| Topferde für Kübel und Blumenkästen | darf 2,5 bis 3 g/l aufweisen |

Die Tabelle zeigt, warum Topferde nicht in die Saatschale gehört: Ihr Salzgehalt darf deutlich über dem Wert für Aussaaterde liegen. Ist der Salzgehalt des Topfsubstrats zu hoch, kann das bei Jungpflanzen die Anfangsentwicklung verlangsamen und Wurzelspitzen schädigen. Wie sich die Stufen unterscheiden und welche Mischung für robuste Jungpflanzen infrage kommt, steht in der schon genannten Übersicht zu Aussaat und Anzucht.

Ein Zuviel hat mehrere mögliche Quellen:

- **Falsche Erde:** Blumen- und Gartenerde darf mehr Nährstoffe und eine gröbere Struktur haben als Anzuchterde.
- **Reiner Kompost:** Sein Nährstoffgehalt ist für Anzuchterde zu hoch.
- **Lange Lagerung:** Bei torffreier oder torfreduzierter Erde kann der Salzgehalt mit der Lagerdauer steigen.
- **Düngen in der Schale:** Eine übermäßige Gabe schadet den Pflanzen auch dann, wenn der Dünger organisch ist.
- **Gebrauchte Erde:** In regelmäßig gedüngter Erde können sich Nährsalze anreichern.

Bei Gurken schaue ich besonders genau hin, denn sie reagieren empfindlich auf Chlor und hohe Salzgehalte.

Messen lässt sich der Salzgehalt über die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung. Der Wert erfasst den Gesamtsalzgehalt und belegt nicht, welche einzelnen Nährstoffe zu viel oder zu wenig vorhanden sind.

Stockt das Wachstum in frisch eingefüllter Erde, obwohl Licht, Temperatur und Feuchte stimmen, kann ein zu hoher Salzgehalt der Grund sein. Stell dann das Düngen ein und setz die Sämlinge in frische Erde der passenden Stufe um.

### Zu wenig: erst andere Ursachen ausschließen

In der Gemüsejungpflanzenanzucht kann das Substrat schon genug Nährstoffe für die Jungpflanzen mitbringen. Bevor du Mangel annimmst, gehst du deshalb diese Punkte durch:

1. **Licht und Wärme:** Blasse, dünne und weiche Jungpflanzen entstehen auch bei zu wenig Licht oder zu viel Wärme nach dem Pikieren.
2. **Nässe:** Zu nasses Anzuchtsubstrat hemmt bei Paprika das Wurzelwachstum.
3. **Kälte und pH-Wert:** Beides kann die Aufnahme von Phosphor erschweren.
4. **Holzfasern in der Mischung:** Bauen Mikroorganismen Holzfasern ab, können sie dabei Stickstoff binden.

Am Sämling lässt sich eine Blattverfärbung nicht sicher einem einzelnen Nährstoff zuordnen, weil Licht, Kälte, Nässe und pH-Wert ähnliche Bilder erzeugen können. Hellere Blätter in einer holzfaserreichen Erde können auf fehlenden Stickstoff hindeuten, mehr als ein Hinweis ist das nicht.

Das Substrat zum Pikieren darf mehr Salz enthalten als Aussaaterde, und Tomaten kommen beim Pikieren einzeln in größere Töpfe mit normaler Pflanzerde. Sämlinge, denen Nährstoffe fehlen, versorgst du also zuerst durch den Schritt in die nächste Erde und nicht durch Dünger in der Saatschale. Reicht das nicht, düngst du die pikierten Jungpflanzen und beobachtest die neuen Blätter.

Bei Kokos-Quelltabletten hängt die spätere Nährstoffversorgung von Kultur und Produkt ab. Haben Tomaten, Paprika oder Chili den Quelltopf durchwurzelt, kannst du ihn mitsamt Pflanze in einen größeren Topf mit nährstoffreicher Erde setzen.

Brennnesseljauche gilt als Hausmittel für Stickstoff. In die Saatschale gebe ich sie nicht, weil sich die Gabe in so wenig Erde schlecht abschätzen lässt.

> **Achtung:** Dünge blasse Sämlinge nicht auf Verdacht. Zu wenig Licht oder zu viel Wärme nach dem Pikieren führen zum selben Bild, und jede Düngergabe bringt weitere Nährsalze in die Erde.

## Bio-Erde und torffreie Erde: typische Probleme und Lösungen

Steht Bio-Erde auf dem Sack, ist das Substrat damit noch nicht torffrei, und auch torfarm oder torfreduziert steht nicht für torffrei. Entscheidend sind die ausdrückliche Kennzeichnung und die Zutatenliste. Woraus torffreie Mischungen bestehen, steht ebenfalls in der Übersicht zu Aussaat und Anzucht.

Beim Gießen, Lagern und Düngen stellen torffreie und organisch gedüngte Erden eigene Anforderungen:

| Problem | Woran du es merkst | Was du tust |
|---|---|---|
| Oberfläche trocken, unten noch nass | die Erde wirkt oben trocken, der Topf ist trotzdem schwer | Finger unter die Oberfläche stecken, Topf anheben, erst dann gießen |
| Salzgehalt steigt bei längerer Lagerung | Sämlinge stocken in Erde aus einem alten Sack | für die Aussaat einen frischen Sack öffnen |
| Stickstoff wird gebunden | Blätter werden in holzfaserreicher Mischung heller | nach dem Pikieren düngen und die neuen Blätter beobachten |
| kräftiger Geruch beim Öffnen | organisch gedüngte Erde riecht intensiv | Struktur und Oberfläche prüfen, der Geruch allein beweist keinen Verderb |

Bei torffreier Erde kann die Oberfläche schon trocken sein, während der untere Gefäßbereich noch nass ist. Trauermückenlarven vermehren sich besonders in ständig zu nasser Topferde. Wer nur nach dem Aussehen der Oberfläche gießt, hält die Erde unten also dauerhaft nass und bietet den Larven gute Bedingungen.

Ich hebe jeden Anzuchttopf kurz an, bevor ich gieße, und stecke den Finger bis unter die Oberfläche.

Enthält die Mischung Vermiculit, kann auch die Fingerprobe täuschen, denn Vermiculit kann sich bei hoher Wassersättigung noch trocken anfühlen. Verlass dich dann zusätzlich auf das Topfgewicht.

## So beugst du Problemen vor

- **Passende Erde:** Nimm für die Anzucht im Zimmer nährstoffarme, wasserdurchlässige Aussaaterde.
- **Saubere Gefäße:** Gereinigte Anzuchtbehälter bedeuten weniger mögliche Infektionsquellen. Wiederverwendete Gefäße steckst du erst trocken ineinander.
- **Tontöpfe:** Kalkablagerungen löst du mit Essigwasser im Verhältnis 1:10 und spülst mit klarem Wasser nach.
- **Stellflächen:** Entferne Pflanzen- und Substratreste. Gab es vorher keine Pflanzenschutzprobleme, kann diese Reinigung ausreichen.
- **Gießen:** Prüfe die Feuchte vor dem Gießen mit dem Finger und nimm Wasser mit Raumtemperatur.
- **Abtrocknen:** Jungpflanzen von Fruchtgemüse sollen nach dem Bewässern vor der Nacht abtrocknen können, während das Substrat feucht statt nass bleibt.
- **Lüften:** Rinnen Wassertropfen von der Folienabdeckung, öffnest du sie teilweise. Eine Haube nimmst du ab, sobald der erste Keimling erscheint.
- **Kontrolle:** Regelmäßiges Hinsehen hilft dir, Krankheiten und Schädlinge früh zu erkennen.

> **Marias Erfahrung:** Ich schreibe auf jedes Stecketikett neben die Sorte auch die Erde und das Aussaatdatum. Kümmert eine Schale, sehe ich an den Etiketten, ob dieselbe Erde auch in den anderen Schalen steckt.

> **Jetzt dran:** Heb deine Anzuchttöpfe einmal an und fühl mit dem Finger unter die Oberfläche. Steht Wasser im Untersetzer, gießt du es ab.

## Häufige Fragen

### Was sind die häufigsten Probleme bei der Verwendung von Anzuchterde?

Zu den Problemen, die in der Erde selbst liegen, gehören Verdichtung und Staunässe, ein zu hoher Salzgehalt, ein verschobener pH-Wert und Belag auf der Oberfläche. Nach langer Lagerung kann bei Blumenerde der Salzgehalt gestiegen, der pH-Wert verändert und die Struktur schlechter sein. An den Pflanzen zeigt sich das als lückige Keimung, stockendes Wachstum oder blasse Blätter. Solche Zeichen sind Hinweise und keine Diagnose, weil Licht, Temperatur und Gießen ähnliche Bilder erzeugen können.

### Welche Auswirkungen hat ein falscher pH-Wert in der Anzuchterde auf das Pflanzenwachstum?

Ein unpassender pH-Wert kann dazu führen, dass Jungpflanzen vorhandene Nährstoffe schlechter aufnehmen. Für die Bio-Gemüsejungpflanzenanzucht ist beschrieben, dass Phosphor bei einem pH über 7 sowie bei Temperaturen unter 12 °C schlecht aufgenommen wird. Am Blatt allein lässt sich ein pH-Fehler deshalb nicht von Nährstoffmangel oder Kälte unterscheiden, Klarheit bringt nur eine Messung.

### Welche besonderen Herausforderungen bringt die Verwendung torffreier Anzuchterde mit sich?

Bei torffreien und torfreduzierten Substraten kann die Oberfläche schon trocken sein, während der untere Gefäßbereich noch nass ist. Prüfe die Feuchte deshalb vor dem Gießen mit dem Finger unter der Oberfläche und heb den Topf an, denn auch das Gewicht hilft bei der Entscheidung. Bei längerer Lagerung können organische Bestandteile außerdem Nährstoffe freisetzen und so den Salzgehalt erhöhen. Enthält die Mischung Holzfasern, können Mikroorganismen bei deren Abbau Stickstoff binden.

### Können verdichtete Anzuchterde und Staunässe das Wurzelwachstum beeinträchtigen?

Ja. Die Erde muss Wasser aufnehmen und den Wurzeln trotzdem genug Luft lassen, und beides gelingt in dichter, dauerhaft nasser Erde schlecht. Bei Paprika hemmt zu nasses Anzuchtsubstrat das Wurzelwachstum und begünstigt das Eindringen von Welkepilzen. Achte deshalb auf freie Abzugslöcher und lass Anzuchttöpfchen nicht dauerhaft im Wasser stehen.

### Stimmt es, dass man Anzuchterde jedes Jahr komplett austauschen muss?

Für die Aussaat nimmst du frische Erde, die alte muss deshalb aber nicht in den Müll. Gebrauchte Gefäßerde mit frischer Erde und Kompost aufzubereiten ist keine allgemeine Empfehlung für die Verwendung als Aussaaterde, zumal sich in regelmäßig gedüngter Erde Nährsalze anreichern können. Krankheitsfreie gebrauchte Erde kann auf den Kompost, auf Baumscheiben oder eingearbeitet auf Gartenbeete. Substrat aus Gefäßen mit abgestorbenen oder kranken Pflanzen verwendest du dagegen nicht erneut als Pflanzsubstrat.

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