Natürliche Rankhilfen selber machen: Jute-Ranknetz, Reisig und Upcycling
- Erst die Kletterweise klären: Schlinger brauchen überwiegend senkrechte Stützen, Ranker Gitter oder Netze, Spreizklimmer waagerechte Streben.
- Für ein Ranknetz aus Jute gelten Maschen von etwa 10–30 cm Breite und 20–50 cm Höhe als Orientierung, passend zur jeweiligen Pflanze.
- Buchenreisig steckst du als Rankhilfe für Erbsen direkt in die Pflanzenreihen.
- Eiche, Douglasie und Lärche sind gegenüber holzzerstörenden Pilzen dauerhafter als Fichte, Tanne und Buche.
- Altmetall für eine dauerhafte Begrünung soll korrosionsfrei sein, rostige Stücke nimmst du als Stütze, die du im Herbst wieder abbaust.
Bevor ich ein Ranknetz aus Jute knüpfe, schaue ich mir die Pflanze an, die daran wachsen soll. Erbsen, Stangenbohnen und Kletterrosen halten sich ganz unterschiedlich fest. Passt die Rankhilfe nicht zur Kletterweise, findet die Pflanze schlechter Halt, und du musst mehr von Hand anbinden.
Aus Naturmaterial und ausgedienten Dingen baust du Rankhilfen selbst: ein Netz aus Juteschnur, Stangen aus dem Gehölzschnitt, Rahmen aus haltbarem Holz. Der Vorteil zeigt sich auch am Ende der Nutzung. Größere Kunststoffteile können beim Zerfall sekundäres Mikroplastik bilden, holzige Reste lassen sich dagegen gehäckselt als Kompost- oder Mulchmaterial verwenden.
Welche Rankhilfe passt zu welcher Kletterweise?
Kletterpflanzen unterscheiden sich darin, wie sie sich festhalten. Daraus ergibt sich die Form, die deine Rankhilfe braucht.
| Kletterweise | Braucht als Halt | Lösung aus Naturmaterial |
|---|---|---|
| Schlinger, etwa Stangenbohnen | überwiegend senkrechte Stützen | Haselstangen, Bohnentipi, senkrecht gespannte Juteschnüre |
| Ranker, etwa Erbsen | Gitter oder Netze | Ranknetz aus Jute, Buchenreisig in der Reihe |
| Spreizklimmer, etwa Kletterrosen | waagerechte Streben oder Gitter | Spalier mit Querlatten, alte Holzleiter |
Schlinger winden ihren Trieb um eine Stütze. Ranker greifen mit Ranken nach dünnen Elementen und winden sich darum. Spreizklimmer schieben ihre Triebe durch eine Struktur und stützen sich darauf ab.
Wie dünn die Elemente sein sollen, hängt an der einzelnen Pflanze. Für eine Waldrebe gibt es dazu konkrete Maße.
Für die Mandel-Waldrebe ‘Rubromarginata’ haben die Elemente der Rankhilfe idealerweise 0,4 cm Durchmesser und stehen etwa 10 cm auseinander. Das ist ein Wert für diese Sorte und keine Regel für alle Kletterpflanzen.
Ranknetz aus Jute selber machen
Ein Netz aus Juteschnur passt vor allem zu Rankern, denn sie brauchen Gitter oder Netze. Für Schlinger wie Stangenbohnen kannst du dir die Querschnüre sparen: Sie brauchen überwiegend senkrechte Stützen, also reichen straff gespannte Einzelschnüre.
Für ein frei stehendes Netz brauchst du Juteschnur, zwei kräftige Pfosten und eine Schere.
So knüpfst du das Netz
- Spann oben eine Tragschnur straff zwischen die Pfosten und unten eine zweite knapp über dem Boden.
- Knote die senkrechten Schnüre im Abstand der gewünschten Maschenbreite an die obere Tragschnur und binde sie unten fest.
- Leg die waagerechten Schnüre im Abstand der Maschenhöhe quer über die senkrechten.
- Verknote jede Kreuzung, damit die Maschen nicht verrutschen, wenn die Pflanze daran zieht.
- Zieh zum Schluss an mehreren Stellen kräftig am Netz und knote nach, wo ein Knoten nachgibt.
Die Maschenweite richtest du nach der Pflanze. Als allgemeine Orientierung für Ranker gilt:
| Maß | Orientierung für Ranker |
|---|---|
| Maschenbreite | etwa 10–30 cm |
| Maschenhöhe | etwa 20–50 cm |
Das sind allgemeine Werte, das genaue Maß richtest du nach der jeweiligen Pflanze.
Ich messe die Abstände für die senkrechten Schnüre einmal mit dem Zollstock aus und markiere sie mit einem Stift auf der Tragschnur. Beim Knoten sehe ich dann sofort, wo die nächste Schnur hingehört.
Wie lange Juteschnur hält, hängt von Wetter und dem Gewicht der Pflanzen ab. Prüf die Schnur deshalb mit der Hand: Fühlt sie sich mürbe an oder fasert sie stark auf, knotest du eine neue daneben.
Bestimm die Kletterweise deiner Pflanze, miss die Fläche für das Netz aus und leg Maschenbreite und Maschenhöhe fest, bevor du Schnur kaufst.
Ein Netz für den Kübel
Für die Schwarzäugige Susanne im Kübel planst du das Netz nach ihrer Wuchshöhe von etwa 100–150 cm. Sie ist nicht winterhart, deshalb nimmst du Netz und Ranken im Herbst gemeinsam ab. Welche Rankhilfen auf dem Balkon und im Wintergarten wenig Platz brauchen, zeigt ein eigener Ratgeber.
Frei stehend oder an der Wand
Ein frei stehendes Netz hält nur so gut wie seine Pfosten. Ich rüttle nach dem Aufstellen an jedem Pfosten, bevor die erste Schnur daran kommt. Wackelt er, gebe ich ihm mit einer Schrägstrebe zusätzlichen Halt.
An der Hauswand trägt die Befestigung mehr als nur Schnur und Pflanze.
Bei Rankhilfen an der Fassade zählen Wandaufbau, Eigengewicht und Pflanzengewicht, dazu Lasten durch Regen, Schnee, Eis und Wind. Für Befestigungen in Mauerwerk gibt es keine Lösung, die überall passt. Dübel und Schrauben stimmst du deshalb auf Untergrund und Belastung ab.
Stangen und Reisig aus dem eigenen Gehölzschnitt
Viel Material für Rankhilfen fällt beim Schneiden im eigenen Garten an. Buchenreisig steckst du als Rankhilfe für Erbsen direkt in die Pflanzenreihen. Gerade Triebe aus dem Strauchschnitt werden zu Stangen für Bohnen oder zum Rahmen für ein Netz. Für ein Bohnentipi stellst du die Stangen schräg im Kreis auf und bindest sie oben mit Juteschnur zusammen.
Zum Schneiden nimmst du das Werkzeug, das zur Stärke des Zweigs passt:
| Werkzeug | Orientierung für die Werkzeugwahl |
|---|---|
| Gartenschere | dünnere Zweige bis etwa 2 cm Durchmesser |
| Astschere | Äste bis etwa 4,5 cm Durchmesser |
| Säge | Äste, die für die Schere zu dick oder nicht erreichbar sind |
Halte beim Schneiden mit der Gartenschere die zweite Hand außerhalb des Schnittbereichs.
Gesteckte Stangen und Reisig stehen zwangsläufig in der Erde, obwohl Holz im Freien möglichst keinen direkten Erdkontakt haben sollte. Plane sie deshalb nicht als Dauerlösung: Geben sie nach, häckselst du sie und verwendest sie als Kompost- oder Mulchmaterial.
Wo das Tipi stehen soll, legst du bei der Flächenplanung deiner Beete fest. Vor dem Säen prüfst du, welche Nachbarn neben Erbsen und Bohnen passen.
Welches Holz hält draußen länger?
Soll ein Rahmen oder Spalier dauerhaft stehen, entscheidet zuerst die Holzart. Eiche, Douglasie und Lärche sind gegenüber holzzerstörenden Pilzen dauerhafter als Fichte, Tanne und Buche. Beim Kauf geben Siegel wie FSC und Naturland Hinweise auf nachhaltige Waldwirtschaft.
Genauso zählt, wie das Holz steht. Trocken gehaltenes Holz ist gegen Pilzbefall geschützt, und Wasserabläufe sowie abgeschrägte Flächen helfen, stehende Nässe zu vermeiden. Ich säge die Oberkante meiner Pfosten schräg ab und setze sie auf einen Pfostenträger statt direkt in die Erde. Holzart und trockener Stand ergänzen sich also, denn beides richtet sich gegen Pilzbefall.
Streiche Holzrankhilfen nicht mit pflanzenschädlichen Lasuren oder Farben mit Bioziden. Welches Material für welche Rankhilfe, Pflanze und welchen Standort passt, vergleicht ein eigener Ratgeber zu Metall, Holz und Kunststoff.
Upcycling: Rankhilfen aus ausgedienten Dingen
Im Schuppen liegt oft Material, das sich als Rankhilfe weiterverwenden lässt. Wähle es nach der Kletterweise aus, genau wie eine gekaufte Rankhilfe:
- Eine alte Holzleiter bietet Spreizklimmern mit ihren Sprossen waagerechte Streben.
- Ausrangierte Rechen, mit dem Stiel in die Erde gesteckt, stützen eine einzelne Pflanze im Beet.
- Mit einer Fahrradfelge samt Speichen bekommen Ranker ein rundes Gitter.
- Alte Metallgitter oder Bettgestelle werden zur Rankwand für Ranker und Spreizklimmer.
- Reinige alte Teile gründlich, bevor sie ins Beet kommen.
- Prüfe Kanten und Spitzen und feil scharfe Stellen ab.
- Trag Handschuhe und geschlossene Schuhe mit rutschfester Sohle.
- Bürste losen Rost mit einer Metallbürste ab.
- Lass Holz mit unbekanntem Anstrich weg, denn Farben mit Bioziden gehören nicht an eine Rankhilfe.
Rostiges Altmetall als dauerhafte Begrünung an die Wand schrauben. Metall- und Kunststoffrankhilfen für eine dauerhafte Außenbegrünung sollen witterungsbeständig, UV-beständig und korrosionsfrei sein. Ein rostiger Rechen erfüllt das nicht. Als Stütze, die du im Herbst wieder abbaust, kann er trotzdem dienen.
Nach der Saison: Reisig, Ranken und Netz verwerten
Im Herbst schneide ich die abgestorbenen Ranken aus dem Netz und sortiere, was wohin gehört. Reisig und alte Stangen häcksele ich, danach taugen sie als Kompost- oder Mulchmaterial. Im Kompost schichtest du sie abwechselnd mit feuchten Abfällen wie Rasenschnitt auf.
Waren die Pflanzen krank oder von Schädlingen befallen, gibst du die Ranken über die kommunale Entsorgung ab. Der eigene Kompost hygienisiert sie meist nicht vollständig. Was in die Biotonne darf, regeln die örtlichen Annahmeregeln, und Kunststoff trennst du als Fremdstoff vorher ab.
„Bio-Kunststoff verrottet auf dem Kompost.“ Nicht automatisch, denn biobasierter Kunststoff ist nicht zwangsläufig biologisch abbaubar. Auch ein Zertifikat für industrielle Kompostierbarkeit belegt keine Eignung für den Gartenkompost. Das gilt für Clips und Bindeschnüre genauso wie für andere Kunststoffprodukte.
Pflege und Winter in Kürze
Bindungen an Spalierpflanzen kontrollierst du regelmäßig und passt sie an, damit sie nicht in die wachsenden Triebe einwachsen. Wie du Rankhilfen über das Jahr pflegst und reparierst und sicher durch den Winter bringst, zeigen eigene Ratgeber. Die Grundlagen stehen im Abschnitt dazu, wie du Werkzeug und Gerät pflegst, reparierst und lagerst.

