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Alte Fruchtgemüsesorten wiederentdecken: anbauen, Samen gewinnen, Vielfalt erhalten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Samenfeste Sorten können bei sortenerhaltender Vermehrung ihre Eigenschaften weitergeben, Samen von F1-Hybriden bringen uneinheitliche Nachkommen.
  • Alte Sorten werden in Genbanken aufbewahrt und durch wiederholten Anbau und Vermehrung in Gärten erhalten.
  • Für Saatgut erntest du Tomaten lange ausgereift, Auberginensamen reifen erst in überreifen Früchten aus.
  • Zwischen Zuckermais im Hausgarten und Feldmais wird ein Abstand von mindestens 500 m empfohlen.
  • VEN, VERN, ProSpecieRara und Arche Noah sind Anlaufstellen für die Erhaltung alter Kulturpflanzensorten.

Eine alte Sorte im eigenen Beet ist mehr als eine Ernte. Du kannst sie selbst weitergeben, mit Samen aus deinen eigenen Früchten. Das klappt nur, wenn die Sorte samenfest ist und du beim Ernten, Trocknen und Lagern sorgfältig arbeitest. Ich beschrifte jede Samentüte noch am Erntetag mit Sorte und Jahr.

Alte Kulturpflanzensorten werden auf zwei Wegen erhalten. Genbanken bewahren sie auf, und in Gärten werden sie immer wieder angebaut und vermehrt. Der zweite Weg braucht Gärtnerinnen und Gärtner wie dich.

Samenfest oder F1: was der Unterschied für dich bedeutet

Ob du eine Sorte selbst erhalten kannst, hängt an ihrem Sortentyp. Bei F1-Hybriden kreuzen Züchter Inzuchtlinien miteinander. Die erste Nachkommengeneration wächst dadurch besonders einheitlich und kann eine erhöhte Leistungsfähigkeit zeigen. Für die einjährige Artischockenkultur eignet sich zum Beispiel die Hybride Imperialstar F1.

Kurz erklärt

Samenfest heißt, dass eine Sorte ihre charakteristischen Eigenschaften bei sortenerhaltender Vermehrung an die nächste Generation weitergeben kann. F1 bezeichnet die erste Nachkommengeneration aus einer Kreuzung von Inzuchtlinien. F1-Pflanzen bilden zwar Samen, deren Nachkommen fallen in ihren Eigenschaften aber uneinheitlich aus.

Die Erhaltung im Garten beruht auf wiederholtem Anbau und eigener Vermehrung. Weil samenfeste Sorten ihre Eigenschaften dabei weitergeben können, sind sie die Grundlage der Sortenerhaltung im Beet. Mit F1-Sorten klappt das nicht, weil ihre Nachkommen uneinheitlich ausfallen.

Warum sich alte Sorten im Garten lohnen

Geschmack direkt vom Strauch

Die alte Tomatensorte Berner Rose verbindet aromatischen Geschmack mit einer dünnen Schale, die Transporte schlecht verträgt. Im eigenen Garten trägst du die Frucht vom Strauch direkt in die Küche. Dort fällt die empfindliche Schale kaum ins Gewicht.

Probieren gehört bei neuen Sorten dazu. Ich baue alte Sorten wegen Geschmack und Vielfalt an, ein Gesundheitsversprechen verbinde ich damit nicht.

Achtung

Schmeckt eine Frucht eines essbaren Kürbisgewächses wie Kürbis oder Zucchini bitter, spuckst du sie aus und entsorgst sie. Die Bitterstoffe, Cucurbitacine, werden auch beim Kochen, Braten, Einmachen und Backen nicht zerstört. Zierkürbisse isst du wegen möglicher hoher Bitterstoffgehalte grundsätzlich nicht. Mehr zur Unterscheidung findest du im Ratgeber, welche Zierfrüchte essbar sind und welche giftig.

Vielfalt innerhalb einer Art

Wie weit die Sorten einer einzigen Art auseinanderliegen, zeigt der Zuckermais. Golden Bantam ist samenfest und schmeckt vergleichsweise wenig süß. Damaun, Mezdi und Tramunt sind ebenfalls samenfest, gehören aber zum extrasüßen sh2-Typ. Tatonka F1 ist dagegen eine extrasüße Hybride.

Sorte Sortentyp Merkmal
Golden Bantam samenfest vergleichsweise wenig süß
Damaun samenfest, extrasüß (sh2) angegebene Reifezeit 85 bis 95 Tage
Mezdi samenfest, extrasüß (sh2) angegebene Reifezeit 90 bis 100 Tage
Tramunt samenfest, extrasüß (sh2) angegebene Reifezeit 100 bis 105 Tage
Tatonka F1 Hybride, extrasüß reift mittelfrüh

Frühe Zuckermaissorten eignen sich für den Hausgarten, weil ihre Kolben zuverlässig ausreifen sollen. Unter den drei samenfesten extrasüßen Sorten hat Damaun die kürzeste angegebene Reifezeit.

Bei Auberginen reicht die Spanne von Black Beauty mit dunkelvioletten bis schwarzen Früchten und weichem Fruchtfleisch bis zu White Egg. Diese Sorte heißt auch Eierbaum und bildet büschelweise weiße Früchte. Slim Jim trägt dunkelviolette Früchte und eignet sich als dekorative Kübelpflanze.

Auch Verwandte der Kulturpflanze werden genutzt: Der Pokastrauch Solanum torvum dient Auberginen als Veredelungsunterlage und kann so zur Pflanzengesundheit beitragen. Wie Erhaltung und Züchtung bei dieser Art zusammenhängen, zeigt der Ratgeber, warum die genetische Vielfalt der Aubergine für die Züchtung zählt.

Zur Vielfalt im Garten gehören die Bestäuber

Biodiversität im Garten hört nicht bei den Sorten auf. Auberginen werden zum Beispiel von Hummeln bestäubt, und zwar per Vibrationsbestäubung. Vorhandene Hummeln kannst du mit einem vielseitigen Blütenangebot und geeigneten Nistmöglichkeiten fördern. Eine Blühmischung säst du an den Beetrand, denn dort kann sie wirksamer sein als unter dicht beschattenden Auberginen. In einem Gewächshausversuch der LWG profitierten Hummeln nicht von kleinblütigen Untersaaten aus Dill und Steinkraut unter Auberginen.

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Samen selbst gewinnen: Tomate, Aubergine, Mais

Bevor du Samen aufhebst, schaust du auf die Saatguttüte der Mutterpflanze. Steht dort F1, bringen die Samen uneinheitliche Nachkommen, und die Sorte lässt sich so nicht erhalten.

Tomaten

Für Saatgut erntest du Tomaten lange ausgereift. Die Samen nimmst du zusammen mit dem Fruchtfleisch heraus und trocknest sie auf Papier gut durch. Tomaten bestäuben sich überwiegend selbst. Trotzdem kann Pollen anderer Sorten zu uneinheitlichen Nachkommen führen. Ich notiere deshalb, welche Tomatensorten gleichzeitig nebeneinander blühten, und schreibe das auf die Samentüte.

Auberginen

Bei der Aubergine liegen Küchenreife und Samenreife auseinander. Für die Küche ist sie erntereif, wenn sie sortentypisch ausgefärbt ist und ihre Schale glänzt. Die Samen reifen dagegen erst in überreifen Früchten, deren Farbe je nach Sorte ins Gelbbraune oder Gelbgrüne wechselt. Für Saatgut lässt du also eine Frucht über die Küchenreife hinaus an der Pflanze hängen.

Die Blüten sind zwittrig und können sich selbst befruchten, eine Fremdbefruchtung ist aber ebenfalls möglich. Wie du die Pflanze bis zur Samenreife kultivierst, zeigt der Ratgeber, wie dir der Auberginenanbau vom Standort bis zum Düngen gelingt.

Zuckermais

Mais pflanzt du in Blöcken statt in einer einzelnen langen Reihe, weil das seine Windbestäubung unterstützt. In der Reihe stehen die Pflanzen 34 bis 45 cm auseinander. Zwischen den Reihen bleiben 80 cm, und mehrere kurze Reihen nebeneinander ergeben den Block.

Zwischen Zuckermais im Hausgarten und Feldmais empfiehlt sich ein Abstand von mindestens 500 m, damit es nicht zu unerwünschter Bestäubung kommt. Bei extrasüßen Sorten kommt ein Grund hinzu: Bestäubt normalsüßer Zuckermais oder Feldmais sie, kann das die Ausbildung ihres hohen Zuckergehalts unterdrücken. Ich stelle extrasüße Sorten deshalb nicht neben anderen Mais.

Für die Küche erntest du Zuckermais in der Milchreife. Dann werden die Fäden braun, und beim Anritzen eines Korns tritt milchiger Saft aus.

Wenn Samen nicht sortentreu werden

Nicht jede Art lässt sich über Samen sortentreu weiterführen. Rhabarbersämlinge gleichen wegen Fremdbestäubung selten der Ausgangssorte. Pepino lässt sich auch über halbreife Stecklinge vermehren, die du geschützt im Gewächshaus für das Folgejahr überwinterst.

Saatgut lagern und die Keimfähigkeit prüfen

Gartensaatgut lagerst du grundsätzlich kühl und trocken. Gut getrocknete Tomatensamen lassen sich bis zu 5 Jahre lagern. Eine Sorte bleibt im Garten aber nur erhalten, wenn sie immer wieder angebaut und vermehrt wird. Du säst deshalb jede Sorte erneut aus, bevor ihr Vorrat überlagert ist.

Vor der Aussaat oder dem Weitergeben machst du eine Probeaussaat. Dabei zählst du die Körner genau ab, damit du die Keimleistung einschätzen kannst. Als gekeimt gelten nur normal entwickelte Keimlinge, nicht die nur angekeimten oder missgebildeten.

Mini-Checkliste

Ist die Sorte samenfest und keine F1? Ist die Tomate lange ausgereift, die Aubergine überreif? Sind die Samen gut getrocknet? Stehen Sorte, Erntejahr und Nachbarsorten auf der Tüte? Liegt sie kühl und trocken?

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Anbau: was bei alten Sorten gleich bleibt

Beim Anbau richtest du dich nach den Ansprüchen der Art. Aubergine, Andenbeere und Pepino pflanzt du erst im Mai aus und ziehst sie vorher im Haus vor. Vor dem Auspflanzen gewöhnst du die Jungpflanzen tagsüber zuerst im Halbschatten und dann schrittweise in der Sonne an draußen. Die Termine für Exoten und Raritäten zum Aufhängen findest du im Aussaatkalender zum Ausdrucken.

Für Pflege und Düngung brauchen alte Sorten kein eigenes Programm, denn Gießen, Düngen und Überwintern folgen der Art. Die Grundlagen für alle Arten stehen im Überblick, wie du Exoten und Raritäten pflegst und überwinterst.

Auch alte Sorten kommen nicht jedes Jahr auf dieselbe Fläche. Für den Fruchtwechsel führst du einen Anbauplan über mindestens vier Jahre, mit Flächen, Haupt- und Nebenkulturen sowie Saat- und Pflanzterminen. Ich trage dort zusätzlich ein, welche Sorten gleichzeitig blühten, und übertrage das auf die Samentüten. Anlegen kannst du den Plan im Beetplaner.

Gute Mischkulturpartner für Mais sind Kürbis und Prunkbohnen. Ob eine Kombination zu deinem Beet passt, prüfst du im Mischkultur-Planer. Ihre Wirkung hängt von Standort, Licht, Boden und Pflege ab und fällt nicht überall gleich aus.

Alte deutsche Gemüsesorten finden: Genbank, Verein, Tausch

Suchst du alte deutsche Gemüsesorten, wendest du dich an die Stellen, die Sorten erhalten. Anlaufstellen für alte Kulturpflanzensorten sind der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), VERN, ProSpecieRara und Arche Noah. Frag dort nach Sorten aus deiner Region und danach, wie sie vermehrt werden.

Beim Saatguttausch gibst du deine eigene Vermehrung weiter und holst dir neue Sorten ins Beet. Tausche nur samenfestes Saatgut, denn Samen von F1-Hybriden bringen uneinheitliche Nachkommen. Auf jede Tüte gehören Sorte und Erntejahr, bei Tomaten und Auberginen auch die Sorten, die nebenan blühten. So landet eine Sorte in einem weiteren Garten, in dem sie angebaut und vermehrt wird.

Marias Erfahrung

Für jede Sorte, die ich vermehre, lege ich eine Karteikarte an: Name, Bezugsquelle, Erntejahr und die Nachbarsorten während der Blüte. Gebe ich Samen weiter, schreibe ich die Angaben für die andere Seite ab.

Jetzt dran

Such dir für die nächste Saison eine samenfeste Sorte aus, die du vermehren willst. Leg ihr eine Karte an, gib ihr einen Platz im Anbauplan und lass für die Samen eine Frucht ausreifen.

SORTENEMPFEHLUNG
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Häufige Fragen

Was sind alte Fruchtgemüsesorten und wodurch unterscheiden sie sich von modernen Hybriden?
Alte Fruchtgemüsesorten sind Sorten, die über Generationen angebaut und weitergegeben wurden. Erhalten werden sie in Genbanken und durch wiederholten Anbau und Vermehrung in Gärten. Bei Hybriden kreuzen Züchter Inzuchtlinien, deren erste Nachkommengeneration besonders einheitlich wächst und leistungsfähiger sein kann. Samen von F1-Hybriden bringen jedoch uneinheitliche Nachkommen, während samenfeste Sorten ihre Eigenschaften bei sortenerhaltender Vermehrung weitergeben können.
Warum sind samenfeste Sorten für die Biodiversität so wichtig?
Samenfeste Sorten können ihre charakteristischen Eigenschaften bei sortenerhaltender Vermehrung an die nächste Generation weitergeben. Dadurch lässt sich eine Sorte im eigenen Garten immer wieder anbauen und weiterführen, zusätzlich zur Aufbewahrung in Genbanken. Mit F1-Hybriden geht das nicht, weil ihre Nachkommen in den Eigenschaften uneinheitlich ausfallen.
Wie funktionieren Saatgutgewinnung und Lagerung bei alten Fruchtgemüsesorten?
Tomaten für die Samengewinnung erntest du lange ausgereift und trocknest die Samen mit dem Fruchtfleisch gut auf Papier. Auberginensamen reifen erst in überreifen Früchten aus, deren Farbe je nach Sorte ins Gelbbraune oder Gelbgrüne wechselt. Gartensaatgut lagerst du grundsätzlich kühl und trocken, gut getrocknete Tomatensamen lassen sich bis zu 5 Jahre aufbewahren.
Welche Rolle spielt der Saatguttausch bei der Erhaltung alter Sorten?
Alte Sorten bleiben nicht nur in Genbanken erhalten, sondern auch dadurch, dass sie in Gärten immer wieder angebaut und vermehrt werden. Der Tausch bringt eigenes Saatgut in weitere Gärten und hält eine Sorte so im Anbau. Sinnvoll ist das nur mit samenfestem Saatgut, denn Samen von F1-Hybriden bringen uneinheitliche Nachkommen. Anlaufstellen für alte Kulturpflanzensorten sind etwa VEN, VERN, ProSpecieRara und Arche Noah.
Welche Qualitätskriterien zählen beim Saatgut für alte Sorten?
Entscheidend ist zuerst, ob die Sorte samenfest ist: Dann kannst du sie mit eigenen Samen weiterführen, während Samen von F1-Hybriden uneinheitliche Nachkommen bringen. Die Keimfähigkeit prüfst du mit einer Probeaussaat, bei der du die Körner genau abzählst. Als gekeimt zählen dabei nur normal entwickelte Keimlinge, nicht die nur angekeimten oder missgebildeten.
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