Alte Fruchtgemüsesorten wiederentdecken: anbauen, Samen gewinnen, Vielfalt erhalten
- Samenfeste Sorten können bei sortenerhaltender Vermehrung ihre Eigenschaften weitergeben, Samen von F1-Hybriden bringen uneinheitliche Nachkommen.
- Alte Sorten werden in Genbanken aufbewahrt und durch wiederholten Anbau und Vermehrung in Gärten erhalten.
- Für Saatgut erntest du Tomaten lange ausgereift, Auberginensamen reifen erst in überreifen Früchten aus.
- Zwischen Zuckermais im Hausgarten und Feldmais wird ein Abstand von mindestens 500 m empfohlen.
- VEN, VERN, ProSpecieRara und Arche Noah sind Anlaufstellen für die Erhaltung alter Kulturpflanzensorten.
Eine alte Sorte im eigenen Beet ist mehr als eine Ernte. Du kannst sie selbst weitergeben, mit Samen aus deinen eigenen Früchten. Das klappt nur, wenn die Sorte samenfest ist und du beim Ernten, Trocknen und Lagern sorgfältig arbeitest. Ich beschrifte jede Samentüte noch am Erntetag mit Sorte und Jahr.
Alte Kulturpflanzensorten werden auf zwei Wegen erhalten. Genbanken bewahren sie auf, und in Gärten werden sie immer wieder angebaut und vermehrt. Der zweite Weg braucht Gärtnerinnen und Gärtner wie dich.
Samenfest oder F1: was der Unterschied für dich bedeutet
Ob du eine Sorte selbst erhalten kannst, hängt an ihrem Sortentyp. Bei F1-HybridenF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. kreuzen Züchter Inzuchtlinien miteinander. Die erste Nachkommengeneration wächst dadurch besonders einheitlich und kann eine erhöhte Leistungsfähigkeit zeigen. Für die einjährigeEinjährige, auch Annuelle genannt, sind Pflanzen, deren Lebenszyklus üblicherweise innerhalb eines Jahres beendet ist. Sie legen als Pflanze keine Ruhezeit ein, nur ihre Samen überdauern ungünstige Zeiten. Artischockenkultur eignet sich zum Beispiel die Hybride Imperialstar F1.
Samenfest heißt, dass eine Sorte ihre charakteristischen Eigenschaften bei sortenerhaltender Vermehrung an die nächste Generation weitergeben kann. F1 bezeichnet die erste Nachkommengeneration aus einer Kreuzung von Inzuchtlinien. F1-Pflanzen bilden zwar Samen, deren Nachkommen fallen in ihren Eigenschaften aber uneinheitlich aus.
Die Erhaltung im Garten beruht auf wiederholtem Anbau und eigener Vermehrung. Weil samenfeste Sorten ihre Eigenschaften dabei weitergeben können, sind sie die Grundlage der Sortenerhaltung im Beet. Mit F1-Sorten klappt das nicht, weil ihre Nachkommen uneinheitlich ausfallen.
Warum sich alte Sorten im Garten lohnen
Geschmack direkt vom Strauch
Die alte Tomatensorte Berner Rose verbindet aromatischen Geschmack mit einer dünnen Schale, die Transporte schlecht verträgt. Im eigenen Garten trägst du die Frucht vom Strauch direkt in die Küche. Dort fällt die empfindliche Schale kaum ins Gewicht.
Probieren gehört bei neuen Sorten dazu. Ich baue alte Sorten wegen Geschmack und Vielfalt an, ein Gesundheitsversprechen verbinde ich damit nicht.
Schmeckt eine Frucht eines essbaren Kürbisgewächses wie Kürbis oder Zucchini bitter, spuckst du sie aus und entsorgst sie. Die Bitterstoffe, Cucurbitacine, werden auch beim Kochen, Braten, Einmachen und Backen nicht zerstört. Zierkürbisse isst du wegen möglicher hoher Bitterstoffgehalte grundsätzlich nicht. Mehr zur Unterscheidung findest du im Ratgeber, welche Zierfrüchte essbar sind und welche giftig.
Vielfalt innerhalb einer Art
Wie weit die Sorten einer einzigen Art auseinanderliegen, zeigt der Zuckermais. Golden Bantam ist samenfest und schmeckt vergleichsweise wenig süß. Damaun, Mezdi und Tramunt sind ebenfalls samenfest, gehören aber zum extrasüßen sh2-Typ. Tatonka F1 ist dagegen eine extrasüße Hybride.
| Sorte | Sortentyp | Merkmal |
|---|---|---|
| Golden Bantam | samenfest | vergleichsweise wenig süß |
| Damaun | samenfest, extrasüß (sh2) | angegebene Reifezeit 85 bis 95 Tage |
| Mezdi | samenfest, extrasüß (sh2) | angegebene Reifezeit 90 bis 100 Tage |
| Tramunt | samenfest, extrasüß (sh2) | angegebene Reifezeit 100 bis 105 Tage |
| Tatonka F1 | Hybride, extrasüß | reift mittelfrüh |
Frühe Zuckermaissorten eignen sich für den Hausgarten, weil ihre Kolben zuverlässig ausreifen sollen. Unter den drei samenfesten extrasüßen Sorten hat Damaun die kürzeste angegebene Reifezeit.
Bei Auberginen reicht die Spanne von Black Beauty mit dunkelvioletten bis schwarzen Früchten und weichem Fruchtfleisch bis zu White Egg. Diese Sorte heißt auch Eierbaum und bildet büschelweise weiße Früchte. Slim Jim trägt dunkelviolette Früchte und eignet sich als dekorative Kübelpflanze.
Auch Verwandte der Kulturpflanze werden genutzt: Der Pokastrauch Solanum torvum dient Auberginen als Veredelungsunterlage und kann so zur Pflanzengesundheit beitragen. Wie Erhaltung und Züchtung bei dieser Art zusammenhängen, zeigt der Ratgeber, warum die genetische Vielfalt der Aubergine für die Züchtung zählt.
Zur Vielfalt im Garten gehören die Bestäuber
Biodiversität im Garten hört nicht bei den Sorten auf. Auberginen werden zum Beispiel von Hummeln bestäubt, und zwar per Vibrationsbestäubung. Vorhandene Hummeln kannst du mit einem vielseitigen Blütenangebot und geeigneten Nistmöglichkeiten fördern. Eine Blühmischung säst du an den Beetrand, denn dort kann sie wirksamer sein als unter dicht beschattenden Auberginen. In einem Gewächshausversuch der LWG profitierten Hummeln nicht von kleinblütigen Untersaaten aus Dill und Steinkraut unter Auberginen.
Samen selbst gewinnen: Tomate, Aubergine, Mais
Bevor du Samen aufhebst, schaust du auf die Saatguttüte der Mutterpflanze. Steht dort F1, bringen die Samen uneinheitliche Nachkommen, und die Sorte lässt sich so nicht erhalten.
Tomaten
Für Saatgut erntest du Tomaten lange ausgereift. Die Samen nimmst du zusammen mit dem Fruchtfleisch heraus und trocknest sie auf Papier gut durch. Tomaten bestäuben sich überwiegend selbst. Trotzdem kann Pollen anderer Sorten zu uneinheitlichen Nachkommen führen. Ich notiere deshalb, welche Tomatensorten gleichzeitig nebeneinander blühten, und schreibe das auf die Samentüte.
Auberginen
Bei der Aubergine liegen Küchenreife und SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. auseinander. Für die Küche ist sie erntereif, wenn sie sortentypisch ausgefärbt ist und ihre Schale glänzt. Die Samen reifen dagegen erst in überreifen Früchten, deren Farbe je nach Sorte ins Gelbbraune oder Gelbgrüne wechselt. Für Saatgut lässt du also eine Frucht über die Küchenreife hinaus an der Pflanze hängen.
Die Blüten sind zwittrig und können sich selbst befruchten, eine Fremdbefruchtung ist aber ebenfalls möglich. Wie du die Pflanze bis zur Samenreife kultivierst, zeigt der Ratgeber, wie dir der Auberginenanbau vom Standort bis zum Düngen gelingt.
Zuckermais
Mais pflanzt du in Blöcken statt in einer einzelnen langen Reihe, weil das seine Windbestäubung unterstützt. In der Reihe stehen die Pflanzen 34 bis 45 cm auseinander. Zwischen den Reihen bleiben 80 cm, und mehrere kurze Reihen nebeneinander ergeben den Block.
Zwischen Zuckermais im Hausgarten und Feldmais empfiehlt sich ein Abstand von mindestens 500 m, damit es nicht zu unerwünschter BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. kommt. Bei extrasüßen Sorten kommt ein Grund hinzu: Bestäubt normalsüßer Zuckermais oder Feldmais sie, kann das die Ausbildung ihres hohen Zuckergehalts unterdrücken. Ich stelle extrasüße Sorten deshalb nicht neben anderen Mais.
Für die Küche erntest du Zuckermais in der Milchreife. Dann werden die Fäden braun, und beim Anritzen eines Korns tritt milchiger Saft aus.
Wenn Samen nicht sortentreu werden
Nicht jede Art lässt sich über Samen sortentreu weiterführen. Rhabarbersämlinge gleichen wegen Fremdbestäubung selten der Ausgangssorte. Pepino lässt sich auch über halbreife StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. vermehren, die du geschützt im Gewächshaus für das Folgejahr überwinterst.
Saatgut lagern und die Keimfähigkeit prüfen
Gartensaatgut lagerst du grundsätzlich kühl und trocken. Gut getrocknete Tomatensamen lassen sich bis zu 5 Jahre lagern. Eine Sorte bleibt im Garten aber nur erhalten, wenn sie immer wieder angebaut und vermehrt wird. Du säst deshalb jede Sorte erneut aus, bevor ihr Vorrat überlagert ist.
Vor der Aussaat oder dem Weitergeben machst du eine Probeaussaat. Dabei zählst du die Körner genau ab, damit du die Keimleistung einschätzen kannst. Als gekeimt gelten nur normal entwickelte Keimlinge, nicht die nur angekeimten oder missgebildeten.
Ist die Sorte samenfest und keine F1? Ist die Tomate lange ausgereift, die Aubergine überreif? Sind die Samen gut getrocknet? Stehen Sorte, Erntejahr und Nachbarsorten auf der Tüte? Liegt sie kühl und trocken?
Anbau: was bei alten Sorten gleich bleibt
Beim Anbau richtest du dich nach den Ansprüchen der Art. Aubergine, Andenbeere und Pepino pflanzt du erst im Mai aus und ziehst sie vorher im Haus vor. Vor dem Auspflanzen gewöhnst du die Jungpflanzen tagsüber zuerst im HalbschattenHalbschatten nennt man einen Standort, an den die Sonne nur einen Teil des Tages direkt scheint, bis zu etwa vier Stunden. Typisch sind die Ost- und Westseite von Gebäuden und Mauern oder Plätze unter Bäumen mit dichter Krone. und dann schrittweise in der Sonne an draußen. Die Termine für Exoten und Raritäten zum Aufhängen findest du im Aussaatkalender zum Ausdrucken.
Für Pflege und Düngung brauchen alte Sorten kein eigenes Programm, denn Gießen, Düngen und Überwintern folgen der Art. Die Grundlagen für alle Arten stehen im Überblick, wie du Exoten und Raritäten pflegst und überwinterst.
Auch alte Sorten kommen nicht jedes Jahr auf dieselbe Fläche. Für den FruchtwechselFruchtfolge ist die geplante Reihenfolge, in der verschiedene Gemüsearten über die Jahre auf demselben Beet wachsen. Wechselst du jedes Jahr die Pflanzenfamilie, sinkt das Risiko für Krankheiten und Schädlinge, und die Nährstoffe im Boden werden besser genutzt. führst du einen Anbauplan über mindestens vier Jahre, mit Flächen, Haupt- und Nebenkulturen sowie Saat- und Pflanzterminen. Ich trage dort zusätzlich ein, welche Sorten gleichzeitig blühten, und übertrage das auf die Samentüten. Anlegen kannst du den Plan im Beetplaner.
Gute Mischkulturpartner für Mais sind Kürbis und Prunkbohnen. Ob eine Kombination zu deinem Beet passt, prüfst du im Mischkultur-Planer. Ihre Wirkung hängt von Standort, Licht, Boden und Pflege ab und fällt nicht überall gleich aus.
Alte deutsche Gemüsesorten finden: Genbank, Verein, Tausch
Suchst du alte deutsche Gemüsesorten, wendest du dich an die Stellen, die Sorten erhalten. Anlaufstellen für alte Kulturpflanzensorten sind der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), VERN, ProSpecieRara und Arche Noah. Frag dort nach Sorten aus deiner Region und danach, wie sie vermehrt werden.
Beim Saatguttausch gibst du deine eigene Vermehrung weiter und holst dir neue Sorten ins Beet. Tausche nur samenfestes Saatgut, denn Samen von F1-Hybriden bringen uneinheitliche Nachkommen. Auf jede Tüte gehören Sorte und Erntejahr, bei Tomaten und Auberginen auch die Sorten, die nebenan blühten. So landet eine Sorte in einem weiteren Garten, in dem sie angebaut und vermehrt wird.
Für jede Sorte, die ich vermehre, lege ich eine Karteikarte an: Name, Bezugsquelle, Erntejahr und die Nachbarsorten während der Blüte. Gebe ich Samen weiter, schreibe ich die Angaben für die andere Seite ab.
Such dir für die nächste Saison eine samenfeste Sorte aus, die du vermehren willst. Leg ihr eine Karte an, gib ihr einen Platz im Anbauplan und lass für die Samen eine Frucht ausreifen.






