Rübensamen gewinnen: So kommst du in zwei Jahren zu eigenem Saatgut
- Rüben sind zweijährig: Im ersten Jahr wächst die Rübe, erst im zweiten Jahr blüht die Pflanze und bildet Samen.
- Für sortentypisches Saatgut wählst du samenfeste Sorten, denn Nachkommen von F1-Hybriden können unterschiedliche Eigenschaften entwickeln.
- Rote Bete wird durch Wind bestäubt, Mai-, Herbst- und Steckrüben durch Insekten. Mai- und Herbstrübe gehören zur selben Speiserübe und können sich kreuzen, wenn sie gleichzeitig blühen.
- Samenträger müssen gesund und unverletzt sein und kommen frostfrei durch den Winter.
- Im Frühjahr pflanzt du sie aus, sobald es der Frost erlaubt, und stützt die schweren Samenstände.
- Bei Herbstrüben erntest du die Samenstände, wenn sich die Schoten gelb zu färben beginnen, und trocknest sie schattig und luftig nach.
- Saatgut lagerst du kühl und trocken, älteres Saatgut prüfst du vor der Aussaat mit einer Keimprobe.
Wer Rübensamen selbst gewinnen will, plant über zwei Gartenjahre. Eine Rübe blüht erst im Jahr nach ihrer Aussaat, dazwischen liegt der Winter. Ich entscheide deshalb schon bei der Ernte, welche Rüben in die Küche gehen und welche als Samenträger im Frühjahr zurück ins Beet kommen. Hier gehst du den Weg Schritt für Schritt, von der samenfesten Sorte bis zur KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt. mit deinem eigenen Saatgut.
Warum Rübensamen zwei Jahre brauchen
Rote Bete, Herbstrübe und Steckrübe sind zweijährige Pflanzen. Speiserüben erntest du üblicherweise im ersten Jahr, bevor sie im Folgejahr Blüten bilden. Für Saatgut überwinterst du ausgewählte Pflanzen, damit sie im zweiten Jahr blühen und Samen ansetzen.
Zweijährig beschreibt die Lebensdauer der Pflanze, nicht die Zeit bis zur Ernte. Die Rübe holst du wie gewohnt im ersten Jahr aus dem Beet. Nur wer Samen will, bringt ausgewählte Pflanzen ins zweite Jahr.
Die Rüben unterscheiden sich darin, wer sie bestäubt und wie viel Kälte sie vertragen. Das entscheidet später über Winterquartier und Sortenreinheit.
| Rübe | Pflanzenfamilie | BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. | Samenträger im Winter |
|---|---|---|---|
| Rote Bete | Fuchsschwanzgewächse | Wind | nicht winterhart, vor Frost ernten |
| Mairübe und Herbstrübe | KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. | Insekten | Herbstrübe unverletzt und frostfrei bis zum Frühjahr lagern |
| Steckrübe | Kreuzblütler | Insekten | verträgt leichte Fröste, nicht verlässlich winterhart |
Schritt 1: Eine samenfeste Sorte wählen
Für Saatgut, das die Merkmale deiner Sorte weiterträgt, brauchst du eine samenfeste Sorte. Bei F1-HybridenF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. können die Nachkommen dagegen unterschiedliche Eigenschaften entwickeln. Ich prüfe deshalb schon beim Saatgutkauf, ob eine Rübensorte als F1 ausgewiesen ist. Plane außerdem, dass je Pflanzenart nur eine Sorte zur Blüte kommt; Mai- und Herbstrübe zählen dabei zusammen, wie Schritt 5 zeigt.
Samen von einer F1-Rübe nehmen, weil sie im Beet besonders schön war. Deren Nachkommen können sich in ihren Eigenschaften unterscheiden. Sortentypisches Saatgut bekommst du nur von einer samenfesten Sorte.
Schritt 2: Samenträger im ersten Jahr ziehen
Die Samenträger ziehst du im ersten Jahr genau wie deine Speiserüben. Herbstrüben säst du direkt ins Beet, weil sie sich schlecht verpflanzen lassen. Die Tabelle zeigt, wann du im ersten Jahr säst und erntest.
| Rübe | Aussaat | Ernte der Rübe |
|---|---|---|
| Rote Bete | April bis Juli | Juli bis Oktober |
| Herbstrübe | Mai bis August | Oktober bis Dezember |
| Steckrübe | April bis Juni | September bis Ende November |
Im Aussaatkalender für Wurzelgemüse zum Ausdrucken siehst du die Aussaatmonate deiner Rüben auf einem Blatt.
Bei Roter Bete sind für die Einlagerung vollreife Rüben vorgesehen, etwa vier Monate nach der Aussaat. Zugleich muss sie vor Frost aus dem Beet, weil die Rüben sonst schnell weich werden. Wer Rote Bete als Samenträger zieht, sät also so, dass die Rüben vor dem ersten Frost ausgereift sind.
Samenträger auswählen
Die Samenträger suchst du bei der Rübenernte aus. Geeignet sind gesunde Rüben ohne Verletzungen, Schimmel oder Fäulnis, die Form und Farbe deiner Sorte zeigen. Ich hebe sie an einem trockenen Tag mit der Grabegabel aus dem ringsum gelockerten Boden. Bei Roter Bete drehe ich die Blätter ab und lasse zwei Fingerbreit Stiele stehen, die die Rübe schützen.
Samenfeste Sorte, kein F1. Rübe gesund, ohne Schimmel oder Fäulnis. Beim Ernten unverletzt geblieben. Form und Farbe typisch für die Sorte. Mehrere Samenträger je Sorte.
Ich lege die Samenträger schon beim Ernten in eine eigene Kiste und beschrifte sie mit Sorte und Jahr. Rüben aus dieser Kiste kommen bei mir nicht in den Kochtopf.
Schritt 3: Frostfrei über den Winter
Deine Samenträger lagerst du frostfrei, so wie beim traditionellen Herbstrüben-Samenbau in Osttirol, wo unverletzte Samenrüben bis zum Frühjahr aufbewahrt werden. Wie du Rüben in Sand einschlägst, liest du in der Anleitung zum Ernten und Einlagern von Rüben, die Grundregeln stehen im Wurzelgemüse-Überblick unter kühl, feucht und ohne Laub lagern. Faule oder schimmelnde Rüben sortierst du sofort aus, denn ins Beet kommen nur gesunde Samenträger.
Schritt 4: Im Frühjahr auspflanzen und stützen
Die überwinterten Rüben kommen im Frühjahr ins Beet, sobald es der Frost erlaubt. So hält es der Osttiroler Herbstrüben-Samenbau, und ich richte mich bei allen Rüben danach. Wann es bei dir so weit ist, hängt von der Lage ab: Klimatisch ungünstige Lagen sind später bestellbar als Weinbaulagen.
Speise- und Steckrüben planst du dabei gemeinsam mit den anderen Kreuzblütlern in der FruchtfolgeFruchtfolge ist die geplante Reihenfolge, in der verschiedene Gemüsearten über die Jahre auf demselben Beet wachsen. Wechselst du jedes Jahr die Pflanzenfamilie, sinkt das Risiko für Krankheiten und Schädlinge, und die Nährstoffe im Boden werden besser genutzt.. Meide für sie verdichtete und staunasse Stellen, weil hohe Bodentemperatur zusammen mit hoher Bodenfeuchte die KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. begünstigt. Die Samenträger belegen ihr Beet vom Auspflanzen bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen.. Ich trage sie deshalb gleich im Beetplaner ein und plane die FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. von dort aus.
Bei Herbstrüben fällt die Blüte in den Mai. Die Samenstände werden schwer und brauchen Halt. Ich stecke die Stäbe gleich beim Auspflanzen und binde die Blütentriebe locker an, sobald sie in die Höhe gehen.
Schritt 5: Bestäubung und Sortenreinheit
Rüben sind Fremdbefruchter, ihre Blüten werden also mit Pollen anderer Pflanzen befruchtet. Bei Roter Bete trägt der Wind den Pollen, bei Mai-, Herbst- und Steckrüben übernehmen das Insekten. Ich bringe deshalb immer mehrere Samenträger einer Sorte durch den Winter und nie nur einen.
„Rüben brauchen Bienen.” Für Rote Bete stimmt das nicht, sie wird durch den Wind bestäubt. Durch Insekten bestäubt werden Mai-, Herbst- und Steckrüben.
Mairüben und Herbstrüben gehören zur selben Speiserübe, und beide werden von Insekten bestäubt. Blühen sie gleichzeitig in deinem Garten, können sie sich also kreuzen. Ich lasse deshalb in einem Jahr nur eine Sorte Speiserübe blühen, egal ob Mai- oder Herbstrübe, und halte es bei der Roten Bete genauso. Pollen kann auch aus Nachbargärten kommen, darum frage ich nebenan nach, ob dort gerade Rüben blühen.
Schritt 6: Samen ernten und nachtrocknen
Beim traditionellen Herbstrüben-Samenbau in Osttirol werden die Samenstände geerntet, wenn sich die Schoten gelb zu färben beginnen. Lässt du sie zu lange stehen, verlieren überreife Schoten ihre Samen. Nach dem Schnitt trocknen die Samenstände schattig und luftig nach.
Ich schneide die ganzen Samenstände ab und hänge sie an einem schattigen, luftigen Platz auf. Darunter lege ich Papier, das ausfallende Samen auffängt. Die Samenstände der Roten Bete trockne ich genauso nach. Sind sie durchgetrocknet, reibe ich sie über einer Schüssel zwischen den Händen aus und siebe grobe Pflanzenteile ab.
Schreib schon beim Aufhängen Sorte und Erntejahr an jeden Samenstand. Dann bleibt die Zuordnung auch beim Ausreiben klar.
Schritt 7: Saatgut aufbewahren und mit der Keimprobe prüfen
Gemüsesaatgut bewahrst du kühl und trocken auf, damit es keimfähig bleibt. Ich fülle die gereinigten Rübensamen in Papiertüten und beschrifte sie mit Sorte und Erntejahr.
Vor der Aussaat von älterem Saatgut lohnt sich eine Keimprobe. Dafür säst du eine genau abgezählte Zahl Körner probeweise aus. Die Probe beobachtest du zwei bis drei Wochen lang. Keimen nur wenige Körner, kommen dichtere Aussaat oder frisches Saatgut infrage.
Bei Roter Bete zählst du anders. Die meisten Sorten tragen mehrsamige Knäuel, aus einem Saatkorn können also mehrere Pflanzen wachsen. Zähl deshalb, wie viele der ausgesäten Knäuel keimen, und nicht, wie viele Keimlinge erscheinen.





