Netz für Obstbäume: Vogelschutznetze sicher spannen, schließen und kontrollieren
- Ein Vogelschutznetz wird straff gespannt und am Boden oder unter der Krone vollständig geschlossen.
- Lose Netzteile dürfen nicht auf dem Boden liegen bleiben, weil sie zur Falle für Vögel und Igel werden können.
- Vogelabwehr beginnt bei einsetzender Fruchtreife, unmittelbar nach der Ernte kommt das Netz wieder herunter.
- Leuchtend blaue Netze sind gut erkennbar, engere Maschen verringern grundsätzlich die Gefahr des Verfangens.
- Kontrolliere das Netz regelmäßig und gewissenhaft auf Schäden und gefangene Tiere, die du unverzüglich befreist.
- Gegen Kirschessigfliegen brauchst du ein eigenes Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite, vollständig geschlossen.
Die Kirschen färben sich, und schon sitzen die Stare im Baum. Ein Netz kann sie von den Früchten fernhalten, aber ein nachlässig gehängtes Netz kann für Vögel und Igel zur Falle werden. Ich hänge deshalb nur dort ein Netz auf, wo ich es straff spannen, unten schließen und regelmäßig kontrollieren kann. An diesen Handgriffen hängt, ob ein Netz für Obstbäume die Ernte schützt oder Tiere gefährdet.
Welches Netz für Obstbäume brauchst du?
Wer ein Netz für Obstbäume sucht, meint meist entweder ein Vogelschutznetz oder ein KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. gegen Kirschessigfliegen. Das Vogelschutznetz hält Vögel von den reifenden Früchten ab. Das Kulturschutznetz ist ein eigenes Netz mit eigener Maschenweite und eigenem Termin.
| Vogelschutznetz | Kulturschutznetz gegen Kirschessigfliegen | |
|---|---|---|
| Wogegen | Vögel an reifenden Früchten | Kirschessigfliegen |
| Maschen | eng wählen: engere Maschen verringern grundsätzlich die Gefahr des Verfangens | 0,8 mm Maschenweite |
| Anbringen | bei einsetzender Fruchtreife | drei bis vier Wochen vor der Fruchtreife |
| Verschluss | straff gespannt, am Boden oder unter der Krone vollständig geschlossen | vollständig geschlossen |
Das Vogelschutznetz kommt bei einsetzender Fruchtreife an den Baum, das Netz gegen Kirschessigfliegen schon drei bis vier Wochen vor der Fruchtreife. Wer erst zum Netz greift, wenn die Vögel da sind, hat den Termin für das Fliegennetz also schon hinter sich.
Beide Netze sind mechanische Maßnahmen und kommen ohne Mittel aus. Wie du bei Krankheiten und Schädlingen am Obstbaum erst vorbeugst und dann eingreifst, steht im Ratgeber zu Obst und Obstgehölzen. Ab hier geht es um das Vogelschutznetz.
Woran erkennst du ein geeignetes Vogelschutznetz?
Beim Kauf sehe ich mir Farbe, Maschen und Größe an.
Farbe: gut erkennbar statt unauffällig
Leuchtend blaue Vogelschutznetze sind gut erkennbar. Ich greife deshalb zu Blau, auch wenn es im Garten auffällt. Für die Tiere zählt, dass sie das Netz sehen, und dahinter tritt die Optik zurück.
Maschen: im Zweifel die engeren
Engere Maschen verringern grundsätzlich die Gefahr, dass sich ein Tier im Netz verfängt. Liegen im Laden mehrere Netze nebeneinander, nimm das mit den engeren Maschen. Zieh das Netz vor dem Kauf zwischen den Händen auseinander, dann siehst du, wie weit sich eine Masche öffnet.
Größe: Das Netz muss bis zum Verschluss reichen
Ein Netz, das nur über der Krone liegt und unten offen bleibt, ist kein fertiger Schutz. Es muss so groß sein, dass du es am Boden oder unter der Krone vollständig schließen kannst. Ich messe das vorher mit einer Schnur aus: von der Stelle, an der ich schließen will, über die Krone bis zur selben Stelle auf der anderen Seite. Diese Länge brauche ich längs und quer über den Baum.
Kaufe das Netz lieber etwas größer als gemessen. Den Überschuss rollst du am Verschluss ein und bindest ihn fest, damit kein loses Netz auf dem Boden liegt.
An welchen Bäumen lässt sich ein Netz sicher anbringen?
Ob ein Netz passt, entscheidet die Baumgröße. Bei veredelten Obstbäumen bestimmt die Unterlage wesentlich, wie groß der Baum später wird. Buschbäume, Spindelbüsche und kleine Spaliere auf schwachen Apfelunterlagen erreichst du vom Boden aus, bei großen Kronen ist das anders.
Ein Hochstamm hat nach den Qualitätsanforderungen der Baumschulen einen Kronenansatz ab 180 cm Stammhöhe. Für ausgewachsene Halb- und Hochstämme auf starkwüchsigen Unterlagen gilt eine Kronenbreite von etwa 8–10 m als Planungsrichtwert.
Ein Vogelschutznetz muss straff sitzen und am Boden oder unter der Krone vollständig geschlossen sein, und eine ausgewachsene Hochstammkrone sitzt hoch am Stamm und wird sehr breit. Beides zusammen heißt: An einem solchen Baum bekommst du ein Netz vom Boden aus kaum straff gespannt und geschlossen. Ein Netz, das nur locker über einem Teil der Krone hängt, kann zur Falle werden. An meinen großen Bäumen verzichte ich deshalb auf das Netz und überlasse den Vögeln ihren Teil.
Sieh außerdem in die Krone und an den Stamm, bevor du ein Netz planst. Regelmäßig wiederbenutzte Fortpflanzungs- und Ruhestätten besonders geschützter Tiere sind ganzjährig geschützt, auch außerhalb der Fortpflanzungszeit. Einen Baum mit besetztem Nest oder bewohnter Höhle netze ich nicht ein.
Wann kommt das Netz an den Baum und wann wieder herunter?
Vogelabwehr beginnt bei einsetzender Fruchtreife. Ich richte mich dabei nach den Früchten und nicht nach dem Kalender: Sobald die ersten Farbe bekommen, hole ich das Netz aus dem Schuppen. Stehen bei dir mehrere Bäume mit unterschiedlicher Reife, bekommt jeder sein Netz erst zu seiner eigenen Reife.
Herunter kommt das Netz unmittelbar nach der Ernte. Ohne Früchte darunter schützt es nichts mehr, bleibt aber ein Hindernis für Tiere.
„Ein Netz sperrt die Bienen aus, und dann fehlen die Früchte.“ Das Vogelschutznetz kommt erst bei einsetzender Fruchtreife an den Baum und wird unmittelbar nach der Ernte entfernt. Zur Blüte hängt also kein Netz in der Krone.
Wie montierst du ein Vogelschutznetz Schritt für Schritt?
Ich arbeite beim Netz immer vom Boden aus und nie allein. Haushaltsstehleitern eignen sich wegen ihrer Kippgefahr nicht für die Obsternte auf gewachsenem Boden, und beim Netzspannen stehst du auf demselben Untergrund. Lange Stangen ersetzen mir deshalb die Leiter.
- Netz prüfen. Breite das Netz neben dem Baum aus und sieh es auf Risse und offene Knoten durch.
- Gestell stellen. Stecke Stangen rund um den Baum in den Boden, die über die Krone hinausragen. Darüber lässt sich das Netz straff spannen, ohne an jedem Zweig zu hängen.
- Netz überziehen. Hebe das Netz mit einer helfenden Person an Stangen über die Krone und zieh es nach allen Seiten gleichmäßig herunter.
- Straff spannen. Zieh das Netz so weit an, dass keine Beutel und keine durchhängenden Bahnen bleiben.
- Vollständig schließen. Reicht das Netz bis zum Boden, steckst du den gespannten Saum dort lückenlos fest. Reicht es nicht, bindest du es unter der Krone um den Stamm zusammen.
- Reste aufnehmen. Rolle überschüssiges Netz ein und binde es fest. Lose Netzteile dürfen nicht auf dem Boden liegen bleiben, weil sie zur Falle für Vögel und Igel werden können.
- Rundgang machen. Geh einmal um den Baum und suche den Verschluss nach Lücken ab.
Zum Schließen nehme ich Schnur, die ich nach der Ernte wieder aufknoten kann. Binde nichts so eng um Stamm oder Äste, dass es einschneidet.
Das Netz wird locker über die Krone geworfen, und der Rand liegt im Gras. So ist es weder straff noch geschlossen, und loses Netz auf dem Boden kann zur Falle für Vögel und Igel werden. Spanne nach und nimm jeden Rest vom Boden auf.
Wie kontrollierst du das Netz, solange es hängt?
Ein Schutznetz wird regelmäßig und gewissenhaft kontrolliert, auf Schäden und auf gefangene Tiere. Ein gefangenes Tier muss unverzüglich befreit werden. Unverzüglich befreien kannst du aber nur ein Tier, das du rechtzeitig findest. Deshalb passt ein Netz nur an einen Baum, an dem du in der Reifezeit verlässlich vorbeikommst. Bist du in dieser Zeit verreist, nimm das Netz vorher ab.
Sitzt das Netz noch straff? Ist es am Boden oder unter der Krone vollständig geschlossen? Liegt irgendwo loses Netz auf dem Boden? Gibt es Risse oder aufgegangene Knoten? Hängt ein Tier im Netz?
Nach starkem Wind sehe ich zusätzlich nach, ob das Netz noch straff sitzt. Einen Riss flicke ich sofort mit Schnur, weil jede offene Stelle den Verschluss aufhebt. Lässt sich ein Netz nicht mehr dicht bekommen, nehme ich es ab.
Was tust du, wenn sich ein Tier verfangen hat?
Geh ruhig an das Tier heran und befreie es sofort. Schneide die Maschen um das Tier auf, statt am Netz zu ziehen. Wirkt es verletzt, rufe eine Wildtierstation an. Das Loch flickst du, bevor das Netz wieder geschlossen wird.
Ich stecke mir eine kleine Schere in die Jackentasche, bevor ich zum Netz gehe. Liegt sie im Schuppen, verliere ich im Ernstfall Zeit mit dem Holen.
Was passiert nach der Ernte mit dem Netz?
Ist der Baum abgeerntet, kommt das Netz unmittelbar herunter. Ich löse den Verschluss, ziehe das Netz von der Krone und schüttle Blätter und Zweigstücke heraus. Danach breite ich es aus und sehe es Masche für Masche auf Schäden durch. Trocken und locker zusammengelegt kommt es in eine geschlossene Kiste im Schuppen.
Wenn die Krone wieder frei ist, sehe ich sie mir gleich an. Von Monilia befallene Fruchtmumien werden aus Kern- und Steinobstbäumen entfernt, weil die Erreger daran überdauern. Wie du solchen Krankheiten vorbeugst, gehört zu den Grundlagen über Krankheiten und Schädlinge an Obstgehölzen.
Was ist mit Scheuchen, Flatterbändern und Leim?
Scheuchen, Flatterbänder und Geräusche setzen auf Abschreckung, nicht auf eine Barriere. Dafür brauchen sie weder einen Verschluss noch die Kontrolle auf gefangene Tiere. Ob das an deinem Baum reicht, zeigt dir nur der Blick auf die Früchte.
Leim ist dagegen kein Vogelschutz. An Leimringen und Klebetafeln bleiben nicht nur die Zielschädlinge hängen, auch Vögel und Fledermäuse können daran haften bleiben und sterben. Wann Leimringe angelegt und wieder entfernt werden, steht ebenfalls bei den Grundlagen zu Krankheiten und Schädlingen.
Wer Vögeln im Garten eine Tränke anbietet, wechselt das Wasser täglich, um Krankheitsübertragungen vorzubeugen. Die Tränke ist ein Angebot an die Vögel und kein Ersatz für das Netz.

