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Saatgut-Etiketten lesen: Was Kennfarben, Kürzel und Jahreszahl bedeuten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bei Gemüse-Kleinpackungen bezeichnet St an der Partienummer Standardsaatgut und Z zertifiziertes Saatgut.
  • Die Jahresangabe nennt das Wirtschaftsjahr der Verschließung oder der letzten Keimfähigkeitsprüfung, ein gesetzliches Mindesthaltbarkeitsdatum gibt es für Saatgut nicht.
  • Kennfarben nach der Saatgutverordnung: Weiß für Basissaatgut, Dunkelgelb für Standardsaatgut, Grün für Saatgutmischungen, Orange für Saatgut nicht zugelassener Sorten nach § 3 Absatz 2 des Saatgutverkehrsgesetzes.
  • Chemische, besondere physikalische und vergleichbar wirkende Behandlungen müssen bei Saatgut im Geltungsbereich der Saatgutverordnung gekennzeichnet sein.
  • F1 kennzeichnet Hybridsaatgut, das EU-Bio-Logo und die Zeichen ökologischer Anbauverbände zeigen Bio-Saatgut an.

Du drehst eine Saattüte um und findest „St“ an einer Nummer, eine Jahreszahl und am Sortennamen „F1“. Wer diese Zeichen nicht lesen kann, kauft nach dem Foto auf der Vorderseite. Ich lese im Laden zuerst die Rückseite und suche dort Partienummer, Jahresangabe und Behandlungshinweis. Daran erkennst du die Kategorie des Saatguts, das Jahr der Verschließung oder der letzten Keimfähigkeitsprüfung und eine mögliche Behandlung der Körner.

Was steht auf einem Saatgut-Etikett?

Ein Saatgut-Etikett ordnet die Packung ein. Neben Art und Sorte trägt es Kürzel und Zeichen, die für Kategorie, Jahr, Behandlung und Züchtungsform stehen. Nicht jede Angabe steht auf jeder Tüte, denn einige sind vorgeschrieben und andere freiwillig. Die Tabelle übersetzt die Zeichen, die du kennen solltest.

Angabe auf der Tüte Bedeutung
St an der Partienummer Standardsaatgut, bei Gemüse-Kleinpackungen
Z an der Partienummer zertifiziertes Saatgut, bei Gemüse-Kleinpackungen
Jahresangabe Wirtschaftsjahr der Verschließung oder der letzten Keimfähigkeitsprüfung, bei Gemüse-Kleinpackungen vorgeschrieben
KF Keimfähigkeit in Prozent, freiwillige Angabe auf dem amtlichen Etikett für zertifiziertes Saatgut
F1 Hybridsaatgut, erste Generation aus der gezielten Kreuzung geeigneter Elternlinien
HR hohe Resistenz gegen bestimmte Schaderreger
IR intermediäre Resistenz gegen bestimmte Schaderreger
DE-ÖKO mit Ziffern Code einer deutschen Bio-Kontrollstelle

Was bedeuten Partienummer, St und Z?

Die Partienummer ordnet deine Tüte einer bestimmten Saatgutpartie zu, viele sagen dazu Chargennummer. Bei Gemüse-Kleinpackungen steht an dieser Nummer ein Kürzel: St bezeichnet Standardsaatgut, Z zertifiziertes Saatgut. Du liest die Kategorie also direkt an der Nummer ab.

Du brauchst die Nummer, wenn es nach der Aussaat Qualitätsprobleme gibt. Hebst du die Tüte mit ihrer Partienummer auf, lässt sich das Saatgut leichter der gekauften Partie zuordnen.

Marias Erfahrung

Ich klebe die leere Tüte in mein Gartentagebuch und notiere daneben Aussaattag und Beet. Dort bleibt sie, bis die Kultur abgeerntet ist.

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Was sagt die Jahreszahl auf der Tüte?

Bei Gemüse-Kleinpackungen ist eine Jahresangabe vorgeschrieben. Sie bezeichnet das Wirtschaftsjahr der Verschließung oder der letzten Keimfähigkeitsprüfung. Ein gesetzliches Mindesthaltbarkeitsdatum ist für Saatgut dagegen nicht vorgeschrieben. Die Zahl nennt also das Wirtschaftsjahr von Verschließung oder Prüfung und kein Datum, an dem das Saatgut abläuft.

Mythos-Check

„Nach dem Datum auf der Tüte ist Saatgut unbrauchbar.“ Ob Saatgut verkauft werden darf, hängt an der Erfüllung der gesetzlichen Qualitätsanforderungen und nicht an einem Stichtag. Wie lange Gemüsesaatgut lagerfähig bleibt, unterscheidet sich nach Pflanzenart und verkürzt sich bei ungünstigen Lagerbedingungen.

Welche Kennfarbe steht für welche Kategorie?

Die Saatgutverordnung ordnet den Kategorien Kennfarben zu. An der Farbe des Etiketts erkennst du, welche Kategorie Saatgut in der Packung steckt.

Kennfarbe Kategorie
Weiß Basissaatgut
Dunkelgelb Standardsaatgut
Grün Saatgutmischungen
Orange Saatgut nicht zugelassener Sorten nach § 3 Absatz 2 des Saatgutverkehrsgesetzes

Achte bei Weiß genau hin: Die Farbe kennzeichnet Basissaatgut, Standardsaatgut trägt Dunkelgelb. Standardsaatgut erkennst du damit an zwei Stellen, an der Kennfarbe Dunkelgelb und bei Gemüse-Kleinpackungen am St an der Partienummer.

Wie lese ich Keimfähigkeit und Reinheit?

Das Kürzel KF steht für die Keimfähigkeit in Prozent und ist auf dem amtlichen Etikett für zertifiziertes Saatgut eine freiwillige Angabe. Geprüft wird unter kontrollierten, artspezifisch günstigen Laborbedingungen, deshalb beschreibt der Wert nicht unmittelbar den Aufgang in deinem Beet. Wie du ältere Tüten mit einer Probeaussaat prüfst, zeigt unser Überblick zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt über Saatgut, seine Vorbehandlung, Keimprobe und Lagerung.

Bei der Reinheit hältst du zwei Begriffe auseinander. Die technische Reinheit unterscheidet reine Samen, Bruchkörner und unschädliche Verunreinigungen. Sortenreinheit bezeichnet dagegen den Prozentsatz der Pflanzen einer Saatgutpartie, die der Sortenbeschreibung entsprechen. Auf die reinen Körner bezieht sich auch die Mindestkeimfähigkeit der Saatgutverordnung, bei Tomate sind das regulär 75 %. Bruchkörner und Verunreinigungen zählen in dieser Quote also nicht mit.

Saatgutgesundheit ist noch etwas Drittes: Sie wird mit eigenen Untersuchungen geprüft und ist nicht mit Keimfähigkeit oder Sortenechtheit gleichzusetzen. Wie du diese Werte beim Einkauf gewichtest, zeigt der Ratgeber, woran du beim Kauf gutes Saatgut erkennst.

Welche Behandlungen stehen auf der Tüte?

Bei Saatgut im Geltungsbereich der Saatgutverordnung müssen chemische, besondere physikalische und vergleichbar wirkende Behandlungen gekennzeichnet werden. Auf der Tüte liest du dann Begriffe, die sehr Unterschiedliches meinen.

Begriff Was mit dem Saatgut gemacht wurde
kalibriert nach dem Korndurchmesser sortiert, damit es gleichmäßiger abgelegt werden kann; bei Gemüsesaatgut für die Einzelkornablage meist in Abstufungen von 0,20 oder 0,25 mm
inkrustiert mit einer feinen Hülle versehen, die ursprüngliche Samenform bleibt erhalten
pilliert kleine oder unregelmäßige Samen durch eine Hülle rund und gleichmäßig geformt, um die Aussaat zu erleichtern
geprimt Keimprozess vor der Aussaat aktiviert, für rascheren oder gleichmäßigeren Aufgang, mit begrenzter Haltbarkeit
gebeizt kann Samen und Keimlinge vor bestimmten Schadorganismen schützen, die Wirkung hängt vom verwendeten Beizmittel ab
Filmcoating Beschichtung, die ohne Pflanzenschutzmittel auskommen kann

Eine sichtbare Hülle heißt nicht automatisch Pflanzenschutzmittel: Ein Filmcoating kann ohne auskommen, und auch Bio-Saatgut kann beschichtet sein. Lies deshalb den Behandlungshinweis, statt aus dem Aussehen der Körner zu schließen.

Achtung

Mit Beizmitteln behandeltes Saatgut darfst du weder essen noch verfüttern, und es gehört außer Reichweite von Kindern. Reste und leere Verpackungen entsorgst du nach den örtlichen Entsorgungsvorgaben.

F1 und samenfest

F1 am Sortennamen kennzeichnet Hybridsaatgut, also die erste Generation aus der gezielten Kreuzung geeigneter Elternlinien. Hybridzüchtung ist eine Form der Kreuzungszüchtung und bedeutet für sich genommen keine gentechnische Veränderung. Steht samenfest auf der Tüte, gibt die Sorte ihre typischen Merkmale bei sortenerhaltender Vermehrung über Samen an folgende Generationen weiter. F1 und Bio-Logo können auf derselben Tüte stehen, denn Bio-Saatgut kann zugleich F1-Hybridsaatgut sein.

HR und IR

Auf manchen Tüten stehen die Kürzel HR und IR. HR bezeichnet hohe, IR intermediäre Resistenz gegen bestimmte Schaderreger. Eine Garantie ist das nicht, denn auch resistente Sorten können unter hohem Befallsdruck Symptome entwickeln.

Das Etikett nennt nur das Kürzel. Was samenfest, Hybrid, Resistenz und Toleranz für deinen Anbau bedeuten, erklärt ein eigener Ratgeber. Welche Eigenschaften die Saatgutarten mitbringen, ordnet der Ratgeber zur Saatgutqualität für den Kauf ein.

Bio-Logo und Kontrollstellencode

Bio-Saatgut erkennst du am EU-Bio-Logo und an den Zeichen ökologischer Anbauverbände. Steht daneben ein deutscher Kontrollstellencode, liest du ihn so: DE für das Kontrollland Deutschland, ÖKO für den Bezug zur ökologischen Produktion, die Ziffern für die zuständige Kontrollstelle. Was Bio-Saatgut in der Erzeugung ausmacht, steht im Saatgut-Abschnitt unseres Überblicks zu Aussaat und Anzucht.

Was schreibe ich auf Etiketten für eigenes Saatgut?

Bei selbst gewonnenem Saatgut und bei Tauschsaatgut schreibst du das Etikett selbst. Tauschsaatgut wird mit Erntejahr, Pflanzenart und Sorte beschriftet. Ich schreibe diese drei Angaben auf das Tütchen, bevor ich die Körner einfülle. Vor der Aufbewahrung in luftdichten Gefäßen muss selbst gewonnenes Saatgut gründlich trocknen.

Achtung

Von Zucchini und anderen Cucurbita-pepo-Kürbissen nimmst du kein eigenes Saatgut, wenn Zierkürbisse in der Nähe wachsen. Schmeckt ein Kürbisgewächs bitter, spuckst du es sofort aus und entsorgst es. Auch Erhitzen beseitigt die giftigen Bitterstoffe nicht zuverlässig.

Wie ordne und lagere ich die Tüten nach dem Kauf?

Saatgut lässt sich nach Kulturgruppen und Aussaatmonaten ordnen, damit Einkauf und Aussaattermine im Blick bleiben. Ich stelle meine Tüten dafür in eine Kiste mit einem Fach je Monat und nehme zur Aussaat nur das Fach des laufenden Monats heraus. Auf welchem Beet die Sorten landen, legst du fest, wenn du deine Beete für die Saison im Plan belegst.

Geöffnete Päckchen lagerst du kühl und trocken, um die Keimfähigkeit zu erhalten. Für Gemüsesaatgut gelten Temperaturen von 0 bis 10 °C allgemein als günstig. Verpackung und Lagerort behandelt der Ratgeber, wie du Saatgut lagerst, damit es lange keimfähig bleibt.

Häufige Fragen

Was sind Saatgut-Etiketten und welche Informationen enthalten sie?
Ein Saatgut-Etikett ordnet die Packung ein. Neben Art und Sorte trägt es die Partienummer und bei Gemüse-Kleinpackungen eine vorgeschriebene Jahresangabe. Dazu kommen je nach Saatgut Hinweise auf Behandlungen wie Beizung oder Pillierung sowie Zeichen wie F1 oder das EU-Bio-Logo. Die Keimfähigkeit in Prozent ist auf dem amtlichen Etikett für zertifiziertes Saatgut eine freiwillige Angabe.
Was bedeuten die verschiedenen Farbcodes bei Saatgutetiketten?
Die Saatgutverordnung ordnet den Kategorien Kennfarben zu. Weiß kennzeichnet Basissaatgut, Dunkelgelb Standardsaatgut und Grün Saatgutmischungen. Orange steht für Saatgut nicht zugelassener Sorten nach § 3 Absatz 2 des Saatgutverkehrsgesetzes.
Was ist der Unterschied zwischen zertifiziertem und Standardsaatgut bei der Etikettierung?
Bei Gemüse-Kleinpackungen zeigt ein Kürzel an der Partienummer die Kategorie: St bezeichnet Standardsaatgut, Z zertifiziertes Saatgut. Als Kennfarbe ist Standardsaatgut nach der Saatgutverordnung Dunkelgelb zugeordnet. Auf dem amtlichen Etikett für zertifiziertes Saatgut kann außerdem KF stehen, eine freiwillige Angabe der Keimfähigkeit in Prozent.
Welche Rolle spielt die Keimfähigkeit auf Saatgutetiketten?
Das Kürzel KF nennt die Keimfähigkeit in Prozent, auf dem amtlichen Etikett für zertifiziertes Saatgut ist es eine freiwillige Angabe. Geprüft wird unter kontrollierten, artspezifisch günstigen Laborbedingungen, der Wert beschreibt deshalb nicht unmittelbar den Aufgang im Garten. Als reguläre Mindestkeimfähigkeit nennt die Saatgutverordnung bei Tomate 75 % der reinen Körner. Bei Petersilie sind es 65 %.
Welche Bedeutung hat die Chargennummer für die Rückverfolgbarkeit von Saatgut?
Auf Saatguttüten übernimmt die Partienummer diese Aufgabe: Sie ordnet die Packung einer bestimmten Saatgutpartie zu. Hebst du die Tüte mit der Nummer auf, erleichtert das bei Qualitätsproblemen die Zuordnung zur gekauften Partie. Bei Gemüse-Kleinpackungen zeigt ein Kürzel an der Nummer zusätzlich die Kategorie, St für Standardsaatgut und Z für zertifiziertes Saatgut.
Worin unterscheiden sich Hybridsaatgut und samenfeste Sorten bei der Kennzeichnung?
Hybridsaatgut trägt das Kürzel F1 am Sortennamen, es bezeichnet die erste Generation aus der gezielten Kreuzung geeigneter Elternlinien. Samenfeste Sorten geben ihre typischen Merkmale bei sortenerhaltender Vermehrung über Samen an folgende Generationen weiter. Nachkommen von F1-Hybriden können dagegen unterschiedliche Eigenschaften zeigen und erhalten die ursprüngliche Merkmalskombination nicht zuverlässig.
Was ist der Unterschied zwischen Bio-Saatgut und konventionellem Saatgut bei der Kennzeichnung?
Bio-Saatgut erkennst du am EU-Bio-Logo und an den Zeichen ökologischer Anbauverbände. Bei deutschen Kontrollstellencodes steht DE für das Kontrollland Deutschland und ÖKO für den Bezug zur ökologischen Produktion, die Ziffern nennen die zuständige Kontrollstelle. Die Kennzeichnung beschreibt die Vermehrung: Bio-Saatgut stammt aus ökologischer Vermehrung und kann auch von Hybridsorten stammen.
Stimmt es, dass Saatgut nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum unbrauchbar wird?
Für Saatgut ist kein gesetzliches Mindesthaltbarkeitsdatum vorgeschrieben. Die Jahresangabe auf Gemüse-Kleinpackungen bezeichnet das Wirtschaftsjahr der Verschließung oder der letzten Keimfähigkeitsprüfung. Wie lange Gemüsesaatgut lagerfähig bleibt, unterscheidet sich nach Pflanzenart und verkürzt sich bei ungünstigen Lagerbedingungen. Ob eine ältere Tüte noch ausreichend keimt, zeigt eine Probeaussaat mit genau abgezählten Samen.
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