Rindenhumus: Was er im Boden bewirkt und warum
- Rindenhumus ist kompostierte, zerkleinerte und nach Korngrößen sortierte Rinde und kein Rindenmulch.
- Eingearbeitet lockert er besonders schwere Böden.
- Als Wasserspeicher liegt er mit 40 bis 55 % Wasserkapazität unter Torf.
- Er puffert Nährstoffe und pH-Wert gut, kann selbst aber einen pH-Wert von 4,0 bis 7,0 haben.
- Als Mulchauflage kann er Samenunkräuter unterdrücken, Wurzelunkräuter stichst du vorher aus.
- Für wiederholte Bodenverbesserung gelten höchstens 2 bis 3 l je m² und Jahr im mehrjährigen Durchschnitt.

Ein schwerer, tonreicher Boden lässt Wasser langsamer durch und neigt eher zu Staunässe. Genau dort kann eingearbeiteter RindenhumusRindenhumus ist feine, kompostierte Rinde. Du arbeitest ihn leicht in die Beeterde ein, um dem Boden organische Substanz und Nährstoffe zuzuführen – anders als Rindenmulch, der als Abdeckung obenauf liegt. helfen, denn er lockert besonders schwere Böden. Außerdem puffert er Nährstoffe und pH-Wert, und als Mulchauflage kann er Samenunkräuter unterdrücken. Einen Wasserspeicher wie Torf oder ein Keimgift gegen Unkraut bekommst du mit ihm aber nicht. Bevor ich einen Sack aufschneide, kläre ich deshalb, was meinem Beet fehlt: Lockerheit, Luft an den Wurzeln, ein stabiler pH-Wert oder eine Decke gegen Unkraut.
Was ist Rindenhumus?
Rindenhumus entsteht aus kompostierter, zerkleinerter und nach Korngrößen sortierter Rinde. Er dient als Bodenhilfsstoff im Beet und als Bestandteil von Pflanzerden, und von bloßem Rindenmulch ist er zu unterscheiden. Welche Rolle er neben Holzfasern, Kokos und Kompost in torffreien Erden spielt, erklärt der Grundlagenabschnitt über Erden und Substrate mit Erdwahl, Torfersatz und Bestandteilen.
Wie verändert Rindenhumus die Bodenstruktur?
Eingearbeitet in Gemüse- und Blumenbeete lockert Rindenhumus vor allem schwere Böden. Organische Substanz verbessert die BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten. und unterstützt dadurch die Aufnahme und Speicherung von Regen- und Gießwasser. Ein stabiles Gefüge entsteht trotzdem nicht aus einem Material allein: Ton, Humus, biologische Aktivität und Durchwurzelung wirken dabei zusammen. Welche Gemüsearten vom Einarbeiten profitieren, beschreibt der Ratgeber zum Gemüsegarten.
Vor dem Einarbeiten drücke ich eine feuchte Bodenprobe zwischen den Fingern. Klebt sie und lässt sich gut formen, ist der Boden tonreich. Zerfällt sie körnig, steckt viel Sand darin, und dann stellt sich die Frage nach dem Wasser.
Oft liest man, Rindenhumus speichere ein Vielfaches seines Gewichts an Wasser. Für Rindenhumus als Substratbestandteil wird eine Wasserkapazität von 40 bis 55 % des Materialvolumens angegeben, und das liegt unter der von Torf. In Erden mit viel Rindenhumus kann deshalb häufigeres Gießen nötig sein.
Kompost verbessert die Wasser- und Nährstoffspeicherung sandiger Böden, während Rindenhumus ein vergleichsweise geringes Wasserspeichervermögen hat. Für einen trockenen Sandboden ist das Wasserhalten also kein Argument für Rindenhumus, seine Stärke liegt im Lockern schwerer Böden. Wie Rindenhumus neben Kompost, Torf und Hornspänen abschneidet, vergleicht ein eigener Ratgeber.
Bringt Rindenhumus mehr Luft an die Wurzeln?
Die Bodenporen transportieren Wasser und Luft und bestimmen damit, wie gut die Wurzeln versorgt sind. Verdichtung verkleinert diesen Porenraum und beeinträchtigt Luftversorgung, Wasserbewegung und Wurzelwachstum. Staut sich Wasser über verdichteten Schichten, kann Sauerstoffmangel entstehen, der Wurzelfäulnis auslöst und die Nährstoffaufnahme stoppt.
Tonreiche Böden neigen eher zu Staunässe, und gerade schwere Böden lockert Rindenhumus besonders. Seine Wirkung auf die Luftversorgung setzt deshalb dort an, wo der Porenraum knapp ist. Um wie viel der Sauerstoffgehalt dadurch steigt, lässt sich nicht pauschal beziffern.
Verdichtungen im Untergrund musst du vor einer Gehölzneupflanzung durch Bodenlockerung beseitigen, das Einharken von Rindenhumus an der Oberfläche ersetzt diesen Schritt nicht. Ob eine solche Schicht da ist, prüfe ich mit einer spitzen Metallstange im feuchten Boden. Beim Ausheben achte ich außerdem auf Wurzeln, die um etwa 90° seitlich abknicken, denn auch sie können eine undurchlässige Schicht anzeigen.
Rindenhumus in nassen Boden einarbeiten. Wer nassen Boden betritt und bearbeitet, riskiert Verdichtung und Gefügeschäden und damit das Gegenteil der Lockerung. Schwere Böden bearbeitest du erst, wenn sie abgetrocknet sind und nicht mehr an Schuhen oder Spaten haften.
Speichert Rindenhumus Nährstoffe?
Rindenhumus bietet eine gute Nährstoffpufferung. Organische Substanz kann ähnlich wie Tonminerale positiv geladene Nährstoffionen austauschbar binden und später an die Bodenlösung abgeben. Aus dieser Lösung nehmen die Wurzeln ihre Nährstoffe auf.
Kationenaustausch bedeutet, dass negativ geladene Huminstoffe und Tonminerale positiv geladene Nährstoffionen festhalten. Durch Ionenaustausch gelangen diese Ionen wieder in die Bodenlösung. Nitrat ist negativ geladen, wird kaum festgehalten und kann mit dem Sickerwasser ausgewaschen werden.
Für Stickstoff trägt dieser Speicher deshalb wenig: Nitrat hält er kaum fest, und Rindenhumus kann Stickstoff zudem leichter festlegen als Grüngutkompost. Wie stark das geschieht, hängt vom Produkt ab. Ausreichende Fermentation vermindert die Stickstofffestlegung, und ausgereifter, substratfähiger Rindenhumus bindet bei weiterer Umsetzung nur noch wenig Stickstoff. Eine angepasste Stickstoffversorgung der Kultur kann trotzdem nötig sein.
Seine eigenen Nährstoffgehalte liegen meist unter denen von Grüngutkompost. Er kann aber erhöhte Kalium-, Phosphor- und Mangangehalte aufweisen, was bei salzempfindlichen Kulturen besondere Beachtung verlangt. Auch organische Bodenverbesserungsmittel können bei übermäßiger Zufuhr zur Überdüngung führen. Bevor ich zusätzlich dünge, lasse ich meine Beete deshalb auf Phosphor, Kalium, Magnesium und pH-Wert untersuchen.
Vom organischen Material lebt auch das BodenlebenBodenleben ist die Gesamtheit der Lebewesen im Boden, von Bakterien, Pilzen und Algen bis zu Tieren wie Regenwürmern. Sie zersetzen Pflanzenreste zu Nährstoffen, legen Humus an und bauen die Bodenstruktur auf.. Bodenmikroorganismen setzen bei der MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. organischer Stoffe mineralische Nährstoffe frei. In zugleich warmem und feuchtem Boden nimmt diese Freisetzung zu, weil die Mikroorganismen dann aktiver sind.
Wie puffert Rindenhumus den pH-Wert?
Puffern heißt, Veränderungen des pH-Werts abzufangen. Rindenhumus bietet eine gute pH-Pufferung, und Rindenkultursubstrate können eine pH-Absenkung stärker abpuffern als Weißtorf. Das ist wichtig, weil der pH-Wert die Verfügbarkeit der Nährstoffe und die Aktivität des Bodenlebens beeinflusst. Ein ungeeigneter pH-Wert kann Nährstoffe in schwer löslichen Verbindungen festlegen.
Sein eigener pH-Wert ist dabei keine feste Größe. Rindenhumus kann einen pH-Wert von 4,0 bis 7,0 aufweisen und ist damit nicht durchgehend sauer. Wo ein Produkt liegt, hängt unter anderem von der verwendeten Baumart ab.
Rindenhumus mache den Boden sauer und passe deshalb automatisch zu Rhododendren. Tatsächlich können Rindenhumus und Kompost hohe pH-, Phosphor-, Kalium- und Salzwerte einbringen. Eine Garantie für eine saure Rhododendronmischung ist Rindenhumus deshalb nicht.
Rindenhumus kann Bestandteil einer Rhododendron-Pflanzmischung sein, deren Boden-pHDer Boden-pH-Wert beschreibt, ob ein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Er beeinflusst die Tätigkeit der Bodenorganismen und zeigt, ob ein Gartenboden eine Kalkgabe braucht. 5,5 nicht überschreiten sollte. Bei hohen Rindenhumusanteilen sollten dagegen pH-Werte unter 6 vermieden werden, weil erhöhte Manganaufnahme einen Eisenmangel auslösen kann. Beides zusammen heißt: Im Moorbeet ist Rindenhumus ein Bestandteil neben verrottetem Laub und Nadelerde, und den pH-Wert misst du nach, statt ihn vorauszusetzen.
Gelbe junge Blätter mit grünen Adern können auf Eisenmangel hindeuten. Sie lassen sich aber nicht immer eindeutig von ManganmangelManganmangel ist eine Unterversorgung der Pflanze mit dem Spurenelement Mangan. Er zeigt sich zuerst an jüngeren Blättern, etwa als abgestorbene Punkte oder Streifen, und entsteht oft, weil Mangan bei hohem pH-Wert oder Trockenheit für die Wurzeln nicht verfügbar ist. unterscheiden. Den pH-Wert lasse ich im Labor bestimmen und verlasse mich nicht auf eine einfache Metallsonde, denn untersuchte Metallelektroden erreichten keine ausreichende Genauigkeit.
Hält Rindenhumus Unkraut fern?
Als Mulchauflage kann Rindenhumus Samenunkräuter unterdrücken. Bestehende Wurzelunkräuter beseitigt eine Mulchschicht dagegen nicht zuverlässig, sie müssen durch wiederholtes tiefes Entfernen oder Ausstechen geschwächt werden. Bevor ich eine Fläche abdecke, steche ich ausdauernde Wurzelunkräuter wie Quecke aus und lockere den Boden.
Nährstoffarmer Rindenhumus eignet sich zum Mulchen von Gehölzbereichen und frischen bis feuchten Staudenflächen. Für trockene Staudenpflanzungen eignen sich dagegen mineralische Mulchstoffe. Die passende Schichtdicke hängt von Fläche und Zweck ab, sie gehört zur Mengenfrage im Abschnitt zur Anwendung.
Auf eine chemische Keimhemmung setzt du dabei besser nicht. Rindenmulch gilt wegen wachstumshemmender GerbstoffeGerbstoffe sind natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen, die zum Beispiel reichlich in Baumrinde stecken. Im Garten begegnen sie dir vor allem im Rindenmulch, wo sie das Wachstum von Gemüse, aber auch von Unkraut hemmen. als ungeeignet für Gemüsebeete, doch genau diese Phenole und Gerbstoffe werden bei der Kompostierung zu Rindenhumus abgebaut. Gegen Unkraut wirkt Rindenhumus also als Decke, nicht als Keimgift.
Die Auflage verändert auch Wasser und Wärme im Boden. Sie vermindert Verdunstung und sommerliche Bodenerwärmung und schützt die Oberfläche vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. und Erosion. Früh im Jahr aufgebracht, verzögert sie allerdings die Erwärmung und Abtrocknung des Bodens. Eine feuchte Mulchdecke kann außerdem Nacktschnecken begünstigen.
Bevor du mit Rindenhumus mulchst:
- vorhandene Wildkräuter entfernen und Wurzelunkräuter ausstechen
- den Boden auflockern
- nicht zu früh im Frühjahr mulchen, weil die Auflage die Erwärmung verzögert
- die Bodenbedeckung kontrollieren und bei Bedarf ergänzen, weil organischer Mulch verrottet
Welchen Platz Rindenhumus im Waldgarten bei Gehölzen und Beeren hat, beschreibt der Ratgeber zur Permakultur.
Wie viel Rindenhumus und wann?
Für die wiederholte Bodenverbesserung gilt für Rindenhumus die Kompostempfehlung von höchstens 2 bis 3 l je m² und Jahr im mehrjährigen Durchschnitt. Welche Menge und Schichtdicke zu deinem Boden passen und was du bei zu viel tust, zeigt der Ratgeber, wie du die Menge auf Boden, Kultur und Zweck abstimmst. In welcher Jahreszeit du ihn wofür nutzt, steht im Beitrag darüber, wie du Rindenhumus übers Jahr einsetzt.
Woran erkennst du guten Rindenhumus?
Bei RAL-gütegesichertem Rindenhumus werden unter anderem Körnung, Fremdstoffe, Stickstoffstabilisierung, pH-Wert, Salzgehalt, Nährstoffe und Schwermetallgehalte kontrolliert. Worauf du beim Kauf und bei der Lagerung achtest, fasst der Ratgeber zusammen, woran du hochwertigen Rindenhumus erkennst.
