Gartenwerkzeuge sicher handhaben: führen, tragen, verwahren
- Vor jedem Einsatz prüfst du Handwerkzeug auf sichtbare Schäden und Funktion, beschädigte Geräte benutzt du nicht weiter.
- Beim Schneiden bleibt die zweite Hand außerhalb des Schnittbereichs, Scheren trägst du geschlossen im Köcher.
- Lasten nimmst du nah am Körper mit geradem Rücken auf, Knie und Hüfte gebeugt.
- Rechen und Harke trägst du senkrecht mit den Zinken nach unten und legst sie nie mit den Zinken nach oben ab.
- Werkzeug lagerst du gegen Herabfallen gesichert, Schneiden und Spitzen geschützt, Pflanzenschutzmittel im abschließbaren Schrank.
- Bei schweren Verletzungen durch Gartenwerkzeuge wählst du sofort den Notruf 112.
Eine Schere rutscht am Zweig ab, ein Rechen liegt mit den Zinken nach oben im Gras, ein voller Spaten wird mit krummem Rücken angehoben. Keine dieser Situationen braucht ein besonderes Gerät, sie entstehen bei ganz gewöhnlichen Handgriffen. Ich gehe deshalb vor jeder Arbeit dieselbe kurze Routine durch: passende Schuhe, ein prüfender Blick aufs Werkzeug, ein freier Arbeitsbereich und danach ein fester Platz für alles. Diese Routine findest du hier für Scheren, Spaten, Rechen und Motorgeräte, dazu die Schritte für den Fall einer Verletzung.
Welche Werkzeuge es gibt und wofür sie gedacht sind, zeigt der Überblick über die gängigen Gartenwerkzeuge. Ob sich Profi-Werkzeug im Hausgarten lohnt, klärt der Vergleich von Hobby- und Profigeräten. Hier geht es darum, wie du ein Werkzeug führst, trägst und verwahrst.
Was ziehst du für die Gartenarbeit an?
Für jede Arbeit mit Werkzeug trage ich geschlossene Schuhe mit rutschfester Sohle, auch für ein paar Handgriffe am Beet. Rutscht ein Spaten ab oder fällt eine Harke um, trifft sie sonst einen ungeschützten Fuß. Handschuhe ziehe ich an, sobald ich schneide, grabe oder in dornige Sträucher greife. Lange Hosen und lange Ärmel halten Kratzer von Zweigen und Dornen ab.
Bei Arbeiten am Boden entlasten geeignete Kniepolster die Knie, zusammen mit regelmäßigen Wechseln der Position. Ich schnalle die Polster an, bevor ich mich hinknie, und wechsle zwischen Knien und Stehen.
Bei Motorgeräten schaust du in der Bedienungsanleitung nach, welche Schutzausrüstung der Hersteller vorgibt. Bringst du mit einem Sprühgerät ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel aus, gelten die Gebrauchsanweisung und die Schutzausrüstung, die sie empfiehlt.
Was prüfst du, bevor du loslegst?
Handwerkzeug prüfst du vor jeder Verwendung auf sichtbare Schäden und darauf, ob es einwandfrei funktioniert. Ich nehme dafür jedes Teil kurz in die Hand, bevor es in die Schubkarre kommt. Sitzt der Stiel fest, läuft das Scherengelenk leicht, ist die Klinge noch scharf? Kopf und Stieltülle müssen so verbunden sein, dass nichts bricht, auch wenn du kräftig arbeitest. Wackelt an dieser Stelle etwas, bleibt das Werkzeug im Schuppen.
Bei Netzgeräten gehören Kabel und Stecker zur Sichtprüfung. Einen Teleskopstiel stellst du in der gewählten Länge so fest, dass er sich beim Arbeiten nicht von selbst löst. Ein beschädigtes oder defektes Gartengerät benutzt du nicht weiter, auch nicht für eine schnelle Kleinigkeit.
Stiel fest und ohne Risse? Gelenk leichtgängig? Klinge scharf? Teleskopstiel arretiert? Kabel, Stecker und Akku ohne sichtbare Schäden? Lautet eine Antwort nein, setzt du das Werkzeug vor dem nächsten Einsatz instand oder tauschst es aus.
Ein sichtbar beschädigter oder aufgeblähter Lithium-Ionen-Akku kann sich selbst entzünden. Du verwendest ihn nicht weiter und entsorgst ihn sicher.
Das Werkzeug passend zur Aufgabe wählen
Jedes Handwerkzeug setzt du nur für seinen vorgesehenen Zweck ein und nur mit dem Kraftaufwand, für den es gebaut ist. Einen Stahlkeil schlägst du nie mit der Axt ein, weil dabei Metall absplittern kann. Bei Ästen entscheidet der Durchmesser, ob Gartenschere, Astschere oder Säge passt.
Ob sich eine Reparatur lohnt, hängt an Ersatzteilversorgung und Instandsetzbarkeit, und beides prüfst du am besten schon beim Kauf. Die Kriterien dafür stehen im Abschnitt „Qualität, Material und Ergonomie“ der Technik-Übersicht. Wie du bei selten gebrauchten Geräten zwischen Leihen und Kaufen abwägst, zeigt der Ratgeber zur durchdachten Werkzeugausstattung.
Wie hältst und führst du eine Gartenschere?
Eine Gartenschere sollte gut in deiner Hand liegen und sich leicht öffnen lassen. Der Griff passt zu Handgröße und Händigkeit, du kannst ihn sicher greifen, und dein Handgelenk bleibt beim Schneiden gerade. Ob das stimmt, prüfst du am besten beim Probearbeiten. Ich schneide vor dem Kauf ein paar Zweige zur Probe, wo das möglich ist.
Die zweite Hand bleibt beim Schneiden immer außerhalb des Schnittbereichs. Muss ich einen Zweig halten, fasse ich ihn ein gutes Stück von der Schnittstelle entfernt. Statt an einem halb durchtrennten Zweig zu zerren, öffne ich die Schere und setze neu an.
Als Orientierung für die Werkzeugwahl eignet sich eine Gartenschere für Zweige bis etwa 2 cm Durchmesser und eine Astschere für Äste bis etwa 4,5 cm. Ist ein Ast für die Schere zu dick oder nicht erreichbar, nimmst du eine geeignete Säge.
Ein Handwerkzeug ist nur für den Kraftaufwand gedacht, für den es gebaut wurde, und die Gartenschere ist auf dünnere Zweige ausgelegt. Einen dickeren Ast drückst du deshalb nicht mit Gewalt durch, sondern wechselst zur Astschere.
Für Messer und Heckenscheren gelten eigene Handgriffe. Wie du ein Gartenmesser sicher führst, pflegst und transportierst, beschreibt ein eigener Ratgeber. Was an der Hecke zählt, von der Vorbereitung bis zur Schnittführung, steht im Ratgeber zum unfallfreien Heckenschneiden.
Wie trägst du Werkzeug und hältst Abstand?
Scheren schließt und sicherst du, bevor du losgehst, und trägst sie in einem Köcher. Solange jemand schneidet oder hackt, halten Kinder Abstand. Auch Erwachsene bitte ich, nicht dicht neben mir zu stehen, wenn ich mit einem langen Stiel arbeite.
Ich trage den Köcher am Gürtel und stecke die geschlossene Schere hinein, bevor ich zum nächsten Strauch gehe. In die Hosentasche kommt bei mir keine Schere.
Legst du ein Werkzeug kurz ab, dann so, dass es nicht herunterfallen kann und Schneide oder Spitze gesichert ist. Herumliegende Schläuche können Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle verursachen. Ich rolle den Schlauch deshalb nach dem Gießen auf, bevor ich mit dem nächsten Werkzeug weitermache. Wege, auf denen du die Schubkarre schiebst, hältst du möglichst kurz, frei, eben, fest und sauber. Herbstlaub entfernst du von Gehwegen, weil es dort rutschig werden kann.
Wie stehst und hebst du mit Spaten und Schaufel?
Mit einem passenden Spaten stehst du beim Arbeiten aufrecht. Für Spaten und Grabegabeln gelten etwa 70–75 cm Stiellänge als Ausgangspunkt, angepasst an deine Körpergröße. Ich stelle mich schulterbreit hin, setze das Blatt senkrecht an und trete mit dem Fuß auf die Trittkante. Damit drückt mein Körpergewicht den Spaten in den Boden und nicht die Arme.
Beim Anheben gilt dieselbe Regel wie bei jeder Last: Tritt nahe heran, beuge Knie und Hüfte und nimm die Last langsam mit geradem Rücken körpernah auf. Mit Spaten und Schaufel heißt das für mich, den Stiel dicht am Körper zu führen und aus den Beinen zu heben. Um die Erde abzuwerfen, drehe ich mich mit den Füßen, statt Wirbelsäule und Knie zu verdrehen.
Bevor ich grabe, prüfe ich den Boden: Ein erbsengroßer Krümel aus etwa 10 cm Tiefe sollte beim Zerdrücken zerfallen. Schmiert er, ist der Boden zu nass, und Betreten und Bearbeiten können ihn neu verdichten. Ausreichend abgetrocknet ist ein Beet, wenn keine Erde mehr am Gerät haften bleibt. Klebt sie also noch am Spaten, riskierst du mit jedem Schritt auf dem Beet neue Verdichtungen.
In steinigem oder klebrigem Boden sticht eine Grabegabel leichter ein als ein Spaten. Zum Lockern stichst du sie mit dem Fuß ein, bewegst sie am Griff hin und her und ziehst sie wieder heraus. Danach setzt du sie etwa 10 cm weiter neu an.
Kleinere Gebinde und rollende Transporthilfen verringern, wie viel du heben und tragen musst. Wie ergonomisch geformte Gartenwerkzeuge aufgebaut sind, beschreibt ein eigener Ratgeber. Ein weiterer zeigt, welche Hilfsmittel und Arbeitstechniken beim Heben und Knien entlasten.
Rechen, Harke und Hacke: führen, tragen, ablegen
Für Harken und Hacken gelten etwa 150 cm Stiellänge als Ausgangspunkt, damit du aufrecht arbeiten kannst. Zur Probe stellst du das Gerät neben dich: Bei ziehend geführten Geräten wie Rechen und Grubber reicht es mindestens bis zum Kinn, besser bis zur Stirn. Ich führe den Rechen mit beiden Händen und bleibe aufrecht, statt mich über den Stiel zu beugen.
Mit dem Rechen ebnest du lockere Erde, Kies und Sand ein und bereitest das SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. vor. Im Herbst holst du damit das Laub vom Rasen. Bevor ich anfange, schaue ich mich um, denn ein langer Stiel braucht nach hinten Platz.
Bei der Hacke entscheidet der Boden. Die Ziehhacke ist für leichte, unverkrustete Böden gedacht, die Schlaghacke auch für schwere, steinige oder trockene. Nach Regen wartest du mit dem Hacken, bis die Oberfläche wieder leicht abgetrocknet ist. Wurzelunkräuter holst du vorher samt Wurzel heraus, weil zerhackte Wurzelstücke neu austreiben können.
In Schulgärten tragen Kinder langstielige Werkzeuge senkrecht, das Arbeitsende nach unten. So trage ich Rechen und Harke auch durch meinen Garten, damit keine Zinken auf andere zeigen.
Den Rechen in der Pause mit den Zinken nach oben ins Gras legen. Wer darauf tritt, kann sich an den Zinken verletzen oder den hochschnellenden Stiel abbekommen. Leg ihn mit den Zinken nach unten ab.
Wie du Laub, Gras und Kies rückenschonend rechst und welcher Rechen dazu passt, erklärt ein eigener Ratgeber.
Motorgeräte: erst die Anleitung, dann der Start
Bevor ich ein Motorgerät zum ersten Mal starte, lese ich die Bedienungsanleitung ganz durch, auch wenn ich ein ähnliches Modell kenne. Dort stehen die Sicherheitshinweise und die Schutzausrüstung, die der Hersteller vorgibt. Auch Wartung und Pflege richten sich nach diesen Vorgaben. Reparaturen an motorbetriebenen Heckenscheren gehören in die Hände von Fachpersonal.
Vor jedem Einsatz einer motorbetriebenen Heckenschere prüfst du Funktion und Sicherheitseinrichtungen. Ich halte es bei Rasenmäher und Häcksler genauso und schaue, ob alle Schutzabdeckungen fest sitzen. Ein Akkugerät erlaubt Arbeiten unabhängig von der Reichweite eines Kabels, braucht aber beim Laden Aufmerksamkeit.
Akkus von Gartengeräten lädst du nur mit einem Ladegerät, das der Gerätehersteller zugelassen hat. Beim Laden liegt der Akku auf einer nicht brennbaren Unterlage, und du beaufsichtigst ihn. Vor dem Nachladen musst du einen Lithium-Ionen-Akku nicht ganz leeren, weil er keinen klassischen Memory-Effekt hat.
Einen motorisierten Gartenhäcksler darfst du in deutschen Wohngebieten im Freien werktags grundsätzlich nicht zwischen 20 und 7 Uhr betreiben, an Sonn- und Feiertagen ganztägig nicht. Gesetzliche Ausnahmen und örtliche Zusatzregeln kommen hinzu.
Frag bei deiner Gemeinde nach, welche Zeiten bei dir gelten, auch für andere Motorgeräte.
Vor Wartung oder Reinigung einer motorbetriebenen Heckenschere schaltest du den Motor aus, wartest den Stillstand der Messer ab und ziehst Netz- oder Zündkerzenstecker. Beim Häcksler ziehst du vor dem Reinigen den Netzstecker oder nimmst den Akku heraus. Wie du Werkzeug reinigst, schärfst und instand hältst, steht im Abschnitt „Werkzeug pflegen, reparieren und lagern“ der Technik-Übersicht.
Wo verwahrst du Werkzeug sicher?
Jedes Werkzeug hat bei mir einen festen Platz, und es kommt sauber und trocken dorthin. Spaten, Rechen und Harke hängen an einer Wandleiste im Schuppen, die Zinken zur Wand. Scheren liegen geschlossen in einer Kiste, scharfe Klingen stecken in einer Schutzkappe.
Grundsätzlich lagerst du Werkzeug so, dass es nicht herunterfallen kann, und schützt Schneiden und Spitzen gegen unbeabsichtigtes Berühren. Wie du eine Wandhalterung befestigst, hängt von Untergrund und Belastung ab. Ein Patentrezept für Mauerwerk gibt es nicht. Am automatischen Schlauchaufroller führst du den Schlauch gleichmäßig zurück, damit er nicht unkontrolliert zurückschnellt oder verklemmt.
Lithium-Ionen-Akkus lagerst du für längere Pausen mit ungefähr 50 % Ladezustand. Pflanzenschutzmittel bleiben in der Originalverpackung und stehen in einem abschließbaren Schrank, den Kinder und Tiere nicht erreichen. Reste davon gibst du zur Schadstoffsammlung, nicht in Ausguss, Gully, Garten oder Hausmüll.
Mit Leinöl getränkte Lappen können sich selbst entzünden. Pflegst du Holzstiele mit Leinöl, befeuchtest du die Lappen danach mit Wasser und bewahrst sie in einem geschlossenen Metallbehälter auf.
Geh in deinen Schuppen und schau, wie Rechen und Harke stehen, ob die Scheren geschlossen liegen und wo der Verbandkasten ist. Was offen herumliegt, bekommt heute einen festen Platz.
Wenn Kinder mitgärtnern
In der Kindertagespflege gehören Gartenwerkzeuge und Rasenmäher unter Verschluss. Ich halte es zu Hause genauso, sobald Kinder im Garten sind. Regentonnen deckst du so ab, dass kleine Kinder nicht hineinfallen können.
Wollen Kinder selbst hacken, übst du vorher die richtige Bedienung und den sicheren Transport mit ihnen. Kann ein Kind seine Hackbewegungen noch nicht kontrollieren, bekommt es eine Einzelaufgabe mit großem Abstand zu den anderen. Welche Gartenwerkzeuge für Kinder welchen Alters sicher sind, beschreibt ein eigener Ratgeber. Wie du Kinder mit einer kindgerechten Hacke ans Gärtnern heranführst, zeigt ein weiterer.
Werkzeug im Auto mitnehmen
Im Auto gilt dieselbe Regel wie im Schuppen: Schneiden und Spitzen sind abgedeckt, und nichts kann verrutschen oder herunterfallen. Ich lege Werkzeug in den Kofferraum, Scheren geschlossen im Köcher, Spaten und Rechen flach und mit einer Kiste festgelegt.
Was tust du bei einer Verletzung?
Im Schuppen hat bei mir ein Verbandkasten einen festen Platz neben der Tür, mit Einmalhandschuhen und keimfreien Wundauflagen. Versorgst du eine blutende Wunde bei jemand anderem, ziehst du zum Eigenschutz Handschuhe an. Die Wunde selbst bedeckst du keimfrei, ohne sie zu berühren.
Bei schweren Verletzungen durch Gartenwerkzeuge wählst du sofort den Notruf 112.
Was über Abdecken und Notruf hinausgeht, übst du am besten in einem Erste-Hilfe-Kurs.

