Vergissmeinnicht statt Rasen: Was die Blühfläche kann und wie du sie anlegst
- Vergissmeinnicht taugt für Blühflächen zum Anschauen, nicht als Ersatz für betretenen Gebrauchsrasen.
- Wald-Vergissmeinnicht wird meist zweijährig gezogen: Aussaat im Sommer, Blüte im folgenden Frühjahr.
- Vor der Neuanlage auf Rasen kommt die Grasnarbe vollständig herunter.
- Kräftige Jungpflanzen setzt du im Raster von 15 × 20 cm.
- Für die Anzucht von 1000 Pflanzen rechnest du mit 2 g Saatgut.
- Honigbienen finden daran ein mäßiges Nektar- und ein geringes Pollenangebot.
- Nach der Samenbildung sterben die Pflanzen meist ab, die Selbstaussaat kann die Fläche erneuern.

Bevor ich ein Stück Rasen umgrabe, kläre ich eine Frage: Wird hier gelaufen, gespielt oder gesessen? Ist die Antwort ja, bleibt bei mir der Rasen. Ist sie nein, kann Vergissmeinnicht aus der grünen Fläche im Frühjahr ein blaues Beet machen. Ein Rasen wird daraus allerdings nicht, und genau das solltest du vor dem ersten Spatenstich wissen.
Taugt Vergissmeinnicht als Rasenersatz?
Für Flächen zum Anschauen ja, für Flächen zum Benutzen nein. Beetflächen betrittst du möglichst nicht, damit ihre Bodenporen und ihre Wasserspeicherfähigkeit erhalten bleiben. Bei stärkerer Benutzung entstehen auf Rasenersatzflächen unschöne Laufstraßen, und für Wege sind Trittsteine besser geeignet. Wer beides zusammennimmt, legt die Trittsteine gleich bei der Anlage, statt später einen Trampelpfad zu flicken.
Auch die Arbeit verschwindet nicht, sie verlagert sich. Statt zu mähen, jätest du und lenkst die SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat.. Dazu kommt der Rhythmus der Pflanze: Als Frühjahrsblüher gezogenes Wald-Vergissmeinnicht blüht von März bis Mai. Die Fläche ist also ein Frühjahrsbild und kein ganzjähriges Grün.
„Vergissmeinnicht ersetzt den Rasen eins zu eins.“ Das trifft nicht zu. Für Gebrauchsrasen gibt es nur sehr eingeschränkt Alternativen, und schon bodendeckende Stauden für Halbschatten und Schatten sind nicht trittfest. Vergissmeinnicht ersetzt die Rasenfläche, die du anschaust, nicht die, auf der gespielt wird.
Was die Fläche Insekten bietet
Vergissmeinnicht gilt als nützlingsfreundlich. Honigbienen finden daran ein mäßiges Nektarangebot und ein geringes Pollenangebot. Im zeitigen Frühjahr fehlt vielerorts ein ausreichendes Blütenangebot, und eine Fläche, die ab März blüht, kann dort einen Teil der Lücke schließen. Eine reiche Pollenquelle wird sie dadurch nicht. Für ein Angebot über die ganze Saison kombinierst du Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeiten, für das zeitige Frühjahr etwa Krokusse und Traubenhyazinthen.
Wo die Fläche hinpasst
Wald-Vergissmeinnicht wächst sonnig bis halbschattig und braucht einen feuchten, gut durchlässigen Boden. Halbschattig ist ein Platz nicht schon dann, wenn morgens eine Stunde Sonne hinkommt. Wie du Licht, Platz im Garten und pH-Wert einschätzt, findest du unter Standort und Boden im Sommerblumen-Überblick.
So sieht die Fläche übers Jahr aus
Wald-Vergissmeinnicht ist botanisch mehrjährig, wird aber meist zweijährig kultiviert. Nach der Aussaat im Sommer wachsen zunächst Jungpflanzen heran, nach dem Winter blühen sie im folgenden Frühjahr. Was Lebensdauer bei Sommerblumen im Einzelnen bedeutet, ordnet das Kurzporträt im selben Überblick ein.
| Zeitraum | Was auf der Fläche passiert |
|---|---|
| Juni bis Juli | Aussaat direkt auf die Fläche oder in Töpfe |
| September bis Oktober | vorgezogene Jungpflanzen auspflanzen |
| Winter | Jungpflanzen überwintern, in rauen Lagen mit Winterschutz |
| März bis Mai | Blüte |
| nach der Blüte | Samenbildung, alte Pflanzen sterben meist ab, Selbstaussaat |
Zweijahresblumen bilden nach der Blüte Samen und sterben danach meist ab. Weil die nächste Generation erst aus diesen Samen heranwächst, ist die Fläche nach der Blüte kein geschlossener Teppich. Plane sie deshalb dort, wo offene Stellen im Sommer nicht stören.
Eine Fläche aus einjährigen Sommerblumen musst du jedes Jahr neu einsäen. Vergissmeinnicht sät sich dagegen sehr gut selbst aus und kann seinen Bestand so erneuern. Den Termin für die Sommeraussaat merkst du dir am besten im Aussaatkalender für Sommerblumen vor. Lücken kannst du auch gezielt schließen, und ob sich dafür eher Aussaat oder Teilung eignet, klärt ein eigener Ratgeber.
Die Fläche vorbereiten
Wie bei einer Sommerblumenfläche auf Rasen entfernst du zuerst die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. vollständig. Ich steche sie dafür mit dem Spaten in Bahnen ab. Danach lockerst du den Boden, entfernst unerwünschten Bewuchs und bereitest die Oberfläche mit dem Rechen vor. Für eine DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest. soll das SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. fein geharkt, unkrautfrei und gut durchlüftet sein.
Welche Erde du vor dir hast, zeigt eine Fingerprobe mit leicht feuchter Erde. Sandboden ist körnig und zerfällt, Tonboden lässt sich formen und klebt. Organisches Material verbessert bei Sand die Wasserspeicherung und bei schweren Böden KrümelstrukturKrümelstruktur bedeutet: Die Bodenteilchen halten zu lockeren, mit bloßem Auge sichtbaren Krümeln zusammen, zwischen denen viele Hohlräume bleiben. Der Boden baut sie selbst auf, getragen von aktivem Bodenleben, gutem Humus und ausreichend Ton und Kalk. und Durchlüftung. Sandreiche Böden lassen Wasser schnell durch und speichern wenig, Vergissmeinnicht braucht aber feuchten Boden. Auf Sand arbeitest du deshalb vor der Saat organisches Material ein.
Ich lasse das gelockerte Beet vor der Saat liegen und ziehe heraus, was an Unkraut nachkommt. So startet die Saat auf einer Fläche, die schon einmal durchgejätet ist.
Grasnarbe vollständig abtragen, Boden lockern, unerwünschten Bewuchs entfernen, Fläche fein rechen, nachlaufendes Unkraut vor der Saat ziehen und die Trittsteine einplanen.
Säen oder pflanzen: Saatgutmenge und Technik für die Fläche
Für die Fläche hast du zwei Wege: direkt säen oder in Töpfen vorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus. und auspflanzen. Ich ziehe für Flächen in Töpfen vor und pflanze im Raster, weil ich beim Jäten dann genau weiß, welche Pflanze bleiben soll. Kräftige Jungpflanzen setzt du im Raster von 15 × 20 cm. Wie viele Pflanzen du brauchst, siehst du, wenn du das Raster auf deine Fläche überträgst. Dabei hilft es, deine Fläche im Beetplaner zu skizzieren.
Für die Anzucht von 1000 Vergissmeinnicht-Pflanzen rechnet man 2 g Saatgut. Die Saatgutmenge planst du also über die Zahl der Pflanzen, die auf deine Fläche passen.
Die Samen säst du etwa 0 bis 0,5 cm tief. Praktisch heißt das: andrücken und nicht oder nur leicht mit Sand bedecken. Feines Saatgut verteilst du gleichmäßiger, wenn du es vorher mit trockenem Sand mischst. Bis die Sämlinge stehen, darf die Saat auch kurzzeitig nicht austrocknen. Ich gieße Saatflächen deshalb mit feiner Brause, damit die Samen liegen bleiben. Säst du direkt auf die Fläche, verziehst du dicht stehende Sämlinge rechtzeitig auf Abstand.
Die Samen werden eingeharkt oder dick mit Erde zugedeckt. Vergissmeinnicht keimt im Licht, deshalb drückst du die Samen nur an und bedeckst sie höchstens leicht mit Sand.
Wann du genau säst und welche Keimbedingungen die Samen brauchen, erklärt der Ratgeber, wie du Vergissmeinnicht zum richtigen Zeitpunkt aussäst.
Unkraut im Griff behalten
Auf einer Vergissmeinnicht-Fläche tritt das Jäten an die Stelle des Mähens. Beim Jäten frisch aufgelaufener Saat musst du unerwünschte Keimlinge sicher von den gesäten Blumen unterscheiden. Ich säe dafür einen Topf mit, damit ich das Bild der jungen Vergissmeinnicht-Sämlinge kenne, bevor ich auf der Fläche jäte. Unerwünschte Kräuter ziehst du heraus oder stichst sie aus, eine verhärtete Bodenoberfläche lockerst du vorsichtig.
Besonders achte ich auf Gras, das vom Rand her einwandert. In einem dichten Grasbestand können auflaufende Wiesenkräuter durch Lichtmangel verkümmern, und junge Vergissmeinnicht behandle ich genauso empfindlich. Zwischen Rasen und Blühfläche ziehe ich deshalb eine klare Kante, an der ich einwanderndes Gras früh sehe. Gejätet wird bei mir von den Trittsteinen oder vom Rand aus, damit ich die Beetfläche nicht festtrete.
Weil sich die Fläche über Selbstaussaat erneuert, stehen jedes Jahr wieder junge Vergissmeinnicht zwischen den Unkrautkeimlingen. Das sichere Unterscheiden gehört damit dauerhaft zur Pflege und nicht nur zum ersten Jahr.
Ich jäte Vergissmeinnicht-Flächen von Hand. Keimlinge, die ich nicht sicher erkenne, lasse ich stehen, bis sie größer sind und ich sie zuordnen kann.
Ausbreitung lenken
Vergissmeinnicht sät sich sehr gut selbst aus und kann verwildern. Soll es nicht über die Fläche hinauswandern, entfernst du alte Pflanzen nach Bedarf oder schneidest sie zurück. Wie du die Selbstaussaat förderst oder bremst, zeigt ein eigener Ratgeber.
Gießen, Düngen und Pflanzengesundheit
Nach dem Anwachsen gießt du nach Pflanzenbedarf, Bodenfeuchte und Witterung statt nach einem festen Rhythmus. Welken die Pflanzen, prüfst du zuerst die Bodenfeuchte, denn Welke kann auch auf beginnende Wurzelfäule hinweisen.
Ob und womit du düngst, richtet sich nach einer Bodenuntersuchung. Bei einer Frühjahrsbepflanzung mit hochwertiger Pflanzerde braucht Vergissmeinnicht keine zusätzliche Düngung. Die Grundlagen zum Gießen und Düngen nach Phase und Bedarf stehen ebenfalls im Sommerblumen-Überblick.
Zeigen sich Beläge oder Läuse, gehst du vor wie bei anderen Zierpflanzen: Befallene Teile entfernst du, schwachen Blattlausbefall spülst du mit einem Wasserstrahl ab. Bei unklaren Blattflecken kann eine Pflanzenprobe beim Pflanzenschutzdienst die Ursache klären. Wie du vorbeugst und von Hand eingreifst, beschreibt der Sommerblumen-Überblick im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge.
Vergissmeinnicht oder ein anderer Bodendecker?
Welcher BodendeckerBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz. auf eine Fläche gehört, entscheiden Bodenfeuchte, Licht und Nutzung. Vergissmeinnicht gehört auf feuchten Boden in Sonne bis Halbschatten und auf eine Fläche ohne Trittbelastung. Soll die Fläche betreten werden, schau dir die Teppich-Verbene ‘Summer-Pearls’ an, denn sie erträgt eine relativ hohe Trittbelastung.
Für volle Sonne und trockenen, sandigen Boden kommt Delosperma cooperi infrage. Diese Staude bildet dichte Matten und ist eingewachsen sehr trockenheitsverträglich, nasse Winter können ihre Überwinterung allerdings gefährden. Vergissmeinnicht braucht feuchten Boden, Delosperma cooperi trockenen. An einem Platz, der dem einen passt, steht das andere also falsch.
Für schattige Bodendeckerflächen eignen sich Golderdbeeren als Ergänzung. Auch dort gilt, dass bodendeckende Stauden für Halbschatten und Schatten nicht trittfest sind. Im Steingarten wachsen PolsterstaudenPolsterstauden sind niedrige, winterharte Stauden, die flach in die Breite wachsen und dabei dichte Polster oder Teppiche bilden. Sie werden vor allem im Steingarten und als Bodendecker verwendet. wie Blaukissen, Schleifenblume, Polsterphlox und Teppichglockenblumen.
| Bodendecker | Platz | Was du wissen solltest |
|---|---|---|
| Wald-Vergissmeinnicht | sonnig bis halbschattig, feuchter, gut durchlässiger Boden | meist zweijährig gezogen, sät sich sehr gut selbst aus |
| Teppich-Verbene ‘Summer-Pearls’ | Flächen mit Trittbelastung | erträgt eine relativ hohe Trittbelastung |
| Delosperma cooperi | volle Sonne, trockener, sandiger, gut durchlässiger Boden | bildet dichte Matten, nasse Winter gefährden die Überwinterung |
| Golderdbeere | schattige Bodendeckerflächen | eignet sich als Ergänzung |
| Blaukissen, Polsterphlox und andere Polsterstauden | Steingarten | wachsen als Polster |
Partner für das Frühjahrsbild
Für eine Frühlingsschale wird blaues Vergissmeinnicht mit gelben Stiefmütterchen, gelben Narzissen ‘Tête à Tête’ und weißem Tausendschön kombiniert. Ich nehme diese Farbidee mit auf die Fläche und setze Gelb und Weiß in Gruppen zwischen das Blau.
Die Tausendschön Mischung wird wie Vergissmeinnicht zweijährig kultiviert. In ihrem Blühjahr blüht sie von März bis Juli. Damit passt sie in denselben Rhythmus und blüht noch, wenn das Vergissmeinnicht im Mai aufhört.
Im Topf und im Balkonkasten gelten eigene Regeln, zum Beispiel ein Substrat-pH von 6,5 bis 7,0. Dazu kommt im Winter ein frostfreier, möglichst kalter Platz. Mehr dazu steht im Ratgeber, wie du Vergissmeinnicht in Töpfen und Balkonkästen ziehst.
gelbe Narzissen ‘Tête à Tête’, gelbe Stiefmütterchen und weißes Tausendschön für das Frühjahrsbild, Krokusse und Traubenhyazinthen für Blüten im zeitigen Frühjahr.




