Phytosanierung: Was Pflanzen im Boden leisten und was die Liebeshainblume kann
- Phytoextraktion entzieht dem Boden Schadstoffe, Phytostabilisierung verringert ihre Verlagerung durch Auswaschung und Erosion.
- Ob eine Phytoextraktion wirkt, zeigen gemessene Biomasse, Schadstoffgehalte in Pflanze und Boden und daraus berechnete Entzugsraten.
- Belastete Pflanzenmasse aus einer Phytoextraktion wird gesammelt und fachgerecht entsorgt, nicht kompostiert.
- Bei Verdacht auf Schadstoffe im Gartenboden ist die untere Bodenschutzbehörde zuständig.
- Die Liebeshainblume ist eine einjährige Sommerblume und Nahrungsquelle für Insekten; als Sanierungsmaßnahme planst du sie nicht ein.

Wer nach Phytosanierung sucht, hat meist einen Boden vor Augen, dem er nicht traut. Dabei stößt man schnell auf die Aussage, die Liebeshainblume ziehe Schwermetalle aus der Erde. Ich säe Liebeshainblumen an Beetränder und in Töpfe, aber bei einem Boden mit Schadstoffverdacht verlasse ich mich nicht auf sie. Der Grund steckt darin, wie Phytosanierung funktioniert und woran man ihren Erfolg misst.
Was ist Phytosanierung?
Phytosanierung, auch Phytoremediation genannt, setzt Pflanzen gegen Schadstoffe im Boden ein. Dahinter stehen zwei Grundprinzipien mit unterschiedlichen Zielen. Wer sie verwechselt, erwartet von einer Pflanzung etwas, das sie gar nicht leisten soll.
Phytoextraktion: Schadstoffe verlassen den Boden
Bei der Phytoextraktion entziehen Pflanzen dem Boden Schadstoffe. Die Stoffe stecken danach in der Pflanzenmasse. Erst wenn diese Masse geerntet ist und die Fläche verlassen hat, ist der Entzug abgeschlossen.
Phytostabilisierung: weniger Verlagerung statt Entzug
Die Phytostabilisierung verfolgt ein anderes Ziel. Hier sollen Pflanzen die Verlagerung der Schadstoffe durch AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt. und Erosion verringern. Eine stabilisierende Pflanzung kann also die Ausbreitung bremsen. Den Vorrat im Boden zu senken, ist dagegen die Aufgabe der Extraktion.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist nährstoffreicher, feuchter, gut durchlässiger Boden. Sonne oder Halbschatten sind geeignet; in sommerlichen Trockenperioden zur Blütenförderung wässern.
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist nährstoffreicher, feuchter, gut durchlässiger Boden.
- Anbauort
Die angebotenen Sorten lassen sich im Hochbeet und im Topf ziehen.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Direkt am endgültigen Standort säen.
- Saattiefe
Das angebotene Saatgut etwa 0,5 - 1 cm tief säen.
Pflege
- Pflege
In trockenen Sommerphasen gießen, um die Blüte zu fördern; kein Rückschnitt erforderlich.
- Düngung
Vor dem Pflanzen in Gartenränder oder Gefäße Kompost einarbeiten.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist einjährig.
- Verwendung
Die angebotenen Sorten bieten Nützlingen und Insekten Nahrung.
Woran misst man, ob eine Pflanze Schadstoffe entzieht?
Dass eine Pflanze auf belastetem Boden gut wächst, sagt noch nichts über den Entzug. Zur Kontrolle einer Phytoextraktion werden deshalb die Biomasse und die Schadstoffgehalte in Pflanzen und Boden erfasst. Aus diesen Messwerten werden anschließend die Entzugsraten berechnet.
Die Entzugsrate gibt an, wie viel Schadstoff eine Pflanzung dem Boden entzieht. Berechnet wird sie aus der gebildeten Biomasse und den gemessenen Gehalten, deshalb taugt keiner der beiden Werte allein als Nachweis.
Die Pflanzenmasse spielt danach noch eine zweite Rolle. Bei einer Phytoextraktion muss die belastete Biomasse gesammelt und fachgerecht entsorgt werden. Kompost bringst du im Garten wieder auf die Beete aus. Belastetes Kraut auf dem eigenen Komposthaufen würde die entzogenen Stoffe also zurück in die Erde tragen.
Was leistet die Liebeshainblume bei der Phytosanierung?
Die Liebeshainblume, botanisch Nemophila menziesii, ist eine einjährige Sommerblume. Die Pflanze ist nicht winterhart und wird 10 bis 20 cm hoch. Von Juni bis September trägt sie blaue Blüten und dient NützlingenNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. und Insekten als Nahrungsquelle. Damit passt sie an Beetränder, in Lücken und in Gefäße.
Für eine Bodensanierung fehlt mir bei ihr das Entscheidende: gemessene Schadstoffgehalte im Kraut und daraus berechnete Entzugsraten. Ohne diese Werte lässt sich weder sagen, ob und welche Stoffe sie aufnimmt, noch wie viel sie einem Boden entzieht. Ich plane sie deshalb als Sommerblume ein und nie als Sanierungsmaßnahme.
Verlass dich zur Sanierung belasteter Böden nicht auf die Liebeshainblume. Ein blühendes Beet auf belastetem Grund ist deshalb noch kein saniertes Beet.
Was die Pflanze im Beet tatsächlich bietet, ist eine niedrige, blühende Decke über offenem Boden. Wie du sie dafür nutzt, zeigt der Ratgeber, wie du die Liebeshainblume als Bodendecker einsetzt.
Ob die Liebeshainblume Umweltveränderungen anzeigen kann, ist eine eigene Frage. Professionelle Bioindikation arbeitet mit festgelegten Erhebungsverfahren und lässt sich durch Untersuchungen der Schadstoffbelastung von Pflanzen ergänzen. Mehr dazu steht im Ratgeber, wie sich die Liebeshainblume als Bioindikator einordnen lässt.
Was tust du bei Schadstoffverdacht im eigenen Garten?
Eine Standarduntersuchung von Gartenboden erfasst üblicherweise PhosphatPhosphat ist die Form, in der der Pflanzennährstoff Phosphor im Garten meist angegeben wird: als Phosphatgehalt im Befund der Bodenuntersuchung und als Phosphatanteil auf Düngerpackungen, dort mit dem Kürzel P2O5., KaliumKalium ist neben Stickstoff und Phosphor einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Es regelt den Wasserhaushalt der Pflanze, festigt ihr Gewebe und macht sie widerstandsfähiger gegen Frost sowie Schaderreger wie Pilze und Insekten. und den Kalkbedarf. Für eine Schadstoffbelastung oder einen entsprechenden Verdacht ist dagegen die untere Bodenschutzbehörde zuständig. Der übliche Bodentest aus der Gartenpflege klärt deinen Verdacht also nicht, deine Ansprechstelle ist die Behörde. Bekomme ich Erde unbekannter Herkunft, frage ich nach ihrer Vorgeschichte, bevor sie in ein Beet kommt.
Für die normale Pflege ist eine Bodenuntersuchung vor der Neuanlage eines Beets vorgesehen und danach alle 3 bis 5 Jahre. Vor der Probenahme düngst du nicht. Wie Boden, Standort und Düngung bei Sommerblumen zusammenhängen, erklären die Grundlagen zu Standort und Boden von Sommerblumen.
Hast du einen konkreten Verdacht, wende dich an die untere Bodenschutzbehörde, bevor du auf der Fläche mit einer Pflanzung experimentierst.
Wie säst du die Liebeshainblume als Sommerblume?
Als Sommerblume säst du die Liebeshainblume direkt an den endgültigen Standort. Die Samen kommen in Reihen oder breitwürfig in die Erde. Nach der Keimung vereinzelst du die SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. rechtzeitig, und den Saattermin passt du an dein örtliches Klima an.
| Kulturdaten | Liebeshainblume |
|---|---|
| Aussaat | direkt ins Freiland, April bis Juni sowie im September |
| SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. | etwa 0,5 bis 1 cm |
| Keimdauer | 7 bis 14 Tage |
| Abstand nach dem VereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe. | 10 cm in der Reihe, 20 cm zwischen den Reihen, niedriger und frei wachsender Bestand |
| Wuchsbreite | 15 bis 30 cm |
| Kulturdauer | 84 bis 126 Tage |
| Licht | sonnig bis halbschattig |
Bevor die Liebeshainblume ins Beet kommt, arbeitest du Kompost in den Boden ein. Der Boden sollte nährstoffreich, feucht und gut durchlässig sein. Für den pH-Wert nennt die britische RHS saure, neutrale und alkalische Böden als geeignet. In trockenen Sommerphasen gießt du, das fördert die Blüte. Einen RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. braucht die Pflanze nicht, und auch im Topf lässt sie sich ziehen.
Ich säe die Liebeshainblume lieber in Reihen als breitwürfig. So erkenne ich die Sämlinge beim Vereinzeln leichter zwischen aufkeimendem Unkraut.
Wann andere Sommerblumen an der Reihe sind, siehst du im Aussaatkalender für Sommerblumen zum Ausdrucken.
Welche Rolle die Kapuzinerkresse bei der Bodensanierung spielt, beschreibt der Ratgeber zur Kapuzinerkresse in der Phytoremediation.


