Unkraut in der Blumenwiese natürlich bekämpfen: Schröpfschnitt, Jäten und Abmagern
- Nicht alles, was von selbst aufläuft, muss raus: Entferne gezielt einzelne Problemarten und bestimme vorher jede Pflanze.
- Quecke, Giersch und andere Wurzelunkräuter möglichst vollständig ausgraben, weil aus zerteilten Wurzelstücken neue Pflanzen entstehen können.
- In der jungen Ansaat kappt ein Schröpfschnitt etwa 8 bis 10 Wochen nach der Aussaat rasch auflaufendes Samenunkraut.
- Samenstände unerwünschter Pflanzen vor dem Aussamen abschneiden.
- Nicht düngen, auch nicht mit Kompost, und Mähgut abräumen, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden.
- Chemische Unkrautmittel können auch die erwünschten Wildblumen schädigen.
Im ersten Sommer schießt zwischen den Wildblumen-Keimlingen BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. hoch, in älteren Wiesen breiten sich Quecke, Ampfer oder dichte Gräser aus. Wer dann großflächig hackt oder spritzt, kann leicht die Blumen mittreffen, um die es eigentlich geht. Ich arbeite deshalb mit drei Handgriffen: Schnitt im Ansaatjahr, gezieltes Jäten mit Wurzel und Nährstoffentzug. Und ich nehme nur heraus, was ich sicher bestimmt habe.
Was zählt in der Blumenwiese als Unkraut?
Eine dauerhafte Blumenwiese besteht aus Gräsern und Wildkräutern. Gras ist dort also nicht automatisch Unkraut, und auch nicht jedes Kraut, das von selbst aufläuft. In einer Wiese, die sich noch entwickelt, entfernst du gezielt einzelne problematische Arten, statt alles Spontane zu beseitigen.
Diese Pflanzen und Gruppen machen in der Blumenwiese Ärger, und so gehst du mit ihnen um:
| Pflanze oder Gruppe | So gehst du vor |
|---|---|
| Quecke, Giersch und andere ausdauernde Wurzelunkräuter | vor einer Neuansaat mitsamt Wurzeln entfernen, später möglichst vollständig ausgraben |
| Stumpfblättriger Ampfer, einzeln auftretend | in jungen Ansaaten möglichst früh von Hand entfernen |
| Samenunkraut, das nach der Aussaat rasch aufläuft | SchröpfschnittEin Schröpfschnitt ist ein früher Schnitt im ersten Jahr nach dem Aussäen einer Blumenwiese. Er kürzt schnell wachsende Beikräuter zurück, damit die langsameren eingesäten Wildkräuter nicht überwuchert werden und genug Licht bekommen. im Ansaatjahr |
| Unerwünschte Samenunkräuter allgemein | Samenstände vor dem Aussamen abschneiden |
| Riesen-Goldrute, kleine Bestände | über mehrere Jahre wiederholt von Hand entfernen, Boden möglichst wenig verletzen |
| Gräser und hochwüchsige Kräuter, die überhandnehmen | nicht düngen, Mähgut abräumen |
Bevor du etwas ziehst, bestimme es. In Wildblumenmischungen keimen die Arten unterschiedlich schnell, manche erst nach einem KältereizDer Kältereiz ist eine mehrwöchige kühle Phase mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, die die Samen sogenannter Kaltkeimer durchlaufen müssen, bevor sie keimen können. Typisch ist das für viele Stauden wie Akelei, Christrose oder Schlüsselblume.. Einzelne Arten mehrjähriger Mischungen blühen erst im zweiten Lebensjahr. Die Wilde Möhre etwa bildet im ersten Jahr nur eine Blattrosette. Zupfst du im Ansaatjahr jede unbekannte Rosette aus, erwischst du deshalb leicht eine Wiesenblume.
Unbekannte RosettenRosetten sind Blattanordnungen, bei denen die Blätter dicht gedrängt stehen und scheinbar alle an derselben Stelle entspringen, weil die Sprossachse, also der Stängel, stark gestaucht ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Dachwurz. in der jungen Wiese stecke ich mit einem Holzstab ab und lasse sie stehen, bis sie blühen. Erst dann entscheide ich, ob sie bleiben dürfen.
Manches Wildkraut darf auch bewusst bleiben. Große Brennnesseln dienen unter anderem den Raupen von Tagpfauenauge und Landkärtchen als Futter.
Jakobskreuzkraut gehört zu den heimischen Wildpflanzen, die Pyrrolizidinalkaloide bilden; bestimmte dieser Stoffe können die Leber schädigen. Die Pflanze bleibt auch im Heu giftig. Wiesenaufwuchs mit Jakobskreuzkraut darf deshalb nicht verfüttert werden.
Wie halte ich Beikraut in der jungen Ansaat klein?
Läuft nach der Aussaat aus dem Samenvorrat des Bodens rasch Beikraut auf, greifst du zum Schröpfschnitt. Das ist ein Pflegeschnitt, der den konkurrierenden Aufwuchs kappt, bevor er die junge Wiesensaat überwächst. Als Auslöser gelten die Zeit seit der Aussaat und die Höhe des Beikrauts. Wann du schneidest und wie viel stehen bleibt, hängt von der Ansaat ab:
| Situation | Wann | Was stehen bleibt |
|---|---|---|
| Wildblumenansaat, Samenunkraut läuft rasch auf | etwa 8–10 Wochen nach der Aussaat | 5–6 cm |
| Beikraut überwächst die junge Wiesensaat, Empfehlung der Hessischen Gartenakademie | bei 20–30 cm Beikrauthöhe | mindestens 5 cm |
| Regio-Wiese nach Frühjahrsaussaat, Empfehlung von Saaten Zeller | bei Bedarf nach 6–8 Wochen | 5–15 cm |
| Einjährige Sommerblumenansaat mit Samenunkraut | einmaliger Schnitt | etwa 10–15 cm |
Wächst das Beikraut nach, kannst du den Schnitt im Ansaatjahr noch ein- bis zweimal wiederholen, bevor es Samen reift. Voraussetzung ist, dass die erwünschten Jungpflanzen dabei geschont werden. Das Schnittgut nimmst du jedes Mal von der Fläche.
Vor dem Schnitt stelle ich die Schnitthöhe ein und messe an einer Ecke mit dem Zollstock nach, was stehen bleibt. Kleine Flächen schneide ich mit der Grasschere, weil ich dabei die Keimlinge besser sehe.
Wie jäte ich Wurzel- und Samenunkräuter richtig?
Bei Quecke, Giersch und anderen ausdauernden Wurzelunkräutern zählt Gründlichkeit. Grab sie möglichst vollständig aus, denn aus zerteilten Wurzelstücken können neue Pflanzen entstehen. Ich lockere dafür den Boden mit der Grabegabel und ziehe die Wurzelstränge Stück für Stück heraus. Abgerissene Reste sammle ich in einem Eimer und trage sie von der Fläche.
Einzeln auftretende Problemkräuter wie den Stumpfblättrigen Ampfer nimmst du in jungen Ansaaten möglichst früh von Hand heraus. Bei Samenunkräutern setzt du am Samenstand an. Schneide ihn ab, bevor die Pflanze aussamt, damit begrenzt du ihre Ausbreitung.
Kleine Bestände der Riesen-Goldrute lassen sich über mehrere Jahre wiederholt von Hand entfernen. Verletze dabei den Boden so wenig wie möglich, denn Bodenverletzungen fördern ihre Keimlinge.
Für mehrjährige Garten-Blühmischungen rechnest du zwischen Mai und September mit 2 bis 3 Jätgängen gegen Problemunkräuter.
Reißt das Ausgraben größere Lücken, kannst du sie nachsäen. Bei lückigen, nährstoffarmen Beständen mähst du dafür den Altbewuchs kurz und raust den Boden kräftig auf, bevor du das Saatgut aufstreust und andrückst. Den ganzen Ablauf vom SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. bis zur NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. findest du in der Anleitung, wie du eine Blumenwiese Schritt für Schritt anlegst.
So gehe ich einen Jätgang durch.
- Pflanze sicher bestimmt?
- Wurzel möglichst vollständig ausgegraben?
- Samenstände vor dem Aussamen abgeschnitten?
- Boden so wenig wie möglich aufgerissen?
- Wurzelreste und Samenstände von der Fläche getragen?
Was tun, wenn Gräser die Wiese übernehmen?
Gräser gehören in eine Wiesenmischung, doch das Verhältnis kann kippen. Zu hohe Gaben schnell verfügbaren Stickstoffs fördern Gräser und hochwüchsige Kräuter, die dann niedrigwüchsige Wiesenkräuter verdrängen. Eine magere, artenreiche Blumenwiese bekommt deshalb keinen Dünger, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden.
Kompost als natürliche Stärkung auf die Wiese streuen. Auch Kompost und StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe. sind Dünger und können bei zu hohen Gaben zur Nährstoffanreicherung beitragen. Streust du Kompost, um die Wiese zu stärken, düngst du also auch die Gräser, die du zurückdrängen willst.
Das Mähgut bleibt nicht liegen. Ich breite es nach dem Schnitt locker zum Trocknen aus, damit Samen ausfallen können, und reche es danach vollständig ab. Dauerhaft liegen gelassenes Material bildet eine nachteilige Filzschicht. Regelmäßige Mahd mit vollständigem Abräumen entzieht der Fläche dagegen allmählich Nährstoffe.
Auf wüchsigen Wiesenstandorten kann regelmäßiges Abräumen bei nicht zu spätem Schnitt innerhalb von 5 bis 10 Jahren eine Abmagerung bewirken. Verlass dich aber nicht darauf: Es ist ein langsamer Weg ohne Garantie.
Klappertopf-Arten sind Halbschmarotzer. Sie entziehen ihren WirtspflanzenWirtspflanzen sind die Pflanzen, die ein bestimmter Schädling oder Krankheitserreger befällt und von denen er lebt. Ein Schädling oder Erreger hat oft mehrere Wirtspflanzen, darunter auch verwandte Wildkräuter. Wasser und Nährstoffe und können dadurch Gräser schwächen. Man findet sie besonders in wenig gedüngten Wiesen mit später erster Mahd. Wird dir der Klappertopf selbst zu viel, können eine gezielte Frühmahd und geringe Samenproduktion den Bestand bereits innerhalb eines Jahres schwächen.
Und die Mahd?
Garten-Blumenwiesen mähst du je nach Wüchsigkeit und Standort ein- bis dreimal im Jahr. Zu seltenes Mähen kann in einer etablierten Wiese auf Dauer die Gräser fördern und die Blütenvielfalt verringern. Termine, Schnitthöhe und Staffelmahd gehören zur Frage, wie du die Blumenwiese im Jahreslauf mähst und pflegst.
Was verrät Löwenzahn über den Boden?
Gut gedeihender Löwenzahn kann auf einen stickstoffreichen Boden hinweisen. Größere Bestände und mehrere unterschiedliche Zeigerpflanzen am selben Standort sagen dabei mehr als eine einzelne Pflanze. Für eine repräsentative Bodenprobe mischst du je einheitlich genutzter Fläche 10 bis 15 gleichmäßig verteilte Einstiche. Die übliche Gartenbodenuntersuchung erfasst Stickstoff allerdings nicht standardmäßig. Willst du den Verdacht aus dem Löwenzahn prüfen, musst du die Stickstoffanalyse also eigens beauftragen.
Was ist mit Essig, Salz, Mulch und Chemie?
Essig, Salz und kochendes Wasser werden oft als natürliche Unkrautmittel genannt. Ihnen wird nachgesagt, dass sie unerwünschtes Grün absterben lassen. In der Wiese stehen Beikraut und Wildblume aber dicht beieinander, und was das eine trifft, kann das andere mittreffen. Ich setze sie auf meiner Wiese deshalb nicht ein.
„Mulch hält das Unkraut auch in der Wiese klein.“ Eine artenreiche Blumenwiese wird weder gedüngt noch dauerhaft mit ihrem Schnittgut gemulcht. Eine Mulchschicht aus Mähgut wirkt düngend, und Dünger kann konkurrenzstarke Gräser zusätzlich fördern.
Ein chemisches Unkrautmittel ist in der Blumenwiese höchstens das letzte Mittel. Es kann auch die erwünschten Pflanzen der Wiese schädigen und Nützlinge treffen. Greifst du trotzdem dazu, nimm nur ein für Haus- und Kleingarten zugelassenes Mittel und halte dich an die Gebrauchsanweisung. Trag Schutzkleidung, beachte die Wartezeit und entsorge Reste sachgerecht.
Wie beuge ich beim Neuanlegen vor?
Bei einer Neuanlage kommen problematische Wurzelunkräuter vor der Aussaat heraus, bei starkem Samenunkrautbesatz zusätzlich durch wiederholte flache Bodenbearbeitung. Die Mischung passt zum Standort und kommt ohne die konkurrenzstarken Gräser Weidelgras und Wiesenrispe aus. Saatzeitpunkt und Saatmenge findest du unter wann und wie du Blumenwiesensamen aussäst, Standort und Boden im Wildblumen-Ratgeber.
Und auf lange Sicht?
Eine Blumenwiese verändert ihr Bild im Jahresverlauf und von Jahr zu Jahr, eine mehrjährige Kräuterwiese kann bis zu 3 Jahre für ihre Entwicklung brauchen. Wie du sie über die Jahre pflegst und was sie Insekten bringt, steht im Wildblumen-Ratgeber unter Mähen und Pflege im Jahreslauf und beim Nutzen für Insekten.





