Witwenblumen für Bienen und Schmetterlinge: säen, pflegen, vermehren
- Witwenblumen bilden die Gattung Knautia, dazu gehört die heimische, mehrjährige Acker-Witwenblume.
- Es gibt spezialisierte Wildbienen, die auf Knautien und Skabiosen angewiesen sind.
- Die Acker-Witwenblume passt an trockene, sonnige Plätze, Knautia dipsacifolia nicht pauschal.
- Die Acker-Witwenblume säst du von März bis Mai oder im Herbst, 1 cm tief.
- Die Samen keimen unregelmäßig über mehrere Wochen, deshalb die Aussaat lange beobachten.
- Stängel über Winter stehen lassen und erst im Frühjahr zurückschneiden.
Ich setze Witwenblumen dorthin, wo in meinem Garten nach der Wiesenblüte im Frühsommer wenig nachkommt. Damit sie dort Bienen und Schmetterlinge versorgen, müssen drei Dinge stimmen: Die Art passt zum Standort, die Samen liegen in der richtigen Tiefe, und die Pflege lässt Stängel und Samenstände für die Tiere stehen.
Was ist eine Witwenblume?
Witwenblumen bilden die Pflanzengattung Knautia. Im Garten begegnen dir vor allem zwei Arten: die heimische Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), auch Wiesen-Witwenblume genannt, und die Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia). Welche weiteren Arten es gibt und mit welchen Wiesenblumen sie zusammenpassen, erfährst du im Ratgeber dazu, wie du Witwenblumen in der Blumenwiese ansiedelst und kombinierst.
Warum Witwenblumen eine gute Bienenweide sind
Ich schaue an sonnigen Tagen nach, wer an den Köpfchen landet, und notiere mir, wann die ersten und die letzten Blüten offen sind.
Unter den Wildbienen gibt es spezialisierte Arten, die auf Knautien und Skabiosen angewiesen sind. Andere Spezialisten brauchen Glockenblumen, gelbe KorbblütlerKorbblütler sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten unter anderem Kopfsalat, Endivie, Chicorée und Schwarzwurzel gehören. In der Fruchtfolge zählen sie zu den besonders gefährdeten Familien und sollten nicht zu häufig auf derselben Fläche stehen. oder gelbe Schmetterlingsblütler. Wer Witwenblumen sät, bietet also genau die Pflanzengruppe an, ohne die solche Bienen nicht auskommen.
Dazu kommt der Zeitpunkt. Die Hauptblüte einer heimischen Blumenwiese liegt häufig im Mai und Juni. In Kultur aus Saatgut blüht die Acker-Witwenblume im Juli und August. Die Wald-Witwenblume blüht von Juni bis September. Honigbienen brauchen nach der reichen Frühjahrsblüte den ganzen Sommer über Nahrung, besonders im Spätsommer. Witwenblumen verlängern das Angebot also genau in die Zeit, in der viele Wiesen ihre Hauptblüte hinter sich haben.
Kaufst du Pflanzen oder Saatgut von Gartenformen, achte auf ungefüllte Blüten. Vollständig gefüllte Blüten bieten Bienen keinen Pollen und nur wenig Nektar.
Blüten allein reichen Wildbienen allerdings nicht. Offene Bodenstellen und Totholz ergänzen eine Pflanzung um Nistmöglichkeiten. Solche Niststrukturen brauchen wiederum ein vielfältiges Blütenangebot in unmittelbarer Nähe, damit die Tiere dort zugleich Nahrung finden.
Witwenblumen und Schmetterlinge: Blüte plus Raupenfutter
Auch für Schmetterlinge reicht ein Blütenangebot allein nicht. Ein insektenfreundlicher Garten braucht zusätzlich Nahrungspflanzen für die Entwicklungsstadien, also für die Raupen. Große Brennnesseln dienen unter anderem den Raupen von Tagpfauenauge und Landkärtchen als Futter. Blätter und Stängel der Wilden Möhre fressen die Raupen des Schwalbenschwanzes.
Die Wilde Möhre eignet sich wie die Acker-Witwenblume für trockene, sonnige Standorte. Auf einem gemeinsamen Beet steht dann neben der Blüte auch eine Futterpflanze für die Raupen des Schwalbenschwanzes. Die Wilde Möhre bildet im ersten Jahr nur eine Blattrosette. Blüten trägt sie erst im zweiten Jahr.
Bei mir bleibt außerdem eine Ecke mit Brennnesseln stehen. Eine ganze Fläche mit lückenloser Blühfolge planst du mit dem Ratgeber dazu, wie du Blühflächen mit Raupenfutterpflanzen in deinen Garten einbindest.
Welcher Standort passt zu welcher Witwenblume?
Bevor ich säe, schaue ich mir den Platz genau an: Wie lange liegt er in der Sonne, und wie schnell trocknet er nach einem Regen ab? Danach wähle ich die Art. Die Acker-Witwenblume eignet sich für trockene, sonnige Standorte. Knautia dipsacifolia stammt dagegen aus Wäldern, Fettwiesen und Hochstaudenfluren und darf nicht pauschal wie eine Trockenwiesenpflanze behandelt werden.
| Merkmal | Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) | Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia) |
|---|---|---|
| Wuchshöhe | 30 bis 80 cm in Kultur | 20 bis 100 cm |
| Blüte | Juli und August in Kultur aus Saatgut | Juni bis September |
| Standort | trocken und sonnig | Herkunft aus Wäldern, Fettwiesen und Hochstaudenfluren, nicht wie eine Trockenwiesenpflanze behandeln |
Für dieselben trockenen, sonnigen Plätze wie die Acker-Witwenblume eignen sich auch Arznei-Thymian, Taubenkropf-Leimkraut und die Wilde Möhre.
Den Abstand zwischen den Pflanzen richtest du nach dem Platzbedarf der ausgewachsenen Staude und nach ihrer Ausbreitungskraft. Planst du ein ganzes Staudenbeet, kannst du die Belegung deines Beets im Beetplaner durchspielen.
Witwenblumen säen: Zeitpunkt, Tiefe und Geduld
Die Acker-Witwenblume säst du von März bis Mai direkt ins FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. oder in Töpfe, die im Freien stehen. Auch eine Herbstaussaat ist möglich. Die Samen kommen 1 cm tief in die Erde.
Witwenblumensamen dürfe man nicht mit Erde bedecken, heißt es oft. Für die Acker-Witwenblume stimmt das nicht: Ihre Samen säst du 1 cm tief und deckst sie mit Erde ab.
Danach brauchst du Geduld, denn Knautia arvensis keimt unregelmäßig über mehrere Wochen. Ich beschrifte deshalb jede Saatreihe und jede Schale. Dort hacke ich nichts weg, solange ich nicht sicher weiß, was aufläuft.
Aussaat in Saatschalen
In Saatschalen habe ich die Keimlinge besser im Blick als im Beet. Für Staudenansaaten nehme ich Saatschalen mit steriler Aussaaterde. Die Saat feuchte ich mit einem Zerstäuber an und halte sie gleichmäßig feucht, ohne dass sie austrocknet oder vernässt. Draußen lege ich Maschendraht über die Schalen, damit Vögel die Saat nicht fressen.
Ein warmer, zu dunkler Anzuchtplatz begünstigt übermäßiges Längenwachstum und schwache Jungpflanzen. Weil die Acker-Witwenblume ohnehin in Töpfe im Freien gesät werden kann, lasse ich die warme Fensterbank für sie frei.
Pikiert wird, sobald sich die KeimblätterKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. und die ersten Folgeblätter entfaltet haben. In den Garten kommen die SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. erst als kräftige Jungpflanzen. Hast du doch drinnen vorgezogen, härtest du die Pflanzen vor dem Auspflanzen ab: mehr Belüftung und eine niedrigere Temperatur.
Saatschale mit steriler Aussaaterde füllen, Samen 1 cm tief legen, mit dem Zerstäuber gleichmäßig feucht halten, Maschendraht gegen Vogelfraß auflegen, Schale beschriften, nach den ersten Folgeblättern pikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat..
Pflege übers Jahr: gießen, düngen, schneiden
Gießen
Solange die Saat keimt, bleibt die Erde gleichmäßig feucht. Später gieße ich nur bei Bedarf. Vor größeren Wassergaben mache ich die SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge. und prüfe, ob der Boden in etwa 20 cm Tiefe noch feucht ist. Muss ich gießen, dann seltener und dafür durchdringend bis zu den Wurzeln, möglichst morgens und direkt an den Wurzelbereich.
Düngen
Meine Acker-Witwenblumen bekommen keinen eigenen Dünger, und vor der Saat arbeite ich keinen Kompost ein. Auch Kompost ist ein Dünger und kann bei zu hohen Gaben den Boden mit Nährstoffen anreichern. Auf einer mageren, artenreichen Blumenwiese wird ganz auf Düngung verzichtet, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden.
Rückschnitt und Winter
Im Herbst lasse ich die Stängel stehen und schneide erst im Frühjahr zurück. Stehen gelassene Stängel können Insekten als Winterquartier und Eiablageplatz dienen. Ein paar Stängel am Beetrand bleiben länger als ein Jahr stehen, damit darin nistende Wildbienen ihre Entwicklung abschließen können. Ausgereifte Fruchtstände, die stehen bleiben, unterstützen außerdem das Nahrungsangebot des Stieglitz. Kranke Pflanzenteile entferne ich trotzdem, auch bei diesem zurückhaltenden Schnitt.
Witwenblumen in der Blumenwiese
Acker-Witwenblume, Wiesen-Margerite und Wiesen-Salbei werden gemeinsam in heimischen Wiesen- und Saumblumenmischungen eingesetzt. Auf einer Wiese richtet sich der Mähzeitpunkt nach der Samenbildung der blühenden Pflanzen. Wie Mahd, Schnitthöhe und Abräumen auf der ganzen Fläche laufen, steht in den Grundlagen zum Mähen und Pflegen von Wildblumenflächen.
Witwenblumen vermehren: Samen ernten und kaufen
Eigene Samen ernten
Für eigene Samen lasse ich einige Köpfchen an der Pflanze ausreifen, statt sie für die Vase zu schneiden. Geerntet wird bei trockenem Wetter, sobald die Samen ausgereift sind und sich leicht aus ihren Hüllen lösen. Danach trockne ich sie vollständig nach. Bis zur Aussaat lagern sie in beschrifteten Tüten an einem trockenen, kühlen und dunklen Ort. Gesät werden sie dann zu denselben Zeiten und in derselben Tiefe wie gekauftes Saatgut.
Saatgut kaufen
Kaufst du Saatgut, prüfe die botanische Zusammensetzung, denn die Bezeichnung Wildblumen garantiert keine heimischen Arten. Die Kennzeichnungen VWW-Regiosaaten und RegioZert weisen eine gebietseigene Herkunft nach. Für dieses regionale Saatgut ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete eingeteilt, frag beim Kauf also nach dem Ursprungsgebiet.
Witwenblumen gesund halten
In der Wachstumszeit gehe ich regelmäßig durchs Beet und schaue mir die jungen Triebspitzen an. Sitzen dort Blattläuse, streife ich sie als erste Maßnahme vorsichtig mit behandschuhten Fingern ab.
Bei blattlausfressenden SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. nutzen die erwachsenen Tiere Blütennahrung, ihre Larven fressen Blattläuse. Ein blühender Garten kann also auch die Eltern der Blattlausfresser versorgen.
Ein weißer, mehliger Belag auf den Blättern kann auf Echten MehltauMehltau ist die Bezeichnung für Pilzkrankheiten, die einen weißlichen oder grauen Belag auf den Blättern bilden. Man unterscheidet Echten Mehltau, der bei Trockenheit und Hitze auftritt, und Falschen Mehltau, der bei kühlem, feuchtem Wetter auftritt. hindeuten. Befallene Pflanzenteile schneide ich heraus. Gießwasser gebe ich morgens direkt an den Wurzelbereich und nicht über das Laub.
Pflanzenschutzmitteleinsatz gehört zu den Belastungen für Insekten. Was du auf blühende Witwenblumen sprühst, kann genau die Bienen treffen, für die du sie gesät hast.
Witwenblumen für Vase und Trockenstrauß
Für die Vase schneide ich nur einzelne Stiele und lasse den Großteil für die Insekten stehen. Geschnitten wird möglichst morgens. Vor dem Einstellen schneide ich die Stiele noch einmal sauber an und entferne Blätter, die ins Wasser ragen würden. Die Vase ist sauber, das Wasser wechsle ich regelmäßig.
Zum Trocknen hänge ich wenige Stiele kopfüber an einen luftigen, dunklen Ort. Wie gut Köpfchen und Farbe dabei halten, prüfe ich erst an diesen Stielen, bevor ich mehr schneide.
Die Wilde Karde eignet sich als Trockenblume für floristische Arrangements, und ihre Blüten bieten zahlreichen Insekten Nahrung. Abgestorbene Kardenstängel können in Randbereichen einer Wiese für bestimmte Wildbienen zwei Jahre stehen bleiben.





