Wildblumenparadies planen: Blühfolge, Raupenfutter und Platz im Garten
- Die Hauptblüte einer heimischen Blumenwiese liegt häufig im Mai und Juni; Zwiebeln, Stauden und Spätblüher schließen die Lücken davor und danach.
- Für Spätsommer und Herbst eignen sich ungefüllte Astern, Wasserdost, Besenheide und blühender Efeu.
- Raupen brauchen eigene Futterpflanzen: Wilde Möhre für den Schwalbenschwanz, Große Brennnessel für Tagpfauenauge und Landkärtchen, Gräser für das Große Ochsenauge.
- Bei der Mahd bleiben 10 bis 20 Prozent auf jährlich wechselnden Teilflächen stehen, abgestorbene Stängel dürfen mehrjährig bleiben.
- Blumeninseln im Rasen fasst du mit einem gemähten Rand ein; neben hohen Wiesen fängt ein mindestens 50 cm breiter Rasenstreifen umfallende Halme auf.
Die Hauptblüte einer heimischen Blumenwiese liegt häufig im Mai und Juni. Honigbienen brauchen aber auch nach der reichen Frühjahrsblüte Nahrung, besonders im Spätsommer. Wer nur eine Wiese sät, bietet also gerade dann weniger, wenn Honigbienen weiter Nahrung brauchen. Dazu kommen die Schmetterlinge, deren Raupen an eigenen Futterpflanzen fressen: an der Wilden Möhre, der Großen Brennnessel oder an Gräsern.
Ich plane eine Blühfläche deshalb zuerst auf dem Papier, mit einer Liste der Monate, in die ich Blüten, Raupenfutter und Nistplätze eintrage. Erst danach entscheide ich, welcher Platz im Garten welche Lücke schließt: eine Insel im Rasen, ein Saum am Gehölz oder ein Streifen am Gemüsebeet.
Was eine Bestäuberfläche liefern muss
Ein insektenfreundlicher Garten braucht mehr als Blüten. Dazu gehören Nistplätze, Quartiere für den Winter und Nahrungspflanzen für die einzelnen Entwicklungsstadien. Wie verschieden diese Stadien fressen, zeigen blattlausfressende Schwebfliegen: Die erwachsenen Tiere nutzen Blütennahrung, ihre Larven fressen Blattläuse.
Für deine Planung ergeben sich daraus drei Aufgaben. Die Blühfolge liefert Pollen und Nektar über die Saison. Futterpflanzen versorgen die Raupen. Stehende Stängel, Totholz und offene Bodenstellen bieten Nistplätze und Winterquartiere.
Artenreiche Wiesen bieten Insekten neben Nahrung auch Raum für Fortpflanzung, Rückzug und Überwinterung. Langlebige Wiesen, Säume und Wegränder sind für Insekten wertvoller als Blühflächen, die nur vorübergehend bestehen. Was Blühflächen Insekten bringen, erklärt der Wildblumen-Ratgeber ausführlich.
Für Wildbienen gehören sechs Pflanzenfamilien auf die Fläche: KorbblütlerKorbblütler sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten unter anderem Kopfsalat, Endivie, Chicorée und Schwarzwurzel gehören. In der Fruchtfolge zählen sie zu den besonders gefährdeten Familien und sollten nicht zu häufig auf derselben Fläche stehen., Kreuzblütler, LippenblütlerLippenblütler sind eine Pflanzenfamilie, deren verwachsene Blütenblätter eine Ober- und eine Unterlippe bilden. Typisch sind ein vierkantiger Stängel und paarweise gegenüberstehende Blätter, die beim Zerreiben oft auffallend riechen; dazu gehören Küchenkräuter wie Salbei, Thymian und Majoran., Schmetterlingsblütler, DoldenblütlerDoldenblütler (Apiaceae) sind eine Pflanzenfamilie, deren Blüten meist in Doppeldolden, seltener in einfachen Dolden stehen. Dazu gehören Nutzpflanzen wie Möhre, Petersilie, Sellerie, Dill und Kümmel, aber auch tödlich giftige Wildpflanzen wie Schierling. und Glockenblumengewächse. Welche einzelnen Arten Bienen und Schmetterlingen Nahrung liefern, steht in einem eigenen Artenratgeber.
Blühfolge planen: Nahrung vom Vorfrühling bis in den Herbst
Zuerst die Lücken finden
Für die Liste nehme ich die Monate von Januar bis November und trage ein, was im Garten schon blüht. Dabei notiere ich nur, was ich tatsächlich blühen sehe, nicht was auf der Saattüte steht. Die leeren Monate sind deine Lücken.
Ziel ist ein zeitlich gestaffeltes Angebot ungefüllter Blüten vom Frühjahr bis in den Spätherbst. Ungefüllte Blüten sind dabei wichtig, denn bei gefüllten können die pollenführenden Staubblätter zu Blütenblättern umgebildet sein. Vollständig gefüllte Blüten bieten Bienen keinen Pollen und nur wenig Nektar. Nicht jede ungefüllte Blüte liefert beides: Klatschmohn bietet bestäubenden Insekten viel Pollen, aber keinen Nektar.
Lies beim Saatgutkauf die Sortenbeschreibung und nicht nur den Namen. Steht dort „gefüllt“, nimm für deinen Blühplan eine ungefüllte Sorte.
Bausteine für jede Phase
Jede Lücke schließt du mit einem Baustein, der oft an einen anderen Platz im Garten gehört. Die Tabelle zeigt Beispiele mit ihrer Blütezeit.
| Phase | Baustein im Garten | Beispiele mit Blütezeit |
|---|---|---|
| Spätwinter und Vorfrühling | gesondert gepflanzte Blumenzwiebeln | Winterlinge und Schneeglöckchen ab Januar oder Februar, danach Krokusse etwa im Februar und März |
| Frühjahr | Frühblüher im Beet, Gehölzrand, Teichrand | Lungenkraut; Wald-Vergissmeinnicht am Gehölzrand im April und Mai; Sumpfdotterblume in der Sumpfzone etwa von März bis Mai |
| Frühsommer | Blumenwiese | Hauptblüte häufig im Mai und Juni; Wiesen-Salbei von Mai bis Juli |
| Hochsommer | Wiese, einjähriger Blühstreifen, Staudenbeet | Rundblättrige Glockenblume von Juni bis Oktober; Kornblume und Ringelblume etwa von Juni bis September; Wegwarte von Juli bis Oktober |
| Spätsommer und Herbst | ergänzender Staudenbereich, Gehölze | ungefüllte Astern, Wasserdost, Besenheide und blühender Efeu; Herbstastern etwa im September und Oktober; Tauben-Skabiose von Juli bis November |
Für Frühjahr und Herbst musst du nicht bei heimischen Arten bleiben. Heimische Stauden für spezialisierte Wildbienen lassen sich durch früh oder spät blühende Arten anderer Herkunft ergänzen.
Im ersten Jahr einer mehrjährigen Wiese fehlen noch manche Blüten, denn einzelne Arten blühen erst im zweiten Lebensjahr. Kornblume und Klatschmohn kannst du einer dauerhaften Mischung für einen schnellen ersten Blüheffekt beimischen. Einjährige Sommerblumen beginnen nach einer Aussaat ab Mitte April etwa 6 bis 8 Wochen später zu blühen, einzelne Arten bis zum ersten Frost.
Die Blütezeit einer fertigen Mischung lässt sich zusätzlich strecken; wie du sie durch Pflege, Nachsaat und gestaffelte Aussaat verlängerst, ist ein eigenes Thema. Nach Jahreszeiten geordnet findest du außerdem, welche Wildblumen im Frühling, Sommer und Herbst blühen.
Frühjahrsblühende Blumenzwiebeln pflanzt du von September bis November. Als Faustregel kommt über die Zwiebel eine Erdschicht vom Doppelten ihrer Zwiebelstärke. Auf schweren Böden kann Kies oder grober Sand im Pflanzloch vor anhaltender Nässe schützen.
Spezialisten mit einplanen
Manche Wildbienen sammeln Pollen nur an bestimmten Pflanzengruppen. Spezialisten gibt es für Glockenblumen, für gelbe Korbblütler, für gelbe Schmetterlingsblütler sowie für Knautien und Skabiosen. Einzelne Scherenbienenarten sammeln ihren Pollen ausschließlich an Glockenblumen, und auch die Glockenblumen-Sägehornbiene ist beim Pollensammeln auf sie spezialisiert.
Diese Arten brauchen Glockenblumen im Blütenangebot, deshalb gehört mindestens eine Art in deinen Plan. Die Rundblättrige Glockenblume blüht von Juni bis Oktober und deckt damit Sommer und Frühherbst ab. Zur Gruppe der Knautien gehört die Acker-Witwenblume, die in Saatgutkultur im Juli und August blüht. Wie du Witwenblumen als Bienenweide aussäst und pflegst, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Den Abend mitdenken
Eine lückenlose Blühfolge betrifft auch die Tageszeit. Die Gewöhnliche Nachtkerze öffnet ihre Blüten am Abend und bietet Nachtfaltern Nektar. Langrüsselige Schwärmer erreichen ihn am Ende der langen Blütenröhren.
Die Nachtviole duftet vor allem gegen Abend kräftig nach Veilchen. Bestäubt wird sie vor allem von Nachtfaltern, Wildbienen holen sich bei ihr Pollen. Die Nachtviole gilt in Deutschland als etablierter Neophyt und erhält sich an passenden Standorten durch reichliche Selbstaussaat. In einer dokumentierten Nachtfaltermischung stehen Nachtkerze, Nachtviole und Weiße Lichtnelke zusammen, und die Pflanzen dürfen nach der Blüte Fruchtstände bilden.
Zum Nachtfaltergarten gehört weniger künstliches Licht. Lampen, die du wirklich brauchst, leuchten schwach und warmweiß nach unten und schalten über Bewegungsmelder.
Hitze und Witterung einrechnen
Hitze und Trockenheit können Blüten schneller verblühen lassen und das Angebot an Pollen und Nektar verringern. Auch die Blühtermine selbst verschieben sich mit Witterung und Klima. Plane die Bausteine deshalb so, dass sich ihre Blütezeiten überlappen, statt genau aneinanderzustoßen.
Ich führe meine Blühliste über mehrere Jahre und notiere die Woche, in der die ersten Blüten einer Art offen sind. Daneben schreibe ich, wie das Wetter in den Wochen davor war.
An die Raupen denken: Futterpflanzen einplanen
Für Schmetterlinge reicht Nektar allein nicht, denn ihre Raupen brauchen eigene Futterpflanzen. Plane diese Pflanzen deshalb genauso bewusst ein wie die Blühfolge. Die Tabelle zeigt Falter und die Pflanzen, an denen ihre Raupen fressen.
| Falter | Futterpflanze der Raupen | Was du im Garten tust |
|---|---|---|
| Schwalbenschwanz | Wilde Möhre, Blätter und Stängel | RosettenRosetten sind Blattanordnungen, bei denen die Blätter dicht gedrängt stehen und scheinbar alle an derselben Stelle entspringen, weil die Sprossachse, also der Stängel, stark gestaucht ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Dachwurz. im ersten Jahr beim Jäten stehen lassen |
| Tagpfauenauge, Landkärtchen | Große Brennnessel | eine Ecke beim Mähen aussparen |
| Großes Ochsenauge | Gräser | Altgrasstreifen über Winter stehen lassen |
| Möndcheneule, Goldbraune Hauhecheleule, Roter Scheckenfalter | Gewöhnliches Leinkraut | sonnig auf lockeren, steinig-sandigen Boden setzen |
| Nachtkerzenschwärmer | überwiegend Weidenröschen, auch Nachtkerzen | Bestände frühestens ab September oder im Winter und abschnittsweise mähen |
Die Wilde Möhre bildet im ersten Jahr eine Blattrosette und blüht erst im zweiten. Da die Raupen des Schwalbenschwanzes Blätter und Stängel fressen, ist die Pflanze schon vor ihrer ersten Blüte Raupenfutter. Ich stecke deshalb im ersten Jahr einen Stab neben jede Rosette, damit sie beim Jäten stehen bleibt.
Große Brennnesseln dienen unter anderem den Raupen von Tagpfauenauge und Landkärtchen als Futterpflanzen. Gib ihnen eine Ecke, die du beim Mähen auslässt.
Gräser gehören in eine Wiesenmischung, und die Raupen des Großen Ochsenauges fressen an ihnen. Konkurrenzstarke Arten wie Weidelgras und Wiesenrispe meidest du in der Mischung aber. Altgrasstreifen, die über Winter stehen bleiben, dienen Tieren als Quartier und Vögeln als Sitzwarte.
Das Gewöhnliche Leinkraut ist in Deutschland heimisch und mehrjährig. Es eignet sich für sonnige Plätze mit lockerem, steinig-sandigem Boden, der trocken bis frisch und mäßig nährstoffreich ist. Seine geschlossenen Blüten werden von kräftigen Hummeln und anderen großen Wildbienen geöffnet und bestäubt.
Gewöhnliches Leinkraut breitet sich durch AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. aus. Setz es dorthin, wo es sich ausbreiten darf, und nicht zwischen schwächere Nachbarn im Staudenbeet.
Trotz seines Namens frisst der Nachtkerzenschwärmer als Raupe überwiegend an verschiedenen Weidenröschen. Nachtkerzen nutzt er auch, sie sind aber nicht seine Hauptfutterpflanze.
Manche Falter sind auf mehr als eine Art angewiesen. Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling brauchen den Großen Wiesenknopf für Eiablage und junge Raupen und dazu geeignete Knotenameisen für die weitere Larvenentwicklung. Welche Arten und Mischungen bedrohten Wildbienen und Schmetterlingen helfen, behandelt ein eigener Beitrag.
Beim Mähen Futter und Quartier stehen lassen
Stehen gelassene Pflanzenstängel können Insekten als Winterquartier und als Platz für die Eiablage dienen. Bei der Wiesenmahd lässt du 10 bis 20 Prozent der Fläche als Rückzugsraum stehen, jedes Jahr auf einer anderen Teilfläche. Ungemähte Altgrasstreifen bieten während der Mahd Rückzugsräume und können Nist- und Überwinterungsstrukturen erhalten. Ich markiere den Streifen vor dem Mähen mit zwei Stäben und lege ihn im nächsten Jahr an eine andere Stelle.
Wildblumen in den bestehenden Garten einbinden
Eine Bestäuberfläche muss nicht als eigenes Beet beginnen. Die Fläche entsteht aus Teilen, die zum vorhandenen Garten passen: Inseln im Rasen, Säume am Gehölz, Wildstauden im Beet und Blüten am Gemüse. Für die Wahl der Form zählen Nutzung, Licht und Feuchte.
| Gartenbereich | Passende Form | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Wege, Sitz- und Spielplätze | regelmäßig kurz gemähte Zonen innerhalb der Wiese | bleiben frei nutzbar |
| viel genutzter Rasen | Blumenrasen mit Gänseblümchen oder Kräuterrasen bis zu 20 cm | Blumenrasen etwa 3- bis 6-mal im Jahr mähen, nicht düngen, nicht vertikutierenVertikutieren ist ein Pflegeschritt für den Rasen: Scharfe Messer ritzen die Fläche leicht an und holen den Rasenfilz heraus. Rasenfilz ist eine Schicht aus liegen gebliebenem Schnittgut, abgestorbenen Pflanzenresten und Moos. |
| selten betretene Rasenfläche | Blumeninsel oder Blumenwiese | gemähter Rand; neben Wegen und Beeten ein Rasenstreifen von mindestens 50 cm |
| stark beschatteter Gehölzrand | schattenverträgliche Stauden oder Saummischung | keine übliche mehrjährige Blumenwiese |
| feuchter Teichrand | Pflanzen der Feucht- und Sumpfzone | Blutweiderich und Sumpf-Vergissmeinnicht in die Feuchtzone, Sumpfdotterblume in die Sumpfzone |
| Gemüsegarten | einjähriger Blühstreifen, Phacelia als Gründüngung | Phacelia vor der Samenbildung schlegeln oder abfrieren lassen |
| Balkon und Terrasse | Wildstauden im Gefäß | Partner mit ähnlichen Ansprüchen und vergleichbarer Konkurrenzkraft |
Blumeninseln im Rasen
Eine vorhandene Rasenfläche kannst du stellenweise öffnen und standortgerechte Wildblumen in die Lücken säen. So entstehen Blumeninseln, die du mit einem regelmäßig gemähten Rand einfasst. Bei städtischen Blühwiesen unterstützen solche Randstreifen die erkennbare Pflege und die Akzeptanz der Fläche. Ich mähe den Rand meiner Inseln im selben Gang wie den übrigen Rasen.
Neben hochwachsenden Wiesen gehört entlang von Wegen und Beeten ein Rasenstreifen von mindestens 50 cm dazu, der umfallende Halme auffängt. Willst du einen bestehenden Rasen mit Kräutern anreichern, darf er keine Obergräser enthalten, und für Sportrasen ist diese NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. ausgeschlossen. Nach der Kräuternachsaat hältst du das Gras kurz, bis die neuen Kräuter Rosetten gebildet haben.
Flächen, die genutzt werden
Blumenwiesen passen vor allem auf selten betretene Flächen, ein Blumenrasen verträgt mehr Nutzung. Ein Kräuterrasen bis zu 20 cm Höhe bleibt blütenreich und weiterhin betretbar. Das Gänseblümchen bleibt mit 5 bis 20 cm Wuchshöhe niedrig. Einen etablierten Blumenrasen mit Gänseblümchen mähst du je nach Aufwuchs etwa 3- bis 6-mal im Jahr, düngst und vertikutierst ihn aber nicht. Wege, Spiel- und Sitzbereiche hältst du innerhalb einer Wiese durch regelmäßiges Kurzmähen frei.
Wildstauden im Staudenbeet
Im Staudenbeet ergänzen Wildstauden die vorhandene Pflanzung. Erprobte Staudenmischpflanzungen bauen sich aus Gerüststauden, Begleitern, BodendeckernBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz. und Füllstauden in abgestufter Höhe auf. Wie dicht du pflanzt, richtet sich nach dem Platzbedarf der ausgewachsenen Arten und nach ihrer Ausbreitungskraft.
Weiße Wiesen-Margeriten und blau blühender Salbei blühen gleichzeitig und setzen einen Kontrast. Acker-Witwenblume, Wiesen-Margerite und Wiesen-Salbei werden auch gemeinsam in heimischen Wiesen- und Saumblumenmischungen eingesetzt. Für den Sommer eignet sich das einjährige Schmuckkörbchen, das von Juni bis Oktober blüht. Wie du Schmuckkörbchen im naturnahen Garten anbaust und mit ihnen gestaltest, erklärt ein eigener Ratgeber.
Verholzte Staudenstängel und Blütenreste lässt du über Winter stehen, weil sie kleinen Insekten als Winterversteck dienen können. Krankes Pflanzenmaterial entfernst du trotzdem.
Blüten am Gemüsebeet
Blüten am Beetrand bieten erwachsenen Schwebfliegen Nahrung, und deren Larven fressen Blattläuse. Einen Schutz vor Blattläusen garantiert das nicht.
Viele Ackerwildblumen werden ohne regelmäßige Bodenstörung von ausdauernden Gräsern, Stauden und Gehölzen verdrängt. Für einjährige Sommerblumenflächen wird der Boden dagegen vor der Aussaat umgebrochen und jedes Jahr neu eingesät. Ein solcher Streifen am Gemüsegarten bietet Ackerblumen also genau die Störung, die sie brauchen. Kornrade, Kornblume, Kamille und Mohn passen gemeinsam auf solche offenen, bearbeiteten Flächen. Die Kornrade ist mit ihren Stieltellerblüten vor allem an Tagfalter angepasst und bietet ihnen Nektar.
Phacelia liefert Bienen Pollen und Nektar. In viele Gemüsefruchtfolgen passt sie, weil sie mit den meisten Gemüsearten nicht eng verwandt ist. Phacelia gehört zu einer ursprünglich amerikanischen Gattung und ist damit eine Ergänzung zu heimischen Arten.
Als Gründüngung wird Phacelia im Gemüsebau nach etwa 3 Monaten geschlegelt, in jedem Fall vor der Samenbildung. Alternativ lässt du sie abfrieren, denn bei stärkeren Frösten von etwa −7 bis −6 °C stirbt sie ab. Nach dem Einarbeiten wartest du meist etwa 2 bis 3 Wochen bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung. Die Folgekultur kannst du vorab einplanen, wenn du die Belegung deiner Beete über die Saison planst.
Stehen Blumen und Gemüse im selben Beet, planst du die endgültige Größe der Pflanzen und ihre Reife- und Erntezeiten mit. Prüf vorher, welche Pflanzen im Beet gut zusammenpassen. Eine Mischung der Sommermalve Malope eignet sich zum Beispiel als nützlingsfreundliche Beetblume.
Nistplätze und Wasser in der Nähe
Niststrukturen brauchen ein vielfältiges Blütenangebot in unmittelbarer Nähe, damit die Tiere dort zugleich Nahrung finden. Totholz, Laub- und Steinhaufen sowie Trockenmauern ergänzen die Blüten um Brutplätze. Offene oder schütter bewachsene Bodenstellen sind Lebensraum für bodennistende Wildbienen. Um Totholz- und Lesesteinhaufen lässt du einen unbearbeiteten Pufferstreifen von etwa 50 cm.
Abgestorbene Königskerzen- und Distelstängel bleiben mehrjährig stehen. Markstängelnistende Wildbienen ziehen frühestens im Folgejahr ein, und ihre Brut schlüpft erst im übernächsten Jahr. Ich schneide im Frühjahr deshalb nur einen Teil der alten Stängel und lasse die übrigen bis ins übernächste Jahr stehen.
Eine Nisthilfe hängst du sonnig mit Ausrichtung nach Süden, Südosten oder Südwesten auf, vor Regen geschützt und fest montiert. Markhaltige Stängel bietest du einzeln und senkrecht an. Als Insektentränke dient eine Schale mit Steinen als Ausstiegshilfe, die du bei Hitze täglich auffüllst.
Auf Balkon und Terrasse
Wildpflanzen in einem gemeinsamen Gefäß sollten ähnliche Ansprüche an Licht, Substrat, Wasser und Nährstoffe haben und eine vergleichbare Konkurrenzkraft. Das Substrat richtest du nach dem natürlichen Standort der Pflanzen aus: Sand macht es magerer, Kompost nährstoffreicher. Hängende und kletternde Wildpflanzen können Geländer begrünen, Kletterpflanzen dienen als Raumteiler.
Nimm für Wildstauden lieber ein größeres Gefäß. Es puffert Wasser- und Temperaturschwankungen besser als ein kleiner Topf, braucht aber funktionierende Abflusslöcher.
Wie lege ich die Fläche an und wie pflege ich sie?
Eine typische Blumenwiese braucht Sonne ohne dichte Gehölzkonkurrenz, und ihre Mischung muss zu Licht, Bodenfeuchte und Nährstoffversorgung passen. Feines Kräutersaatgut verteilst du auf der Bodenoberfläche, walzt es an und hältst die Fläche danach etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht. Zeitfenster, Saatmenge und Bodenvorbereitung beschreibt der Wildblumen-Ratgeber in den Abschnitten Standort und Boden sowie Aussaat und Pflanzung.
Garten-Blumenwiesen bekommen je nach Wüchsigkeit und Standort 1 bis 3 Mähgänge im Jahr, und das Mähgut räumst du ab. Eine magere, auf Artenreichtum ausgerichtete Blumenwiese düngst du nicht, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Termine und Schnitthöhen stehen im Wildblumen-Ratgeber im Abschnitt Mähen und Pflege.
Die Bezeichnung Wildblumen auf einer Saattüte garantiert weder heimische Arten noch eine dauerhafte Wiese. Prüf deshalb die Artenliste und die Angaben zu heimischen Arten und mehrjähriger Nutzung; VWW-Regiosaaten und RegioZert weisen eine gebietseigene Herkunft nach. Welche Mischung zu welchem Standort passt, findest du dort im Abschnitt Mischungen und Saatgut.





