Obstbäume aus Samen ziehen: So wird aus dem Apfelkern ein Baum
- Apfelkerne bekommen vor der Aussaat eine feuchte Kältebehandlung; Hochschulanleitungen nennen je nach Protokoll 70–120 Tage.
- Für Kirschkerne werden 90–140 Tage feuchte Kältebehandlung genannt.
- Nach der Kälte säst du in Topfsubstrat und hältst die Kerne bis zur Keimung gleichmäßig feucht.
- Pikiert wird, sobald nach den Keimblättern die ersten richtigen Laubblätter erscheinen.
- Ein Sämling bewahrt die Sorteneigenschaften nicht zuverlässig; was die Früchte taugen, zeigt erst der tragende Baum.
- Enttäuschen die Früchte, kann der Sämling als Unterlage für ein Edelreis der Wunschsorte dienen.
Der Apfel hat dir geschmeckt, und jetzt steckst du einen Kern in einen Topf mit Erde. Dabei fehlt ein Schritt, denn Apfelkerne bekommen vor der Aussaat eine feuchte Kältebehandlung. Und selbst wenn ein Baum daraus wird, trägt er nicht verlässlich die Sorte, die du gegessen hast. Ich ziehe trotzdem gern Kerne an und schreibe schon auf die erste Dose, von welcher Frucht sie stammen.
Apfelbaum aus Kern ziehen: Wie läuft das ab?
Der Weg vom Kern zum Baum hat fünf Schritte:
- Kerne aus reifen, gesunden Früchten lösen und säubern.
- Die Kerne feucht und kalt lagern, das ist die Stratifikation.
- In Topfsubstrat aussäen und bis zur Keimung gleichmäßig feucht halten.
- Die SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. pikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat., also einzeln in eigene Töpfe setzen.
- Den jungen Baum an einen Platz mit genug Raum pflanzen.
Für Apfel und Kirsche nenne ich dir weiter unten konkrete Zeiten für die Kältebehandlung. Bei Birne, Pflaume und Pfirsich gehe ich nach demselben Prinzip vor, gebe dir dafür aber keine Tageszahl mit. Schon Apfel und Kirsche liegen unterschiedlich, deshalb überträgst du besser keine Zahl von einer Obstart auf die andere.
Wächst aus dem Kern dieselbe Sorte wie die Frucht?
Darauf kannst du dich nicht verlassen. Sämlinge bewahren die Eigenschaften ihrer Sorte nicht zuverlässig. Deshalb werden die meisten Obstsorten durch Veredelung sortenecht erhalten und nicht durch Aussaat.
Einen Grund kannst du dir selbst herleiten. Apfel- und Birnbäume brauchen in der Regel eine passende andere Sorte als Befruchter, die auch in der Nachbarschaft stehen kann. In einem Apfelkern kommen deshalb in der Regel zwei Sorten zusammen, nämlich die des Baums und die des Befruchters. Welche zweite Sorte beteiligt war, siehst du dem Apfel nicht an.
Ein Sämling ist ein Baum, der aus einem Samen gewachsen ist. Bei einem veredelten Baum wächst die gewünschte Sorte auf einer Unterlage, also auf der Wurzel einer anderen Pflanze. Das Edelreis ist der einjährigeEinjährige, auch Annuelle genannt, sind Pflanzen, deren Lebenszyklus üblicherweise innerhalb eines Jahres beendet ist. Sie legen als Pflanze keine Ruhezeit ein, nur ihre Samen überdauern ungünstige Zeiten. Trieb der gewünschten Sorte, der dafür verwendet wird.
Zieh Kerne an, wenn dich der Weg und die Überraschung reizen. Willst du eine bestimmte Sorte ernten, ist ein veredelter Baum die verlässliche Wahl.
Welche Kerne nehme ich?
Ich nehme Kerne aus reifen, gesunden Früchten und löse sie vollständig aus dem Fruchtfleisch. Danach spüle ich sie ab und sortiere beschädigte Kerne aus. Eine Garantie für gute Früchte ist die Auswahl nicht, weil der Sämling die Sorte ohnehin nicht zuverlässig bewahrt.
Leg mehr Kerne zurück, als du Bäume haben willst. So kannst du später die kräftigsten Sämlinge behalten.
Kerne sind hier Saatgut und kein Lebensmittel. Bittere Aprikosenkerne und Bittermandeln können Blausäure freisetzen, iss sie deshalb vorsorglich nicht.
Wie funktioniert die Kältebehandlung?
Stratifikation heißt, dass die Kerne vor der Aussaat eine Zeit lang feucht und kalt liegen. Damit ahmst du den Winter nach, den ein Kern draußen im Boden erleben würde. So gehe ich vor:
- Ich mische die sauberen Kerne mit feuchtem Sand und fülle alles in eine verschließbare Dose.
- Den Sand prüfe ich in der Hand: Er fühlt sich feucht an, gibt beim Zusammendrücken aber kein Wasser ab.
- Auf den Deckel schreibe ich Obstart, Muttersorte und Starttag.
- Die Dose kommt in den Kühlschrank, und ein Thermometer daneben zeigt mir, wie kalt es dort wirklich ist.
- Bei jeder Kontrolle sehe ich nach, ob der Sand noch feucht ist, und nehme schimmelige Kerne heraus.
| Obstart | Dauer der feuchten Kältebehandlung | Dazu gehört |
|---|---|---|
| Apfelkerne | 70–120 Tage | Spanne aus Hochschulanleitungen, deren einzelne Protokolle sich unterscheiden |
| Kirschkerne | 90–140 Tage | bevorzugte Temperatur 5 °C |
Die Spanne beim Apfel ist breit, weil die Anleitungen mit unterschiedlichen Protokollen arbeiten. Ich trage den Starttag in den Kalender ein und weiß so, an welcher Stelle der Spanne meine Kerne stehen. Vor dem unteren Wert der Spanne hole ich die Dose nicht heraus. Bei Kirschkernen lese ich außerdem am Thermometer ab, ob der Kühlschrank nahe an den bevorzugten 5 °C liegt.
Trockene Kerne in den Kühlschrank legen. Die genannten Zeiten gelten für eine feuchte Kältebehandlung, Kälte ohne Feuchtigkeit ist damit nicht gemeint.
Wie säe ich die Kerne aus?
Nach der Kältebehandlung säst du Apfelkerne in Topfsubstrat und hältst sie bis zur Keimung gleichmäßig feucht. Bei Kirschkernen gehe ich genauso vor.
Die Töpfe brauchen Ablauflöcher, damit überschüssiges Wasser abfließt und keine StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt. entsteht. Staunässe im Wurzelraum kann durch Sauerstoffmangel Fäulnis auslösen. Ich drücke jeden Kern ins SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt., decke ihn ab, bis er nicht mehr zu sehen ist, und gieße an. Zu jedem Topf stecke ich ein Schild mit Muttersorte und Aussaattag.
Danach fühle ich mit dem Finger nach, ob die Oberfläche noch feucht ist. Im Untersetzer bleibt kein Wasser stehen. Geduld gehört dazu: Ich beobachte die Oberfläche und warte, bis sich die ersten Keimlinge zeigen.
Wann und wie pikiere ich die Sämlinge?
Pikieren heißt, eng stehende Sämlinge einzeln in eigene Töpfe zu setzen. Ich warte damit, bis nach den KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. die ersten richtigen Laubblätter erscheinen.
Vor dem Pikieren stehen bereit: Einzeltöpfe mit Ablaufloch, angefeuchtetes Substrat, ein PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch. und für jeden Topf ein Schild mit Muttersorte und Aussaattag.
- Ich lockere das Substrat neben dem Sämling mit dem Pikierstab und hebe ihn samt Wurzel heraus.
- Dabei fasse ich ihn am Keimblatt an und nicht am Stängel.
- Im neuen Topf steche ich ein Loch vor, setze die Wurzel gerade hinein und drücke das Substrat an.
- Zum Schluss gieße ich an und stelle den Topf an einen hellen Platz.
Wachsen später Wurzeln aus den Bodenlöchern, zeigt der stark durchwurzelte Ballen Umtopfbedarf an. Dann bekommt der Sämling ein größeres Gefäß.
Was taugen die Früchte eines Sämlings?
Das erfährst du erst, wenn der Baum trägt. Größe, Geschmack und Reifezeit stehen vorher nicht fest, weil der Sämling die Eigenschaften der Muttersorte nicht zuverlässig bewahrt. Auch der Zeitpunkt der ersten Blüte lässt sich nicht vorhersagen. Plane den Baum deshalb als Langzeitprojekt und nicht als schnellen Weg zu eigenem Obst.
Bleiben die Blüten ohne FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so., kann ein fehlender Befruchter ein Grund sein. Für eine zuverlässige Apfelbefruchtung braucht es eine geeignete andere Sorte mit überlappender Blüte. Ein zweiter Baum derselben Sorte erfüllt diese Aufgabe nicht.
Ich hänge an jeden Sämling ein Etikett mit Muttersorte und Aussaatjahr. Trägt er später, notiere ich Größe, Geschmack und Reifezeit der Früchte. Erst danach entscheide ich, ob der Baum so bleibt oder veredelt wird.
Was mache ich, wenn die Früchte enttäuschen?
Dann kann dein Sämling als Unterlage weiterwachsen. Auf ihn kommt ein Edelreis, also ein einjähriger Trieb der Sorte, die du ernten willst. Die Früchte bestimmt danach die Edelsorte, während die Unterlage weiter Standfestigkeit, Höhe und Wuchsstärke beeinflusst. Du bekommst also eine bekannte Sorte auf einem Baum, dessen Wuchs dein Sämling mitbringt.
Pflanzt du einen veredelten Baum, bleibt die Veredelungsstelle mindestens 10 cm über der Bodenoberfläche. So bildet die Edelsorte keine eigenen Wurzeln und umgeht die Wirkung der Unterlage nicht.
Wie geht es mit dem jungen Baum weiter?
Solange der Sämling im Topf steht, behandle ich ihn wie eine Kübelpflanze. Nach dem Umtopfen in vorgedüngte Erde brauchen Kübelpflanzen gewöhnlich 4–6 Wochen keinen zusätzlichen Dünger. Später richtet sich die Menge nach der Dosierungsanweisung des Produkts, und die Düngerlösung kommt nur auf bereits feuchtes Substrat.
Plane den Platz, bevor du pflanzt. Bei veredelten Obstbäumen bestimmt die Unterlage wesentlich die spätere Baumgröße. Dein Sämling steht auf der eigenen Wurzel, seine Größe hast du also nicht über eine Unterlage gewählt. Als Anhaltspunkt für den Platzbedarf: Für Apfelhochstämme auf Sämlingsunterlagen werden im Hausgarten 10 m Abstand in der Reihe und ebenso viel Reihenabstand empfohlen. Auch als Dauerlösung im Kübel ist ein Sämling deshalb unsicher, denn die Gefäßempfehlungen für Kübelobst gelten für kleinwüchsige Obstgehölze.
Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume eignen sich für die Herbstpflanzung ab Mitte Oktober, junge Aprikosen und Pfirsiche pflanzt du vorzugsweise im Frühjahr. Nach dem Pflanzen prüfe ich Anbindung und Verbissschutz mehrmals im Jahr. Alles Weitere findest du in meiner Übersicht dazu, wie du Obstgehölze pflanzt, gießt, schneidest und düngst.

