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Sommerschnitt bei Obstbäumen: wann er passt und was er anders macht als der Winterschnitt

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Winterschnitt fördert den Austrieb, ein angepasster Sommerschnitt kann starkes Wachstum bremsen.
  • Apfelbäume lassen sich von Juni bis August schneiden; frühe Schnitte lösen eher neuen Austrieb aus, späte begrenzen ihn stärker.
  • Sauerkirschen, Aprikosen und Pfirsiche nach der Ernte im Juli bis Anfang August schneiden, Zwetschgen, Mirabellen und Pflaumen bis Anfang September.
  • Wasserschosse und nach innen wachsende junge Triebe am Ansatz ausreißen, solange sie noch krautig sind.
  • Für den Apfel einen bewölkten Wetterabschnitt wählen, Steinobst nicht an Tagen über 25 °C schneiden.
  • Schnittwunden offen lassen: Ein Wundverschluss kann das Abtrocknen des Holzes behindern.

Im Juli schieben meine Apfelbäume jedes Jahr steile, grüne Triebe mitten in die Krone. Genau jetzt kannst du eingreifen, denn die jungen Triebe sind noch weich und ein angepasster Schnitt kann den starken Wuchs bremsen. Schneidest du allerdings zur falschen Zeit oder bei praller Sonne, riskierst du Sonnenbrand an den Früchten und bei schwachen Bäumen eine schlechtere Überwinterung.

Sommerschnitt heißt, dass du während der Wachstumszeit schneidest, je nach Obstart von Juni bis Anfang September. Er wirkt anders auf den Baum als der Winterschnitt, und genau darin liegt sein Nutzen.

Was bringt der Sommerschnitt gegenüber dem Winterschnitt?

Der Unterschied zeigt sich in der Reaktion des Baums. Winterschnitt fördert bei Obstbäumen den Austrieb. Ein angepasster Sommerschnitt kann starkes Wachstum dagegen bremsen. Dazu kommt eine zweite Regel: Ein starker Rückschnitt löst kräftigen Neuaustrieb aus, ein schwächerer Schnitt regt das Triebwachstum weniger an und kann die Fruchtbildung begünstigen.

Ein harter Rückschnitt im Winter regt den Austrieb also gleich doppelt an, über die Jahreszeit und über die Schnittstärke. Einen wüchsigen Baum bremst du deshalb eher mit einem angepassten Schnitt im Sommer.

Winterschnitt Sommerschnitt
Wirkung auf den Wuchs fördert den Austrieb kann starkes Wachstum bremsen, wenn er angepasst ist
Typische Obstgruppe Kernobst wird häufig im Winter geschnitten Steinobst wird überwiegend im Sommer geschnitten
Wetter bei Kernobst trocken, auch bei leichtem Frost bis −5 °C beim Apfel bewölkt, bei Steinobst keine Tage über 25 °C
Junge Triebe sind verholzt lassen sich im krautigen Zustand am Ansatz ausreißen

Für den Sommer spricht auch etwas Praktisches. Überzählige Jungtriebe sind jetzt noch krautig und lassen sich ohne Schere entfernen. Außerdem gehören luftige Kronen beim Apfel zur Vorbeugung gegen Apfelschorf. Wie du Kernobst im Winter schneidest und wie sich die Regeln nach Obstgruppe und Wetter unterscheiden, erklären die Grundlagen zum Obstbaumschnitt.

Wann schneide ich welche Obstbäume im Sommer?

Beim Steinobst richtet sich der Termin nach der Ernte, beim Apfel nach der Wirkung, die du erreichen willst.

Obstart Zeitfenster im Sommer Worauf du achtest
Apfel Juni bis August früh löst eher neuen Austrieb aus, spät begrenzt ihn stärker
ältere Süß- und Sauerkirschen nach der Ernte große Kronen gleich beim Ernten schneiden
Sauerkirsche, Aprikose, Pfirsich nach der Ernte im Juli bis Anfang August keine Tage über 25 °C
Zwetschge, Mirabelle, Pflaume bis Anfang September, weil sie später reifen keine Tage über 25 °C

Apfel: früh oder spät schneiden?

Apfelbäume kannst du von Juni bis August schneiden. Frühe Eingriffe lösen eher erneuten Austrieb aus, späte begrenzen ihn stärker. Ein später Sommerschnitt kann schwach wachsenden Apfelbäumen aber Reservestoffe entziehen und ihre Überwinterung verschlechtern. Für einen starkwüchsigen Baum spricht das für einen Termin gegen Ende des Fensters, für einen schwachen Baum gerade nicht.

Ich schaue mir deshalb jeden Baum einzeln an. Erst prüfe ich, wie lang die neuen Triebe sind, dann lege ich den Termin fest. Birnen gehören wie Äpfel zum Kernobst, das häufig im Winter geschnitten wird. Die Sommertermine in der Tabelle gelten für den Apfel.

Im Juni steht bei kleinen Apfel- und Birnbäumen mit überreichem Behang zuerst das Ausdünnen an, von Mitte bis spätestens Ende Juni. Je Büschel bleibt dann eine gut entwickelte, unbeschädigte Frucht hängen. Wo diese Arbeit im Jahreslauf steht, zeigt dir der Überblick, welche Pflegearbeiten im Obstgarten über das Jahr anstehen.

Steinobst: nach der Ernte schneiden

Steinobst wird überwiegend im Sommer geschnitten, und zwar nach der Ernte. Sauerkirschen, Aprikosen und Pfirsiche sind im Juli bis Anfang August dran. Später reifende Zwetschgen, Mirabellen und Pflaumen kannst du bis Anfang September schneiden.

Abgestorbene Blüten und Triebspitzen kurz nach der Kirschblüte können auf Monilia-Spitzendürre hindeuten. Diese Triebe schneidest du nicht erst nach der Ernte, sondern möglichst bald nach der Blüte bis ins gesunde Holz zurück. Fruchtmumien nimmst du dabei gleich mit aus dem Baum, weil der Erreger daran überdauert.

Bei welchem Wetter schneide ich?

Für den Apfel wählst du einen bewölkten Wetterabschnitt. Plötzlich freigestellte Früchte können bei Hitze und starker Sonne Sonnenbrand bekommen. Ist es heißer als 25 °C, wartest du beim Steinobst auf kühlere Tage.

Marias Erfahrung

Ich lege den Apfelschnitt auf einen bewölkten Tag und sehe mir nach jedem größeren Ast an, welche Früchte jetzt frei in der Sonne hängen. Hängt eine ganze Partie plötzlich offen, lasse ich den Nachbarast stehen.

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Wie gehe ich beim Sommerschnitt vor?

Bevor ich die Schere ansetze, suche ich die Krone nach Nestern und Baumhöhlen ab. Regelmäßig wiederbenutzte Fortpflanzungs- und Ruhestätten besonders geschützter Tiere sind ganzjährig geschützt, auch außerhalb der Fortpflanzungszeit. Danach arbeite ich mich in einer festen Reihenfolge durch den Baum.

Wasserschosse und Innentriebe ausreißen

Zuerst kommen die Wasserschosse und die überzähligen jungen Triebe, die nach innen wachsen. Solange sie noch krautig sind, reißt du sie am Ansatz aus. Fass dafür den Trieb direkt an der Basis. Ist ein Trieb schon verholzt, nimmst du die Schere und schneidest knapp außerhalb des Astrings, ohne einen Stummel stehenzulassen.

Ich arbeite dabei von innen nach außen und nehme die Schere erst für Holz in die Hand.

Ableiten statt stutzen

Soll ein Ast niedriger oder kürzer werden, kappst du ihn nicht an beliebiger Stelle. Du schneidest oberhalb einer tieferen, nach außen gerichteten Verzweigung, die dann die Führung übernimmt. Bei einer pyramidal aufgebauten Apfelspindel hältst du auf diese Weise die oberen Fruchtäste kürzer als die unteren.

Kurz erklärt

Beim Anschneiden setzt du kurz über einer nach außen gerichteten Knospe an. Beim Entfernen schneidest du knapp außerhalb des Astrings. Beim Ableiten kürzt du bis zu einer geeigneten Verzweigung. Für alle drei Schnitte brauchst du scharfes, sauberes Werkzeug.

Wie viel darf im Sommer weg?

Wie viel du wegnimmst, entscheidest du am Baum. Beim Apfel erhöht ein zu starkes Auslichten das Sonnenbrandrisiko der Früchte, weil schützende Blätter fehlen. Zugleich löst ein starker Rückschnitt kräftigen Neuaustrieb aus. Schneide deshalb in Etappen: erst Wasserschosse und Innentriebe, dann einzelne Äste. Nach jedem größeren Ast trittst du zurück und prüfst, ob die Früchte noch Laub über sich haben.

Wer kräftig auslichtet und dann noch bei praller Sonne arbeitet, setzt die Früchte beiden Ursachen für Sonnenbrand zugleich aus: dem fehlenden Laub und der plötzlichen Freistellung bei Hitze.

Kirschen beim Ernten schneiden

Bei großkronigen Kirschbäumen kannst du Sommerschnitt und Ernte verbinden. Du schneidest die Äste, die ohnehin wegsollen, mitsamt den Früchten heraus und pflückst sie unten am Boden ab. An unserem großen Kirschbaum lege ich dafür eine Plane unter die Krone und arbeite mich Ast für Ast vor.

Schnittwunden offen lassen

Ein Baum schottet geschädigtes Gewebe durch Grenzschichten ab und überwallt Wunden vom Rand her mit Kallus. Ich lasse Schnittstellen deshalb offen und achte stattdessen auf glatte Schnitte am richtigen Punkt.

Mythos-Check

„Große Schnittwunden muss man verschließen.“ Ein Wundverschluss kann das Abtrocknen des Holzes behindern. Die Feuchtigkeit bleibt länger erhalten, und der natürliche Wundverschluss läuft dadurch langsamer.

Mini-Checkliste

Passt der Termin zur Obstart? Ist der Himmel bewölkt und bleibt es beim Steinobst unter 25 °C? Ist die Krone frei von Nestern? Sind Schere und Säge scharf und sauber? Weiche Triebe reißt du aus, Holz schneidest du am Astring. Nach jedem größeren Ast prüfst du die Früchte.

Welche Fehler passieren gerade im Sommer?

Hart zurückschneiden, um den Wuchs zu bremsen. Ein starker Rückschnitt löst kräftigen Neuaustrieb aus, auch im Sommer. Ein Stickstoffüberschuss verstärkt das Triebwachstum ebenfalls zulasten der Blüten- und Fruchtbildung, deshalb bekommen Obstbäume Stickstoff nur mäßig. Wer hart schneidet und zugleich reichlich Stickstoff gibt, fördert also zweimal genau den Austrieb, den er bremsen will.

Zu spät bei schwachen Bäumen schneiden. Bei schwach wachsenden Apfelbäumen legst du den Schnitt nicht ans Ende des Sommers, weil ein später Eingriff Reservestoffe entziehen kann. Wie du Bäume danach durch die kalte Zeit bringst, steht im Ratgeber, wie du Obstbäume und Sträucher vor Frost, Frostrissen und Wildverbiss schützt.

Bei Hitze und praller Sonne schneiden. Freigestellte Früchte können dann Sonnenbrand bekommen. Steinobst schneidest du an Tagen über 25 °C nicht, für den Apfel eignet sich ein bewölkter Wetterabschnitt.

Häufiger Fehler

Triebe auf halber Länge kappen. Zur Höhen- oder Längenbegrenzung schneidest du stattdessen oberhalb einer tieferen, nach außen gerichteten Verzweigung.

Was gilt für Werkzeug, junge Bäume und Beerensträucher?

Als Grundausstattung für den Obstbaumschnitt reichen eine geeignete Schere und eine leichtgängige Säge. Steigst du in die Krone, nimm eine unbeschädigte Obstbaumleiter, denn Haushaltsstehleitern kippen auf gewachsenem Boden leicht.

Bei jungen Bäumen geht es beim Schnitt um den Aufbau der Krone, etwa einer Pyramidenkrone aus einer Stammverlängerung und 3 bis 4 gut verteilten Gerüstästen. Beerensträucher schneidest du im Sommer nach der Ernte: Bei Sommerhimbeeren kommen die abgetragenen Ruten weg, bei Johannisbeeren ersetzt du alte Triebe durch junge. Wie du Bäume und Sträucher über alle Lebensphasen schneidest, erklärt der Ratgeber zu Schnitttechniken für Kern-, Stein- und Beerenobst.

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Häufige Fragen

Was unterscheidet den Sommerschnitt vom Winterschnitt?
Winterschnitt fördert bei Obstbäumen den Austrieb, ein angepasster Sommerschnitt kann starkes Wachstum dagegen bremsen. Kernobst wird häufig im Winter bei trockenem Wetter geschnitten, Steinobst überwiegend im Sommer. Im Sommer lassen sich außerdem junge Triebe und Wasserschosse im noch krautigen Zustand am Ansatz ausreißen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Sommerschnitt bei verschiedenen Obstbäumen?
Apfelbäume kannst du von Juni bis August schneiden, wobei frühe Eingriffe eher erneuten Austrieb auslösen und späte ihn stärker begrenzen. Sauerkirschen, Aprikosen und Pfirsiche schneidest du nach der Ernte im Juli bis Anfang August. Später reifende Zwetschgen, Mirabellen und Pflaumen kommen bis Anfang September infrage. Bei schwach wachsenden Apfelbäumen ist ein später Schnitt ungünstig, weil er Reservestoffe entziehen und die Überwinterung verschlechtern kann.
Wie entferne ich Wasserschosse beim Sommerschnitt?
Wasserschosse und überzählige, nach innen gerichtete junge Triebe reißt du aus, solange sie noch krautig sind. Dafür fasst du den Trieb direkt am Ansatz. Ist er schon verholzt, schneidest du ihn mit scharfem, sauberem Werkzeug knapp außerhalb des Astrings ab, ohne einen Stummel stehenzulassen.
Wie unterscheidet sich der Sommerschnitt bei Kern- und Steinobst?
Kernobst wie Apfel und Birne wird häufig im Winter geschnitten, beim Apfel sind zusätzlich Sommerschnitte von Juni bis August möglich. Steinobst wird überwiegend im Sommer nach der Ernte geschnitten. Beim Steinobst wartest du an Tagen über 25 °C auf kühleres Wetter, beim Apfel eignet sich ein bewölkter Wetterabschnitt, weil freigestellte Früchte bei starker Sonne Sonnenbrand bekommen können.
Fördert der Sommerschnitt die Fruchtbildung?
Ein schwächerer Schnitt regt das Triebwachstum weniger an und kann die Fruchtbildung begünstigen, ein starker Rückschnitt löst dagegen kräftigen Neuaustrieb aus. Ein angepasster Sommerschnitt kann starkes Wachstum bremsen. Der Schnitt ist dabei nicht der einzige Einfluss: Auch zu viel Stickstoff verstärkt das Triebwachstum zulasten der Blüten- und Fruchtbildung.
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