Fruchtausdünnung: wann und wie du Apfel, Birne und Pfirsich ausdünnst
- Den Behang von Apfel und Birne regulierst du nach dem natürlichen Junifruchtfall, Mitte bis spätestens Ende Juni.
- Bei starkem Behang bleibt aus einem Büschel mit 2 bis 4 Jungfrüchten die am besten entwickelte Frucht stehen.
- Beim Apfel gelten etwa 12 bis 15 cm Abstand zwischen den Früchten als Orientierung.
- Pfirsiche und Nektarinen mit starkem Behang dünnst du schon im Mai aus.
Ein Apfelbaum, der im Juni voller kleiner Früchte hängt, sieht nach einer großen Ernte aus. Jetzt ist die Zeit, den Behang zu regulieren: Der Baum wirft von selbst nur einen Teil ab, den Rest nimmst du von Hand weg. Ich gehe deshalb jeden Juni mit Schere und Eimer an meine kleinen Apfel- und Birnbäume und sehe mir jedes Büschel einzeln an.
Fruchtausdünnung heißt: Du nimmst bei starkem Behang einen Teil der jungen Früchte ab, solange sie noch klein sind. Die übrigen bekommen so mehr Raum am Ast. Das Ziel sind größere Früchte und ein Ertrag, der von Jahr zu Jahr gleichmäßiger ausfällt.
Warum der Junifruchtfall allein nicht reicht
Nach der Blüte stößt ein Obstbaum von sich aus einen Teil seiner jungen Früchte ab. Dieser natürliche Junifruchtfall beseitigt einen Teil des Überbehangs. Je nach Art und Sorte reicht er aber nicht aus, um den Wechsel zwischen starken und schwachen Erntejahren zu verhindern. Darum gehört das Ausdünnen in Jahren mit starkem Behang bei Apfel und Birne zur Sommerpflege.
Alternanz heißt der Wechsel zwischen Jahren mit starkem und Jahren mit schwachem Ertrag. Mit dem Ausdünnen verringerst du im starken Jahr den Überbehang, den der Junifruchtfall übrig gelassen hat. Eine Garantie für gleichmäßige Ernten ist das nicht, aber es setzt dort an, wo der natürliche Fruchtfall nicht ausreicht.
Wann du Apfel, Birne und Pfirsich ausdünnst
Der Termin hängt von der Obstart ab. Die Übersicht zeigt, wann du ansetzt und was danach am Ast bleibt.
| Obstart | Wann ausdünnen | Was stehen bleibt |
|---|---|---|
| Apfel | nach dem natürlichen Junifruchtfall, Mitte bis spätestens Ende Juni | bei starkem Behang die am besten entwickelte Frucht aus Büscheln mit 2 bis 4 Jungfrüchten; etwa 12 bis 15 cm Abstand als Orientierung |
| Birne | nach dem natürlichen Junifruchtfall, Mitte bis spätestens Ende Juni | bei starkem Behang die am besten entwickelte Frucht aus Büscheln mit 2 bis 4 Jungfrüchten |
| Pfirsich, Nektarine | bei starkem Behang bereits im Mai | bei Zwergpfirsichen und Zwergnektarinen mit dichtem Ansatz ungefähr alle Handbreit eine Frucht |
Apfel und Birne: Mitte bis Ende Juni
Bei Apfel- und Birnbäumen wartest du den natürlichen Junifruchtfall ab und regulierst den Behang danach, Mitte bis spätestens Ende Juni. Das gilt für kleine, gut erreichbare Bäume im Hausgarten.
Blüten könntest du schon früher abnehmen. Ich warte trotzdem, denn nach dem Junifruchtfall hat der Baum einen Teil des Überbehangs selbst abgeworfen. So nehme ich keine Früchte weg, die ohnehin gefallen wären, und sehe genau, was übrig ist.
Pfirsich und Nektarine: schon im Mai
Pfirsiche und Nektarinen mit starkem Fruchtbehang sind früher dran. Bei ihnen wird bereits im Mai ausgedünnt, von Hand oder über den Schnitt. Für Zwergpfirsiche und Zwergnektarinen mit dichtem Ansatz gilt: Ungefähr alle Handbreit bleibt eine Frucht stehen.
Und Zwetschge, Kirsche oder Quitte?
Übertrage die Richtwerte für Apfel und Birne nicht auf diese Obstarten. Wenn ich dort beschädigte Früchte entdecke, nehme ich sie ab.
Welche Frucht stehen bleibt
Zuerst kommen alle beschädigten und kranken Früchte weg. Danach nimmst du dir die Büschel vor. Bei starkem Behang von Apfel und Birne bleibt aus einem Büschel mit 2 bis 4 Jungfrüchten die am besten entwickelte stehen. Achte darauf, dass sie unbeschädigt ist.
Für die Lagerung eignen sich später nur unbeschädigte Früchte. Wer im Juni die unversehrte Frucht im Büschel stehen lässt, trifft damit schon eine Vorauswahl fürs Lager.
Bei der Handausdünnung von Äpfeln gelten 6 bis 8 Früchte je Meter Fruchtast als Orientierung. Alternativ hältst du dich an etwa 12 bis 15 cm Abstand zwischen den Früchten.
So gehst du Schritt für Schritt vor
So arbeite ich an einem kleinen Apfelbaum mit starkem Behang. Bei der Birne gehe ich genauso vor, nur ohne die Abstandsregel.
- Leiter prüfen. Was ich vom Boden aus nicht erreiche, bearbeite ich von einer standsicheren Leiter aus.
- Ast für Ast arbeiten. Ich beginne am Stamm und arbeite mich auf jedem Fruchtast nach außen vor.
- Beschädigtes zuerst. Beschädigte und kranke Früchte kommen als Erstes ab.
- Büschel ausdünnen. Aus jedem Büschel lasse ich die am besten entwickelte Frucht stehen und schneide die übrigen mit einer kleinen, scharfen Schere ab.
- Abstand prüfen. Beim Apfel zähle ich danach grob, wie viele Früchte auf einem Meter Fruchtast hängen.
- Fruchtmumien mitnehmen. Hängen noch von Monilia befallene, eingetrocknete Früchte am Baum, nehme ich sie mit ab, weil die Erreger daran überdauern.
- Abfall sortieren. Kranke Früchtchen kommen nicht auf meinen kleinen Gartenkompost, weil die Rottewärme dort Krankheitserreger meist nicht zuverlässig abtötet.
Abgeschnittene Jungäpfel einfach fallen lassen. Auf dem Weg nach unten können sie Früchte treffen und beschädigen, die am Baum bleiben sollen. Ich lege jede abgeschnittene Frucht deshalb gleich in einen Eimer.
Haushaltsstehleitern kippen auf gewachsenem Boden leicht und sind im Obstgarten ungeeignet. Nimm für die Arbeit in der Krone eine unbeschädigte Obstbaum- oder Podestleiter.
Ich gehe meine Apfelbäume im Juni-Fenster zweimal durch. Beim ersten Durchgang nehme ich Beschädigtes ab und dünne die Büschel aus. Im zweiten Durchgang zähle ich die Früchte am Fruchtast nach und korrigiere, wo es noch zu eng hängt. Den zweiten Durchgang lege ich so, dass ich vor Ende Juni fertig bin.
Ausdünnen und Sommerschnitt am selben Tag?
Schneidest du beim Ausdünnen am Apfel gleich Triebe mit, ist das bereits ein Sommerschnitt, und dafür eignet sich ein bewölkter Tag. Plötzlich freigestellte Früchte können bei Hitze und starker Sonne Sonnenbrand bekommen. Mehr dazu, wie du Kern-, Stein- und Beerenobst in jedem Baumalter schneidest, steht im Schnitt-Ratgeber.
Was die Düngung mit dem Fruchtbehang zu tun hat
Mit StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll). gehst du bei Obstbäumen maßvoll um, weil ein Überschuss das Triebwachstum zulasten der Blüten- und Fruchtbildung verstärkt. Ob dein Boden überhaupt Nachschub braucht, zeigt dir eine BodenanalyseEine Bodenanalyse ist die Laboruntersuchung einer Bodenprobe, die du aus vielen Einstichen einer Fläche zusammenmischst. Sie zeigt, welche Nährstoffe im Boden stecken und wie viel Kalk er braucht, und ist die Grundlage für bedarfsgerechtes Düngen.. Mengen und Termine für Apfel, Birne und Steinobst findest du bei den Grundlagen zum Düngen von Obstbäumen.

