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Keimprobleme: So findest du die Ursache, wenn Samen nicht aufgehen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 13 Min.Von der samen.live Redaktion

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Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Prüfe zuerst Feuchte, Temperatur und Bedeckung an der Schale, danach erst das Saatgut.
  • Aussaaterde soll gleichmäßig feucht und niemals nass sein, vor dem Gießen entscheidet die Fingerprobe.
  • Keimtemperaturen sind Artwerte: Für Paprika und Chili sind 25 °C optimal, Salat keimt deutlich kühler.
  • Langsam ist nicht kaputt: Petersilie braucht bei 10 bis 15 °C etwa 21 bis 28 Tage zum Keimen.
  • Wie lange Saatgut hält, hängt von Art und Lagerung ab. Ob eine alte Tüte noch taugt, zeigt eine Probeaussaat mit abgezählten Samen.

Die Schale steht am Fenster, die Erde ist feucht, und trotzdem zeigt sich kein einziges Keimblatt. In diesem Moment fällt der Verdacht schnell auf das Saatgut, dabei können genauso gut die Bedingungen in der Schale schuld sein. Ich hole dann zuerst ein paar Samen aus der Erde und sehe sie mir an, bevor ich etwas ändere. Hier liest du, wie du Nässe, Kälte, falsche Bedeckung und altes Saatgut auseinanderhältst und was du jeweils dagegen tust.

Samen keimen nicht: Wo fängst du mit der Suche an?

Ein Samen keimt, wenn er quellen kann, wenn die Temperatur zu seiner Art passt und wenn er richtig bedeckt ist. Fehlt eine dieser Bedingungen, bleibt die Schale leer, auch bei einwandfreiem Saatgut. Daneben kommt das Saatgut selbst in Frage, wenn es zu alt, ungünstig gelagert oder beschädigt ist.

Ich prüfe immer in derselben Reihenfolge: erst die Feuchte, dann die Temperatur, dann die Bedeckung und zuletzt das Saatgut. Feuchte, Temperatur und Bedeckung klärst du direkt an der Schale, für das Saatgut brauchst du eine Probe. Die Tabelle zeigt dir, welches Bild zu welcher Ursache passen kann.

Was du siehst Worauf es hindeuten kann Was du tust
Nichts läuft auf, die Erde ist auch unten trocken, die Samen sind hart Die Samen konnten nicht quellen Substrat durchfeuchten, danach mit der Sprühflasche feucht halten
Nichts läuft auf, die Erde ist nass, die Samen sind weich Zu viel Wasser und zu wenig Luft im Substrat Abzugslöcher prüfen, Untersetzer leeren, in frischem Substrat neu säen
Schimmel auf der Erde, der immer wiederkommt Übermäßiges Gießen oder schlechte Durchlüftung Abdeckung öffnen, vor dem Gießen die Feuchte mit dem Finger prüfen
Fruchtgemüse läuft verzögert und lückig auf Der Standort ist für die Art zu kühl An der Schale messen und wärmer stellen
Salat läuft im Sommer kaum auf Wärme kann die Keimung hemmen Kühler stellen und neu säen
Feine Samen bleiben aus, obwohl Feuchte und Temperatur passen Die Samen sind zu dick bedeckt Bedeckung mit der Angabe auf der Tüte vergleichen, flacher nachsäen
Keimlinge stehen in Nestern am Schalenrand Die Samen wurden beim Gießen abgeschwemmt Substrat vor dem Säen anfeuchten, danach nur sprühen
Im Beet liegt nach Regen eine Kruste über der Saat Die Oberfläche ist verschlämmt Vor dem Auflaufen vorsichtig neben den Saatreihen lockern
Keimlinge kippen um, der Wurzelhals ist braun und eingeschnürt Eine Auflaufkrankheit ist möglich Befallene Sämlinge entfernen, luftiger und weniger nass halten
Nur einzelne Samen keimen, obwohl alle Bedingungen stimmen Das Saatgut ist zu alt oder wurde ungünstig gelagert Probeaussaat machen, danach dichter oder neu säen

Lies die Tabelle als Sammlung von Hinweisen und nicht als Diagnose. Verschiedene Ursachen können dasselbe Bild erzeugen, und manchmal kommen mehrere zusammen. Deshalb gehst du die Punkte nacheinander durch und änderst immer nur eine Sache.

Marias Erfahrung

Bevor ich eine Schale aufgebe, grabe ich an einer Ecke einige Samen aus. Ich drücke sie zwischen den Fingern und rieche an der Erde. Harte, unveränderte Samen können auf Trockenheit hindeuten, weiche und faulig riechende auf zu viel Nässe.

Was beim Keimen im Samen abläuft, musst du für die Fehlersuche nicht im Detail kennen. Wichtig ist: Der Keimling nutzt zunächst die Nährstoffreserven im Samen, Dünger bringt eine leere Schale deshalb nicht zum Keimen. Die Grundlagen dazu stehen im Überblick, welche Keimbedingungen bei Temperatur, Saattiefe und Abstand gelten.

Zu trocken oder zu nass: Was verrät dir die Erde?

Beide Wasserfehler sehen von oben gleich aus, denn in beiden Fällen bleibt die Schale leer. Den Unterschied findest du erst, wenn du die Erde anfasst.

Fehlerbild: Die Erde ist zu trocken

Die Erde ist hell, sie löst sich vom Schalenrand und fühlt sich auch unter der Oberfläche trocken an. Ausgegrabene Samen sind hart und sehen aus wie am Tag der Aussaat. Das kann bedeuten, dass sie nie genug Wasser zum Quellen bekommen haben.

Schwerer zu erkennen ist eine kurze Trockenphase mitten in der Keimung. An Saatbändern zeigt sich das deutlich: Trocknet das Vlies während der Keimung aus, können die keimenden Pflanzen absterben. Eine angegossene Aussaat braucht deshalb gleichmäßige Feuchte, bis sie aufgelaufen ist.

Steht deine Schale über einem Heizkörper, fasst du öfter in die Erde. Trockene Heizungsluft unter der Fensterbank kann Pflanzen stärker verdunsten lassen, als ihre Wurzeln ausgleichen können.

So behebst du es: Durchfeuchte das Substrat einmal gründlich und lass überschüssiges Wasser ablaufen. Danach hältst du die Oberfläche mit einer Sprühflasche feucht, weil feines Besprühen keine Samen ausschlämmt. Eine luft- und lichtdurchlässige Haube hält die Feuchte in der Schale. Du nimmst sie ab, sobald der erste Keimling erscheint.

Im Beet entscheidet sich viel schon beim Säen. Drücke die Samen an den feuchten Grund der Saatrille und bedecke sie nach oben locker mit Erde. Ist der Unterboden sehr trocken, wässerst du das Beet 1 bis 2 Tage vor der Aussaat. Empfohlen werden dafür 15 bis 20 l/m². Bei trockener, warmer Witterung hält ein Vlies Möhrensaaten länger feucht.

Fehlerbild: Die Erde ist zu nass

Die Oberfläche glänzt, die Schale ist schwer, und die Erde riecht muffig. Ausgegrabene Samen sind weich oder zerfallen zwischen den Fingern. Das kann darauf hindeuten, dass im Substrat zu viel Wasser und zu wenig Luft war.

Ein Substrat muss Wasser aufnehmen und die Wurzeln zugleich mit Luft versorgen. Steht ein Anzuchttöpfchen dauerhaft im Wasser, gelangt nach dem Gießen keine Luft mehr an die Wurzeln. Bei Paprika hemmt zu nasses Anzuchtsubstrat außerdem das Wurzelwachstum und begünstigt das Eindringen von Welkepilzen. Kommt Schimmel auf der Erde immer wieder, weist das häufig auf übermäßiges Gießen oder schlechte Durchlüftung hin.

Häufiger Fehler

Die trockene Oberfläche als trockene Erde lesen. Bei torffreien und torfreduzierten Substraten kann die Oberfläche schon trocken sein, während der untere Gefäßbereich noch nass ist. Pythium-Erreger verbreiten sich bei hoher Feuchtigkeit über bewegliche Sporen im nassen Substrat. Wer nur auf die Oberfläche reagiert, hält die Schale also unten nass, ohne es zu merken.

So behebst du es: Stecke den Finger in die Erde und hebe die Schale an, denn Fingerprobe und Gewicht verraten mehr als die Oberfläche. Prüfe, ob die Abzugslöcher frei sind, und leere den Untersetzer. Rinnen von einer Folienabdeckung Wassertropfen herab, öffnest du sie teilweise, damit die Luft zirkuliert. Sind die Samen schon verfault, säst du in frischem Substrat neu.

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Zu kalt oder zu warm: Passt die Temperatur zur Art?

Keimtemperaturen sind Artwerte. Ein Platz, der für die eine Art zu kühl ist, kann für die andere zu warm sein.

Fehlerbild: Es ist zu kalt

Die Erde ist feucht, die Samen sind gequollen, aber lange zeigt sich nichts. Später laufen einzelne Keimlinge auf, und der Rest bleibt aus. Bei wärmeliebendem Fruchtgemüse kann das auf einen zu kühlen Standort hindeuten.

Tomaten und Paprika keimen im Bereich von 22 bis 25 °C. Für Paprika und Chili sind 25 °C optimal. Miss deshalb direkt an der Schale und nicht in der Raummitte. Ich stecke dafür ein Bodenthermometer in die Aussaaterde und lese es morgens ab.

Im Beet zählt die Bodentemperatur. Die folgenden Werte sind Mindestwerte für die Keimung im Saatbeet.

Kultur Mindestbodentemperatur für die Keimung im Saatbeet
Möhren 5 °C
Petersilie 6 °C
Porree und Zwiebeln 8 bis 10 °C
Bohnen 10 bis 12 °C
Gurken über 12 °C

Liegt dein Messwert darunter, wartest du mit der Aussaat. Der Kalender ersetzt die Messung nicht, weil sich Aussaattermine mit Witterung und regionalem Klima verschieben.

Fehlerbild: Es ist zu warm

Im Sommer gesäter Salat läuft gar nicht oder nur vereinzelt auf, obwohl die Erde feucht ist. Dahinter kann eine Keimhemmung durch Wärme stecken. Salat keimt optimal bei 15 bis 18 °C. Temperaturen über 20 °C können eine Keimhemmung auslösen. Auch bei Feldsalat und Spinat können hohe Bodentemperaturen die Keimung verhindern oder unterbrechen.

Paprika keimt optimal bei 25 °C, und bei dieser Temperatur kann Salat bereits eine Keimhemmung zeigen. Eine gemeinsame Schale auf der warmen Fensterbank passt also höchstens einer der beiden Arten.

So behebst du es: Stelle die Salatschale an einen kühleren, hellen Platz und säe dort neu. Unter Vlies oder Folie kontrollierst du bei der Verfrühung von Gemüse ebenfalls die Temperatur. Steigt sie über 30 °C, nimmst du die Abdeckung ab.

Wie beide Größen dauerhaft im passenden Bereich bleiben, zeigt der Ratgeber, wie du Temperatur und Substratfeuchte in der Anzuchtschale steuerst.

Zu tief oder zu dunkel: Stimmt die Bedeckung?

Licht spielt an zwei Stellen eine Rolle: am Samen selbst und am frisch aufgelaufenen Keimling.

Fehlerbild: Feine Samen bleiben aus

Feuchte und Temperatur passen, trotzdem erscheint nichts. Dann lohnt der Blick auf die Bedeckung. Basilikumsamen werden nur angedrückt und nicht abgedeckt, Salatsamen nur dünn mit Substrat bedeckt. Liegen solche Samen unter einer dicken Erdschicht, musst du mit Ausfällen rechnen.

Als allgemeine Orientierung bedeckst du Samen höchstens mit ihrer dreifachen Stärke mit Erde. Artspezifische Ausnahmen stehen auf der Tüte, und die gehen vor. Die Saattiefen einzelner Arten findest du im Überblick zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt Keimbedingungen.

So behebst du es: Vergleiche deine Bedeckung mit der Angabe auf der Tüte und säe flacher nach.

Fehlerbild: Die Keimlinge sind lang, dünn und blass

Das ist kein Keimproblem mehr, die Saat ist ja aufgelaufen. Das Bild kann auf Lichtmangel hindeuten, denn Wärme bei wenig Licht begünstigt übermäßiges Längenwachstum. Stelle frisch gekeimte Sämlinge hell auf und schütze sie zunächst vor praller Sonne. Wie es danach weitergeht, steht im selben Überblick im Abschnitt Jungpflanzenpflege.

Liegt es am Saatgut? Alter, Lagerung und Beschaffenheit

Stimmen Feuchte, Temperatur und Bedeckung und keimt trotzdem nur ein Teil, rückt das Saatgut in den Blick. Drei Fragen helfen dir weiter.

Wie alt ist das Saatgut wirklich?

Wie lange Gemüsesaatgut lagerfähig bleibt, unterscheidet sich nach Pflanzenart. Eine Jahreszahl für alle Arten gibt es deshalb nicht.

Die Jahresangabe auf einer Gemüse-Kleinpackung bezeichnet das Wirtschaftsjahr, in dem die Packung verschlossen oder die Keimfähigkeit zuletzt geprüft wurde. Ein gesetzliches Mindesthaltbarkeitsdatum ist für Saatgut nicht vorgeschrieben. Die Tüte nennt dir also nur den Startpunkt, und wie lange die Samen danach halten, hängt von Art und Lagerung ab. Ob eine alte Tüte noch taugt, liest du deshalb nicht vom Aufdruck ab.

Zahl im Blick

Verkehrsfähiges Saatgut muss nicht vollständig keimen. Die deutsche Saatgutverordnung nennt als reguläre Mindestkeimfähigkeit 75 % der reinen Körner bei Tomate und 65 % bei Petersilie. Einzelne Lücken in der Schale sind deshalb noch kein Beleg für schlechtes Saatgut.

Gewissheit bringt eine Probeaussaat mit genau abgezählten Samen. Bei älterem Gemüsesaatgut beurteilst du nach 2 bis 3 Wochen, ob genügend Samen gekeimt sind oder ob du dichter beziehungsweise neu säen musst. Den Ablauf zeigt der Ratgeber, wie du die Keimfähigkeit deines Saatguts mit einer Keimprobe testest. Ein zweiter Beitrag erklärt, wie du anhand der Keimrate über die Verwendbarkeit deines Saatguts entscheidest.

Wo lag die Tüte?

Ungünstige Lagerbedingungen verkürzen die Lagerfähigkeit. Überlege deshalb, wo die Tüte seit dem Kauf lag: im warmen Gewächshaus, in der feuchten Laube oder offen in der Küche. Geöffnete Päckchen bewahrst du kühl und trocken auf. Als günstig für die Lagerung von Gemüsesaatgut gelten allgemein 0 bis 10 °C. In Saatgut-Lagerräumen wird eine relative Luftfeuchte von etwa 30 % angestrebt.

Zwei Sonderfälle kommen dazu. Selbst gewonnenes Saatgut muss gründlich trocknen, bevor es in luftdichte Gefäße kommt. Geprimtes Saatgut läuft gleichmäßiger und schneller auf, bleibt aber nur begrenzt haltbar, weil sein Keimprozess schon vor der Aussaat aktiviert wurde.

Mehr dazu steht im Ratgeber, wie du Saatgut zur Lagerung vorbereitest und langfristig keimfähig aufbewahrst. Für die eigene Ernte lohnt der Beitrag, woran du schlecht gelagerte Samen erkennst und wie selbst gewonnenes Saatgut länger keimfähig bleibt.

Sind die Samen heil?

Sieh dir die Samen vor dem Säen an und sortiere zerbrochene Körner aus. Bei der technischen Reinheit von Saatgut zählen Bruchkörner nicht zu den reinen Samen, sie werden getrennt erfasst.

Hebe außerdem die Tüte mit der Partienummer auf. Bei Qualitätsproblemen lässt sich dein Saatgut damit leichter der gekauften Partie zuordnen.

Bedenke auch die Saattechnik: Einzelkornsaat spart Saatgut, setzt aber gut keimfähige Samen voraus. Mit einer alten Tüte säst du deshalb dichter und vereinzelst später.

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Häufige Fehldiagnosen: Ist es überhaupt ein Keimproblem?

„Das Saatgut taugt nichts“

Im Labor wird die Keimfähigkeit einer Partie unter kontrollierten Bedingungen geprüft, die für die Art günstig sind. Der Wert beschreibt damit nicht unmittelbar den Aufgang im Garten. Untersuchungen an Mais zeigen, dass eine normale Keimprüfung den Feldaufgang bei Kälte und Nässe nicht sicher vorhersagt. Auch einwandfreies Saatgut kann also unter ungünstigen Bedingungen lückig auflaufen, und eine neue Tüte ändert daran nichts.

„Da kommt nichts mehr“

Manche Arten brauchen länger, als die Geduld reicht. Beurteile jede Art nach ihrem eigenen Zeitmaß.

Kultur Zeit bis zur Keimung Bedingung
Petersilie etwa 21 bis 28 Tage bei 10 bis 15 °C
Tagetes ‘Bonita Mischung’ etwa 7 bis 14 Tage bei 16 bis 20 °C
Tomaten und Paprika in der Keimprobe ein bis zwei Wochen als Kontrollrichtwert bei 20 bis 25 °C
Doldenblütler in der Keimprobe drei bis vier Wochen als Kontrollrichtwert bei 20 bis 25 °C

Die Kontrollrichtwerte aus der Keimprobe sind kein Endpunkt: Vor der Endzählung kontrollierst du nach und wartest noch einige Tage. Ich schreibe das Aussaatdatum auf jedes Etikett und rechne von dort, bevor ich eine Schale aufgebe.

Was sonst wie ein Keimproblem aussieht

Aufgelaufen und wieder verschwunden. Manchmal hat die Saat gekeimt, und die Keimlinge sind danach umgefallen oder abgefressen. Ein verbräunter, eingeschnürter Wurzelhals kann auf eine Auflaufkrankheit hinweisen, und Trauermückenlarven können Wurzeln und Stängel junger Pflanzen schädigen. Wie du vorbeugst und bei Befall eingreifst, steht im Überblick zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge.

Die Erde riecht streng. Riecht frisch geöffnete, organisch gedüngte Erde intensiv, ist das allein noch kein Beweis für Verderb. Eher zum Problem werden kann lange gelagerte Erde, weil ihr Salzgehalt gestiegen sein kann. Aussaaterde sollte unter 0,5 g/l liegen, mehr dazu steht dort im Abschnitt Anzuchterde.

Die Art ruht noch. Einige Arten keimen erst nach einer Vorbehandlung, etwa Stauden mit Kältebedarf. Stratifikation dient dem Abbau einer solchen Keimhemmung, Skarifikation macht eine schwer wasserdurchlässige Samenschale für Wasser zugänglich. Die Verfahren zeigt der Ratgeber, mit welchen Vorbehandlungen und Hilfsmitteln du die Keimung förderst. Ein eigener Beitrag erklärt, welche Methoden sich zum Vorkeimen von Samen eignen.

Vorbeugen: Wie verhinderst du Keimprobleme bei der nächsten Aussaat?

Viele Ursachen aus der Diagnose-Tabelle schließt du schon vor dem Säen aus. Ich gehe dafür drei Bereiche durch: Sauberkeit, Bedingungen und Kontrolle.

Sauber anfangen

Wasche die Anzuchtgefäße vor der Aussaat aus, denn saubere Behälter bedeuten weniger mögliche Infektionsquellen. Von den Stellflächen entfernst du zuerst Pflanzen- und Substratreste. Gab es dort vorher keine Probleme mit Krankheiten oder Schädlingen, kann diese mechanische Reinigung ausreichen. Auch Geräte säuberst du, weil anhaftende Bodenreste Schadorganismen verschleppen können.

Erde aus Töpfen, in denen Pflanzen krank waren oder abgestorben sind, verwendest du nicht noch einmal als Pflanzsubstrat. Angebrochene Erdsäcke lagerst du gut verschlossen, kühl und schattig.

Bedingungen vor dem Säen klären

Lies auf der Tüte nach, welche Keimtemperatur und welche Bedeckung die Art braucht. Miss dann am vorgesehenen Platz, bevor du säst. Fülle das Substrat bereits angefeuchtet in die Gefäße, damit späteres starkes Wässern die Samen nicht wegschwemmt.

Im Beet wartest du mit Bodenbearbeitung und Direktsaat, bis die Erde abgetrocknet ist und nicht mehr schmiert. Das Saatbett soll feinkrümelig, gleichmäßig belüftet und unkrautfrei sein. Was dabei sonst schiefgehen kann, zeigt der Ratgeber, welche Fehler bei Bodenvorbereitung, Zeitpunkt und Aussaattechnik eine Aussaat scheitern lassen.

Kontrollieren und aufschreiben

Sieh regelmäßig nach deinen Schalen, damit du Krankheiten und Schädlinge früh erkennst. Bei der Tomatenanzucht unter einer transparenten Abdeckung lüftest du täglich, um Schimmel vorzubeugen. Ein Gartentagebuch hält fest, welche Sorten gut keimen und sich zügig entwickeln. Ich notiere dort Sorte, Aussaatdatum und Standort, damit die nächste Planung auf eigenen Beobachtungen aufbaut.

Mini-Checkliste

Diese Punkte gehe ich vor jeder Aussaat durch.

  • Jahresangabe auf der Tüte gelesen, altes Saatgut mit einer Probeaussaat geprüft
  • Gefäße gereinigt, Abzugslöcher frei
  • Nährstoffarme, durchlässige Aussaaterde angefeuchtet eingefüllt
  • Keimtemperatur der Art nachgelesen und am Standort gemessen
  • Bedeckung nach der Angabe auf der Tüte gewählt
  • Etikett mit Sorte und Aussaatdatum gesteckt
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Nichts gekeimt: Nachsäen oder umplanen?

Säe erst nach, wenn du die Ursache gefunden und behoben hast. Sonst wiederholst du denselben Fehler mit neuem Saatgut. Fehlen dir geeignete Bedingungen für die eigene Anzucht, können kräftige, gesunde Jungpflanzen vom Gärtner deinen Vorzuchtplan ersetzen. Wie du eine misslungene Aussaat rettest, zeigt der Ratgeber, welche Sofortmaßnahmen, Nachsaaten und Alternativen dir dann bleiben.

Häufige Fragen

Was sind die häufigsten Ursachen für Keimprobleme bei der Aussaat?
Typisch sind vier Ursachen: falsche Feuchte, unpassende Temperatur, falsche Bedeckung und gealtertes Saatgut. Zu trockenes Substrat lässt den Samen nicht quellen, zu nasses nimmt ihm die Luft und kann Fäulnis begünstigen. Jede Art hat außerdem ihre eigene Keimtemperatur und ihre eigene Saattiefe. Prüfe deshalb zuerst die Bedingungen und erst danach das Saatgut.
Wie kann die Keimrate von Samen verbessert werden?
Halte das Aussaatsubstrat gleichmäßig feucht, ohne dass es nass wird, und prüfe die Feuchte vor dem Gießen mit dem Finger. Richte die Temperatur nach der Art, denn Salat keimt optimal bei 15 bis 18 °C und damit deutlich kühler als Fruchtgemüse. Bedecke die Samen so, wie es die Tüte angibt, und nimm nährstoffarme, durchlässige Aussaaterde. Älteres Saatgut säst du nach einer Probeaussaat dichter oder ersetzt es.
Wie beeinflusst die Saatgutqualität und das Alter der Samen die Keimung?
Wie lange Gemüsesaatgut lagerfähig bleibt, unterscheidet sich nach Pflanzenart, und ungünstige Lagerbedingungen verkürzen diese Zeit. Als günstig für die Lagerung gelten allgemein 0 bis 10 °C, geöffnete Päckchen bewahrst du kühl und trocken auf. Ob ältere Samen noch ausreichend keimen, zeigt eine Probeaussaat mit genau abgezählten Samen.
Wie kann Samendormanz bei schwer keimenden Arten überwunden werden?
Das hängt davon ab, was die Keimung bremst. Ist die Samenschale schwer wasserdurchlässig, macht Skarifikation sie für Wasser zugänglich, sodass der Samen quellen kann. Beim Anritzen muss der Embryo unverletzt bleiben. Eine physiologische Keimhemmung baut die Stratifikation ab, sie wirkt aber nur auf bereits gequollene Samen, und maßgeblich bleibt die Anleitung zu deinem Saatgut.
Stimmt es, dass alle Samen bei hohen Temperaturen besser keimen?
Nein, Salat keimt optimal bei 15 bis 18 °C. Temperaturen über 20 °C können bei ihm eine Keimhemmung auslösen. Paprika und Chili brauchen dagegen Wärme, für sie sind 25 °C optimal. Richte die Temperatur deshalb immer nach der Art.
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