Temperatur und Feuchtigkeit in der Anzuchtschale: feucht statt nass, warm je nach Art
- Vor dem Gießen prüfst du die Anzuchterde mit dem Finger: gleichmäßig feucht, niemals nass.
- Bei torffreier Erde fühlst du auch unter der Oberfläche nach, denn darunter kann sie noch nass sein.
- Die Haube hält die Aussaat feucht und kommt ab, sobald der erste Keimling erscheint.
- Temperatur ist ein Artwert: Paprika keimt bei 25 °C optimal, Kopfsalat bei zu warmem Boden schlechter.
- Je wärmer die Jungpflanzen stehen, desto heller muss ihr Platz sein.

Schimmelt die AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an. oder werden die Keimlinge dünn und blass, schaue ich zuerst auf zwei Dinge. Wie nass ist das Substrat, und wie warm steht die Schale? Beides prüfst du mit dem Finger und einem Thermometer, bevor du etwas umstellst. Einen festen Idealwert für alle Schalen gibt es dabei nicht. Der passende Bereich hängt von der Art ab und davon, ob die Saat noch keimt oder schon aufgelaufen ist.
Was in der Anzuchtschale „optimal“ heißt
Bis zur Keimung und danach verfolgst du in der Schale unterschiedliche Ziele. Solange die Saat keimt, hält eine luft- und lichtdurchlässige Haube die Aussaat feucht. Sobald der erste Keimling erscheint, nehme ich die Haube ab. Die frisch gekeimten Sämlinge stelle ich dann hell auf und schütze sie anfangs vor praller Sonne. Das Substrat bleibt in beiden Phasen gleichmäßig feucht und wird nie nass.
| Was | Bis zur Keimung | Ab dem ersten Keimling |
|---|---|---|
| Abdeckung | luft- und lichtdurchlässige Haube | Haube ab |
| Substrat | gleichmäßig feucht, nie nass | gleichmäßig feucht, nie nass |
| Temperatur | KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. der jeweiligen Art | bei Tomate, Paprika und Kopfsalat kühler als zum Keimen |
| Standort | unter der Haube | hell, anfangs ohne pralle Sonne |
Welche Temperatur braucht die Saat?
Welche Temperatur in der Schale passt, ist ein Artwert: Paprika keimt bei 25 °C optimal, Kopfsalat bei zu warmem Boden schlechter. Die Keim- und Anzuchttemperaturen je Art stehen im Abschnitt Keimbedingungen im Überblick zu Aussaat und Anzucht. Wie du Wärmematte und Thermostat einsetzt, erklärt der Ratgeber, wie du die Temperatur durch alle Phasen der Anzucht führst.
Wie feucht soll die Anzuchterde sein?
Die Fingerprobe vor dem Gießen
Bevor ich gieße, drücke ich einen Finger in die Anzuchterde. Sie soll sich gleichmäßig feucht anfühlen und niemals nass. Ist sie noch feucht, warte ich mit dem Wasser. Bei torffreier oder torfreduzierter Erde fühle ich zusätzlich unter der Oberfläche nach. Dort kann das Substrat noch nass sein, obwohl die Oberfläche schon trocken wirkt.
Zu nasses Anzuchtsubstrat bremst bei Paprika das Wurzelwachstum. Wer torffreie Erde nur nach ihrer trockenen Oberfläche gießt, verstärkt also womöglich genau die Nässe unten im Gefäß, die Paprikawurzeln hemmt.
VermiculitVermiculit ist ein natürliches Mineral, das durch starkes Erhitzen zu einem leichten, porösen Granulat aufgebläht wird. Als Zusatz in Anzucht- und Pflanzerden lockert es das Substrat und speichert Wasser sowie gelöste Nährstoffe. speichert Wasser und puffert Nährstoffe. Es kann sich aber auch bei hoher Wassersättigung noch trocken anfühlen. Enthält deine Anzuchterde Vermiculit, ist ein trockenes Gefühl an den Fingern also kein sicheres Zeichen, dass gegossen werden muss.
Gießen, ohne die Saat auszuschwemmen
Ich durchfeuchte das Substrat zuerst und besprühe die Saat danach nur fein, damit die Samen nicht ausgeschwemmt werden. Das Gießwasser hat Raumtemperatur, und die Töpfchen stehen nicht dauerhaft im Wasser, damit nach dem Gießen wieder Luft an die Wurzeln kommt. Wie du Keimschale und Beet beim Gießen getrennt behandelst, steht im Überblick zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt Gießen.
Luftfeuchte und Lüften
Neben der Erde spielt auch die Luftfeuchte unter der Haube und im Zimmer mit. Wie du sie misst und mit Lüften regulierst, erklärt der Ratgeber, wie du Luftfeuchte und Belüftung bei Setzlingen im Griff behältst.
Wie hängen Wärme und Feuchte zusammen?
Fensterbank über der Heizung
Steht die Schale auf der Fensterbank über der Heizung, kann trockene Heizungsluft die Pflanzen stärker verdunsten lassen, als ihre Wurzeln Wasser aufnehmen können. An diesem Platz mache ich die Fingerprobe besonders gründlich. Nass gieße ich die Erde trotzdem nicht, denn auch hier gilt: feucht statt nass.
Vor der Nacht abtrocknen lassen
Jungpflanzen von Fruchtgemüse sollen nach dem Gießen vor der Nacht abtrocknen können, während das Substrat feucht und nicht nass bleibt. Tomaten, Paprika und Gurken gieße ich deshalb nicht erst am Abend.
Warm braucht hell
Je wärmer die Jungpflanzen stehen, desto heller muss ihr Platz sein, weil Wärme bei Lichtmangel übermäßiges Längenwachstum begünstigt. Ein zu dunkles Fenster oder zu hohe Temperaturen nach dem PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat. können zu blassen, dünnen und weichen Jungpflanzen führen. Weitere Licht- und Temperaturfehler, auch das SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen. von Kohl und Sellerie bei zu kühler Anzucht, behandelt der Überblick zu Aussaat und Anzucht im Abschnitt Jungpflanzenpflege.
Anzuchterde schimmelt: was tun?
Ein Belag auf der Anzuchterde ist für mich zuerst ein Hinweis, die Feuchte zu prüfen. Dauerhaft nasses Substrat schadet den Sämlingen nämlich auf mehreren Wegen. Bei Paprika dringen Welkepilze in zu nasses Anzuchtsubstrat leichter ein. TrauermückenTrauermücken sind Mücken, die feuchte Umgebung lieben und ihre Eier auf oder in die Erde legen. Schaden richten vor allem ihre weißen Larven an: Sie fressen an Wurzeln, besonders bei Aussaaten und Stecklingen. vermehren sich besonders in ständig zu nasser Topferde, und ihre Larven können die Wurzeln von Jungpflanzen schädigen.
Überschüssiges Gießwasser muss ablaufen können, deshalb kontrolliere ich, ob der Wasserabzug der Schale frei ist. Ist schon ein Keimling da, nehme ich die Haube ab. Bei Zierpflanzen-Aussaaten beugst du Auflauf- und Umfallkrankheiten vor, indem du locker säst, gut durchlüftest und zu nasse Flächen vermeidest. Meine Gemüseschalen säe ich genauso locker. Befallene Sämlinge nehme ich aus der Schale.
Für die Aussaat nehme ich keine Erde aus Gefäßen, in denen Pflanzen krank waren oder abgestorben sind. Angebrochene, noch unbenutzte Anzuchterde lagere ich im Sack dunkel, kühl und trocken. Wie du bei Krankheiten und Schädlingen grundsätzlich vorgehst, steht im Überblick zu Aussaat und Anzucht. Die Ursachen welker oder ungleichmäßig wachsender Sämlinge grenzt der Ratgeber ein, wie du Anzuchtfehler an ihren Anzeichen erkennst. Läuft die Saat gar nicht erst auf, findest du die möglichen Ursachen im Ratgeber, warum Samen schlecht keimen.
Womit ich Temperatur und Feuchte kontrolliere
Die Temperatur messe ich dort, wo die Saat liegt, und nicht irgendwo im Zimmer. Dafür steckt ein Bodenthermometer in der Erde. Ein Minimum-Maximum-Thermometer zeigt mir zusätzlich, wie weit es am Fenster nachts abkühlt. Beide Geräte eignen sich auch im Kleingewächshaus zur Temperaturkontrolle, ein HygrometerEin Hygrometer ist ein Messgerät für die Luftfeuchtigkeit. Beim Gärtnern zeigt es dir, wie feucht die Luft im Gewächshaus, unter der Anzuchthaube oder bei deinen Zimmerpflanzen ist. ergänzt sie für die Luftfeuchte. In einem Heft notiere ich, welche Sorten gut keimen und sich zügig entwickeln, damit die nächste Anzucht auf eigenen Beobachtungen aufbaut.
So gehe ich eine Schale durch, bevor ich gieße.
- Finger in die Erde: gleichmäßig feucht und nicht nass?
- Bei torffreier Erde: Wie sieht es unter der Oberfläche aus?
- Kann überschüssiges Wasser ablaufen, und steht kein Töpfchen dauerhaft im Wasser?
- Ist schon ein Keimling da? Dann kommt die Haube ab.
- Was zeigt das Thermometer, und ist der Platz für diese Wärme hell genug?
Nach der Anzuchtschale: abhärten und auspflanzen
Selbst gezogenes Fruchtgemüse gewöhnst du bei geeigneter Witterung tagsüber erst im Halbschatten und dann in der Sonne an draußen. Für den Pflanztermin zählen ein erwärmter Boden und die tatsächliche Witterung, weil Tomaten, Paprika und Gurken schon bei niedrigen Plusgraden im Wachstum stocken können. Die Schritte stehen im Überblick zu Aussaat und Anzucht unter AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. und Auspflanzen; den Platz im Beet planst du vorab mit dem Beetplaner.
