Upcycling im Garten: Welches Altmaterial wofür taugt und wie es draußen hält
- Vor jedem Upcycling prüfst du, ob das Altmaterial Schadstoffe enthalten kann.
- Der HT-Stempel auf Paletten steht für eine Hitzebehandlung, nicht für eine geprüfte Vorgeschichte.
- Jedes dauerhaft bepflanzte Gefäß braucht ein freies Abzugsloch, sonst entsteht Staunässe.
- Ungeschütztes Holz bekommt keinen Erdkontakt und eine Abdeckung gegen Regen und Spritzwasser.
- Mit Leinöl oder Holzöl getränkte Lappen können sich selbst entzünden und gehören in einen geeigneten Sammelbehälter.
Eine Palette vom Nachbarn, ein verbeulter Blecheimer, ein Stapel alter Ziegel: Solche Funde landen bei mir nicht im Container, sondern im Garten. Vorher stelle ich mir aber jedes Mal zwei Fragen. Was steckt in dem Material, und wie hält es draußen bei Regen, Frost und Erdkontakt? Wer diese Fragen überspringt, holt sich im ungünstigen Fall Schadstoffe ins Beet oder baut etwas, das schneller verrottet als gedacht.
Upcycling heißt, dass ein ausgedienter Gegenstand eine neue Aufgabe bekommt und dabei weitgehend seine Form behält. Ich zeige dir, welches Altmaterial sich wofür eignet, was du vorher prüfst und wie du die Stücke haltbar machst und pflegst.
Was prüfst du, bevor Altmaterial in den Garten kommt?
Vor jedem Projekt steht eine Prüfung: Kann das Ausgangsmaterial Schadstoffe enthalten? Dafür musst du wissen, woher ein Stück stammt und wofür es vorher genutzt wurde. Für Schulgärten gilt eine klare Linie: Altmaterial unbekannter Herkunft oder mit unbekannten Inhaltsstoffen wird nicht verwendet, Autoreifen und Autoschläuche ebenso wenig. Ich halte mich zu Hause an dieselbe Linie.
Hast du den Verdacht, dass der Gartenboden selbst mit Schadstoffen belastet ist, wende dich an die untere Bodenschutzbehörde. Sie ist dafür die zuständige Anlaufstelle.
Woher stammt das Stück, und was wurde darin oder darauf gelagert? Kann das Material Schadstoffe enthalten? Lässt sich ein Abzugsloch bohren, falls es ein Gefäß werden soll? Ist es frostfest? Hätte Holz direkten Kontakt mit Erde?
Ich klebe auf jedes Fundstück ein Etikett mit Herkunft und Datum. So sehe ich auch später noch, was ich schon geprüft habe.
Welches Altmaterial eignet sich wofür?
Die Übersicht ordnet gängige Fundstücke ihrer Aufgabe im Garten zu.
| Altmaterial | Gute Verwendung im Garten | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Holzpaletten | Pflanzwand, Sichtschutz, Komposter, Rahmen für Pflanzkästen | HT-Stempel ersetzt keine Prüfung der Vorgeschichte, ungeschütztes Holz ohne Erdkontakt |
| Eimer, Kochtöpfe, Wannen | Pflanzgefäß, Übertopf, Winterschutz für Kübel | Abzugsloch bohren und frei halten, Größe nach der Endgröße der Pflanze wählen |
| Ton- und Keramikgefäße | Pflanzgefäß, Dekoschale | in der Regel nicht oder nur bedingt frostfest |
| Holzkisten, Schubladen | Übertopf, Pflanzkasten | Holzgefäße verrotten vergleichsweise schnell, besonders dünnes Weichholz |
| Kunststoff-Blumentöpfe | Innentopf im Übertopf, Ohrwurmquartier | wiederverwenden oder geordnet entsorgen |
| Leitern, Fensterrahmen, Äste | Rankhilfe | Form der Hilfe nach der Kletterweise der Pflanze wählen |
| Ziegel, Backsteine, Natursteine | Beetrand, Weg, Steinhaufen als Unterschlupf | Steinhaufen unvermörtelt lassen, Wegbelag ohne Stolper- und Rutschgefahr |
| Hartholzreste | Nisthilfe für Wildbienen | Gänge ins Längsholz bohren, nicht ins Stirnholz |
| Schraubgläser, Dosen mit Deckel | Saatgut, Vliese und Folien aufbewahren | nur vollständig getrocknetes Saatgut, dunkel lagern |
| Fässer, Bottiche | Regenwasser sammeln | Vorinhalt klären, kippsicher aufstellen, Deckel drauf |
| Autoreifen, Material unbekannter Herkunft | besser weglassen | in Schulgärten ausdrücklich ausgeschlossen |
Eimer, Töpfe und Kisten als Pflanzgefäße
Ein Fundstück wird zum Pflanzgefäß, wenn es zur Pflanze und zur Umgebung passt, sicher steht und Wasser ablaufen lässt. Das Abzugsloch bohre ich, bevor Erde hineinkommt. Bei dauerhaft bepflanzten Kübeln muss es frei bleiben, sonst entsteht StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt..
Die Größe richtest du nach der Pflanze, wie sie später einmal wird, nicht nach dem Setzling. Für eine hochwachsende Stabtomate, die bis zur Herbsternte im Gefäß bleibt, gelten 35 bis 40 l SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. als optimal. Miss deshalb nach, wie viel in deinen alten Eimer oder Waschzuber passt, bevor du ihn bepflanzt. Setzt du in eine alte Wanne mehrere Gemüse nebeneinander, kannst du vorher passende Nachbarn für die Mischkultur heraussuchen.
Ton- und Keramikgefäße sind in der Regel nicht oder nur bedingt frostfest. Eine alte Steingutschüssel bepflanze ich deshalb für die Saison und räume sie vor dem Frost leer.
Bei Holzkisten und Schubladen treffen zwei Regeln aufeinander. Ungeschütztes Holz soll keinen Erdkontakt haben, und Pflanzgefäße aus Holz verrotten vergleichsweise schnell, vor allem dünnes Weichholz. Füllst du eine Holzkiste direkt mit Erde, schaffst du also genau den Erdkontakt, den ungeschütztes Holz meiden soll.
Ich nutze Holzkisten als Übertopf. Hinein kommt ein Kunststofftopf mit Abzugsloch, in den Boden der Kiste bohre ich ebenfalls Löcher. So läuft das Wasser ab, und das Holz bleibt ohne Erdkontakt.
Ausgediente Kunststoff-Blumentöpfe passen gut als Innentopf. Du verwendest sie so ein zweites Mal, und was nicht mehr taugt, entsorgst du geordnet.
Paletten: Pflanzwand, Sichtschutz und Komposter
Paletten verbaust du ganz oder zerlegst sie in einzelne Latten.
„Mit HT-Stempel ist eine Palette unbedenklich.“ Das Kürzel steht für eine Hitzebehandlung. Die Prüfung, wofür die Palette vorher genutzt wurde, ersetzt es nicht.
Hängst du eine Palette als Pflanzwand an die Mauer, müssen Befestigung und Fassade das Gewicht tragen. Dazu zählen Gestell und Pflanzen, aber auch Wind-, Nässe-, Schnee- und Eislasten. Für Gemüse, das du regelmäßig austauschst, etwa Salat, Kohlrabi oder Balkontomaten, eignen sich an der Wand Rinnen- oder Balkonkastensysteme. Alte Balkonkästen lassen sich dafür an die Querlatten schrauben. Bei mehreren Modulen kann oben eine Wasserleitung die Gefäße versorgen, während unten eine Auffangrinne das überschüssige Wasser sammelt.
Als Sichtschutz stellst du Paletten aufrecht und bepflanzt sie oder lässt Kletterpflanzen daran wachsen. Lass unten einen Durchlass für Igel frei, der mindestens 10 × 10 cm groß ist. Steht der Sichtschutz an der Grundstücksgrenze, kläre vorher die Regeln vor Ort. In Nordrhein-Westfalen etwa muss eine Einfriedigung grundsätzlich ortsüblich sein, wobei abweichende öffentlich-rechtliche Vorgaben vorgehen.
Aus mehreren Paletten entsteht ein Komposter, auf Wunsch mit mehreren Kammern nebeneinander. Lass zwischen den Brettern Spalten, damit Luft ans Material kommt. Weil der Komposter auf der Erde steht und feuchtes Material hält, verschraube ich die Latten so, dass ich einzelne austauschen kann.
Ein alter Fensterrahmen ohne Glas, mit Drahtgitter bespannt, dient als Kompostsieb. Reifer Kompost ist feinkrümelig, dunkelbraun und riecht nach Walderde. Für Erdmischungen siebst du das grobe Material aus, zur Bodenverbesserung darf es drinbleiben.
Leitern, Fensterrahmen und Äste als Rankhilfe
Welche alte Konstruktion als Rankhilfe taugt, hängt davon ab, wie die Pflanze klettert. Schlinger brauchen vor allem senkrechte Stützen, rankende Waldreben feine Gitter. Kletterrosen brauchen quer gegliederte Hilfen, an die du einzelne Triebe bei Bedarf zusätzlich anbindest. Eine ausgediente Leiter mit Quersprossen passt deshalb zur Kletterrose, einer Waldrebe fehlt an den Sprossen dagegen das feine Gitter. Für Waldreben spanne ich Draht in engem Raster in einen alten Fensterrahmen.
Ein Tipi aus langen Ästen, oben mit Naturschnur gebunden, trägt Stangenbohnen. Wähle die Äste lang genug, denn Stangenbohnen werden als kletternde Kultur 2 bis 3 m hoch. Lehnt eine Rankhilfe an der Hauswand, muss ihre Verankerung Pflanzengewicht, Wind und Dickenwachstum aushalten, dazu Nässe-, Schnee- und Eislasten.
Ziegel, Steine und Holzreste: Beetränder und Tierquartiere
Alte Ziegel, hochkant eingegraben, und gebrauchte Backsteine ergeben feste Beeteinfassungen. Wie solche Ränder zu Farbe und Form der Pflanzung passen, zeige ich bei den Ideen, wie du Blumenbeete abwechslungsreich gestaltest. Feste Einfassungen legen die Beeteinteilung dauerhaft fest. Eine gleichbleibende Beet- und Wegeeinteilung erleichtert die jährliche Anbau- und Fruchtfolgeplanung, deshalb skizziere ich die Einteilung zuerst digital und setze erst dann die Steine. Legst du aus alten Ziegeln einen Weg, achte auf einen Belag ohne Stolper- und Rutschgefahr.
Was beim Umbau übrig bleibt, findet ebenfalls eine Aufgabe. Unvermörtelte Steinhaufen und Trockenmauern behalten zugängliche Hohlräume, in denen Tiere Unterschlupf finden. Totholz bietet Käfern Brutgänge, die später auch Wildbienen nutzen. Reisig lasse ich als Haufen liegen, denn Igel nutzen große Laub- und Reisighaufen unter anderem für den Winterschlaf. Ein umgedrehter Blumentopf, mit Holzwolle gefüllt, wird zum Unterschlupf für Ohrwürmer und ist ein einfaches Projekt mit Kindern.
Für Wildbienen-Nisthilfen aus Hartholz nennen Bauvorschläge von Institutionen je nach Ausführung Bohrdurchmesser von 2 bis 10 mm und Bohrtiefen von 5 bis 15 cm. Die Gänge sollen glatt sein und im Längsholz liegen, nicht im Stirnholz.
Gläser, Dosen und Wannen: aufbewahren und überwintern
Schraubgläser und Dosen mit Deckel nehme ich für selbst gewonnenes Saatgut. Es kommt erst vollständig getrocknet hinein. Dann lagerst du es geschlossen und dunkel, möglichst gleichmäßig bei 4 bis 15 °C. Gesäuberte, trockene Vliese und Folien brauchen ebenfalls einen dunklen, mäusesicheren Platz, etwa in einer alten Blechkiste mit Deckel.
Kübelpflanzen, die draußen überwintern, kannst du in eine ausgediente Wanne oder einen großen Korb stellen. Die Zwischenräume füllst du mit trockenem Laub als Isolierung.
Fässer als Regenwassersammler
Bevor ein altes Fass zur Regentonne wird, klärst du, was vorher darin gelagert war. Steht die Tonne dort, wo Kinder spielen, muss sie kippsicher stehen und mit einem Deckel gegen Hineinfallen gesichert sein. Mit dem gesammelten Wasser gießt du Gemüse direkt im Wurzelbereich, damit die Blätter möglichst trocken bleiben. Wie du durchdringend statt oberflächlich gießt, steht im Ratgeber zur Gartenplanung.
Möbel, Lampen und Vogelhäuschen
Ein Stuhl ohne Sitzfläche trägt einen Blumenkasten, eine Kommode ohne Schubladen wird zum Kräuterregal, eine alte Teekanne zum Vogelhäuschen. Für Holzmöbel gelten dieselben Regeln wie für Kisten: kein ungeschützter Erdkontakt, Schutz vor Regen und Spritzwasser. Einen Nistkasten aus Altholz kannst du im Februar reinigen, bevor Vögel ihn neu besiedeln. Wie du einzelne Objekte vom Gummistiefeltopf bis zur Einmachglas-Lichterkette selbst baust, zeigt der Ratgeber zu DIY-Projekten Schritt für Schritt.
Für Windlichter aus Dosen und Laternen aus Einmachgläsern gilt: Eine Lichterkette für draußen muss ausdrücklich für den Außenbereich geeignet und mindestens spritzwassergeschützt nach IP44 sein. Richte das Licht nach unten, schalte es nur bei Bedarf ein und bleib bei der Farbtemperatur möglichst unter 3000 K. Ob eine Solarleuchte im Glas bei wechselhaftem Wetter funktioniert, hängt auch von ihrem Standort ab.
Wie machst du Upcycling-Stücke wetterfest?
Holz
Bei Holz fange ich mit der Konstruktion an und greife erst danach zum Pinsel. Abgeschrägte Flächen, Wasserabläufe und überstehende Dächer helfen, Staunässe am Holz zu vermeiden. Ungeschütztes Holz bekommt keinen Erdkontakt und eine Abdeckung gegen Regen und Spritzwasser. Ein Werkzeugschrank aus einer alten Tür bekommt bei mir deshalb ein kleines Dach, und Bänke stelle ich auf Steine statt direkt auf die Erde. Musst du Teile ergänzen, nimm heimisches oder FSC-zertifiziertes Holz.
Mit Leinöl oder Holzöl getränkte Lappen können sich beim Trocknen selbst entzünden. Sie gehören nach dem Ölen in einen geeigneten Sammelbehälter.
Metall
Metall behandle ich wie meine Bodenbearbeitungsgeräte: reinigen, Rost mit der Drahtbürste entfernen, danach einfetten oder neu streichen. Beschädigte Teile repariere ich oder ersetze sie, bevor ein Gestell wieder Last trägt.
Kunststoff
Bei Kunststoff lohnt der Blick auf das Ende seiner Nutzung. Biobasierte Kunststoffe sind nicht automatisch biologisch abbaubar. Auch eine industrielle Kompostierbarkeit belegt nicht, dass ein Teil auf den Gartenkompost darf.
Wie pflegst du Upcycling-Objekte?
Meine Upcycling-Stücke gehe ich in der Winterpause durch, wenn ich ohnehin die Gartengeräte reinige, öle und Scheren schärfe. An Bänken, Regalen und Rankgerüsten schaue ich auf dieselben Punkte wie an Spielgeräten: Verankerung, Schrauben, Rost, Risse im Kunststoff, Splitter und Fäulnisstellen. Was dabei auffällt, repariere ich, bevor die nächste Saison beginnt.
Das Abzugsloch wird gebohrt und danach vergessen. Verstopft es mit Erde oder Wurzeln, staut sich das Wasser im Gefäß trotzdem. Prüf bei dauerhaft bepflanzten Kübeln, ob es frei bleibt.
Ordnung macht die Pflege leichter. Eine alte Leiter an der Wand oder eine Tür mit Haken hält Harken und Schaufeln griffbereit. Spielen Kinder im Garten, bleiben scharfe Handgeräte dort nicht frei liegen, und motorisierte Geräte verwahrst du kindersicher.
Upcycling gemeinsam: Repaircafé, Tausch und Gemeinschaftsgarten
Was kaputtgeht, muss nicht gleich weg. Repaircafés unterstützen bei Reparaturen und Upcycling, teils kannst du dort auch Werkzeuge wie Nähmaschinen mitbenutzen. Bei neuem Gartenwerkzeug achte ich auf austauschbare Stiele und erhältliche Ersatzteile, damit es lange im Einsatz bleibt. Material, das du tauschst oder geschenkt bekommst, prüfst du genauso wie jedes andere Fundstück.
Im Gemeinschaftsgarten lassen sich größere Projekte zusammen umsetzen. Ein solcher Garten braucht dauerhaft geklärte Zuständigkeiten für Bewässerung und Pflege, auch für die Ferienzeit. Willst du auf öffentlichen Flächen gärtnern, hol vorher die Zustimmung des zuständigen Grünflächenamts ein. Welche Rolle Gemeinschaftsgärten, Permakultur und essbare Gärten unter den aktuellen Gestaltungstrends spielen, beschreibt ein eigener Ratgeber.

