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Anzuchtlampen richtig einsetzen: Abstand, Leuchtdauer, Spektrum und Pflege

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 8 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Den Abstand stellst du nach der Angabe deiner Lampe ein und ziehst sie nach, wenn die Sämlinge ihr entgegenwachsen.
  • Steht die LED zu dicht über den Pflanzen, können hohe Belichtungsintensitäten die Blätter schädigen.
  • Ob eine Anzuchtlampe pflanzenwirksam hell genug ist, beurteilst du besser über die PPFD in µmol/m²/s als über Lux.
  • Chlorophyll absorbiert hauptsächlich Licht im blauen und roten Spektralbereich.
  • Blasse, dünne und weiche Jungpflanzen werden durch zu wenig Fensterlicht oder zu hohe Temperaturen nach dem Pikieren begünstigt.
  • Stromkosten = Leistung in Watt × Betriebsstunden ÷ 1000 × Strompreis je kWh.

Hängt die Anzuchtlampe zu dicht über den Sämlingen, können die obersten Blätter Schaden nehmen. Kommt zu wenig Licht an, können die Jungpflanzen blass, dünn und weich werden. Ich stelle meine Lampe deshalb nicht einmal ein und vergesse sie, sondern ziehe sie mit den Pflanzen nach. Hier findest du, wie du Abstand, Leuchtdauer und Spektrum einstellst, welche Lampenart passt und wie du sie pflegst.

Wie viel Abstand braucht die Anzuchtlampe?

Einen Zentimeterwert, der für jede Anzuchtlampe passt, gibt es nicht. Wie viel Licht an den Blättern ankommt, hängt an Leistung und Bauform der Lampe und an ihrer Höhe. Du arbeitest deshalb mit der Angabe deiner Lampe, mit dem Nachziehen und mit dem Blick auf die Blätter.

Den Startpunkt finden

Schau zuerst in die Unterlagen deiner Lampe. Nennt der Hersteller eine Hänge-Höhe für die Anzucht oder eine PPFD für bestimmte Abstände, ist das dein Ausgangspunkt. Fehlt jede Angabe, hängst du die Lampe zunächst höher und senkst sie schrittweise ab, während du die Blätter beobachtest.

Die Lampe mit den Sämlingen nachziehen

Sämlinge wachsen der Lampe entgegen, sodass der Abstand ohne dein Zutun schrumpft. Häng die Lampe deshalb höhenverstellbar auf, damit du sie nachziehen kannst. Ich hänge meine LED-Leiste an Ketten unter den Regalboden und setze sie Glied für Glied höher. Den Abstand messe ich an den Blattspitzen der höchsten Pflanze, nicht an der Topfkante.

Mythos-Check

„Eine LED wird kaum warm, also darf sie direkt über den Blättern hängen.“ So einfach ist es nicht. Steht die LED zu dicht über den Pflanzen, können hohe Belichtungsintensitäten Blätter schädigen. Es kommt also auf die Lichtstärke an den Blättern an, nicht nur darauf, wie warm sich die Lampe anfühlt.

Mit dem Messgerät prüfen

Genauer wird es mit einem Messgerät, das die PPFD in µmol/m²/s anzeigt. Halte den Sensor auf Höhe der Blätter, denn dort zählt das Licht. Zum Einordnen gibt es einen Versuchswert: Im LED-Tastversuch mit der Topftomate ‘Ponchi F1 - Re’ betrug die einstellbare Photonenflussdichte 90–100 µmol/(m²·s). Das war die Einstellung dieses Versuchs und ist kein Zielwert für jede Kultur.

Mini-Checkliste

So stellst du den Abstand ein:

  • Angabe der Lampe zu Hänge-Höhe oder PPFD suchen
  • Lampe höhenverstellbar aufhängen
  • Abstand an den Blattspitzen der höchsten Pflanze messen
  • nach jedem Verstellen die obersten Blätter ansehen
  • Lampe nachziehen, wenn die Sämlinge ihr entgegenwachsen

Welches Licht brauchen Sämlinge?

Eine Anzuchtlampe liefert Sämlingen und Jungpflanzen Licht für die Photosynthese, wenn das Fensterlicht nicht reicht. Dabei zählt nicht jede Farbe gleich: Chlorophyll absorbiert vor allem Licht im blauen und roten Spektralbereich. Manche Anzuchtlampen setzen deshalb auf rote und blaue Dioden, ihr Licht wirkt violett. Weiße und Vollspektrum-LEDs enthalten neben Blau und Rot auch die übrigen Farben, ihr Licht wirkt für dich weiß.

Marias Erfahrung

Unter violettem Licht sehe ich blasse Blätter schlecht. Deshalb arbeite ich mit weißen LED-Leisten und schaue mir meine Sämlinge zusätzlich bei Tageslicht an.

PPFD statt Lux

Kurz erklärt

Die PPFD gibt an, wie viele photosynthetisch wirksame Photonen je Quadratmeter und Sekunde ankommen, gemessen in µmol/m²/s. Das tägliche Lichtintegral DLI zählt die Menge, die pro Tag und Quadratmeter eintrifft, in mol/m²/d.

Für den Lampenkauf heißt das: Eine Luxzahl auf der Verpackung beschreibt die pflanzenwirksame Lichtintensität schlechter als die PPFD. Such in den Produktdaten nach der PPFD und nach der Höhe, für die sie angegeben ist. Weil zu dichte LEDs mit ihrer hohen Intensität Blätter schädigen können, ändert sich die Lichtstärke mit dem Abstand. Ohne Höhenangabe lassen sich PPFD-Werte verschiedener Lampen deshalb kaum vergleichen.

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Welche Lampenart passt zur Anzucht?

Diese Lampenarten begegnen dir bei der Pflanzenbeleuchtung:

Lampenart Licht Abwärme Typischer Einsatz
LED-Leiste, LED-Panel weiß, Vollspektrum oder rot-blau, je nach Bauart gering an den Blättern Fensterbank, Regal, Anzuchtschrank
Leuchtstoffröhre weißes Licht in verschiedenen Farbtemperaturen spürbar ältere Technik über Saatschalen
Metallhalogenidlampe sehr hell, sonnenähnlich hoch große Flächen, Gewächshaus
Natriumdampflampe warm, rötlich-gelb hoch professioneller Gartenbau

Für Fensterbank und Regal arbeite ich mit LED-Leisten. Sie lassen sich flach über die Saatschalen hängen und geben wenig Wärme an die Blätter ab. Metallhalogenid- und Natriumdampflampen erzeugen viel Wärme. In einem kleinen Raum kann diese Abwärme die Temperatur um die Pflanzen anheben, und zu hohe Temperaturen nach dem Pikieren begünstigen blasse, dünne und weiche Jungpflanzen.

LED-Typen im Überblick

  • Weiße LEDs: breites Spektrum, Blattfarben bleiben gut erkennbar.
  • Vollspektrum-LEDs: kombinieren verschiedene Wellenlängen zu einem weißen Gesamtlicht.
  • Rot-blaue LEDs: konzentrieren sich auf die Bereiche, die Chlorophyll vor allem absorbiert; das Licht wirkt violett.

Worauf du beim Kauf achtest

Ich messe vor dem Kauf die Fläche aus, die die Lampe ausleuchten soll. Wie viele Töpfe dort stehen sollen, leite ich aus dem Beet ab, deshalb plane ich Beetflächen und Anbaupausen vorab im Beetplaner. Danach prüfe ich diese Punkte:

  • Größe: Die Lampe deckt die ganze Anzuchtfläche ab. Für breite Flächen nimmst du mehrere Leisten nebeneinander.
  • PPFD mit Höhenangabe: Sie sagt dir, was bei den Pflanzen ankommt.
  • Leistungsaufnahme in Watt: Sie bestimmt die Stromkosten.
  • Aufhängung: Sie muss höhenverstellbar sein, damit die Lampe mit den Sämlingen nach oben gehen kann.
  • Dimmer: Damit passt du die Lichtstärke an, ohne die Höhe zu ändern.
  • Zeitschaltuhr: Hat die Lampe keine eingebaute, planst du einen Zwischenstecker mit Zeitschaltuhr ein.
  • Feuchte Umgebung: Prüf, ob der Hersteller die Lampe für den Einsatz über feuchten Saatschalen freigibt.

So hängst du die Lampe sicher und gleichmäßig auf

Befestige die Aufhängung an einem tragfähigen Regalboden. Die Lampe hängt waagerecht, damit alle Schalen ähnlich viel Licht bekommen. Am Rand der Fläche kann bei einer einzelnen Lampe weniger Licht ankommen als in der Mitte. Stell die Schalen deshalb so, dass sie vollständig unter der Lampe stehen. Helle Seitenflächen oder Reflektoren lenken Streulicht zurück zu den Pflanzen.

Achtung

Bei der Anzucht arbeitest du mit Strom und Wasser am selben Platz. Führe Kabel, Stecker und Mehrfachsteckdose so, dass beim Gießen und Sprühen kein Wasser daran gelangt. Eine Lampe mit beschädigtem Kabel oder Gehäuse bleibt ausgeschaltet.

Ich führe das Kabel mit einer Schlaufe nach unten, bevor es zur Steckdose geht. So läuft Wasser nicht am Kabel entlang bis zum Stecker.

Wie lange soll die Anzuchtlampe am Tag leuchten?

Eine Zeitschaltuhr schaltet die Lampe jeden Tag zur selben Zeit ein und aus. So bekommen deine Sämlinge eine gleichbleibende Leuchtdauer, auch an Tagen, an denen du nicht daran denkst. Wie lange die Lampe läuft, zeigen Beispiele aus Versuchen:

Kultur im Versuch Beginn der Belichtung Licht pro Tag Lichtintensität
Basilikum ‘Großes Grünes’ und ‘Chianti’ ab der Aussaat 12 Stunden keine Angabe
Topftomaten und Snackpaprika ab dem Topfen 16 Stunden mit LEDs keine Angabe
Topftomate ‘Ponchi F1 - Re’ ab dem Topfen 16 Stunden LED-Licht einstellbare Photonenflussdichte 90–100 µmol/(m²·s)

Diese Leuchtdauern waren die Einstellungen der jeweiligen Versuche. Sie sind keine allgemeine Empfehlung für andere Kulturen oder deine Anzuchtsituation. Ich notiere die Schaltzeiten auf einem Streifen Klebeband an der Zeitschaltuhr, damit ich sie jederzeit ablesen kann.

Weil die PPFD das Licht je Sekunde beschreibt und das DLI die Menge des ganzen Tages zählt, hängt die Tageslichtmenge an Lichtstärke und Leuchtdauer zugleich. Verstellst du die Höhe der Lampe, ändert sich also auch die Tagesmenge, selbst wenn die Zeitschaltuhr gleich bleibt.

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Was kostet der Betrieb einer Anzuchtlampe?

Zahl im Blick

Stromkosten in Euro = Leistungsaufnahme in Watt × Betriebsstunden ÷ 1000 × Strompreis in Euro je kWh.

Die Leistungsaufnahme findest du auf dem Typenschild oder in den Produktdaten. Den Strompreis entnimmst du deiner Stromrechnung. Als Betriebsstunden setzt du die tägliche Leuchtdauer mal die Zahl der Tage ein, an denen die Lampe läuft. Beim Lampenvergleich gehören beide Angaben zusammen: Die Wattzahl bestimmt die Kosten, die PPFD sagt dir, was davon bei den Pflanzen ankommt.

Woran erkennst du zu viel oder zu wenig Licht?

Blasse, dünne und weiche Sämlinge

Zu wenig Fensterlicht begünstigt blasse, dünne und weiche Jungpflanzen, ebenso zu hohe Temperaturen nach dem Pikieren. Zeigen deine Sämlinge unter der Lampe dieses Bild, kann das auf zu wenig Licht an den Blättern hindeuten oder auf zu viel Wärme. Prüf zuerst den Abstand und die PPFD an den Blättern, danach die Temperatur am Anzuchtplatz. Welche Temperaturen Aussaat und Jungpflanzen brauchen, steht im Überblick zu Gefäßen, Anzucht und Beetplanung.

Geschädigte Blätter direkt unter der Lampe

Zeigen die obersten Blätter Schäden, kann die Lampe zu dicht hängen. Zieh sie höher und beobachte, wie sich die neuen Blätter entwickeln. Ist deine Lampe dimmbar, kannst du stattdessen die Lichtstärke senken.

Ungleichmäßiger Wuchs

Bleiben Sämlinge am Rand zurück oder neigen sie sich zur Mitte, kommt das Licht wahrscheinlich nicht überall gleich an. Ich drehe die Schalen dann und tausche Töpfe vom Rand mit Töpfen aus der Mitte. Bei breiten Flächen kann eine weitere Leiste helfen, die Lücke zu schließen.

Häufiger Fehler

Die Lampe einmal einstellen und dann hängen lassen. Die Sämlinge wachsen ihr entgegen, und der Abstand wird kleiner, ohne dass du etwas verstellst.

Anzuchtlampen pflegen und warten

Reinigen

Staub auf Dioden und Abdeckung kann die Lichtausbeute verringern. Ich ziehe vor dem Abwischen den Stecker, lasse die Lampe abkühlen und nehme ein weiches, trockenes Tuch. Auf die Dioden drückst du dabei nicht. Wann es Zeit ist, siehst du am Staub auf der Abdeckung.

Kabel und Aufhängung prüfen

Bevor ich die Lampe für eine neue Anzucht aufhänge, prüfe ich Kabel, Stecker und Ketten auf Schäden. Lockere Haken ziehe ich nach, bevor die Lampe wieder Gewicht trägt.

Lichtstärke im Blick behalten

Die Leuchtkraft einer Lampe kann mit den Betriebsjahren nachlassen. Mit einem PPFD-Messgerät misst du dafür immer an derselben Stelle und in derselben Höhe. Die Werte vergleichst du mit früheren Messungen. Fallen sie deutlich ab, rückst du die Lampe näher heran oder ersetzt sie.

Leuchtmittel tauschen

Beim Tausch achtest du auf ein ähnliches Spektrum und eine ähnliche PPFD, damit sich die Bedingungen für deine Sämlinge nicht unbemerkt ändern. Liefert die neue Lampe mehr Licht, hängst du sie zunächst höher und tastest dich wieder heran.

Lampe und Fensterlicht kombinieren

In einem Versuch mit Topftomaten und Snackpaprika nahm der anfängliche Entwicklungsvorsprung unter LEDs gegenüber der Fensterbank ab, als die Tage länger und die Sonne stärker wurden. Ob Tageslicht für deine Anzuchtschalen reicht und wie viel Licht welche Wachstumsphase braucht, liest du im Ratgeber über natürliches und künstliches Licht für Anzuchtschalen.

Brauchst du eine smarte Steuerung?

Manche Anzuchtlampen lassen sich per App steuern und morgens und abends langsam hoch- und herunterdimmen. Für meine Anzucht arbeite ich mit einer einfachen Zeitschaltuhr, weil sie die Leuchtdauer jeden Tag gleich hält.

Häufige Fragen

Was sind Anzuchtlampen und wie funktionieren sie?
Anzuchtlampen liefern Sämlingen und Jungpflanzen Licht für die Photosynthese, wenn das Fensterlicht nicht reicht. Chlorophyll absorbiert vor allem Licht im blauen und roten Spektralbereich, deshalb kommt es auf diese Anteile im Lampenlicht an. Wie viel pflanzenwirksames Licht eine Lampe liefert, beschreibt die PPFD in µmol/m²/s besser als die Beleuchtungsstärke in Lux. Eine Zeitschaltuhr sorgt dafür, dass die Lampe jeden Tag gleich lange leuchtet.
Was bedeutet der PAR Wert bei Wachstumslampen?
PAR steht für photosynthetisch aktive Strahlung, also das Licht, das Pflanzen für die Photosynthese nutzen. Für eine Anzuchtlampe ist die PPFD in µmol/m²/s die passende Angabe, weil sie die pflanzenwirksame Lichtintensität besser beschreibt als Lux. Das tägliche Lichtintegral DLI gibt an, wie viele photosynthetisch wirksame Photonen pro Tag und Quadratmeter ankommen, gemessen in mol/m²/d. Steht auf einer Lampe nur eine Luxzahl, kannst du daraus schlecht ablesen, wie viel Licht deine Sämlinge bekommen.
Wie installiert man Keimungslampen richtig für die Sämlingszucht?
Häng die Lampe höhenverstellbar an Ketten auf, damit du sie nachziehen kannst, wenn die Sämlinge wachsen. Als Startpunkt nimmst du die Hänge-Höhe oder PPFD-Angabe des Herstellers, denn wie viel Licht an den Blättern ankommt, hängt von Modell und Höhe ab. Steht die LED zu dicht über den Pflanzen, können hohe Belichtungsintensitäten Blätter schädigen, deshalb schaust du nach jedem Verstellen auf die obersten Blätter. Kabel und Stecker führst du so, dass beim Gießen kein Wasser daran gelangt.
Führen Anzuchtlampen tatsächlich zu Stromkostenproblemen?
Das hängt von der Leistung der Lampe und ihrer Laufzeit ab, und du kannst es vor dem Kauf ausrechnen. Die Formel lautet: Leistungsaufnahme in Watt mal Betriebsstunden, geteilt durch 1000, mal Strompreis in Euro je kWh. Die Wattzahl steht auf dem Typenschild oder in den Produktdaten, den Strompreis findest du auf deiner Stromrechnung. Als Betriebsstunden setzt du die eingestellte tägliche Leuchtdauer mal die Zahl der Anzuchttage ein.
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