Anzuchtschalen reinigen: Ablauf je Material, Essig und wann es fällig ist
- Erst Erdreste entfernen, dann mit warmem Wasser, Spülmittel und Bürste schrubben.
- Mit klarem Wasser nachspülen und gut trocknen lassen, bevor neue Erde hineinkommt.
- Desinfektion mit Essig ist ein Hausmittel ohne Wirkzusage: nur auf der sauberen Schale und nie an Gummidichtungen, Kupfer oder Messing.
- Fällig ist die Reinigung vor jedem erneuten Bepflanzen und vor dem Einlagern.
- Holz und Ton gut durchtrocknen lassen, Torf- und Kokostöpfe nur einmal verwenden.

Bevor im Frühjahr die erste Saat in die Erde kommt, hole ich die Schalen vom Vorjahr aus dem Regal. An den Rändern klebt alte Erde, in den Zellen der Multitopfplatten hängen Wurzelreste, und manche Schale trägt einen grünen Belag. Genau dort können Erreger der letzten Saison überdauert haben. Wenn du Anzuchtbehälter gründlich reinigst und bei Bedarf geeignet desinfizierst, kannst du solche Infektionsquellen reduzieren, bevor der erste Keimling erscheint.
Reinigen heißt, Erde, Wurzelreste und Beläge mechanisch zu entfernen. Desinfizieren heißt, auf der sauberen Fläche zusätzlich gezielt Keime zu mindern. Deshalb kommt das Desinfizieren immer nach dem Reinigen und nie an seiner Stelle.
So reinigst du Anzuchtschalen Schritt für Schritt
Ich arbeite draußen an einer Wanne in der Nähe des Wasserhahns und gehe jede Schale in derselben Reihenfolge durch. Bereit liegen Spülmittel, eine kräftige Bürste, eine schmale Flaschenbürste für enge Zellen und ein Paar Handschuhe.
Erdreste und Wurzeln entfernen
Klopf die leere Schale über einem Eimer aus und kratz festsitzende Erde mit der Bürste ab. Zieh Wurzelreste aus den Ecken, bevor die Schale ins Wasser kommt. Schau dir danach die Abzugslöcher an: Ich stochere sie mit einem Holzstäbchen frei, bis kein Krümel mehr darin sitzt. Pflanzgefäße brauchen offene Abflusslöcher gegen StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt., denn stehendes Wasser begünstigt WurzelfäulnisBei Wurzelfäule faulen die Wurzeln einer Pflanze und sterben ab, meist weil die Erde ständig nass ist und Sauerstoff fehlt. Oft sind Schadpilze beteiligt, und die Pflanze welkt trotz feuchter Erde..
Mit warmem Wasser, Spülmittel und Bürste schrubben
Fülle die Wanne mit warmem Wasser und gib Spülmittel dazu. Festgebackene Erde lässt du darin weich werden, bis sie sich mit der Bürste lösen lässt. Dann schrubbst du Innenseite, Außenseite und Boden der Schale. Für die Zellen von Multitopfplatten nehme ich die schmale Bürste und arbeite jede Ecke einzeln aus. Hauben, Untersetzer und Stecketiketten wasche ich im selben Durchgang mit.
Mit klarem Wasser nachspülen
Spül jede Schale danach mit klarem Wasser ab, bis kein Schaum mehr daran hängt. So gelangt kein Spülmittel in die frische AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an..
Gut trocknen lassen
Neue Erde kommt erst in eine Schale, die gut getrocknet ist. Ich stelle die Schalen kopfüber auf ein Gitter oder lehne sie schräg an die Hauswand, damit das Wasser abläuft und Luft an alle Seiten kommt.
Schale ausklopfen, Wurzelreste ziehen, Abzugslöcher freimachen, in warmem Spülwasser mit der Bürste schrubben, mit klarem Wasser nachspülen, gut trocknen lassen. Erst danach befüllst du die Schale neu oder räumst sie ein.
Desinfektion mit Essig: was du erwarten kannst
Beim Desinfizieren von Anzuchtschalen fällt schnell das Stichwort Essig. Ihm wird eine keimmindernde Wirkung nachgesagt, weil er sauer ist, und er steht ohnehin in fast jeder Küche. Wie stark Essig Erreger auf einer Schale mindert, hängt von Konzentration, Einwirkdauer und Erreger ab, und eine feste Regel für Anzuchtschalen gibt es dafür nicht.
Wenn du Essig nimmst, dann als zweiten Schritt: Erst reinigst du die Schale vollständig mit Spülwasser und Bürste. Danach wischst du sie mit Essig aus, spülst sie gründlich mit klarem Wasser nach und lässt sie gut trocknen. Ich selbst nehme Essig höchstens nach der Bürste, nie statt ihr.
Leg keine Teile mit Gummidichtung und nichts aus Kupfer oder Messing in den Essig. Essig kann Gummidichtungen spröde machen und an Kupfer oder Messing Grünspan bilden lassen. Das betrifft zum Beispiel Sprühflaschen mit Dichtung oder Schlauchkupplungen aus Messing, die gern im selben Eimer landen.
Desinfektionsmittel aus dem Handel
Ich bleibe bei Bürste und Spülwasser. Willst du nach kranken SämlingenSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. zusätzlich ein Desinfektionsmittel aus dem Handel einsetzen, dann nur als letzten Schritt auf der bereits sauberen Schale. Lies vorher die Gebrauchsanweisung, trag die dort genannte Schutzausrüstung und halte dich an die Angaben zu Anwendung und Entsorgung. Danach spülst du die Schale mit klarem Wasser nach. Je nach Mittel kann es Material angreifen oder die Umwelt belasten, deshalb gehört es nicht in die Routine.
Kunststoff, Ton, Holz, Torf: was das Material verlangt
Die Reihenfolge bleibt bei jedem Material gleich. Unterschiede gibt es bei Wassertemperatur, Trocknung und Haltbarkeit.
| Material | So reinigst du es | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Kunststoff: Saatschalen, Multitopfplatten, Hauben | warmes Spülwasser, Bürste, schmale Bürste für die Zellen | kein heißes Wasser für dünnwandige Schalen, Schalen mit Rissen aussortieren |
| Ton und Keramik | Krusten trocken abbürsten, dann in Spülwasser schrubben und nachspülen | gründlich durchtrocknen lassen, bevor du stapelst |
| Holz: Anzuchtkisten | abbürsten, mit warmem Wasser und Bürste waschen, nicht im Wasser liegen lassen | gründlich durchtrocknen lassen und trocken lagern |
| Torf- und Kokostöpfe | nicht waschen | nur einmal verwenden |
Kunststoff
Dünnwandige Schalen und Multitopfplatten können sich in heißem Wasser verziehen, deshalb nehme ich für sie nur warmes Wasser. Schalen mit Rissen sortiere ich aus, weil sich in den Rissen Erde festsetzt, die keine Bürste erreicht.
Ton und Keramik
Ton ist porös und nimmt Wasser auf. Helle Krusten am Topfrand bürste ich trocken ab, bevor der Topf ins Spülwasser kommt. Danach stehen Tontöpfe bei mir länger auf dem Gitter als Kunststoffschalen, bis sie auch innen trocken wirken.
Holz
Holzkisten wasche ich mit Bürste und warmem Wasser, lasse sie aber nie in der Wanne liegen. Bei Holz erfüllt das Trocknen zwei Zwecke: Es gehört vor dem nächsten Befüllen ohnehin zur Reinigung, und trocken gehaltenes Holz ist besser vor Pilzbefall geschützt. Achte auch darauf, dass die Kisten Abzugsöffnungen haben, damit beim Gießen keine Nässe im Holz stehen bleibt.
Torf und Kokos
Gepresste Töpfe aus Torf oder KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf. lassen sich nicht schrubben wie Kunststoff. Ich nehme sie für einen einzigen Durchgang und reinige sie nicht.
Wie oft? Wann deine Anzuchtschalen wieder fällig sind
Ich richte mich nicht nach dem Kalender, sondern nach Anlässen:
- Vor jedem neuen Befüllen: Eine Schale wird gereinigt und gut getrocknet, bevor sie wieder bepflanzt wird, auch mitten in der Saison.
- Am Saisonende: Alle Schalen kommen sauber und trocken ins Lager, damit sie im Frühjahr startklar sind.
- Nach Ausfällen: Sind in einer Schale Sämlinge eingegangen oder sahen sie krank aus, wasche ich diese Schale getrennt von den anderen und besonders gründlich. Hier kann sich auch ein Desinfizieren nach der Reinigung lohnen.
- Bei sichtbaren Zeichen: Grüner Belag, Krusten oder ein muffiger Geruch sind ein Anlass, die Schale zwischendurch zu waschen.
Wann eine Schale frei wird, hängt an der Kultur. Bei der Anzucht in Saatschalen werden Tomatensämlinge nach ungefähr 3 Wochen pikiert, danach ist die Schale frei für die Wäsche. Was sonst zu Gefäßen, Anzucht und Beetplanung gehört, von der Temperatur bis zum Pikiertopf, fasst der Überblick zur Garten-Technik zusammen.
Ich wasche eine Saatschale am Tag des Pikierens, solange die Erde darin noch feucht ist und sich leicht löst. Danach steht sie kopfüber auf dem Gitter, bis ich sie wieder brauche.
Pflanztisch und Werkzeug gehören dazu
Auch der Pflanztisch, auf dem du Schalen befüllst und pikierst, gehört zu den Arbeitsmitteln, die du reinigst. Befüllst du frisch gewaschene Schalen auf einer ungeputzten Fläche, kannst du dir einen Teil dessen zurückholen, was du gerade weggebürstet hast. PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch., Pflanzholz und Handschaufel putze ich nach der Arbeit mit: trockene Erde abbürsten, fest haftenden Schmutz mit Wasser und Bürste entfernen, danach trockenreiben. Wie du Werkzeug darüber hinaus pflegst und lagerst, steht im Überblick zur Garten-Technik im Abschnitt Werkzeug pflegen, reparieren und lagern.
Sauber und trocken bis zur nächsten Aussaat lagern
Ich räume die Schalen erst weg, wenn sie ganz trocken sind, auch an den Rändern und in den Zellen der Multitopfplatten. Dann staple ich sie nach Größe sortiert in eine Kiste mit Deckel. Holzkisten bekommen einen trockenen Platz im Schuppen und stehen nicht direkt auf feuchtem Boden. Vor der ersten Aussaat im Frühjahr nehme ich jede Schale noch einmal in die Hand und prüfe sie auf Risse. Hat sich Staub abgesetzt, spüle ich sie mit klarem Wasser ab und lasse sie wieder trocknen.
Schalen noch feucht ineinanderstapeln. Zwischen den Lagen kommt dann kaum Luft an die Flächen, und sie trocknen schlecht ab. Lass jede Schale gut trocknen, bevor sie in den Stapel kommt.
Wenn die Schalen sauber in der Kiste liegen, plane ich die nächste Saison. Du kannst Flächen und Anbaupausen im Beetplaner festlegen und im Mischkultur-Planer prüfen, welche Beetnachbarn zusammenpassen.
