Gartenpraxis · Hochbeet · Pflege

Hochbeet kalken und Erde verbessern: erst messen, dann mischen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Kalk gehört nur ins Hochbeet, wenn der pH für die Bodenart zu niedrig ist, denn regelmäßige Kompostgaben liefern bereits Kalzium.
  • Bei lehmiger Gartenerde liegt der günstige pH je nach Humusgehalt bei 5,5 bis 7,0, bei sandiger Erde liegt der Bereich niedriger, bei toniger höher.
  • Für ein mit Gartenboden gefülltes Hochbeet gelten jährlich 3 l Kompost pro m² als Grundversorgung, zusätzlicher Stickstoff richtet sich nach dem Gemüse.
  • Sand kann die Durchlässigkeit schwerer Erde zusammen mit organischem Material verbessern.
  • Torffreie Erde lässt sich aus je einem Drittel reifem Kompost, Garten- oder Kokosfaser und sauberer Gartenerde mischen.
Hochbeet nutzen
Foto: AndreasGoellner · Pixabay Content License · Quelle ↗

Wer sein Hochbeet aus Gewohnheit kalkt, tut der Erde nicht unbedingt etwas Gutes. Kalk ist erst sinnvoll, wenn der pH für die Bodenart zu niedrig ist. Dazu kommt, dass regelmäßige Kompostgaben bereits Kalzium liefern. Bevor ich zu Kalk, Sand oder Torfersatz greife, kläre ich deshalb drei Fragen. Welche Füllung steckt im Beet, welche Bodenart hat sie und welchen pH zeigt sie? Mit diesen Antworten suchst du den Bodenverbesserer aus, der zu deinem Beet passt.

Welche Füllung steckt in deinem Hochbeet?

Wie du die Erde verbesserst, hängt an der Füllung. Ein Hochbeet kann mit Gartenerde, mit gekaufter Blumenerde oder mit einer organischen Schichtfüllung gefüllt sein. Flache oder kleine Hochbeete können mit reinem Substrat gefüllt werden und brauchen keinen klassischen Schichtaufbau.

  • Gartenboden: Für diese Füllung gelten die pH-Spannen nach Bodenart und die jährliche Kompostgabe, die ich dir weiter unten zeige.
  • Erde aus dem Sack: Für gekaufte Hochbeet- oder Blumenerde richtest du dich beim pH nach den Angaben des Herstellers.
  • Organische Schichtfüllung: Die verrottenden Schichten geben Wärme ab und liefern Nährstoffe nach, was eine reine Substratfüllung nicht leistet. Je nach Füllmaterial dauert die Verrottung etwa 5 bis 7 Jahre, danach nutzt du die entstandene Humuserde anderweitig und befüllst das Beet neu.

Im ersten Jahr setzt die klassische Füllung aus Reisig, Kompost und Gartenerde erhöht Stickstoff frei. Dazu passen starkzehrende Kohlarten und Sellerie, die du im Beetplaner auf deine Beetfläche verteilst. Ab dem zweiten Jahr gilt für diese Füllung eine Frühjahrsgabe Horngrieß als allgemeine Empfehlung, nicht als Extra für Erde, die schon ausreichend gedüngt ist. Mengen und Schichtmaße findest du im Ratgeber zum Schichtaufbau und Düngen im Hochbeet.

Wann musst du ein Hochbeet kalken?

Kalk gehört nur dann ins Hochbeet, wenn der pH für die Bodenart zu niedrig ist. Ohne Messung weißt du das nicht, deshalb misst du zuerst.

Welcher pH passt zu deiner Bodenart?

Bei einer Füllung mit Gartenboden hängt der günstige pH von der Bodenart und vom Humusgehalt ab.

Bodenart der Gartenbodenfüllung Günstiger pH-Bereich je nach Humusgehalt
sandig 5,0 bis 6,5
lehmig 5,5 bis 7,0
tonig 6,0 bis 7,5

Diese Spannen beschreiben Gartenboden und bilden keinen einheitlichen Zielwert für jede Hochbeeterde. Bei gekaufter Hochbeeterde aus dem Sack hältst du dich an die Angaben des Herstellers.

Wie findest du Bodenart und pH heraus?

Die Bodenart grenzt du mit einer Fingerprobe grob ein. Ich nehme dafür feuchte Gartenerde zwischen Daumen und Finger und schätze ab, wie viel Sand, Schluff und Ton darin steckt. Das mache ich bei jeder Füllung aus Gartenerde, auch bei der Erde eines Hügelbeets.

Den pH klärt eine Bodenuntersuchung im Labor. Gartenboden lässt du vor der Neuanlage untersuchen und danach etwa alle 3 bis 5 Jahre. Wie du die Mischprobe ziehst, beschreibt der Hochbeet-Ratgeber im Abschnitt zum Boden.

Misst du den pH in gekauftem Substrat selbst, brauchst du eine spezielle Glaselektrode, die gepflegt und regelmäßig kalibriert wird. Metallelektroden erreichten bei solchen Messungen in Substrat keine ausreichende Genauigkeit.

Kalk und Kompost: Warum du vor dem Kalken misst

Regelmäßige Kompostgaben bringen bereits Kalzium ins Beet. Gütegesicherter Kompost kann außerdem hohe pH-Werte in eine Mischung einbringen. Ein Hochbeet, das jedes Jahr Kompost bekommt, kalkst du deshalb nur, wenn eine Messung einen zu niedrigen Wert zeigt.

Was zu viel Kalk anrichten kann

Steht der pH zu hoch, kann die Eisenaufnahme der Pflanzen blockiert sein. Gelbe junge Blätter mit noch grünen Adern können darauf hinweisen. Vergilbungen entstehen aber auch durch Trockenstress, Staunässe, Wurzelschäden oder Verdichtung und beweisen keinen Mangel. Hast du einen solchen Verdacht, lass den pH zusätzlich im Boden untersuchen.

Kalk zählt zu den mineralischen Düngern, und auch der ökologische Landbau lässt zugelassene Kalke zu. Ich wiege Kalk ab, weil Dünger unterschiedliche Schüttgewichte haben und ein Becher je nach Produkt verschieden viel fasst.

Mini-Checkliste

Kläre zuerst, ob Gartenboden oder Erde aus dem Sack im Beet steckt. Grenze die Bodenart mit der Fingerprobe ein. Lass den pH im Labor bestimmen und vergleiche ihn mit der Spanne für deine Bodenart. Kalke nur bei einem zu niedrigen Wert und wiege die Menge ab.

Anzeigen

Kompost: Was leistet er und wie viel braucht das Beet?

Ich greife zuerst zu Kompost, ganz gleich, was die Fingerprobe zeigt. In sandiger Erde verbessert er die Wasserspeicherung, in schwerer Erde die Krümelstruktur. Humus unterstützt Wasserspeicherung und Bodenleben, und regelmäßige Kompostgaben tragen dazu bei, einen zu deinem Standort passenden Humusgehalt zu erhalten.

Für ein mit Gartenboden gefülltes Hochbeet gelten jährlich 3 l Kompost pro Quadratmeter als Grundversorgung. Diese Gabe unterstützt die Versorgung mit Phosphor, Kalium, Magnesium und Humus. Den Stickstoffbedarf von Gemüse deckt Kompost allein nicht, zusätzlicher Stickstoff richtet sich nach der Kultur.

Marias Erfahrung

Ich gebe die Jahresgabe Kompost im Frühjahr und lese vorher den letzten Bodenbefund. Zeigt er hohe Phosphor- und Kaliumgehalte der Stufen D oder E, verzichte ich auf zusätzliche Gaben dieser Nährstoffe und bemesse den Stickstoff getrennt.

Auch Kompost kann zu viel werden. Bringst du mehr aus, als deine Anbaufläche braucht, kann das zu einer Überversorgung mit Nährstoffen führen. Gütegesicherter Kompost und Rindenhumus können zudem hohe Phosphor-, Kali- und Salzgehalte mitbringen.

Achtung

Mist kommt nur kompostiert ins Gemüsebeet. Das vermindert unerwünschte Samen, Krankheitserreger und Rückstände von Tierarzneimitteln.

Sand: Wann hilft er der Erde?

Sand gehört in schwere Erde, und zwar zusammen mit organischem Material. In dieser Kombination kann er die Durchlässigkeit schwerer Gartenböden verbessern. Weil Kompost in schwerer Erde zugleich die Krümelstruktur verbessert, mische ich Sand immer zusammen mit Kompost unter.

Einen zweiten Platz hat Sand in der obersten Schicht für Schwachzehrer. Bepflanzt du ein Hochbeet von Beginn an vorwiegend mit Schwachzehrern, kann die Abschlussschicht aus Feinkompost, Gartenerde und Sand im Verhältnis 1:1:2 bestehen.

Torffreie Erde: Was kommt statt Torf ins Hochbeet?

Für gute Hochbeeterde brauchst du keinen Torf. Für torffreie Substrate eignen sich Mischungen aus Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost sowie Kokosfasern oder Kokosmark. Zum Selbermischen nimmst du je ein Drittel reifen, gesiebten Kompost, Garten- oder Kokosfaser und Gartenerde ohne Unkraut und Krankheiten.

Häufiger Fehler

Rindenmulch mit Rindenhumus verwechseln. Rindenmulch gilt für Gemüsebeete wegen wachstumshemmender Gerbstoffe als ungeeignet, er passt eher auf unkrauthemmende Wege.

Ich kaufe torffreie Erde für die laufende Pflanzzeit und lagere Reste kühl und dunkel. Bei längerer Lagerung können Verpilzungen auftreten, und der Salzgehalt kann steigen, weil die organischen Bestandteile Nährstoffe freisetzen.

Die Oberfläche kann trocken aussehen, während tiefere Bereiche noch nass sind. Prüfe die Feuchte deshalb mit der Hand, bevor du gießt.

In torffreien Bioerden mit organischer Düngung kann Stickstoff zu Kulturbeginn oder Kulturende knapp werden. Richte das Nachdüngen deshalb am Zustand der Pflanzen aus. Hellgrüne Blätter können bei stark zehrenden Gemüsearten auf Stickstoffmangel hinweisen.

Und was ist mit Tonmineralen wie Bentonit?

Tonmineralen wie Bentonit wird nachgesagt, dass sie in sandiger Erde Wasser und Nährstoffe halten. Für sandige Erde greife ich deshalb zu Kompost, weil er dort die Wasserspeicherung verbessert.

Wie bleibt die Erde über die Jahre gut?

Eine organische Füllung sackt mit der Zeit ab. Die fehlende Höhe füllst du mit Kompost, Erde und Rohkompost wieder auf. Erde, die im Vorjahr neu eingefüllt wurde und krankheitsfrei ist, kannst du weiterverwenden.

Holzhäcksel, Holzfasern und Stroh können als Mulch beim Abbau Stickstoff binden, plane dann eine ergänzende Stickstoffdüngung ein. Gründüngung bedeckt den Boden und bindet vorhandene Nährstoffe, Leguminosen können zusätzlich Luftstickstoff binden. Arbeite sie im Frühherbst nicht ein, damit frei werdende Nährstoffe nicht ausgewaschen werden. Mulchstärke, Saattermine für die Gründüngung und das Nachfüllen erklärt der Hochbeet-Ratgeber ausführlich.

Häufige Fragen

Was genau versteht man unter Bodenverbesserung bei Hochbeeten und Hügelbeeten?
Gemeint ist, die Erde gezielt an ihre Bodenart und ihren Zustand anzupassen. Kompost verbessert in sandiger Erde die Wasserspeicherung und in schwerer Erde die Krümelstruktur. Sand kann schwere Erde zusammen mit organischem Material durchlässiger machen. Kalk kommt nur dazu, wenn der pH für die Bodenart zu niedrig ist.
Wie wird der pH-Wert im Hochbeet richtig eingestellt?
Lass zuerst den pH bestimmen und vergleiche ihn mit der günstigen Spanne für die Bodenart deiner Gartenerde, bei lehmiger Erde je nach Humusgehalt 5,5 bis 7,0. Für sandige Erde liegt der günstige Bereich niedriger, für tonige höher. Kalk gibst du nur bei einem zu niedrigen Wert, denn regelmäßige Kompostgaben liefern bereits Kalzium und gütegesicherter Kompost kann hohe pH-Werte einbringen. Für gekaufte Erde aus dem Sack gelten beim pH die Angaben des Herstellers.
Stimmt es, dass Torf unbedingt notwendig für gute Pflanzerde ist?
Nein, gute Pflanzerde kommt auch ohne Torf aus. Für torffreie Substrate eignen sich Mischungen aus Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost sowie Kokosfasern oder Kokosmark. Selbst mischen lässt sich torffreie Erde zum Beispiel aus je einem Drittel reifem gesiebtem Kompost, Garten- oder Kokosfaser und unkrautfreier, gesunder Gartenerde. Kaufe sie möglichst für die aktuelle Pflanzzeit, weil bei längerer Lagerung Verpilzungen und der Salzgehalt zunehmen können.
Wie lässt sich Verdichtung in Hochbeeten praktisch vermeiden?
Lockere verdichtete Erde vor der Pflanzung, damit sie Wasser besser aufnimmt. In schwerer Erde verbessert Kompost die Krümelstruktur, und Sand zusammen mit organischem Material kann sie durchlässiger machen. Eine Mulchdecke erhält die offenen Poren an der Oberfläche, sodass Wasser eindringen kann. Plane ein von beiden Längsseiten zugängliches Beet höchstens 2 eigene Armlängen breit, damit die Mitte erreichbar bleibt.
Was unterscheidet Kultursubstrat von normaler Gartenerde?
Bei Gartenerde hängt der günstige pH von der Bodenart und vom Humusgehalt ab. Für gekaufte Kultursubstrate sind diese Spannen kein Sollwert, dort zählen die Angaben des Herstellers. In organisch gedüngten, torfreduzierten Substraten können sich Stickstoffversorgung, pH-Wert und Salzgehalt verändern. Direkt im Substrat misst du den pH nur zuverlässig mit einer speziellen, regelmäßig kalibrierten Glaselektrode.
Zuletzt geprüft:
↑