Ist Rattenurin gefährlich? Gesundheitsrisiken durch Ratten und wie du vorbeugst
- Rattenurin kann gefährlich sein: Leptospiren können über kleine Hautverletzungen in den Körper gelangen, wenn Wasser oder Boden mit dem Urin infizierter Nagetiere verunreinigt ist.
- Kot und Urin von Wanderratten können Lebensmittel und Tierfutter mit Krankheitserregern verunreinigen, und das Hauptallergen der Ratte wird in hohen Mengen mit dem Urin ausgeschieden.
- Vor dem Putzen mindestens 30 Minuten lüften, dann mit Einmalhandschuhen und FFP2-Maske angefeuchtet und staubarm arbeiten, ohne Staubsauger.
- Wanderratten passen schon durch Öffnungen von 2 cm Durchmesser, deshalb Kelleröffnungen vergittern und Schäden an Regenfallrohren, Bodenabläufen und Hausanschlüssen beheben.
- Ultraschallgeräte haben sich nach dem bisherigen Kenntnisstand als wirkungslos erwiesen; Meldestelle und Verfahren für Rattensichtungen klärst du für deinen Wohnort.
Ein paar dunkle Kotkrümel neben dem Vogelfutter, ein angenagter Sack im Schuppen: Wer so etwas findet, will zuerst wissen, wie gefährlich das ist. Bei Ratten ist die ehrliche Antwort unbequem, denn Urin und Kot können Krankheitserreger tragen. Ich behandle deshalb jede Spur mit Vorsicht und gehe beim Saubermachen immer nach demselben Ablauf vor. Hier zeige ich dir, welche Risiken von Ratten ausgehen, wie du sicher reinigst und vorbeugst und wo du klärst, wer melden und handeln muss.
Ist Rattenurin gefährlich?
Ja, Rattenurin kann gefährlich sein. Drei Punkte stecken dahinter, und alle betreffen dich im Alltag mit Haus und Garten:
| Risiko | So kann es dich erreichen | Was du tust |
|---|---|---|
| Leptospiren | Über kleine Hautverletzungen, wenn Wasser oder Boden mit dem Urin infizierter Nagetiere verunreinigt ist | Verdächtige Stellen nur mit Handschuhen anfassen |
| Allergen Rat n 1 | Das Hauptallergen der Ratte wird in hohen Mengen mit dem Urin ausgeschieden | Spuren angefeuchtet und staubarm entfernen |
| Verunreinigte Vorräte | Kot und Urin von Wanderratten können Lebensmittel und Tierfutter mit Krankheitserregern verunreinigen | Vorräte und Futter rattensicher lagern |
Ob eine bestimmte Spur Erreger trägt, siehst du ihr nicht an. Ich gehe deshalb bei jedem Fund davon aus, dass sie es könnte. Ich bin Gärtnerin und keine Ärztin: Hier geht es um Vorsicht in Haus und Garten, nicht um Diagnose oder Behandlung.
Welche Krankheitserreger Ratten übertragen können
Leptospiren: über Wasser, Boden und kleine Wunden
Leptospiren sind Bakterien, die infizierte Tiere mit dem Urin ausscheiden. Kritisch wird es, wenn Wasser oder Boden damit verunreinigt ist. Dann können die Erreger über kleine Hautverletzungen in den Körper gelangen. Ich trage deshalb Handschuhe, sobald ich an Stellen arbeite, an denen ich Rattenspuren gefunden habe, auch wenn meine Hände heil aussehen.
Hantaviren: nicht nur ein Mäusethema
Die meisten Hantaviruserkrankungen in Deutschland gehen auf das Puumalavirus zurück, das Rötelmäuse übertragen. Entwarnung für Ratten bedeutet das nicht. Auch eine Übertragung des Seoulvirus von einer Heimratte auf einen Menschen ist nachgewiesen. Für die Praxis heißt das: Kot, Urinspuren und tote Tiere beseitigst du immer mit Schutz, ganz gleich, ob eine Maus oder eine Ratte sie hinterlassen hat.
Krankheitserreger in Vorräten und Tierfutter
Kot und Urin von Wanderratten können Lebensmittel und Tierfutter mit Krankheitserregern verunreinigen. Das betrifft den Vorratskeller ebenso wie den Futtersack im Schuppen oder die Kartoffeln in der Garage. Was angefressen ist oder Kot- und Urinspuren trägt, esse und verfüttere ich nicht mehr. Ich packe es verschlossen in den Restmüll, damit es keine Ratten mehr anlockt.
Weitere Risiken: Allergie, Biss und Rattengift
Allergie: Das Hauptallergen steckt im Urin
Das Hauptallergen der Ratte heißt Rat n 1. Ratten scheiden es in hohen Mengen mit dem Urin aus. Für Allergiker im Haushalt ist das ein weiterer Grund, Urinspuren nur angefeuchtet und staubarm zu entfernen. Trockenes Auffegen wirbelt Staub auf, und genau das sollst du beim Putzen vermeiden.
Biss: auch kleine Wunden ärztlich ansehen lassen
Beißt dich eine Ratte, lässt du die Wunde so bald wie möglich ärztlich beurteilen. Das gilt auch, wenn der Biss klein erscheint. Lebende Ratten fasse ich grundsätzlich nicht an, auch nicht mit Handschuhen.
Rattengift: Gefahr für Haustiere und Wildtiere
Rattengift kann auch Tiere vergiften, die den Köder oder eine bereits vergiftete Ratte fressen. Zu den Fressfeinden der Wanderratte gehören Hunde und Katzen, auf dem Land außerdem Marder, Wiesel, Iltisse, Bussarde und Eulen. Wer Gift auslegt und eine Katze hat, die Ratten jagt, kann also das eigene Tier gefährden und ebenso Eulen oder Bussarde in der Umgebung.
Gift ist für mich das letzte Mittel. Wenn du es doch einsetzt, dann nur ein zugelassenes Mittel, genau nach Gebrauchsanweisung und mit Schutzhandschuhen. Kinder und Haustiere hältst du von Ködern fern, und Reste entsorgst du so, wie es die Gebrauchsanweisung vorgibt. Bei Befall im Haus würde ich einen Fachbetrieb holen.
So reinigst du nach einem Rattenbesuch
Beim Putzen kommst du Kot und Urin am nächsten. Ich gehe deshalb jedes Mal nach demselben Ablauf vor, ob im Keller, im Gartenhaus oder auf dem Dachboden.
So putze ich, wo Ratten oder Mäuse unterwegs waren.
- Den Raum vorher mindestens 30 Minuten lüften.
- Einmalhandschuhe anziehen und in Innenräumen eine FFP2-Maske tragen.
- Kot, Urinspuren und betroffene Flächen anfeuchten.
- Möglichst staubarm aufnehmen, nicht trocken fegen.
- Tote Ratten ebenfalls nur mit Einmalhandschuhen anfassen.
Rattenkot mit dem Staubsauger aufsaugen. Dabei wird Staub aufgewirbelt, und genau das soll beim Entfernen von Nagerkot nicht passieren. Feuchte die Spuren stattdessen an und nimm sie staubarm auf.
Was Ratten an Haus, Vorrat und Technik anrichten
Neben der Gesundheit geht es bei Ratten auch um Sachschäden. Ratten können elektrische Kabel annagen und dadurch Kurzschlüsse verursachen. Das betrifft Leitungen im Keller genauso wie Kabel in Garage, Schuppen oder Gartenhaus. Bei meinen Kontrollgängen schaue ich deshalb auch auf frische Nagestellen an Kabeln.
Dazu kommen Verluste im Vorrat. Lebensmittel und Tierfutter, die Kot oder Urin abbekommen haben, gehören nicht mehr auf den Teller oder in den Napf. Auch Saatgut bewahrst du an einem Ort auf, an den Ratten nicht herankommen. Hat sich ein Befall im Gebäude festgesetzt, kommen außerdem die Kosten für eine fachkundige Bekämpfung hinzu.
So beugst du einem Rattenbefall vor
Vorbeugen heißt bei Ratten: Futter wegschließen, Zugänge dicht machen und regelmäßig nachsehen. Das senkt das Risiko eines Befalls, eine Garantie gibt es nicht. Wie Ordnung und Sauberkeit allgemein gegen Schädlinge helfen, beschreibt der Abschnitt Gartenhygiene in unserem Überblick zu Nützlingen und Schädlingen.
Futter wegschließen: Vorräte, Saatgut und Müll
Lebensmittel, Tierfutter, Saatgut und Hausmüll bewahrst du an Orten auf, an die Ratten nicht herankommen. Küchenabfälle sammelst du in gut verschlossenen Behältern, und die Mülltonne braucht einen fest schließenden Deckel. Essensreste gehören weder in den Garten noch auf den Kompost. Den Komposthaufen deckst du ab.
Saatgut und Vogelfutter stehen bei mir in Metallbehältern mit festem Deckel, nie im offenen Sack. Unter der Futterstelle für die Vögel sammle ich regelmäßig auf, was herunterfällt.
Futterquellen im Garten
Im Garten geht es um alles, was am Boden liegen bleibt oder offen herumsteht:
- Vögel fütterst du nicht in Bodennähe.
- Fallobst und Nüsse sammelst du regelmäßig auf.
- Futternäpfe von Haustieren bleiben nicht draußen stehen.
- Den Grillplatz befreist du nach dem Grillen von Essensresten.
- Offene Wasseransammlungen beseitigst du, damit sie nicht als Tränke dienen.
Auch Verstecke spielen eine Rolle. Brennholz und andere Materialien lagerst du nicht direkt am Haus, und Bewuchs, der dort als Versteck dienen kann, schneidest du zurück. Den ganzen Garten räume ich trotzdem nicht leer, denn Laubhaufen, Totholz und Steinhaufen bieten vielen Tieren Nahrung und Rückzugsräume. Ich lege sie nur nicht an die Hauswand oder an den Vorratsschuppen.
Zugänge schließen: Haus, Keller, Schuppen
Wanderratten können schon Spalten und Löcher von nur 2 cm Durchmesser durchqueren. Kleine Lücken sind deshalb kein Detail. Schäden an Regenfallrohren, Bodenabläufen und Hausanschlüssen lässt du beheben, und Kelleröffnungen sicherst du mit engmaschigen Stahlgittern. Prüfe außerdem die Stellen, an denen Rohre und Kabel ins Haus führen, und die Spalten unter Türen.
Ein Durchlass für Igel an der Grundstücksgrenze muss mindestens 10 × 10 cm groß sein. Ratten kommen dort also ohnehin hindurch, weil ihnen schon 2 cm reichen. Die Sperre gehört deshalb an Haus, Keller und Schuppen, und den Igeldurchlass im Zaun lässt du offen.
Ultraschallgeräte aus dem Baumarkt sollen Ratten vertreiben. Geräte mit Schall, Ultraschall oder elektromagnetischen Feldern haben sich nach dem bisherigen Kenntnisstand als wirkungslos erwiesen, zum Vertreiben ebenso wie zum Bekämpfen von Ratten. Dein Geld ist in Gittern und Reparaturen am Haus besser angelegt.
Kontrolle: regelmäßig nachsehen
Vorbeugung hält nur, wenn du sie kontrollierst. Ich gehe Keller, Schuppen, Kompostecke und Hauswand regelmäßig ab und schaue nach Gittern, Dichtungen und Abläufen. Dabei achte ich auf Kot, Nagespuren, Laufwege, Geräusche, Geruch und Nester. Wie du solche Zeichen deutest, erklärt der Ratgeber dazu, woran du einen Rattenbefall erkennst und was dann zu tun ist.
Wenn sich Ratten schon eingenistet haben
Häufen sich trotz Vorbeugung frische Spuren, deutet das auf einen Befall hin. Ab wann du einen Fachbetrieb holst und wie Profis vorgehen, steht im Ratgeber zum Erkennen eines Rattenbefalls. Stellst du selbst Schlagfallen auf, kontrollierst du sie mindestens täglich, idealerweise alle 12 Stunden.
Auf Hund oder Katze verlässt du dich dabei besser nicht, denn beide können einen bestehenden Befall in Gebäuden nicht beseitigen. Wie du natürliche Feinde wie Eulen und Greifvögel gegen Ratten förderst, steht in einem eigenen Ratgeber.
Melden und handeln: Was gilt für Eigentümer und Mieter?
Bei Ratten geht es nicht nur um dein eigenes Grundstück. Welche Stelle für Rattensichtungen zuständig ist und wie das Verfahren läuft, musst du für deinen Wohnort herausfinden. Am einfachsten fragst du bei deiner Stadt- oder Gemeindeverwaltung nach.
Wie eine solche Regelung aussehen kann, zeigt Hamburg:
| Situation | Was in Hamburg gilt |
|---|---|
| Ratten auf öffentlichem Grund | Sichtungen müssen gemeldet werden. |
| Ratten auf Privatgrund, du bist Eigentümer | Eigentümer sollen unverzüglich die Bekämpfung veranlassen. |
| Ratten auf Privatgrund, du wohnst zur Miete | Mieter sollen ihre Verwaltung oder den Eigentümer informieren. |
Andere Orte können das anders regeln, deshalb ersetzt das Hamburger Beispiel nicht die Nachfrage vor Ort. Als Mieterin oder Mieter sagst du der Verwaltung früh Bescheid, auch wenn du bisher nur Spuren gefunden hast. Weil Ratten nicht an der Grundstücksgrenze haltmachen, spreche ich bei Funden auch die Nachbarn an.

