Fliegenplage im Garten: kleine Fliegen bestimmen und gezielt bekämpfen
- Bestimme zuerst die Art: Fruchtfliege, Trauermücke, Weiße Fliege und Stubenfliege verlangen unterschiedliche Maßnahmen.
- Elektrische UV-Insektenvernichter dürfen im Außenbereich nicht verwendet werden.
- Leimfallen im Freien locken laufend weitere Fliegen an und können Nützlinge, kleine Vögel und Fledermäuse töten.
- Gelbtafeln dienen vor allem der Früherkennung, die Larven in der Erde und auf Blattunterseiten erreichen sie nicht.
- Pflanzenschutzmittel kommen erst als letztes Mittel infrage und auf Terrassen und Einfahrten grundsätzlich nicht.
Wenn über dem Beet, am Kompost oder auf der Terrasse plötzlich viele kleine Fliegen schwirren, greifen viele zuerst zur Falle. Ich schaue mir die Tiere vorher genau an, denn eine Fruchtfliege am Fallobst braucht andere Maßnahmen als eine Trauermücke in der Topferde. Eine falsch gewählte Falle kann NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. erwischen, während die Larven der eigentlichen Plagegeister unberührt bleiben.
Viele kleine Fliegen im Garten: welche Art ist es?
Bevor du etwas aufhängst oder ausbringst, bestimmst du die Art. Ein gezielter Nützlingseinsatz setzt die genaue Bestimmung des Schädlings voraus, und auch eine Falle hilft nur, wenn sie zur Art passt. Die Tabelle hilft dir bei der ersten Einordnung.
| Art | Woran du sie erkennst | Wo sie auffällt |
|---|---|---|
| Große Stubenfliege | etwa 6 bis 8 mm lang, grauer Rücken mit vier parallelen Längsstreifen | Sitzplatz, Küche, Abfälle |
| Gewöhnliche Fruchtfliege | bis zu 3 mm lang | angestoßenes oder gärendes Obst, Bioabfälle, Kompost |
| Kirschessigfliege | legt Eier auch in äußerlich unbeschädigte, reifende Früchte | reifendes Obst |
| Trauermücke | Larven weißlich durchscheinend mit schwarzer Kopfkapsel, bis zu 7 mm lang | feuchte Topferde, Aussaatschalen, Gewächshaus |
| Gewächshaus-Weiße-Fliege | Erwachsene mit vier weißen Flügeln, Larven flach und ungeflügelt | Blattunterseiten im Gewächshaus und an Beet- und Balkonpflanzen |
Große Stubenfliege: lästig, aber kein Beetschädling
Die Große Stubenfliege erkennst du am grauen Rücken mit vier parallelen Längsstreifen. Sie wird etwa 6 bis 8 mm lang. An Beetpflanzen richtet sie keinen direkten Schaden an, sie stört vor allem dort, wo du isst und sitzt. Ihre Eier legt sie gern in organisches Material, deshalb beginnt die Bekämpfung bei Abfall und Kompost.
Fruchtfliegen und Kirschessigfliege: wenn Obst zum Brutplatz wird
Gewöhnliche Fruchtfliegen werden bis zu 3 mm lang. Besonders angestoßenes oder gärendes Obst zieht sie an, ebenso Bioabfälle. Die Kirschessigfliege kann ihre Eier dagegen auch in äußerlich unbeschädigte, reifende Früchte legen. Wer Fallobst und Bioabfall wegräumt, nimmt der Gewöhnlichen Fruchtfliege ihren Anziehungspunkt; gegen die Kirschessigfliege reicht das allein nicht, weil auch heile Früchte befallen sein können.
Kreisen kleine Fliegen um reifes Obst, schneide ich ein paar Früchte auf, auch solche ohne Druckstelle. So sehe ich, ob nur angeschlagenes Obst betroffen ist oder auch heile Früchte.
Trauermücken: kleine dunkle Mücken über der Topferde
TrauermückenTrauermücken sind Mücken, die feuchte Umgebung lieben und ihre Eier auf oder in die Erde legen. Schaden richten vor allem ihre weißen Larven an: Sie fressen an Wurzeln, besonders bei Aussaaten und Stecklingen. fallen dort auf, wo Erde lange feucht bleibt: in Blumentöpfen, Aussaatschalen und im Gewächshaus. Die erwachsenen Tiere sind klein und dunkel und fliegen taumelnd über der Erde. Für die Bestimmung lohnt der Blick in die oberste Erdschicht. Die Larven sind weißlich durchscheinend und haben eine schwarze Kopfkapsel. Sie werden bis zu 7 mm lang.
Gefährlich werden vor allem die Larven, weil sie an Wurzeln fressen können; Jungpflanzen und SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. trifft das besonders. Welke und gelbe Blätter an Topfpflanzen können aber auch durch übermäßiges Gießen und Sauerstoffmangel im Wurzelbereich entstehen. Ich prüfe deshalb zuerst, wie nass die Erde ist, bevor ich die Mücken für den Schaden verantwortlich mache.
Weiße Fliege: winzige weiße Tiere an der Blattunterseite
Sitzen winzige weiße Insekten auf der Unterseite der Blätter, kann die Gewächshaus-Weiße-Fliege dahinterstecken. Die Erwachsenen haben vier weiße Flügel. Ihre Larven sind flach und ungeflügelt und sitzen ebenfalls vor allem auf den Blattunterseiten. Hohe Temperaturen begünstigen die Vermehrung, deshalb lüfte ich mein Kleingewächshaus bei Sonne rechtzeitig und beschatte die Kulturen bei Bedarf. Befallene Beet- und Balkonpflanzen können den Schädling ins Gewächshaus einschleppen. Vor dem Umzug unter Glas drehe ich bei neuen Pflanzen deshalb ein paar Blätter um.
Fliegenfallen: was UV-Licht und Klebefallen leisten
Fallen sind bei einer Fliegenplage meist die erste Idee. Ob sie helfen, hängt davon ab, wo sie hängen, welche Art sie treffen sollen und was sie sonst noch festhalten.
UV-Lichtfallen gehören nicht in den Garten
Elektrische UV-Insektenvernichter dürfen im Außenbereich nicht verwendet werden. Auch allgemein sollen UV-Insektenvernichter im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. nicht eingesetzt werden. Ich stelle deshalb keine Lichtfalle auf Balkon oder Terrasse und setze dort an, wo die Fliegen herkommen: bei Abfällen, Kompost und Obst.
Klebefallen im Freien: warum ich sie dort meide
Leimfallen gegen Fliegen sind im Außenbereich wenig sinnvoll. Die Fallen locken laufend weitere Fliegen an und können auch Tiere festhalten, die du gar nicht fangen willst. Leimringe und Klebetafeln können Nützlinge, kleine Vögel und Fledermäuse töten. Wenn du sie draußen überhaupt einsetzt, begrenzt du sie auf die Aktivitätsphase des Zielschädlings.
Gelbtafeln: zum Erkennen, nicht zum Ausrotten
Gelbtafeln locken mit ihrer Farbe an und halten anfliegende Insekten auf einer Leimfläche fest. Unter Glas und am Blumenfenster dienen sie der Früherkennung von Weißen Fliegen, Minierfliegen und Trauermücken. Für Thripse nimmt man Blautafeln.
Nach jeder Pflanzenschutzmaßnahme tausche ich die Tafeln aus, damit neue Fänge zeigen, ob die Maßnahme gewirkt hat. Wofür die Tafeln an welchem Ort taugen, zeigt die Übersicht.
| Ort | So setzt du sie ein | Was sie leisten |
|---|---|---|
| Gewächshaus und Blumenfenster | möglichst auf Höhe der Kultur, nicht unmittelbar neben Nützlingsträgern, nach Pflanzenschutzmaßnahmen wechseln | Früherkennung von Weißen Fliegen, Minierfliegen und Trauermücken |
| Topfpflanzen | Gelbsticker in die Erde kleiner Pflanzen stecken, Gelbtafeln in größere Pflanzen hängen | fangen erwachsene Trauermücken, nicht die Larven in der Erde |
| Kübelzierpflanzen im Freien | Gelbsticker oder kleine Gelbtafeln | Befallsnachweis bei Weißen Fliegen, zur Bekämpfung reichen sie nicht aus |
| Kirschbaum | vor dem Gelbwerden der Früchte an die Süd-, Südost- oder Südwestseite hängen, drei Wochen nach dem ersten Fang abnehmen | Überwachung der Kirschfruchtfliege, der Wegfang mindert den Befall nicht wesentlich |
Fliegen im Haus: biozidfrei fangen
Ziehen die Fliegen vom Garten in die Wohnräume, sind biozidfreie Klebefallen oder Fenstersticker den biozidhaltigen Ausführungen vorzuziehen.
Gegen die Larven: wo die Bekämpfung ansetzt
Fallen erwischen nur die fliegenden Tiere. Bei Trauermücken fangen Gelbtafeln die flugfähigen Erwachsenen, die Larven leben in der Erde. Bei der Weißen Fliege sitzen die flachen, ungeflügelten Larven auf den Blattunterseiten. Wer nur Tafeln aufhängt, erreicht den Nachwuchs also in beiden Fällen nicht.
Bei Frucht- und Stubenfliegen steckt der Nachwuchs in Obst und organischen Abfällen. Dort setzt du mit Aufräumen an: angestoßenes und gärendes Obst kommt weg, Bioabfall bleibt verschlossen.
Bakterien gegen Fliegenlarven: was dahintersteckt
Biologische Schädlingsbekämpfung arbeitet nicht nur mit räuberischen oder parasitischen Tieren. Sie nutzt auch Pilze, Viren und Bakterien, die gegen Schadinsekten gerichtet sind. Im professionellen Jungpflanzenbau wird ein solches Bakterium gegen Trauermückenlarven eingesetzt.
Ob ein Mittel für deine Situation überhaupt infrage kommt, entscheidet die Zulassung. Im Hausgarten darfst du nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die für nichtberufliche Anwender gekennzeichnet und für deine Pflanze und den Schadorganismus zugelassen sind. Das gilt für biologische Mittel genauso wie für alle anderen. Bei Trauermücken in Töpfen gieße ich erst wieder, wenn die oberste Erdschicht abgetrocknet ist, und schaue dabei nach Larven.
Nützlinge gegen Fliegen: kurz eingeordnet
Wer natürliche Gegenspieler fördern will, toleriert einen gewissen Befall, denn er ist ihre Nahrungsgrundlage. Gegen Trauermückenlarven in der Erde werden NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt. der Art Steinernema feltiae eingesetzt. Gegen die Gewächshaus-Weiße-Fliege kommt auch im Kleingewächshaus die Schlupfwespe Encarsia formosa infrage. Gekaufte Nützlinge werden überwiegend im Gewächshaus eingesetzt, im Freiland ist ihr Einsatz teurer und weniger effizient. Welche Nützlinge gegen welche Fliegenart helfen und wie du sie ansiedelst, erkläre ich in einem eigenen Ratgeber.
Chemie als letztes Mittel: wann sie überhaupt infrage kommt
Pflanzenschutzmittel erwägst du im Hausgarten erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen. Die Reihenfolge entspricht dem integrierten Pflanzenschutz: Erst schöpfst du geeignete Kulturmaßnahmen aus, bei weiterem Bedarf haben biologische oder biotechnische Verfahren Vorrang. Wie du Schädlinge einordnest und Maßnahmen der Reihe nach wählst, zeige ich im Überblick zu Nützlingen und Schädlingen.
Auf befestigten Flächen wie Terrassen, Bürgersteigen und Einfahrten ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich verboten.
Wenn es doch ein Mittel sein muss
Diese Punkte gelten für jedes Pflanzenschutzmittel im Hausgarten.
- nur Mittel, die für nichtberufliche Anwender gekennzeichnet und für Pflanze und Schadorganismus zugelassen sind
- Gebrauchsanleitung und Schutzvorgaben einhalten, die vorgeschriebene Schutzkleidung tragen
- Kinder und Haustiere fernhalten
- die Wartezeit bis zur Ernte beachten
- in der Originalverpackung in einem abschließbaren Schrank lagern, außer Reichweite von Kindern und Tieren
- Restmengen zur Sondermüll-Sammelstelle bringen, nie in Toilette, Garten, Gully oder Hausmüll
Ein Mittel kann Nützlinge treffen, deshalb wäge ich jeden Einsatz gegen den Schaden ab, den der Befall tatsächlich anrichtet.
Sanftere Alternativen? Natürlicher Ursprung heißt nicht nützlingsschonend
Mittel aus Pflanzen gelten vielen als sanfte Alternative zur klassischen Chemie.
„Was aus der Natur kommt, schont Nützlinge.“ So pauschal stimmt das nicht: Auch ein Wirkstoff aus Pflanzen kann für Nützlinge wie RaubmilbenRaubmilben sind winzige Milben, die andere Milben wie Spinnmilben und je nach Art auch Thripslarven fressen. Als Nützlinge werden sie im Gewächshaus und im Garten gezielt gegen Spinnmilben eingesetzt., SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. und Bestäuber giftig sein.
Vor einem Nützlingseinsatz musst du außerdem mögliche Nebenwirkungen zuvor eingesetzter Pflanzenschutzmittel auf die vorgesehenen Nützlinge berücksichtigen. Wer früh zum Mittel greift, kann sich also den späteren Weg über Nützlinge erschweren, auch wenn das Mittel aus der Natur stammt. Für ein Mittel natürlichen Ursprungs gilt deshalb derselbe Rahmen wie für jedes andere.
Damit die Plage nicht wiederkommt
Stark riechende Pflanzen und Duft-Hausmittel werden gern gegen Fliegen empfohlen, eine zuverlässige Abwehr ist aber wissenschaftlich nicht belegt. Ich setze stattdessen bei den Abfällen an. Küchenabfälle sammelst du in gut verschlossenen Behältern und leerst sie besonders im Sommer täglich. Auf dem Kompost deckst du sie mit möglichst trockenen organischen Gartenabfällen ab, um Fruchtfliegen vorzubeugen.
Für häufig geöffnete Fenster und Türen werden Insektenschutznetze mit 0,6 × 0,6 mm Maschenweite empfohlen. Gemüse schützt du mit KulturschutznetzenEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. unter 1 mm Maschenweite, die du gleich nach Aussaat oder Pflanzung auflegst und an den Rändern schließt. Wie du Fliegen im Garten dauerhaft vorbeugst, von Kompost und Wasser bis zur saisonalen Planung, steht im Ratgeber zur Vorbeugung.

