Wildtiere vertreiben: Welche Wildabweiser im Garten wirken und was erlaubt ist
- Gehölze schützt du gegen Rehwild mit einem Zaun von mindestens 1,50 m Höhe.
- Ein Zaun gegen Hasen und Wildkaninchen ist mindestens 1 m hoch, 30 cm eingegraben und hat höchstens 40 mm Maschenweite.
- Schall-, Ultraschall- und elektromagnetische Geräte haben sich gegen Ratten als wirkungslos erwiesen, gegen Maulwürfe ist die Wirkung akustischer Geräte nicht gesichert.
- An Geräusche, Vogelscheuchen und Greifvogelattrappen können sich Tiere gewöhnen.
- Vogelschutznetze kontrollierst du mindestens einmal täglich auf verfangene Vögel.
- Wildtiere darfst du nicht mutwillig beunruhigen, Maulwürfe weder fangen noch töten.
Angefressene Rinde, abgebissene Triebspitzen, frische Erdhügel im Rasen: Wenn Wildtiere im Garten Schaden machen, willst du sie schnell wieder loswerden. Wer Wildtiere vertreiben will, sollte zuerst wissen, wer da war. Ich wähle den Abweiser deshalb erst, wenn ich das Tier kenne. Gegen Rehe brauchst du etwas anderes als gegen Kaninchen, und bei manchen beliebten Geräten ist die Wirkung nicht gesichert.
Wildabweiser lassen sich in vier Gruppen teilen: Barrieren wie Zaun und Netz, Geräusche, optische Reize und chemische Mittel, die über Geruch oder Geschmack wirken sollen. Für jede Gruppe stellst du dieselben drei Fragen. Wirkt sie gegen dein Tier, baust du sie richtig auf, und bleibt sie im Rahmen von Tierschutz und Recht?
Wer war im Garten? Erst das Tier, dann der Abweiser
Bevor ich etwas kaufe, gehe ich morgens durch den Garten und notiere, was angefressen ist: Triebspitzen, Rinde, Früchte oder frische Erdhügel. Erst danach entscheide ich, ob ein Zaun, eine Drahthose oder ein Netz passt.
Die Schäden zeigen dir, mit welchem Tier du es zu tun hast. Die Tabelle ordnet typische Gartenbesucher ihrem ersten Schutz zu.
| Tier | Was du beobachten kannst | Erster Schutz |
|---|---|---|
| Rehe | beißen an Weinreben im Frühjahr junge Triebspitzen ab und fressen im Herbst einzelne Beeren | Zaun um die Gehölze, mindestens 1,50 m hoch |
| Hasen und Wildkaninchen | schädigen bei länger geschlossener Schneedecke die Rinde junger Bäume | Schutzzaun, am einzelnen Stamm Drahthose oder Kunststoffmanschette |
| Wildschweine | suchen im Berliner Raum besonders in der trockenen, warmen Jahreszeit Gärten auf, weil sie dort leichter Nahrung finden als im Wald | Futterquellen schließen, Abfalltonnen geschlossen innerhalb der Umzäunung |
| Maulwurf | wirft Erdhügel auf und wühlt, frisst aber keine Pflanzen | Sperre an der Grundstücksgrenze, kein Fangen, kein Töten |
| Vögel | gehen an Obst und Beeren, etwa an kleinen Obstbäumen und Beerensträuchern | straff gespanntes, vollständig geschlossenes Vogelschutznetz |
Auch junge Eiben sind nicht sicher: Schalenwild findet schon die SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. und verbeißt sie.
Ratten gehören nicht in diese Tabelle, denn bei ihnen geht es um deine Gesundheit.
Kot und Urin von Wanderratten können Lebensmittel und Tierfutter mit Krankheitserregern verunreinigen. Befallsermittlung und Bekämpfung überlässt du grundsätzlich einem professionellen Schädlingsbekämpfungsbetrieb. Ein Rattenvorkommen meldest du dem Grundstückseigentümer oder der zuständigen Stadt- oder Gemeindeverwaltung.
Welche Wildabweiser gibt es und wie wirksam sind sie?
Akustische, optische und chemische Abweiser arbeiten mit einem Reiz, der das Tier abschrecken soll. Barrieren halten es dagegen körperlich fern. Bei Reizen ist Gewöhnung die bekannte Schwäche, bei Vögeln ebenso wie bei Wildschweinen.
Akustische Abweiser: Ultraschall, Knall und Warnrufe
Im Handel findest du Ultraschallgeräte, deren Töne du nicht hörst, und Geräte mit hörbaren Knallen, Tierstimmen oder Warnrufen. Für Wildschweine gibt es Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Abwehr. Dort können unregelmäßig abgespielte Geräusche, auch Warnrufe, die Gewöhnung hinauszögern. Zuverlässig verhindern können sie sie nicht. Gegen Vögel im Obstbau wirkt akustische Abschreckung mit wechselndem Erfolg, weil sich die Vögel an solche Reize gewöhnen können.
„Ultraschall vertreibt Ratten und Maulwürfe.“ Gegen Ratten haben sich Geräte mit Schall, Ultraschall oder elektromagnetischen Feldern nach bisherigem Kenntnisstand als wirkungslos erwiesen. Bei Maulwürfen ist die Wirkung akustischer Geräte nicht gesichert.
Hörbare Geräte haben außerdem eine rechtliche Seite, dazu mehr bei der Rechtslage weiter unten. Wie sich Bioakustik und Verhaltensmodifikation für eine sanfte Abwehr nutzen lassen, liest du im Ratgeber dazu, wie du Erkenntnisse der Verhaltensforschung für eine tierschonende Wildabwehr nutzt.
Optische Abweiser: Bänder, Attrappen und Licht
Zu den optischen Abweisern zählen Schreckbänder, Folienstreifen, Greifvogeldrachen, Vogelscheuchen und Greifvogelattrappen. Dazu kommen Reflektoren und Lampen mit Bewegungsmelder. Vogelscheuchen und Greifvogelattrappen wirken im Obstbau mit wechselndem Erfolg, weil Vögel sich an solche Reize gewöhnen können. Schreckbänder, Folienstreifen und Greifvogeldrachen kommen im Obstbau unmittelbar nach der Ernte wieder ab. Beides zusammen spricht dafür, keinen Schreckreiz länger hängen zu lassen als nötig, damit er den Vögeln in der nächsten Saison nicht schon vertraut ist. Ich nehme meine Flatterbänder deshalb direkt nach der Ernte ab und lagere sie im Schuppen.
Ich setze sie, wenn überhaupt, nur zusätzlich zu einer Barriere ein.
Chemische Abweiser: Geruch und Geschmack
Chemische Wildabweiser sollen Tiere über Geruch oder Geschmack von Pflanzen fernhalten. Bei Wildschweinen ist die Wirkung geruchlicher Abwehr nicht abschließend geklärt, weil einzelne Tiere darauf reagieren und andere nicht. Selbst angesetzte Kräuterauszüge wirken nicht grundsätzlich selektiv und können auch NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. beeinflussen.
Ein Mittel, das du auf Pflanzen bringst, damit Tiere sie meiden, kann als Pflanzenschutzmittel gelten. Dann verwendest du im Hausgarten nur Mittel, die entsprechend gekennzeichnet und für Pflanze und Schadorganismus zugelassen sind. Halte dich an Gebrauchsanleitung und Schutzvorgaben, lass Kinder und Haustiere nicht heran und beachte eine angegebene Wartezeit bis zur Ernte. Ich ziehe solche Mittel erst in Betracht, wenn andere Maßnahmen nichts gebracht haben und erhebliche Ernteverluste drohen.
Barrieren: Zaun, Drahthose und Netz
Barrieren schrecken nicht ab, sie versperren den Weg. Für sie gibt es konkrete Maße, nach denen du bauen kannst.
| Barriere | Gegen | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Zaun um Gehölze | Rehwild | mindestens 1,50 m hoch |
| Schutzzaun | Hasen und Wildkaninchen | mindestens 1 m hoch, 30 cm eingegraben, Maschenweite höchstens 40 mm |
| Drahthose oder Kunststoffmanschette | Verbiss durch Hasen und Kaninchen am jungen Stamm | schützt den Stamm, erreichbare Kronenzweige bleiben gefährdet |
| Drahtgeflecht oder Platten an der Grundstücksgrenze | zuwandernde Maulwürfe | engmaschig, mindestens 50 bis 60 cm tief eingegraben |
| Vogelschutznetz | Vögel an kleinen Obstbäumen und Beerensträuchern | straff gespannt, vollständig geschlossen, mindestens einmal täglich kontrollieren |
| Elektrischer Wildschutzzaun | Wildtiere | aufwachsenden Bewuchs regelmäßig zurückschneiden |
Auch eine Barriere senkt das Risiko nur, sie garantiert nichts: Die Drahthose schützt den Stamm, aber nicht die Krone. Ich setze trotzdem zuerst auf die passende Barriere und nehme Geräusche oder Bänder höchstens dazu.
So installierst du Wildabweiser richtig
Zäune gegen Rehe und Kaninchen
Rund um Gehölze, an die Rehe gehen, planst du mindestens 1,50 m Zaunhöhe ein. Gegen Hasen und Wildkaninchen genügt eine Höhe von mindestens 1 m. Diesen Zaun gräbst du 30 cm tief ein, damit die Tiere nicht unten durchkommen. Die Maschenweite liegt bei höchstens 40 mm. Prüfe nach dem Aufbau den ganzen Bodenabschluss auf Lücken.
Einzelschutz am jungen Stamm
Drahthosen oder Kunststoffmanschetten schützen junge Baumstämme gegen Verbiss durch Hasen und Kaninchen. Ich lege die Drahthose gleich beim Pflanzen an. Zweige, die die Tiere erreichen, bleiben trotzdem gefährdet.
Netze über Obst und Beeren
Spann Vogelschutznetze straff und schließ sie vollständig. Dazu verankerst du sie im Boden oder bindest sie unter der Baumkrone zusammen. Netze über kleinen Obstbäumen und Beerensträuchern kontrollierst du mindestens einmal täglich auf verfangene Vögel. Ich verbinde das mit meinem Morgenrundgang durch den Garten.
Elektrozaun
Am elektrischen Wildschutzzaun schneidest du aufwachsenden Bewuchs regelmäßig zurück. Berühren Pflanzen den Zaun, können sie die elektrische Ladung in den Boden ableiten.
Sperre gegen zuwandernde Maulwürfe
Engmaschiges Drahtgeflecht oder Platten an der Grundstücksgrenze können die Zuwanderung von Maulwürfen vorbeugend begrenzen. Grab sie mindestens 50 bis 60 cm tief ein. Fangen und Töten sind beim Maulwurf verboten.
Wildschweine: Futterquellen schließen
Bei Wildschweinen setzt du am Futter an. Abfalltonnen stehen geschlossen innerhalb der Grundstücksumzäunung. Essensreste entsorgst du so, dass Wildschweine nicht herankommen. Ein Teil der untersuchten Berliner Wildschweine nutzt städtische Bereiche vor allem nachts. Diese Tiere haben gelernt, dass sie dort mit geringem wahrgenommenem Risiko nach Nahrung suchen können.
Wildschweine mit Futter an anderer Stelle ablenken wollen. Zusätzliche Fütterung kann mehr Nachwuchs und dadurch mehr Schäden fördern. Als Ablenkung zum Schutz von Kulturen wird sie deshalb nicht empfohlen.
Triffst du auf ein Wildschwein, bleib ruhig, halte Abstand und lass dem Tier immer einen Rückzugsweg.
Geräte und Bänder aufstellen
Optische Abweiser nimmst du nach der Ernte wieder ab. Ein Gerät mit hörbaren Tönen stellst du so auf, dass es die Nachbarschaft nicht erheblich belästigt.
Tier bestimmen, bevor du kaufst. Zaunhöhe und Maschenweite nach der Tierart wählen. Kaninchenzaun eingraben und den Bodenabschluss prüfen. Netze straff spannen und vollständig schließen. Netze mindestens einmal täglich auf verfangene Vögel kontrollieren. Bewuchs am Elektrozaun zurückschneiden. Bänder und Drachen nach der Ernte abnehmen.
Über das Jahr anpassen
Welches Tier wann Schaden macht, ändert sich über das Jahr. Bei länger geschlossener Schneedecke gehen Hasen und Kaninchen an junge Baumrinde, und optische Vogelabweiser bleiben nur bis zur Ernte hängen. Wie du deine Abwehr danach ausrichtest, liest du im Ratgeber dazu, wie du Wildabweiser über das Jahr an Tieraktivität, Witterung und Erntezeit anpasst.
Tierschutz: Abwehr, die Tieren nicht schadet
In Vogelschutznetzen können sich Vögel verfangen. Die tägliche Kontrolle ist deshalb kein Extra, sondern gehört zum Netz dazu. Hängt doch ein Vogel darin, schneidest du das Netz mit Handschuhen rund um ihn auf, statt an ihm zu zerren, und bringst ihn in einem Karton zu einer Wildvogelhilfe, Auffangstation oder zum Tierarzt.
Ein Kaninchenzaun ist eingegraben und hat höchstens 40 mm Maschenweite. Ein Durchlass für Igel an einer Grundstücksgrenze muss dagegen mindestens 10 × 10 cm groß sein. Zäunst du das ganze Grundstück kaninchendicht ein, sperrst du also auch Igel aus. Ich setze den Kaninchenzaun deshalb nur ums Gemüsebeet und lasse an der Grundstücksgrenze einen Igeldurchlass frei. Wie du Wege und Rückzugsräume im ganzen Garten mitdenkst, zeigt der Überblick zu Lebensräumen für Nützlinge im Garten.
Gift lege ich nicht aus. Rattengift kann auch Tiere vergiften, die Köder oder bereits vergiftete Nager fressen.
Wie umweltfreundlich sind Wildabweiser?
Glühwürmchen profitieren davon, wenn nachts weniger künstliches Licht brennt. Eine Lampe mit Bewegungsmelder hänge ich deshalb nur dort auf, wo ich sie wirklich brauche.
Holzasche als Streubarriere lasse ich weg. Asche kann Schwermetalle und andere Schadstoffe enthalten und soll deshalb auch nicht als Schneckenbarriere ausgestreut werden.
Bevor du gegen einen Maulwurf vorgehst, sieh dir an, was er im Boden tut. Er frisst keine Pflanzen, und seine Grabtätigkeit kann Durchmischung, Belüftung und Entwässerung des Bodens verbessern. Die Erde aus den Hügeln kannst du abtragen und als Pflanzenerde weiterverwenden. Kaiserkronen sind dagegen keine verlässliche Methode, ihn abzuwehren.
Hecken, Mauern, Abwehrpflanzen und ein angepasstes Gartenmanagement sind ein eigenes Thema. Dazu passt der Ratgeber, wie du Wildtiere mit natürlichen Mitteln aus dem Garten fernhältst.
Was ist beim Vertreiben von Wildtieren erlaubt?
| Bereich | Was gilt |
|---|---|
| Wildtiere allgemein | Wild lebende Tiere dürfen nicht mutwillig beunruhigt werden. Keinem Tier dürfen ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden. |
| Maulwurf | steht unter besonderem Artenschutz, Fangen und Töten sind verboten |
| Geräte mit hörbarem Lärm | Lärm ohne berechtigten Anlass oder in unzulässigem oder vermeidbarem Ausmaß kann ordnungswidrig sein, wenn er Nachbarschaft oder Allgemeinheit erheblich belästigt oder die Gesundheit anderer schädigen kann |
| Pflanzenschutzmittel | nur entsprechend gekennzeichnete, für Pflanze und Schadorganismus zugelassene Mittel; auf befestigten Flächen wie Terrassen, Bürgersteigen und Einfahrten grundsätzlich verboten |
| Lagerung und Reste | in der Originalverpackung in einem abschließbaren Schrank außerhalb der Reichweite von Kindern und Tieren; Restmengen zur Sondermüll-Sammelstelle, nie in Toilette, Garten, Gully oder Hausmüll |
| Ratten | Vorkommen dem Grundstückseigentümer oder der zuständigen Stadt- oder Gemeindeverwaltung melden; die zuständige Meldestelle ermittelst du für deinen Ort |
Für einen hohen Zaun an der Grundstücksgrenze fragst du vor dem Bau bei deiner Gemeinde nach, ob örtliche Vorgaben gelten.
Geh durch den Garten und notiere, welche Pflanzen angefressen sind und wie der Schaden aussieht. Ordne ihn einem Tier zu und plane zuerst die passende Barriere. Geräte und Mittel kommen höchstens dazu.

