Rasen nach der Nachsaat wässern: wie oft, wie viel und wie lange
- In den ersten drei Wochen gießt du die keimende Nachsaat alle 1–2 Tage.
- Je Gießgang gibst du 5 l/m², bei Bedarf bis 10 l/m²; bei großer Hitze überbraust du zusätzlich kurz.
- Nachgesäte Stellen bleiben etwa 4 Wochen durchgehend feucht, auch wenn das erste Grün früher kommt.
- Nach der Keim- und Auflaufphase gelten 1–2 Gaben pro Woche mit je 10–15 l/m² als Orientierung.
- Früh morgens gießen und frische Saat mit einem Schwachregner angießen, damit die Oberfläche nicht verschlämmt.
- Örtliche Gießverbote haben Vorrang; Regenwasser nimmst du nur von unproblematischen Dächern.
Du hast die kahlen Stellen nachgesät und stehst jetzt mit dem Schlauch davor: Wie oft musst du gießen, und wie viel? Ein keimender Rasensamen, der austrocknet, kann absterben. Deshalb gieße ich meine NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. nach einem festen Rhythmus und prüfe vorher mit dem Finger, ob die Oberfläche noch feucht ist.
Die kurze Antwort: In der Keimphase gießt du alle 1–2 Tage. Diesen Rhythmus hältst du während der ersten drei Wochen. Danach gießt du seltener, aber mit mehr Wasser je Gabe, bis der Rasen etabliert ist.
Wie oft und wie viel: die Werte im Überblick
Die Tabelle zeigt die Gießwerte von der Saat bis zum etablierten Rasen. Die Mengen beziehen sich jeweils auf einen Gießgang.
| Phase | Wie oft | Wie viel je Gießgang | Worauf du achtest |
|---|---|---|---|
| Keimphase, erste drei Wochen | alle 1–2 Tage | 5 l/m², bei Bedarf bis 10 l/m² | bei großer Hitze zusätzlich kurz überbrausen |
| Nachgesäte Stellen, bis auch die späten Gräser aufgelaufen sind | etwa 4 Wochen durchgehend feucht halten | keine eigene Menge, die obere Schicht bleibt feucht | erste Halme nach 4–7 Tagen sind kein Grund aufzuhören |
| Nach der Keim- und Auflaufphase | 1–2 Bewässerungen pro Woche | 10–15 l/m² als Orientierung | erst umstellen, wenn auch die späten Gräser stehen |
| Etablierter Rasen | nach Bedarf, Regen mitrechnen | etwa 10–25 l/m² je nach Boden und Witterung | das Wasser soll 10–15 cm tief eindringen |
Keimphase: wie oft du die frische Nachsaat gießt
Für keimende Nachsaat gelten dieselben Gießregeln wie für jede andere keimende Rasensaat. Du gießt alle 1–2 Tage. Das gilt für die ersten drei Wochen. Pro Gießgang bekommt die Fläche 5 l/m². Bei Bedarf gehst du auf bis zu 10 l/m². Bei großer Hitze braust du zusätzlich kurz über, damit die Keimzone feucht bleibt.
Warum so dicht hintereinander? Bevor du etwas Grünes siehst, arbeitet der Samen schon. Er nimmt Wasser auf, quillt, mobilisiert seine Reservestoffe und bildet die Keimwurzel. Trocknet er dabei aus, kann der Keimling absterben. Weil all das vor dem ersten Halm passiert, beginnt die heikle Zeit mit dem Tag der Saat und nicht erst mit dem ersten Grün.
Ich gieße frische Saat mit einem Schwachregner an, damit die Oberfläche nicht verschlämmt. Mehr Wasser ist dabei nicht besser: Die meisten Rasengräser brauchen zum Keimen ausreichend Sauerstoff im Boden. Eine VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. durch VernässungVernässung bedeutet, dass ein Boden zeitweise oder anhaltend so viel Wasser enthält, dass ihm Luft fehlt. Sie ist der Oberbegriff für Nässe durch Grundwasser, Stauwasser, Haftwasser oder Hangwasser; Staunässe ist eine dieser Formen. solltest du deshalb vermeiden.
Ich markiere nachgesäte Stellen mit einem Holzstab. So vergesse ich beim Gießen keine Stelle, und bei der Fingerprobe weiß ich genau, wo die Saat liegt.
Wie lange muss die Nachsaat feucht bleiben?
Erste Halme können nach 4–7 Tagen erscheinen. Das sind die schnellen Gräser der Mischung. Spät keimende Gräser können etwa vier Wochen brauchen. Nachgesäte Stellen bleiben deshalb etwa vier Wochen durchgehend feucht, auch wenn schon Grün zu sehen ist. So können auch die langsameren Bestandteile der Mischung auflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen..
Der Gießrhythmus der Keimphase gilt für die ersten drei Wochen. Die Nachsaat soll aber insgesamt etwa vier Wochen feucht bleiben. Ich stelle deshalb nicht an einem festen Tag um, sondern prüfe die obere Schicht weiter mit dem Finger, bis auch die späten Gräser aufgelaufen sind.
Sobald die ersten Halme stehen, wird das Gießen eingestellt. Die langsamen Gräser sind dann womöglich noch nicht aufgelaufen, und ein keimender Samen kann beim Austrocknen absterben.
Nach der Keimphase: seltener gießen, dafür mehr Wasser
Sind die Gräser aufgelaufen, stellst du den Rhythmus um. Als Orientierung gelten jetzt 1–2 Bewässerungen pro Woche. Pro Bewässerung sind 10–15 l/m² ein Orientierungswert.
Ist der Rasen etabliert, gießt du durchdringend. Das Wasser soll dann 10–15 cm tief in den Wurzelbereich eindringen. Je nach Boden und Witterung liegt eine solche Gabe bei etwa 10–25 l/m². Darin liegt der Grund für den Wechsel. Nachgesäte Samen sind nur flach eingearbeitet und brauchen die Feuchte oben, der etablierte Rasen braucht das Wasser im Wurzelbereich.
Wie tief das Wasser gekommen ist, prüfe ich nach dem Gießen mit dem Spaten im alten Rasen neben der Nachsaat. Bei erfolgreicher Etablierung kann die nachgesäte Fläche nach etwa 4–6 Wochen wieder belastbar sein. Für Hitzeperioden danach gibt es eine eigene Anleitung, wie du Gebrauchsrasen durch trockene Sommer bringst.
So gießt du: früh, fein verteilt, nachgemessen
Ich gieße früh am Morgen. Dann verdunstet weniger Wasser, und das frühe Gießen hilft, Pilzkrankheiten vorzubeugen.
Miss einmal nach, wie viel Wasser Schlauch, Brause oder Regner tatsächlich abgeben. Nur dann weißt du, ob die Mengen aus der Tabelle auf der Fläche ankommen. Arbeiten mehrere Regner zusammen, stellst du sie so auf, dass sie sich nach dem Kopf-zu-Kopf-Prinzip überlappen. Das verbessert die Verteilung. Reicht der Wasserdurchfluss nicht für alle Bewässerungskreise zugleich, lässt du sie nacheinander laufen.
Nimmt dein Boden das Wasser nur langsam auf, teilst du die Menge in Teilgaben. Dazwischen lässt du kurze Pausen, damit das Wasser versickern kann.
Ein Regenmesser erfasst den Niederschlag. Mit ihm schätzt du ein, wie viel du nach einem Regen noch zusätzlich gießen musst. Eine Steuerung über Bodenfeuchtesensoren kann die Gaben bedarfsgerecht auslösen. Der Fühler muss dafür Boden und Feuchte seines Bewässerungskreises repräsentieren, bei einer Nachsaat gehört er also in die nachgesäte Fläche.
- Oberfläche vor dem Gießen mit dem Finger prüfen
- Regenmesser ablesen und den Regen anrechnen
- früh am Morgen gießen
- frische Saat mit dem Schwachregner angießen
- auf Pfützen und ablaufendes Wasser achten
Wenn es hakt: typische Probleme beim Gießen der Nachsaat
Die Oberfläche verschlämmt oder das Wasser läuft ab
Das kann ein Hinweis sein, dass das Wasser schneller ankommt, als der Boden es aufnimmt. Wechsle auf einen Schwachregner und gib die Menge in Teilgaben mit kurzen Versickerungspausen.
Grün an manchen Stellen, kahl an anderen
Ungleich verteiltes Wasser kann dahinterstecken, ebenso die unterschiedliche Keimdauer der Gräser. Miss an mehreren Stellen nach, was ankommt, und halte die Fläche feucht, bis etwa vier Wochen vergangen sind. Für kahle Stellen, die danach bleiben, zeigt die Anleitung, wie du nachgesäte Stellen bis zum Einwachsen pflegst, die nächsten Schritte.
Unter Bäumen bleibt die Nachsaat trocken
Baumwurzeln konkurrieren mit Schattenrasen um Wasser und Nährstoffe. Unter Bäumen kann der Boden auch nach einem Regen trocken bleiben. Schatten allein bedeutet also nicht, dass genug Wasser da ist. Ihre Schattenverträglichkeit schützt auch die Lägerrispe nicht vor Trockenheit. Ich prüfe solche Stellen deshalb auch nach einem Regen mit dem Finger.
Hitze während der Keimphase
Bei großer Hitze braust du die keimende Saat zusätzlich kurz über. An besonders heißen Standorten kann eine Beschattung in den heißen Nachmittagsstunden Aufheizung und Verdunstung verringern. Willst du vertrocknete Flächen reparieren, beginnst du besser bei kühlerer, feuchterer Witterung, weil sich die Nachsaat dann zuverlässig feucht halten lässt.
Pilzrisiko bei später Nachsaat
Nach einem trockenen Sommer kannst du verbleibende Lücken auch im September oder Oktober nachsäen. Kühl-feuchte Bedingungen bei 0–8 °C, StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt. und liegen gebliebenes Laub begünstigen winterliche Pilzkrankheiten wie Schneeschimmel. Halte die Nachsaat feucht, vermeide aber Pfützen, und hole gefallenes Laub von der Fläche.
Regenwasser nutzen, Gießverbote beachten
Örtliche Bewässerungsverbote und Einschränkungen haben Vorrang vor allgemeinen Gießempfehlungen, auch vor den Werten für die Keimphase. Gleichzeitig kann ein keimender Samen absterben, wenn er austrocknet. Weil beides gilt, prüfe ich vor dem Nachsäen, welche Einschränkungen bei mir gerade gelten.
Gesammeltes Regenwasser kannst du für die Nachsaat einsetzen, wenn Gießen tatsächlich nötig und vor Ort zulässig ist. Es sollte von einem unproblematischen Dach stammen. Häusliches Grauwasser aus Baden, Duschen oder Waschen lässt sich nach Reinigung in einer speziellen Grauwasseranlage für den Garten nutzen.
Kupfer- und Zinkdächer sowie herbizidhaltige Bitumenabdichtungen können belastetes Ablaufwasser liefern. Wasser von solchen Dächern lässt du für die Nachsaat besser weg.
Nachsaat, Boden, Düngen, Mähen: kurz eingeordnet
Nachsäen kannst du bei feuchtwarmer Witterung von April bis September. Im Herbst hilft die gespeicherte Bodenwärme, und die Feuchte lässt sich leichter sicherstellen, im Frühjahr kann dagegen mehr Unkraut drücken. Wie Aussaat und Nachsaat im Einzelnen ablaufen, findest du in den Grundlagen zu Aussaat, Nachsaat und Gießen von Rasen.
Ob eine Nachsaat überhaupt reicht, klärt der Beitrag, wann eine Nachsaat genügt und wann eine Neuanlage besser passt. Deinen Termin trägst du in den Aussaatkalender für Rasen zum Ausdrucken ein.
Reine Sandböden speichern Wasser nur unzureichend, sandige Lehmböden verbinden Durchlässigkeit mit Wasserspeicherung. Zur Austrocknung neigende Böden lassen sich vor der Saat mit eingearbeitetem Oberboden und gut umgesetztem Kompost verbessern. Wie das geht, zeigt die Anleitung, wie du den Boden für die Nachsaat vorbereitest.
Bei großer Hitze und Trockenheit düngst du nicht stickstoffreich, sondern erst wieder, wenn genug Feuchte da ist und der Rasen sichtbar wächst. Körnigen, schnell wirkenden mineralischen Dünger wässerst du nach dem Ausbringen gründlich ein, um Verbrennungen zu vermeiden. Wann die Nachsaat ihre erste Düngung bekommt, klärt der Beitrag, wann und womit du eine frische Nachsaat düngst.
Den ersten Schnitt machst du bei etwa 10 cm Aufwuchshöhe. Dabei kürzt du die Nachsaat auf 5–6 cm. Wie es mit der Pflege bis zum Einwachsen weitergeht, steht in der oben verlinkten Pflegeanleitung.
Stell vor dem nächsten Gießgang einen Regenmesser in die Fläche und miss, wie lange dein Regner für 5 l/m² braucht. Notier dir die Laufzeit, dann gießt du in der Keimphase nicht nach Gefühl.






