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Mikroorganismen im Rasen: Was das Bodenleben leistet und wie du es förderst

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller gehören zu den Mikroorganismen im Rasenboden.
  • Beim Abbau von Pflanzenresten machen sie organisch gebundene Nährstoffe für die Gräser verfügbar.
  • Mykorrhizapilze besiedeln Wurzeln samt umliegendem Boden und unterstützen die Nährstoffaufnahme.
  • Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffstatus beeinflussen die Lebensbedingungen der Bodenorganismen.
  • Fein zerkleinertes Schnittgut darf liegen bleiben und gibt beim Zersetzen Nährstoffe an den Rasen zurück.
  • Nährstoffe aus Kompost ziehst du vom Düngebedarf ab, denn bei fehlendem Bedarf kann auch Kompost überversorgen.
  • In einer Untersuchung brachten rund 84 % der geprüften Mykorrhizaprodukte in kontrollierten Gewächshausversuchen nicht die gewünschte Wurzelbesiedlung.

Wer Mikroorganismen für den Rasen sucht, stößt schnell auf Präparate aus der Tüte. Bevor du dafür Geld ausgibst, schau dir das Bodenleben an, das unter deiner Grasnarbe längst arbeitet. Es baut abgestorbene Halme, Wurzeln und Schnittgut ab und setzt die darin gebundenen Nährstoffe so frei, dass deine Gräser sie aufnehmen können. Ich füttere es in meinem Rasen mit dem, was ohnehin anfällt: fein gemulchtem Schnittgut und gesiebtem Kompost.

Die allgemeinen Pflegeschritte stehen in meinem Rasen-Ratgeber von Standort und Boden bis Düngen. Hier geht es um die Mikroorganismen selbst: welche im Boden leben, was sie leisten und wie du sie grundsätzlich förderst.

Welche Mikroorganismen leben im Rasenboden?

Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller zählen zu den Mikroorganismen im Boden. Die meisten von ihnen siehst du mit bloßem Auge nicht, ihre Arbeit aber schon: Abgestorbene Halme und Schnittgut verschwinden nach und nach. Für die Nährstoffversorgung deines Rasens ist das wichtig, weil in diesen Pflanzenresten organisch gebundene Nährstoffe stecken.

Kurz erklärt

Mikroorganismen sind nur ein Teil des Bodenlebens. Regenwürmer gehören nicht dazu, leben aber im selben Boden. Sie verarbeiten organisches Material zu stabilen Bodenaggregaten und verbessern mit ihren Röhren die Belüftung und die Versickerung von Wasser.

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Was leisten Mikroorganismen für deinen Rasen?

Bodenmikroorganismen bauen Pflanzenreste ab, im Rasen zum Beispiel abgestorbene Halme, Wurzeln und liegen gebliebenes Schnittgut. Beim Abbau werden organisch gebundene Nährstoffe frei, und zwar in einer Form, die die Pflanzen verwerten können. So schließt sich auf deiner Fläche ein Nährstoffkreislauf: Was der Rasen an Pflanzenmasse abwirft, kommt zum Teil als Nährstoff zu ihm zurück.

Wie zügig das läuft, hängt auch von der Wärme ab. Bei niedriger Bodentemperatur verlangsamt sich die Freisetzung von Nährstoffen aus organischer Substanz. Im Frühjahr erwärmt sich der Boden außerdem langsamer als die Luft. An den ersten milden Tagen kommen organisch gebundene Nährstoffe deshalb erst verzögert bei den Gräsern an, auch wenn es über der Grasnarbe schon nach Frühling aussieht.

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Was passiert in der Rhizosphäre an den Graswurzeln?

Die Rhizosphäre ist der Wurzelraum, also der Boden rund um die Wurzeln. Dort wirken Pflanzen und Bodenorganismen besonders eng aufeinander ein. Im Rasen ist das die durchwurzelte Schicht direkt unter der Grasnarbe.

Bodenfeuchte beeinflusst die Lebensbedingungen der Bodenorganismen. Beim Wässern etablierter Rasenflächen soll das Wasser 10 bis 15 cm tief in den Wurzelbereich eindringen. Durchdringendes Gießen erreicht damit genau den Raum, in dem Wurzeln und Bodenleben besonders eng zusammenkommen. Mengen und Gießtechnik stehen im Rasen-Ratgeber im Abschnitt Gießen.

Mykorrhiza: Pilze an den Wurzeln

Ein Teil der Bodenpilze lebt direkt an den Wurzeln. Diese Mykorrhizapilze besiedeln die Wurzeln ihrer Wirtspflanzen und den Boden ringsum. Dabei unterstützen sie die Nährstoffaufnahme der Pflanze. Ob gekaufte Mykorrhiza-Präparate im Rasen ankommen, ist eine eigene Frage; dazu mehr im letzten Abschnitt.

Was beeinflusst das Bodenleben im Rasen?

Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffstatus beeinflussen, wie gut Bodenorganismen leben können. Die Temperatur nimmst du hin, bei den übrigen Punkten setzt deine Pflege an.

Bodenfeuchte und Nährstofffreisetzung

Bei Frost, Trockenheit und stauender Nässe setzen organische Dünger kaum Nährstoffe frei. Feuchtwarme Bedingungen können dagegen starke Freisetzungsschübe auslösen. Auch eine organische Rasendüngung kann deshalb über den Bedarf hinausgehen, wenn die Witterung feucht und warm wird.

pH-Wert: Zielbereich nach Bodenart

Welcher pH-Wert für deinen Rasen passt, hängt von der Bodenart ab; die bodenabhängigen Zielbereiche reichen von 4,8 bis 6,3. Moos allein ist kein Beweis für Kalkbedarf, denn es kann auch durch Schatten, Verdichtung, Nährstoffmangel oder zu tiefen Schnitt gefördert werden. Die Werte je Bodenart stehen im Rasen-Ratgeber im Abschnitt Standort und Boden.

Nährstoffstatus: Was eine Bodenuntersuchung zeigt

Ob dein Boden unter- oder überversorgt ist, zeigt eine Bodenuntersuchung. Ein Standardpaket umfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Humus, Salz, Spurennährstoffe und Schwermetalle lassen sich zusätzlich untersuchen.

Kurz erklärt

Für das Bodenleben selbst gibt es eigene Messgrößen. Die mikrobielle Biomasse erfasst die Menge der Bodenmikroorganismen, die Basalatmung ihre Aktivität.

Marias Erfahrung

Bevor ich eine Probe ins Labor schicke, steche ich an einer unauffälligen Stelle ein Stück Sode aus. Ich schaue, ob die Krume krümelig zerfällt, ob Regenwurmröhren zu sehen sind und wie tief die Wurzeln reichen. Messwerte liefert mir dieser Blick nicht, dafür braucht es die Bodenuntersuchung.

Unter Bäumen kommen für das Bodenleben eigene Bedingungen hinzu; wie du das Bodenleben im Schattenrasen gezielt förderst, beschreibe ich gesondert.

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Wie förderst du Mikroorganismen im Rasen?

Du förderst das Bodenleben, indem du ihm organisches Material lieferst und die Pflege nach seinen Lebensbedingungen ausrichtest.

Schnittgut liegen lassen

Lass fein zerkleinertes Schnittgut nach dem Mähen auf der Fläche liegen. Während es sich zersetzt, gibt es Nährstoffe an den Rasen zurück. Schnittgut ist ein Pflanzenrest, und Pflanzenreste bauen die Bodenmikroorganismen ab: Mit dem Mulchen fütterst du das Bodenleben also direkt mit Material von der eigenen Fläche.

Mulchmähen verlangt in der Hauptwachstumszeit etwa 2 Schnitte pro Woche, damit das Schnittgut kurz bleibt und sich gleichmäßig auf dem möglichst trockenen Rasen verteilt. Ich mähe zum Mulchen nur abgetrockneten Rasen und schaue danach, ob irgendwo Schnittgut in Häufchen obenauf liegt. Schnitthöhen und die Drittelregel stehen im Rasen-Ratgeber im Abschnitt Mähen.

Kompost gezielt einsetzen

Mit Kompost bekommt das Bodenleben organisches Material. Zugleich kann Kompost verbessern, wie gut dein Boden Wasser leitet und speichert. Welche Menge passt, hängt von der Situation ab:

Situation Orientierung
Bestehender Rasen, gelegentliche Maßnahme etwa 3–5 l/m² feiner RAL-Fertigkompost der Körnung 0/6, im Abstand von 3–5 Jahren
Jährlich wiederkehrende Kompostdüngung etwa 2 l/m²
Nährstoffarme Rasenfläche Frühjahrsgabe von 5 l gesiebtem Kompost je m² für Grundversorgung und Humuszufuhr
Neuanlage 12–18 l gütegesicherter Fertigkompost je m² als Richtwert, eingearbeitet in die Tragschicht

Kompost bringt dabei Nährstoffe mit, die du vom ermittelten Düngebedarf abziehen musst. Wer Kompost streut, um das Bodenleben zu füttern, düngt also zugleich; bei fehlendem Nährstoffbedarf kann auch Kompost zu einer Überversorgung führen. Ich richte mich deshalb nach der Bodenuntersuchung und bleibe ohne festgestellten Bedarf bei der gelegentlichen Gabe. Den Kompost siebe ich vor dem Ausbringen und verteile ihn mit der Rückseite des Rechens, bis die Halmspitzen wieder frei stehen.

Bedarfsgerecht düngen

Bei großer Hitze und Trockenheit düngst du nicht stickstoffreich. Bedarfsgerecht versorgt wird der Rasen erst wieder, wenn ausreichend Feuchte zurück ist und er sichtbar wächst. Mengen, Teilgaben und Termine stehen im Rasen-Ratgeber im Abschnitt Düngen.

Verdichtung lösen, Laub abräumen

Verdichtete Flächen lockerst du durch Aerifizieren mit Schlitzen oder Löchern, während Vertikutieren vor allem Rasenfilz entfernt. Sand in den Löchern bildet durchlässige Kanäle und unterstützt die Belüftung, eine tiefgründige Verdichtung behebt das aber nicht. Wie du beides angehst, steht im Rasen-Ratgeber im Abschnitt Vertikutieren und Aerifizieren.

Im Herbst rechst du gefallenes Laub ab, damit darunter keine feuchten, schlecht belüfteten Bedingungen entstehen. Liegen gebliebenes Laub begünstigt zusammen mit Staunässe und kühl-feuchten Bedingungen bei 0 bis 8 °C winterliche Pilzkrankheiten wie Schneeschimmel. Nicht jeder Pilz im Rasen ist also ein Helfer; mehr dazu findest du im Rasen-Ratgeber im Abschnitt Moos, Unkraut und Krankheiten.

Bringen Mikroorganismen aus der Tüte etwas?

Präparate mit Mykorrhizapilzen oder effektiven Mikroorganismen sollen das Bodenleben im Rasen ergänzen. Ich sehe sie nüchtern, und zwei Versuchsergebnisse zeigen, warum.

Mythos-Check

„Mit gekauften Mikroben bringst du das Bodenleben in Schwung.“ Eine Untersuchung hat 28 kommerzielle Mykorrhizaprodukte in kontrollierten Gewächshausversuchen geprüft: Rund 84 % davon brachten nicht die gewünschte Wurzelbesiedlung. Bei effektiven Mikroorganismen zeigte ein Laborversuch mit Wickroggenmaterial bei 12 °C keine nachweisbare Veränderung, weder bei der mikrobiellen Biomasse noch bei der Nährstofflöslichkeit. Beides sind Ergebnisse unter festen Versuchsbedingungen; eine verlässliche Wirkung im Rasen lässt sich daraus nicht ableiten.

Bei Pflanzenkohle hängen die Eigenschaften vom Ausgangsmaterial und vom Herstellungsverfahren ab. Ihre hohe Sorption kann Nährstoffe zeitweise binden, sodass sie den Pflanzen vorübergehend nicht zur Verfügung stehen. Ich gebe mein Geld deshalb zuerst für eine Bodenuntersuchung aus und füttere das Bodenleben, das schon da ist, mit Schnittgut und Kompost.

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Häufige Fragen

Wie beeinflussen Mikroorganismen im Rasen die Nährstoffversorgung der Gräser?
Bodenmikroorganismen bauen Pflanzenreste wie abgestorbene Halme, Wurzeln und liegen gebliebenes Schnittgut ab. Dabei werden organisch gebundene Nährstoffe in einer Form frei, die die Gräser aufnehmen können. Mykorrhizapilze besiedeln außerdem Wurzeln und umliegenden Boden und unterstützen die Nährstoffaufnahme ihrer Wirtspflanzen. Bei niedriger Bodentemperatur verlangsamt sich die Freisetzung, deshalb kommen diese Nährstoffe im Frühjahr verzögert an.
Was versteht man unter der Rhizosphäre und welche mikrobiellen Prozesse finden dort statt?
Die Rhizosphäre ist der Wurzelraum, in dem Gräser und Bodenorganismen besonders eng aufeinander einwirken. Dort besiedeln Mykorrhizapilze die Wurzeln und den Boden ringsum und unterstützen die Nährstoffaufnahme. Zugleich bauen Mikroorganismen abgestorbene Wurzeln und andere Pflanzenreste ab und machen die darin gebundenen Nährstoffe pflanzenverfügbar.
Wie funktioniert die Mykorrhiza-Symbiose zwischen Pilzen und Rasenwurzeln?
Mykorrhizapilze besiedeln die Wurzeln ihrer Wirtspflanzen und den Boden rund um die Wurzeln. Dabei unterstützen sie die Nährstoffaufnahme der Pflanzen. Gekaufte Pilze sind dafür kein sicherer Weg: In einer Untersuchung kommerzieller Mykorrhizaprodukte brachten rund 84 % in kontrollierten Gewächshausversuchen nicht die gewünschte Wurzelbesiedlung.
Worin unterscheiden sich Bodenmikroorganismen von anderen Bodenlebewesen?
Zu den Mikroorganismen im Boden zählen Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller; sie bauen Pflanzenreste ab und setzen dabei Nährstoffe pflanzenverfügbar frei. Regenwürmer gehören nicht dazu, sind aber ebenfalls Teil des Bodenlebens. Sie verarbeiten organisches Material zu stabilen Bodenaggregaten und verbessern mit ihren Röhren Belüftung und Wasserversickerung.
Wie beeinflusst der pH-Wert des Bodens die mikrobielle Aktivität im Rasen?
Der pH-Wert beeinflusst zusammen mit Bodenfeuchte, Temperatur und Nährstoffstatus die Lebensbedingungen der Bodenorganismen. Welcher Wert für deinen Rasen passt, hängt von der Bodenart ab; die bodenabhängigen Zielbereiche reichen von 4,8 bis 6,3. Ob gekalkt werden sollte, zeigt eine Bodenuntersuchung; liegt der pH-Wert über dem Zielbereich deiner Bodenart, wird nicht gekalkt. Moos allein beweist keinen Kalkbedarf.
Wie lässt sich organische Düngung zur Förderung von Bodenmikroben praktisch umsetzen?
Lass fein zerkleinertes Schnittgut beim Mähen liegen, denn während es sich zersetzt, gibt es Nährstoffe an den Rasen zurück. Dazu kommt als gelegentliche Maßnahme feiner Kompost, der dem Bodenleben organisches Material liefert. Die Nährstoffe aus Kompost und anderen organischen Bodenverbesserern ziehst du vom Düngebedarf ab. Bei großer Hitze und Trockenheit setzt du mit dem Düngen aus; organische Dünger geben bei Trockenheit ohnehin kaum Nährstoffe frei.
Welche Kompostanwendung unterstützt das Mikrobiom im Rasen optimal?
Für bestehenden Rasen kommt als gelegentliche Maßnahme feiner RAL-Fertigkompost der Körnung 0/6 infrage. Die Orientierung liegt bei etwa 3 bis 5 l je m². Infrage kommt eine solche Gabe im Abstand von 3 bis 5 Jahren. Die Nährstoffe aus dem Kompost ziehst du vom Düngebedarf ab, weil auch Kompost bei fehlendem Bedarf zu einer Überversorgung führen kann.
Wie entwickelt sich die mikrobielle Aktivität im Rasen über die Jahreszeiten?
Temperatur und Bodenfeuchte beeinflussen die Lebensbedingungen der Bodenorganismen, und beide ändern sich im Jahreslauf. Im Frühjahr erwärmt sich der Boden langsamer als die Luft, deshalb werden organisch gebundene Nährstoffe zunächst verzögert frei. Bei Frost, Trockenheit und stauender Nässe setzen organische Dünger kaum Nährstoffe frei. Feuchtwarme Bedingungen können dagegen starke Freisetzungsschübe auslösen.
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