Stockrosen vermehren: Samen, Stecklinge oder Selbstaussaat?
- Stockrosen sind zweijährig, blühen im zweiten Standjahr und sterben nach der Samenreife oft ab.
- Vorziehen im März oder April, direkt säen von Mai bis Juli, zweijährige Sorten auch im Herbst direkt ins Freiland.
- Samen sind reif, wenn die Kapsel trocken ist und sich leicht öffnen lässt.
- Stecklinge erhalten die Eigenschaften der Mutterpflanze; für Stecklinge und Samenernte nur Pflanzen ohne Malvenrost nehmen.
- Ein Rückschnitt direkt nach dem Verblühen verhindert die Selbstaussaat, stehende Samenstände sorgen für Nachwuchs.

Eine Stockrose blüht in ihrem zweiten Standjahr und stirbt nach der SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. oft ab. Willst du jeden Sommer Stockrosen sehen, musst du deshalb in jedem Jahr für Nachwuchs sorgen. Sonst bleibt irgendwann ein Sommer ohne Blüte. Ich säe darum jedes Jahr neu aus und lasse zusätzlich an einzelnen Pflanzen die Samenstände reifen.
Stockrosen vermehren kannst du auf drei Wegen: über die Aussaat, über StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. und über die SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat.. Welcher Weg passt, hängt davon ab, ob du viele Pflanzen brauchst, eine bestimmte Pflanze genau erhalten willst oder die Stockrosen sich selbst aussäen lässt.
Samen, Steckling oder Selbstaussaat: was passt wann?
Die Aussaat nimmst du, wenn du mehrere Pflanzen ziehen oder eine Farbmischung ins Beet bringen willst. Sie passt auch zu mehrjährigen Sorten wie ‘Chaters Double Red’. Solche Pflanzen verausgaben sich häufig bei der Blüte, und ihre Blütenfülle lässt nach. Bei ihnen ist eine ständige Verjüngung durch Aussaat sinnvoll.
Den Steckling wählst du, wenn dir eine einzelne Stockrose besonders gefällt und genau sie erhalten bleiben soll. Über Stecklinge gibst du die Eigenschaften der Mutterpflanze weiter. Aus selbst geernteten Samen einer Hybridsorte können dagegen Pflanzen wachsen, die anders aussehen als die Mutterpflanze.
Bei der Selbstaussaat lässt du Samenstände stehen und wählst im Frühjahr unter den Sämlingen aus. Dafür bestimmen die Pflanzen selbst, wo der Nachwuchs aufläuft.
Eine Grenze gilt für alle drei Wege: Malvenrost. Von befallenen Pflanzen nimmst du weder Samen noch Stecklinge. Auch für eine Teilung kommen nur rostfreie Exemplare infrage.
Die Stockrose Alcea rosea gilt botanisch als zweijährigeZweijährige sind Pflanzen, die im Jahr der Aussaat nur wachsen, oft zu einer Blattrosette, und erst im nächsten Jahr blühen. Dazu gehören etwa Stiefmütterchen, Goldlack, Bartnelken und Fingerhut. oder kurzlebig mehrjährige Pflanze. Echte Zweijährige blühen nach einer Ruheperiode und sterben nach der Samenreife ab. Daneben gibt es einjährige Stockrosen, die beim ersten Frost absterben, und mehrjährige Sorten. Moschusmalven sind keine Stockrosen, sie gehören zur Art Malva moschata.
Wie du Malven von der ausgepflanzten Jungpflanze bis zur Blüte pflegst, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Bodenart
Kalkhaltige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist gut durchlässiger, mäßig nährstoffreicher Boden.
- Anbauort
Geeignet sind sonnige Beete und Rabatten mit mäßig nährstoffreichem, gut durchlässigem Boden, auch an Wänden oder in Küstengärten.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Direkt am endgültigen Standort säen oder Aussaat mit milder Wärme.
Pflege
- Pflege
Für Teilung beziehungsweise vegetative Vermehrung nur rostfreie Exemplare verwenden.
- Düngung
Stockrosen der Serie Spring Celebrities im Frühjahr mit Kompost oder etwas organischem Gartendünger versorgen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist zweijährig oder kurzlebig mehrjährig.
- Verwendung
Die angebotenen Sorten eignen sich als Schnittblume.
Stockrosen aus Samen ziehen
Wann du Stockrosen säst
Für die Aussaat stehen dir drei Zeiträume offen. Im Topf vorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus. kannst du Stockrosen im März oder April. Direkt ins Beet säst du sie von Mai bis Juli. Zweijährige Sorten werden außerdem gern im Herbst direkt ins Freiland gesät, damit sie im nächsten Jahr schon in voller Blüte stehen. Auch frisch geerntete Samen kannst du im Herbst gleich aussäen.
Ich trage die Termine in den druckbaren Aussaatkalender für Sommerblumen ein und hänge ihn an die Schuppentür.
Saattiefe, Keimtemperatur und Keimdauer
| Eckdaten | Stockrose (Alcea rosea) |
|---|---|
| Saattiefe | je nach Saatgut zwischen 0,5 und 2 cm |
| Beispiel Prachtmischung | etwa 0,5 bis 1 cm |
| Beispiel Chater’s Mischung | etwa 1 bis 2 cm |
| Keimtemperatur | 15 bis 22 °C |
| Keimdauer | 14 bis 21 Tage |
| Licht zur Keimung | kein Lichtkeimer, Samen mit Erde bedecken |
| Tausendkorngewicht (Wild- und GenbankmaterialGenbankmaterial ist Saat- oder Pflanzgut aus dem Bestand einer Genbank, etwa einer Sammlung von Kulturpflanzen und ihren wilden Verwandten. Es wird nur in kleinen Mengen abgegeben und ist keine Ware eines kommerziellen Saatgutlieferanten.) | 9,4 g |
Die Saattiefe unterscheidet sich je nach Saatgutangebot. Halte dich deshalb an die Angabe auf deiner Tüte.
Das Tausendkorngewicht von Stockrosensamen liegt bei Wild- und Genbankmaterial bei 9,4 g. Bei der Lobelie sind es nur 0,03 bis 0,04 g. Größere Samen sät man einzeln in kleine Töpfe, feine Samen breitwürfig in Schalen. Für Stockrosen heißt das: ein Samen, ein Topf.
So ziehe ich Stockrosen im Topf vor
Ich fülle saubere kleine Töpfe mit Wasserabzug mit frischer Aussaaterde. In jeden Topf lege ich einen Samen, bedecke ihn nach Tütenangabe mit Erde und drücke sie leicht an. Dann gieße ich an und halte die Erde gleichmäßig feucht, denn die Saat darf während der Keimung und kurz danach nicht austrocknen. Eine durchsichtige Abdeckung lege ich nur locker auf, weil sie nicht luftdicht schließen darf. Bis zur Keimung lüfte ich sie täglich.
Sobald die Keimlinge erscheinen, kommt die Abdeckung weg. Die Töpfe stehen dann hell und etwas kühler, weil viel Wärme bei Lichtmangel lange, weiche Triebe begünstigt. Sind in einem Topf doch zwei Keimlinge aufgelaufen, vereinzelst du sie, damit die Pflanze ohne Konkurrenz wächst.
Direkt ins Beet säen
Für die Direktsaat bereitest du ein fein geharktes, unkrautfreies und gut durchlüftetes Saatbett vor. Gesät wird gleich am endgültigen Standort. Bis zum Auflaufen hältst du die Saatstellen feucht. Nach zwei bis drei Wochen zeigen sich die ersten Keimlinge, die du dann vereinzelst, damit sie sich ohne Konkurrenz entwickeln.
Beim Jäten musst du die Keimlinge sicher von Unkraut unterscheiden. Ich stecke deshalb neben jede Saatstelle ein Holzstäbchen.
Abhärten, auspflanzen und Abstand halten
Vorgezogene Jungpflanzen härtest du vor dem Auspflanzen ab. Dafür stehen sie bei mildem Wetter zuerst geschützt im Schatten und kommen danach schrittweise in die Sonne.
Stockrosen-Jungpflanzen bleiben zu lange im Anzuchttopf. Die Jungpflanzen wurzeln oft tief und werden deshalb nicht zu spät ins Freiland umgesetzt.
Auf Saatgutpackungen für Stockrosen stehen 30 cm Abstand in der Reihe und 40 cm zwischen den Reihen. Im Beet gilt als Richtwert ein Pflanzabstand von 50 bis 90 cm, damit sich die Pflanzen ungestört entwickeln und das Risiko für Malvenrost sinken kann. Im Kübel braucht eine Stockrose für ihre Standfestigkeit mindestens 40 cm Topfdurchmesser.
Hohe Stockrosen bindest du an einem stabilen Stab fest, zum Beispiel aus Bambus. Welche Methoden und Materialien sich dafür eignen, zeigt der Ratgeber, wie du hohe Stockrosen standfest stützt. Bevor ich pflanze, skizziere ich Reihen und Abstände im Beetplaner.
Stockrosensamen selbst ernten und lagern
Für eigenes Saatgut lässt du einzelne Blüten bis zur Samenreife an der Pflanze. Stockrosensamen sind reif, wenn die umgebende Kapsel trocken ist und sich leicht öffnen lässt. Ich ernte an einem trockenen Tag und schneide die Samenstände mit einer sauberen Rosenschere ab.
Zu Hause breite ich die Kapseln auf Papier aus und lasse die Samen nachtrocknen. Danach trenne ich sie von den Kapselresten und fülle sie in Tüten, die ich mit Sortenname und Erntejahr beschrifte. Gelagert wird kühl, dunkel und trocken. Stockrosensamen kannst du auch direkt im Herbst aussäen, statt sie bis zum Frühjahr aufzubewahren.
Liegt Saatgut schon länger, mache ich vor der Aussaat eine KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt.. Dafür lege ich abgezählte Körner auf feuchtes, nicht nasses Küchenpapier und decke es gegen Austrocknen ab. So sehe ich, wie viele davon keimen, bevor ich ein ganzes Beet einplane.
Bevor ich ernte, sehe ich mir die Blätter genau an. Punktförmige gelbe Flecken auf der Blattoberseite und gelb-orange, später braune Pusteln auf der Unterseite können auf Malvenrost hindeuten. Von solchen Pflanzen nehme ich keine Samen, weil Rostsporen am Saatgut haften und die Jungpflanzen im Folgejahr anstecken können.
- Kapsel trocken und leicht zu öffnen
- Ernte an einem trockenen Tag
- Samen auf Papier nachtrocknen
- Kapselreste entfernen, Tüte beschriften
- kühl, dunkel und trocken lagern
- nur von Pflanzen ohne Malvenrost ernten
Kaufst du neues Saatgut, achte auf die Blütenform. Für Insekten wählst du Stockrosen mit ungefüllten Blüten, die ihnen vor allem Pollen bieten. Warum Stockrosen für Bienen und Schmetterlinge wertvoll sind, erklärt ein eigener Ratgeber.
Stockrosen über Stecklinge vermehren
Ein Steckling lohnt sich, wenn eine bestimmte Stockrose genau so wiederkommen soll, etwa wegen ihrer Farbe. Die Eigenschaften der Mutterpflanze bleiben bei der Stecklingsvermehrung erhalten. Für die Aussaat gibt es feste Eckdaten, beim Steckling richte ich mich stärker nach der Pflanze als nach dem Kalender.
Mutterpflanze und Trieb auswählen
Die Mutterpflanze muss frei von Malvenrost sein. Der Rostpilz überwintert an erkrankten Pflanzenteilen, mit einem befallenen Trieb kann er also in den neuen Topf wandern. Allgemein wählst du für Stecklinge gesunde, kräftige Mutterpflanzen und feste, noch unverholzte Triebe. Ich nehme dafür Triebe ohne Blütenknospen. Hast du vorher an kranken Pflanzen gearbeitet, reinigst du Messer und Handschuhe, bevor du die Mutterpflanze anschneidest.
Stecken und bewurzeln
Ich entferne die unteren Blätter so weit, dass beim Stecken kein Blatt die Erde berührt. Blätter in der Erde faulen sehr schnell. Gesteckt wird in frische Aussaaterde in einem sauberen Topf mit Wasserabzug, danach gieße ich an. Der Topf steht hell, aber vor greller Sonne geschützt.
Deckst du den Steckling mit einer durchsichtigen Haube ab, kontrollierst du ihn täglich und lüftest kurz. Das soll verhindern, dass hohe Luftfeuchte und Schwitzwasser Pilzerkrankungen begünstigen. Bekommt der Steckling neue kleine Blättchen, ist er eingewurzelt. Danach ziehst du ihn weiter wie einen vorgezogenen Sämling, härtest ihn ab und setzt ihn rechtzeitig an seinen Platz.
Ich beschrifte jeden Stecklingstopf mit Farbe und Standort der Mutterpflanze. Ein Steckling soll ja genau diese eine Pflanze wiederbringen, und ohne Etikett weiß ich im nächsten Frühjahr nicht mehr, welcher Topf zu welcher Stockrose gehört.
Selbstaussaat zulassen und lenken
Stockrosen säen sich selbst aus, wenn du die Samenstände nach der Blüte stehen lässt. Bei einjährigen Stockrosen ist das der Weg, auf dem sie überdauern: Die Pflanze stirbt beim ersten Frost ab, der Nachwuchs kommt im nächsten Jahr aus den Samen.
Bei zweijährigen Stockrosen musst du abwägen. Ein RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. direkt nach dem Verblühen kann das Absterben nach der Samenreife verhindern und häufig eine weitere Blüte im Folgejahr bringen. Derselbe Schnitt verhindert aber die Selbstaussaat. Ich schneide deshalb die meisten Blütenstängel gleich nach dem Verblühen und lasse an einer gesunden Pflanze die Samenstände reifen.
Im Frühjahr suche ich die Sämlinge im Beet. Beim Jäten musst du sie sicher von unerwünschten Keimlingen unterscheiden, sonst ziehst du den Nachwuchs mit heraus. Stehen sie zu dicht, vereinzelst du sie, damit jede Pflanze ohne Konkurrenz wächst. Sämlinge, die an einen anderen Platz sollen, setze ich früh um, weil Stockrosen-Jungpflanzen oft tief wurzeln.
Wo sich Stockrosen aussäen sollen, lasse ich den Boden offen. Bei selbstaussäenden Einjährigen verhindert eine dicke Mulchschicht die Keimung. Umgekehrt hilft dir das dort, wo keine Sämlinge aufkommen sollen.
Hat eine Pflanze Malvenrost, schneide ich ihre Samenstände vor der Reife ab. Rostsporen haften am Saatgut, also können auch Samen, die von selbst ausfallen, den Rost an die nächste Generation weitergeben.
Gesunde, dicke Stängel dürfen über Winter stehen bleiben, weil holzige Malvenstängel Insekten und Wildbienen als Winterquartier dienen können. Befallene Pflanzenteile schneidest du dagegen im Herbst aus, denn der Malvenrost überwintert an ihnen.
Standort, Pflege und Winter in Kürze
Stockrosen brauchen einen sonnigen Platz und einen sandigen Boden, der trotzdem ausreichend Nährstoffe bietet. Dazu mögen Stockrosen gleichmäßige Feuchtigkeit. Wie du Stockrosen vom ersten Standjahr bis zur Blüte und darüber hinaus pflegst, mit Rückschnitt und Winterschutz, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Malvenrost kurz eingeordnet
Stockrosen sind besonders anfällig für Rost, deshalb entfernst du Pflanzenteile mit Symptomen umgehend und vernichtest rostkranke Reste. Wie du bei Sommerblumen Krankheiten vorbeugst und von Hand eingreifst, fasst der Überblick zu Sommerblumen zusammen.





