Winden zurückschneiden: So gehst du mit Trichterwinde, Ipomoea indica und Ackerwinde um
- Die Trichterwinde ist Ipomoea purpurea, wird einjährig gezogen und lässt sich nicht überwintern. Statt Winterschnitt säst du im Frühjahr neu.
- In der Saison schneidest du bei einjährigen Winden Geknicktes, Krankes und Verblühtes heraus und leitest junge Triebe an senkrechte Stützen.
- Ipomoea indica wird vor dem Frost zurückgeschnitten und kühl sowie frostfrei überwintert.
- Entspitzen ist artspezifisch und kann bei blühenden Kübelpflanzen die Blüte zunächst verzögern.
- Die Ackerwinde wurzelt bis 2 m tief und vermehrt sich über abgetrennte Wurzelstücke, deshalb reicht Abschneiden allein nicht.

Im August hat die Trichterwinde die Rankhilfe überwuchert, einzelne Triebe hängen geknickt herunter, und die Schere liegt bereit. Bevor ich an Winden schneide, kläre ich eine Frage: Welche Art wächst da, und übersteht sie den Winter überhaupt? Davon hängt ab, ob ein Rückschnitt etwas bringt oder ob du die Pflanze im Herbst einfach abräumst.
Trichterwinde zurückschneiden: die kurze Antwort
Die Trichterwinde aus der Samentüte ist Ipomoea purpurea, die auch Purpur-Prunkwinde heißt. Bei uns wird sie als einjährige Kletterpflanze gezogen, und einjährige Prunkwinden lassen sich nicht überwintern. Einen kräftigen Rückschnitt im Herbst, wie ihn überwinternde Pflanzen bekommen, braucht sie deshalb nicht: Du säst im Frühjahr neu. Wie das gelingt, zeigt der Ratgeber, wie du Winden zum richtigen Zeitpunkt aussäst.
Während der Saison hat die Schere trotzdem ihre Aufgaben. Du nimmst geknickte, kranke und verblühte Teile heraus und leitest junge Triebe an die Stütze, an der sie wachsen sollen. Was das im Einzelnen heißt, steht in den folgenden Abschnitten.
Trichterwinde und Purpur-Prunkwinde sind zwei Namen für dieselbe Art, Ipomoea purpurea. Für den Schnitt behandelst du sie wie die Himmelblaue Prunkwinde, die ebenfalls einjährig gezogen wird.
Welche Winde rankt bei dir? Der Schnitt richtet sich nach der Art
Winden klettern, indem sich ihre Triebe um senkrechte Seile, Stäbe oder Pfosten schlingen. Lebensdauer und Herkunft der einzelnen Arten ordnet das Kurzporträt der Sommerblumen mit Lebensdauer und Herkunft ein. Für den Schnitt zählt vor allem, ob deine Winde nur eine Saison lebt, frostfrei überwintert werden kann oder wild aus dem Boden kommt.
| Winde | So lebt sie bei uns | Was du schneidest |
|---|---|---|
| Trichterwinde, Purpur-Prunkwinde (Ipomoea purpurea) | einjährig gezogen, nicht überwinterbar | in der Saison Geknicktes, Krankes und Verblühtes, im Herbst abräumen |
| Himmelblaue Prunkwinde | einjährig gezogen, nicht überwinterbar | wie bei der Trichterwinde |
| Ipomoea indica | kühl und frostfrei überwinterbar | vor dem Frost zurückschneiden, im Frühjahr bei Bedarf nachschneiden |
| Zaunwinde (Calystegia sepium) | wild an Säumen, Zäunen und in Gärten | Triebe von Kulturpflanzen lösen |
| Ackerwinde | wild, Wurzeln bis 2 m tief | Abschneiden erreicht die Wurzeln nicht |
Die Schwarzäugige Susanne und die Glockenrebe klettern ebenfalls an Rankhilfen, sind aber keine Winden. Die Glockenrebe hält sich mit gegabelten Blattranken fest, deren Enden Haken tragen. Die Triebe der Glockenrebe ‘Glockenklang’ lassen sich auf dem Balkon durch Rückschnitt begrenzen.
Einjährige Winden in der Saison: was die Schere darf
Junge Triebe leiten, bevor du schneidest
Nach dem Auspflanzen gehe ich regelmäßig an der Rankhilfe entlang und lege lose Triebe an die nächste Schnur. Junge Klettertriebe lassen sich in den ersten Wochen in die gewünschte Richtung lenken und vorsichtig befestigen, und Winden finden ihren Halt an senkrechten Stützen. Daraus ergibt sich die Reihenfolge erst leiten, dann schneiden: Was du im Frühsommer an die richtige Stütze legst, musst du im August nicht aus dem Gewirr holen.
Plane dabei die Höhe der Rankhilfe ein, denn die Prunkwinden-Prachtmischung wird etwa 3 m hoch. Wächst eine Winde über das obere Ende hinaus, lege ich die Spitze zurück an die Schnur. Wie Pflanze und Gerüst zusammen eine dichte Wand bilden, zeigt der Ratgeber, wie du mit Winden einen blühenden Sichtschutz anlegst.
Ich lege junge Windentriebe locker an die Schnur und binde sie nur dort vorsichtig an, wo sie wieder abrutschen. Beim Hochbinden schaue ich mir gleich die Befestigung der Rankhilfe an.
Geknickte und kranke Triebe gleich herausnehmen
Vom Wind geknickte Blätter und Blütenstiele können bei Balkonpflanzen zu Befallsstellen für GrauschimmelGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten. werden. Ich schneide solche Stellen ab, sobald ich sie sehe. Grauschimmel bildet bei hoher Luftfeuchtigkeit einen grauen Belag auf faulenden Pflanzenteilen, und auch diese Teile kommen zur Eindämmung weg.
Ein abwischbarer weißer Belag auf der Blattoberseite kann auf Echten Mehltau hinweisen. Bei beginnendem Befall kannst du erkrankte Blätter entfernen und betroffene Triebe zurückschneiden, um die Ausbreitung einzudämmen. Ein nicht abwischbarer Belag auf der Unterseite mit gelblichen bis braunen Flecken oben spricht eher für Falschen Mehltau. Dieses Material gehört nicht auf den eigenen Kompost.
Blattläuse sitzen häufig an Triebspitzen, doch deshalb muss die Spitze nicht weg. Bei schwachem Befall genügt häufig ein Wasserstrahl. Nach der Arbeit an einer kranken Pflanze reinige ich Schere und Handschuhe, bevor ich an gesunde Triebe gehe.
Verblühtes entfernen und Samen stehen lassen
Bei Sommerblumen kann das Entfernen welker Blüten die Samenbildung begrenzen und weitere Blüten fördern. Ich knipse an meinen Winden ab, was ich vom Boden aus bequem erreiche; oben an der Rankhilfe bleibt der Rest stehen. Einjährige Prunkwinden säst du jedes Jahr neu, und für eigenes Saatgut müssen ausgewählte welke Blüten bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. stehen bleiben. Wer Samen ernten will, hört deshalb gegen Ende der Saison an einigen Trieben mit dem AusputzenAusputzen heißt, verblühte Blüten regelmäßig von der Pflanze zu entfernen. So steckt sie keine Kraft in die Fruchtbildung. auf. Bei HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. können die Nachkommen anders aussehen als die Mutterpflanze.
Vom Wind zerrupft: kräftiger Rückschnitt im Kübel
Prunkwinden wachsen auch in Kübeln und in Blumenampeln, aus denen ihre Ranken über den Topfrand hängen. Sind bei Balkonpflanzen viele Blätter gelb oder vom Wind zerrupft, kannst du sie zurückschneiden, und die meisten treiben wieder aus und bringen neuen Blütenflor. Bei einer Prunkwinde im Kübel ist das einen Versuch wert, sicher ist es nicht.
„Je öfter du Winden schneidest, desto mehr blühen sie.“ So pauschal stimmt das nicht. EntspitzenEntspitzen heißt, die weiche Triebspitze einer Pflanze mit den Fingern abzuzwicken oder mit der Schere zu kürzen. Die Pflanze treibt darunter meist mehrfach aus, verzweigt sich und wächst buschiger. ist eine artspezifische Maßnahme: Bei der Schwarzäugigen Susanne regt das Kürzen junger Triebspitzen die Verzweigung an. Bei vielen blühenden Kübelpflanzen fördert es ebenfalls die Verzweigung, verzögert aber zunächst die Blüte.
Am Ende der Saison: abräumen statt überwintern
Stirbt die einjährige Trichterwinde im Herbst ab, löse ich die Triebe von Schnüren und Stäben und nehme sie aus dem Beet. Das Entfernen toter Pflanzenteile und die Kontrolle der Kletterhilfe gehören dabei zusammen. Prüfe das Gerüst auf sichtbare Schäden und schau, ob die Befestigung noch trägt.
Für das nächste Jahr ziehst du Prunk- und Trichterwinden ab März vor. Nach den EisheiligenDie Eisheiligen sind die Namenstage von fünf Heiligen vom 11. bis 15. Mai. Bauernregeln zufolge häufen sich dann späte Frostnächte, deshalb gelten sie im Garten als Merkdatum für die Spätfrostgefahr. pflanzt du sie nach kurzem AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. aus. Den passenden Termin für deine Aussaat findest du auch im Aussaatkalender für Sommerblumen zum Ausdrucken.
Die Trichterwinde im Herbst kräftig zurückschneiden und ins Haus holen. Einjährige Prunkwinden lassen sich nicht überwintern. Den Platz im Winterquartier brauchst du für Arten wie Ipomoea indica.
Ipomoea indica im Kübel: Rückschnitt vor dem Winterquartier
Anders als die Trichterwinde lässt sich Ipomoea indica überwintern. Diese Art wird vor dem Frost zurückgeschnitten und kühl sowie frostfrei untergebracht. Wie stark, ist für sie nicht festgelegt. Ziehst du sie im Kübel, hilft der allgemeine Richtwert für Kübelpflanzen: Vor dem Einräumen kürzt du sie um etwa ein Drittel. Der Schnitt kann Kübelpflanzen kompakter machen und ihnen einen schöneren Wuchs geben.
Vor dem Einräumen sehe ich die Pflanze nach Schädlingen durch und stelle befallene Exemplare getrennt auf. Überwintert die Winde zu warm bei zu wenig Licht, schneidest du im Frühjahr noch einmal nach.
Zaunwinde und Ackerwinde: wilde Winden im Beet
Nicht jede Winde im Garten hast du gesät. Die Zaunwinde (Calystegia sepium) trägt größere, rein weiße Blüten als die Ackerwinde, deren hellrosa bis weiße Blüten fünf rote Außenstreifen haben. Die Zaunwinde wächst an frischen bis feuchten Säumen, an Zäunen und in Gärten und blüht von Juni bis September.
Die Ackerwinde bildet ein weitverzweigtes Wurzelsystem, das bis 2 m tief reicht. Vermehren kann sie sich über Samen und zusätzlich über Wurzelausläufer und abgetrennte Wurzelstücke. Zusammen erklärt das, warum die Schere gegen sie wenig ausrichtet: Die Klinge erreicht nur die Triebe, und jedes Wurzelstück, das beim Jäten abreißt, kann eine neue Pflanze bilden.
Ich wickle Ackerwindentriebe von meinen Prunkwinden ab, sobald ich sie entdecke, und grabe beim Jäten so, dass möglichst viel Wurzel am Stück herauskommt. Vor der Pflanzung ist der Boden offen, und beim Lockern suche ich dann gezielt nach Wurzelsträngen. Wie du den Boden für Winden lockerst und vorbereitest, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Blauregen und Waldrebe: eigener Schnittplan für mehrjährige Kletterer
Blauregen schlingt sich wie eine Winde empor, gehört botanisch aber nicht zu den Winden. Waldreben (Clematis) halten sich mit ihren Blattstielen fest. Beide stehen über Jahre am selben Platz, und für beide gibt es feste Schnitttermine, die du nicht auf die einjährige Trichterwinde überträgst. Der Sommerschnitt beim Blauregen dient dazu, seinen starken Wuchs zu bremsen.
| Pflanze | Zeitpunkt | Schnitt |
|---|---|---|
| Blauregen, Sommerschnitt | Mitte Juli bis Anfang August | lange Peitschentriebe auf 10 bis 30 cm, übrige Seitentriebe auf vier Knospen |
| Blauregen, Winterschnitt | Spätwinter oder zeitiges Frühjahr | von den vier Knospen der Seitentriebe bleiben zwei |
| sommerblühende, großblumige Clematis-Hybriden | jährlich im Frühjahr | auf 20 bis 40 cm zurückschneiden |
| frühjahrsblühende, großblumige Clematis der Patens-Gruppe | nach der Blüte, wenn überhaupt | auf 50 bis 100 cm einkürzen |
Nach dem Schnitt: Wasser und Nährstoffe
Nach dem Schnitt gießt du nach Bodenfeuchte, nicht nach Gefühl. Die Trichterwinde braucht durchlässigen Boden, der nicht austrocknet, und bei welkenden Topfpflanzen prüfst du vor dem Gießen die Erde, weil auch Dauernässe Welke verursachen kann. Wie oft und wie viel, steht im Ratgeber, wie du Winden je nach Standort und Wetter bewässerst.
Im Kübel brauchen Prunkwinden als Schlingpflanzen regelmäßig Nährstoffe. Musstest du wegen einer Krankheit schneiden, düngst du die Kübelpflanze erst wieder, wenn sie sich erholt hat. Womit und in welcher Menge, erklärt der Ratgeber, wann und womit du Winden düngst.
Schnittaufgaben im Jahreslauf
Die Schnittarbeit an Winden verteilt sich auf wenige Termine im Jahr. Alle übrigen Arbeiten findest du im Ratgeber zu den Pflegearbeiten an Winden im Jahreslauf.
| Zeit | Einjährige Winden | Ipomoea indica, Blauregen, Waldrebe |
|---|---|---|
| Spätwinter und Frühjahr | ab März vorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus., junge Triebe nach dem Auspflanzen leiten | Ipomoea indica bei Bedarf nachschneiden, Winterschnitt am Blauregen, sommerblühende Clematis-Hybriden zurückschneiden |
| Sommer | Geknicktes, Krankes und Verblühtes entfernen, gegen Saisonende Samen reifen lassen | Sommerschnitt am Blauregen von Mitte Juli bis Anfang August |
| Herbst | abgestorbene Pflanzen abräumen, Rankhilfe prüfen | Ipomoea indica vor dem Frost zurückschneiden und einräumen |




