Kardenarten im Garten: Wilde Karde, Weberkarde und Behaarte Karde erkennen
- Wilde Karde (Dipsacus fullonum): im ersten Jahr Blattrosette, im zweiten Jahr Blütenstängel.
- Ihre an der Basis verwachsenen Stängelblätter bilden Trichter, in denen sich Regenwasser sammelt.
- Weberkarde und Wilde Karde trennst du an den Hüllblättern: waagerecht abstehend bei der Weberkarde, nach oben gebogen bei der Wilden Karde.
- Getrocknete Kardenköpfe dienten früher der Wollbearbeitung, überwiegend von der eigens angebauten Weberkarde.
- Behaarte Karde: weiße Blüten mit lilafarbenen bis schwarzen Staubbeuteln, zu Hause in feuchten, nährstoffreichen Laub- und Auenwäldern.
- Stehen gelassene Fruchtstände bieten Distelfinken Nahrung und Halt.

Wenn im Herbst die verblühten Kardenköpfe im Beet stehen, lasse ich sie dort. Distelfinken finden an stehen gelassenen Fruchtständen Nahrung und Halt, und dürre Stängel können Insekten Unterschlupf bieten. Bevor du säst, lohnt trotzdem der Blick auf die Art, denn die Karden unterscheiden sich deutlich.
Karden bilden die Gattung Dipsacus. Für den Garten sind drei Arten interessant: die Wilde Karde, die Weberkarde und die Behaarte Karde. Sie unterscheiden sich in Aussehen, Geschichte und Standort, und Wilde Karde und Weberkarde trennst du an einem Merkmal, das du schnell lernst.
Welche Kardenarten gibt es?
Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) erkennst du an den Wasserbecken, die ihre verwachsenen Blattbasen am Stängel bilden. Bei der Weberkarde (Dipsacus sativus) steht die Geschichte im Vordergrund: Ihre getrockneten Köpfe dienten früher der Wollbearbeitung. Weiß blüht die Behaarte Karde (Dipsacus pilosus), deren natürlicher Platz feuchte, nährstoffreiche Laub- und Auenwälder sind.
| Art | Botanischer Name | Woran du sie erkennst | Was sie ausmacht |
|---|---|---|---|
| Wilde Karde | Dipsacus fullonum | Hüllblätter nach oben gebogen, Regenwasser in den verwachsenen Blattbasen | Rosette im ersten Jahr, Blütenstängel im zweiten; Schnitt- und Trockenblume |
| Weberkarde | Dipsacus sativus | Hüllblätter stehen waagerecht ab | früher eigens angebaut, getrocknete Köpfe für die Wollbearbeitung |
| Behaarte Karde | Dipsacus pilosus | weiße Blüten mit lilafarbenen bis schwarzen Staubbeuteln | feuchte, nährstoffreiche Laub- und Auenwälder; stirbt nach einmaliger Fruchtreife ab |
Welche Art du wählst, hängt an deinem Platz und deinem Ziel. Für einen feuchten, nährstoffreichen Platz im Umfeld von Gehölzen passt die Behaarte Karde, weil sie in der Natur solche Standorte besiedelt. Suchst du Köpfe für Vase und Trockenstrauß, nimmst du die Wilde Karde. Die Weberkarde holst du dir ins Beet, wenn dich die Geschichte der Wollverarbeitung reizt. Für Distelfinken taugen die Fruchtstände der Karden, solange du sie stehen lässt.
Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Blattbecken und wandernde Blütenringe
Die Wilde Karde ist zweijährig: Im ersten Lebensjahr bildet sie eine bodennahe Blattrosette, im zweiten Jahr den Blütenstängel. Wie sie sich von der Keimung über Rosette und Blüte bis zur Samenreife entwickelt, zeigt ein eigener Beitrag. Was ZweijährigeZweijährige sind Pflanzen, die im Jahr der Aussaat nur wachsen, oft zu einer Blattrosette, und erst im nächsten Jahr blühen. Dazu gehören etwa Stiefmütterchen, Goldlack, Bartnelken und Fingerhut. von Stauden unterscheidet, steht im Kurzporträt der Stauden, Zweijährigen und Gräser.
Schon vor der Blüte erkennst du die Art an den Stängelblättern. Sie stehen paarweise und sind an ihrer Basis miteinander verwachsen. So entsteht am Stängel ein Trichter, in dem sich Regenwasser sammelt. Nach einem Regen schaue ich in diese Becken, weil ich die Wilde Karde an ihnen auch ohne Blütenkopf bestimme.
Blüht der Kopf, öffnet er sich nicht auf einmal. Die Blüte beginnt in der Mitte des Blütenkopfes und wandert in Ringen nach oben und nach unten. Du siehst also blühende Ringe, die von der Mitte aus auseinanderwandern. Die Hüllblätter am BlütenstandEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. sind bei dieser Art nach oben gebogen.
Hüllblätter sind die Blätter, die am Grund des Blütenstandes ansetzen. Bei Karden lohnt der Blick genau dorthin, denn ihre Stellung trennt Wilde Karde und Weberkarde.
Ist der Fruchtstand reif, werden die Samen bei Berührung herausgeschleudert. Als Schnitt- und Trockenblume eignet sich die Wilde Karde ebenfalls.
Weberkarde (Dipsacus sativus): die Karde der Wollverarbeitung
Für die Wollbearbeitung verwendete man früher getrocknete Kardenköpfe. Überwiegend stammten sie von der Weberkarde, die eigens dafür angebaut wurde. Wilde Karde und Weberkarde sind zwei verschiedene Arten. Wer im Garten die Weberkarde zieht, hat damit eine alte Nutzpflanze im Beet.
So unterscheidest du Weberkarde und Wilde Karde
Entscheidend sind die Hüllblätter am Blütenstand. Bei der Weberkarde stehen sie waagerecht ab, bei der Wilden Karde sind sie nach oben gebogen. Ich schaue beim Bestimmen zuerst auf diese Hüllblätter und erst danach auf alles andere.
Die Wilde Karde als Weberkarde bezeichnen. Für die Wolle wurde überwiegend die eigens angebaute Weberkarde genutzt; die Wilde Karde ist eine eigene Art. Prüf die Hüllblätter, bevor du einen Namen aufs Pflanzschild schreibst.
Behaarte Karde (Dipsacus pilosus): weiß blühend und auf feuchten Boden eingestellt
Die Behaarte Karde erkennst du an der Blütenfarbe. Sie trägt weiße Blüten in köpfchenförmigen Blütenständen, in denen auffällige lilafarbene bis schwarze Staubbeutel sitzen.
In der Natur besiedelt sie feuchte, nährstoffreiche Laub- und Auenwälder sowie entsprechende Staudenfluren. Im Garten suchst du ihr deshalb einen Platz, der dem nahekommt: feucht, nährstoffreich und gern im Umfeld von Gehölzen. Einen trockenen, mageren Platz meidest du für sie.
Bis zur Blüte braucht die Behaarte Karde häufig zwei Jahre oder länger. Nach der einmaligen Fruchtreife stirbt sie ab. Willst du jedes Jahr Blüten sehen, brauchst du deshalb Pflanzen unterschiedlichen Alters nebeneinander. Ich säe dafür an derselben Stelle im Folgejahr noch einmal, damit die Jahrgänge versetzt stehen.
Was bedeuten Karden für Insekten?
Bei Insekten denkst du zuerst an die Blüte. Bei der Karde lohnt auch der Blick auf das, was nach der Blüte stehen bleibt.
Während der Blüte suche ich mir einen Kopf aus und schaue, welcher Ring gerade offen ist und wer dort landet. Dabei hilft es, Pollen und Nektar auseinanderzuhalten: Pollen dient Bienen als Aufbaunahrung, Nektar liefert ihnen Energie. Welche Insekten an deine Karden kommen, findest du mit diesem Blick selbst heraus.
Nach der Blüte zählen Stängel und Fruchtstände. Ein Teil der dürren Staudenstängel kann das ganze Jahr stehen bleiben und Insekten weiter Unterschlupf bieten. Geeignete verblühte Stängel, die länger als ein Jahr stehen, können manchen Wildbienenarten als Nistplatz dienen. Abgestorbene Pflanzenteile können außerdem Schmetterlingen als Überwinterungsplatz für Eier oder Puppen dienen.
Wildbienen brauchen neben Blütennahrung je nach Art auch offene oder spärlich bewachsene Bodenstellen, Hohlräume und Pflanzenstängel zum Nisten. Ich lasse deshalb an einer Beetecke einen Teil der Kardenstängel über das folgende Jahr hinaus stehen und räume die übrigen im Frühjahr ab.
Was bedeuten Karden für Vögel?
Stehen gelassene Kardenfruchtstände bieten körnerfressenden Vögeln wie dem Distelfink, auch Stieglitz genannt, Nahrung und Halt. Die Vögel finden an den Köpfen also Futter und zugleich einen Platz zum Festhalten. Schneidest du die Köpfe nach der Blüte ab, fällt beides weg.
Die reifen Samen werden bei Berührung aus dem Fruchtstand geschleudert. Ein Vogel, der sich an einen reifen Kopf klammert, verstreut dabei auch Samen rund um die Pflanze. Willst du keine SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat., kann das rechtzeitige Entfernen verwelkter Blüten sie verhindern, wie bei vielen Stauden. Dann fehlt den Vögeln allerdings das Futter. Ich lasse deshalb einen Teil der Köpfe dort stehen, wo mich ausgefallene Samen nicht stören, und schneide die übrigen nach der Blüte ab.
Die Köpfe, die über den Winter stehen bleiben sollen, markiere ich mit einem Stück Bast. So schneide ich beim Aufräumen nicht versehentlich die ab, die ich für die Vögel vorgesehen habe.
Samen selbst ernten
Für eigenes Saatgut hältst du eine Papiertüte unter den reifen Kopf, bevor du ihn berührst. Geerntet wird bei trockenem Wetter, sobald die Samen ausgereift sind und sich leicht lösen. Danach trocknen sie nach und kommen bis zur Aussaat trocken in Tüten.
Karden im Beet und in der Vase
Die Wilde Karde eignet sich als Schnitt- und Trockenblume. Wie du Karden als Strukturpflanzen einsetzt und womit du sie kombinierst, zeigt ein eigener Beitrag. Was Kinder mit Karden ausprobieren und basteln können und worauf ihr dabei achtet, beschreibt ein weiterer Beitrag.
Wie säst du Karden aus?
Gesät wird die Wilde Karde von April bis Mai, flach und 0 bis 0,5 cm tief. Bis die Keimlinge erscheinen, vergehen 10 bis 14 Tage, in denen das Saatsubstrat ständig ausreichend feucht bleibt. Jeden Schritt zeigt die Anleitung, wie du Kardensamen säst und die Keimlinge durchs erste Jahr bringst; welche Arbeiten Monat für Monat in beiden Kulturjahren anstehen, steht im Pflegekalender.
Wie pflegst du Karden?
Zusätzlich düngen musst du die Wilde Karde im Garten nicht, gegossen wird vor allem in der Anwachszeit durchdringend. Bei Krankheiten und Schädlingen gilt die Stufenfolge vorbeugen, kontrollieren, absammeln; die Grundlagen dazu und zu Gießen, Düngen und Pflege im Jahreslauf stehen im Stauden-Ratgeber. Wie du Karden über die Saison versorgst, vom Stützen bis zur Überwinterung, beschreibt ein eigener Beitrag.





