Wilde Karde basteln und erforschen: Kinderprojekte über zwei Gartenjahre
- Die Wilde Karde ist zweijährig: Im ersten Jahr wächst eine Blattrosette, im zweiten Jahr der Blütenstängel.
- An den verwachsenen Blattpaaren des Stängels sammelt sich Regenwasser, ein Experiment für das zweite Jahr.
- Die Blüte wandert in Ringen von der Mitte des Kopfes nach oben und unten.
- Getrocknete Kardenköpfe werden zu Igeln, Trockensträußen, Stempelrollen und Bürsten nach altem Vorbild.
- Wegen der Stacheln basteln Kinder mit Handschuhen, und einige Fruchtstände bleiben für den Stieglitz stehen.

Kinder wollen Pflanzen anfassen, und bei der Wilden Karde ist genau das Teil des Experiments. Ihre Blattpaare halten Regenwasser fest, ihre Blüte wandert in Ringen über den Kopf, und reife Fruchtstände schleudern bei Berührung Samen heraus. Gleichzeitig stechen die Köpfe, deshalb plane ich jedes Kinderprojekt mit der Karde von den Stacheln her. Hier bekommst du Experimente, Bastelideen und weiterführende Projekte, geordnet nach dem Gartenjahr, in dem sie möglich sind.
Was die Karde für Kinder spannend macht
Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) ist eine zweijährigeZweijährige sind Pflanzen, die im Jahr der Aussaat nur wachsen, oft zu einer Blattrosette, und erst im nächsten Jahr blühen. Dazu gehören etwa Stiefmütterchen, Goldlack, Bartnelken und Fingerhut. Pflanze. Im ersten Jahr bildet sie nur eine bodennahe Blattrosette. Erst im zweiten Jahr wächst der Blütenstängel mit den typischen Köpfen. Für Kinder heißt das: Manche Projekte starten sofort, andere brauchen ein Jahr Geduld.
Am Stängel stehen die Blätter paarweise, und ihre Basen sind miteinander verwachsen. In diesem Trichter sammelt sich Regenwasser. Die Blüte öffnet sich nicht auf einmal, sondern wandert in Ringen von der Mitte des Kopfes nach oben und unten. Reife Fruchtstände schleudern ihre Samen bei Berührung heraus, und getrocknet eignet sich die Karde als Trockenblume.
Für die Projektplanung helfen dir diese Angaben:
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Lebensdauer | zweijährig |
| Erstes Jahr | bodennahe Blattrosette |
| Zweites Jahr | Blütenstängel mit Köpfen |
| Blütezeit | Juli bis August |
| SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. im Vermehrungsanbau | ab September |
| Wuchshöhe | 50 bis 150 cm, in anderen Angaben 100 bis 250 cm |
| Licht | sonnig bis halbschattig |
| Düngung im Garten | keine zusätzliche nötig |
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist mäßig nährstoffreicher Boden, einschließlich schwerem Tonboden. Sonne oder Halbschatten sind geeignet.
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist mäßig nährstoffreicher Boden, einschließlich schwerem Tonboden.
- Anbauort
Die Pflanze eignet sich für Garten-Blumenwiesen und naturnahe Gartenbereiche.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Direkt am endgültigen Standort säen.
Pflege
- Pflege
Fruchtstände können für Vögel über Winter stehen bleiben.
- Düngung
Bei der Wilden Karde ist im Garten keine zusätzliche Düngung nötig.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist zweijährig.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Blumenrabatten und Beete, Schnittblumen.
Sicherheit zuerst: Stacheln, Samen und giftige Nachbarn
Die Köpfe der Karde sind stachelig, und beim Basteln halten Kinder sie ständig in der Hand. Für Kita-Außengelände gilt, dass Gefährdungen durch Stacheln und Dornen zu vermeiden sind. Diesen Maßstab nehme ich auch im Hausgarten: Kinder fassen Karden nur mit Gartenhandschuhen an und tragen lange Ärmel. Die Kleinsten basteln nur, wenn ein Erwachsener danebensitzt.
Weil die Köpfe stechen und Stichgefahren für Kinder vermieden werden sollen, pflanzt du die Karde nicht an Wege, auf denen Kinder rennen und toben. Sie gehört an einen Beetrand, an dem man sie in Ruhe beobachtet.
Samen und Pflanzenteile gehören nicht in den Mund. Was nicht sicher als essbar bestimmt ist, wird nicht gegessen. Diese Regel bespreche ich mit den Kindern vor jedem Projekt, und nach dem Basteln waschen sich alle die Hände.
Hast du den Verdacht, dass ein Kind giftige Pflanzenteile gegessen hat, wende dich an ein Giftinformationszentrum oder hol ärztliche Hilfe. Löse kein Erbrechen aus.
Prüfe vor dem ersten Projekt auch, was neben der Karde wächst. Roter Fingerhut ist in Blättern, Blüten und Samen giftig, weil er herzwirksame Glykoside wie Digitoxin enthält. Bei der Gartenarbeit mit Fingerhut sind Handschuhe angeraten. Wo Kinder Zugang haben, prüfst du, ob die Pflanzen entfernt werden sollten. Blauen Eisenhut berührst du nur mit Handschuhen. Welche Stauden im Beet außerdem giftig sind, fasst der Abschnitt über giftige Stauden im Ratgeber zu Stauden und Ziergräsern zusammen.
Aussaat mit Kindern: der kurze Weg
Die Wilde Karde wird direkt an ihren endgültigen Platz gesät, das Umsetzen fällt also weg. Ihre Samen keimen im Licht und werden deshalb kaum mit Erde bedeckt. Zeitpunkt, SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. und Keimlingspflege stehen in der Anleitung, wie du Kardensamen Schritt für Schritt aussäst. Den Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser zum Ausdrucken hängen die Kinder neben ihr Beet und haken die Termine selbst ab.
Welche Experimente klappen mit Karden?
Die Experimente folgen dem Lebenslauf der Pflanze. Die meisten brauchen eine Karde im zweiten Jahr, die Samenschleuder einen reifen Fruchtstand. Ein Forscherheft, in das die Kinder malen und schreiben, hält alle Beobachtungen zusammen.
Das Wasserbecken am Stängel untersuchen
Nach einem Regenschauer steht in den verwachsenen Blattpaaren des Stängels Wasser. Weil die Karde im ersten Jahr nur eine Rosette bildet, gibt es diese Becken dann noch nicht. Sie entstehen erst am Blütenstängel, also planst du das Experiment für eine Karde im zweiten Jahr.
Nach dem Regen suchen die Kinder die Blattpaare, die Wasser halten, und zählen sie. Mit einer Pipette holen sie eine Probe in ein weißes Schälchen und schauen sie unter der Lupe an. Ob sich darin etwas bewegt, finden sie selbst heraus. An einem trockenen Tag füllen sie ein leeres Becken mit der Gießkanne und beobachten, wie lange das Wasser darin steht. Getrunken wird das Wasser nicht, und die Probe kommt nach dem Anschauen zurück ins Beet.
Gartenhandschuhe, Pipette, weißes Schälchen, Lupe, kleine Gießkanne und das Forscherheft.
Wandernde Blütenringe beobachten
Die Karde blüht im Juli und August. Ihre Blüte beginnt in der Mitte des Kopfes und wandert in Ringen nach oben und unten. Dieses Wandern können Kinder gut festhalten.
Sie suchen sich einen Kopf aus und binden ein farbiges Wollband an den Stängel darunter. Während der Blüte zeichnen sie den Kopf regelmäßig ab und malen den Ring farbig aus, der gerade offen ist. Am Ende liegen die Zeichnungen nebeneinander, und der Weg der Ringe wird sichtbar. Nebenbei notieren die Kinder, welche Insekten auf den offenen Ringen landen.
Die Samenschleuder testen
Reife Fruchtstände der Wilden Karde schleudern ihre Samen bei Berührung heraus. Im Vermehrungsanbau reifen die Samen ab September. Für Kinder wird daraus ein Versuch mit Maßband.
Fruchtstand heißt der Kardenkopf nach der Blüte, wenn in ihm die Samen reifen.
Die Kinder legen ein helles Laken rund um die Pflanze auf den Boden. Mit Handschuhen tippen sie den Kopf an, einmal sanft und einmal kräftiger. Wo Samen landen, legen sie ein Steinchen ab. Mit dem Maßband messen sie die Abstände zur Pflanze und tragen sie ins Forscherheft ein. Die Samen auf dem Laken sammeln sie ein, denn daraus werden später Samenbomben.
Wolle aufrauen wie früher
Getrocknete Kardenköpfe dienten früher zur Bearbeitung von Wolle. Genutzt wurde dafür überwiegend die eigens angebaute Weber-Karde Dipsacus sativus, deshalb ist ein Kopf der Wilden Karde ein Vergleichsstück und kein Originalwerkzeug. Den Überblick über Lebensläufe und Herkunft der Stauden gibt das Kurzporträt im Ratgeber zu Stauden und Ziergräsern.
Für den Versuch streichen die Kinder mit einem trockenen Kopf langsam über ein Stück Filz oder groben Wollstoff. Danach vergleichen sie die gestrichene Stelle mit dem Rest des Stoffs. Mit eigenen Worten beschreiben sie, ob sich an den Fasern etwas verändert hat. Später wiederholen sie den Versuch mit der selbst gebastelten Kardenbürste.
Wilde Karde basteln: von der Ernte bis zum Igel
Köpfe schneiden, trocknen und ausschütteln
Die Wilde Karde eignet sich als Schnitt- und Trockenblume. Für Bastelarbeiten schneide ich die Köpfe mit einem langen Stück Stängel ab. Ich hänge sie an einem trockenen, luftigen Platz auf, bis sie durchgetrocknet sind. Köpfe mit reifen Samen schüttle ich draußen über einer Schüssel aus, bevor sie auf den Basteltisch kommen. Die Samen wandern gleich in eine beschriftete Tüte.
Der Stieglitz frisst im Winter die samen.liver Karde, und die Fruchtstände können dafür über Winter stehen bleiben. Wer jeden Kopf zum Basteln schneidet, nimmt ihm diese Nahrung. Ich lasse deshalb an einer Beetecke einige Köpfe stehen.
Die Karde kann verwildern. Wer keine SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. im ganzen Beet möchte, schneidet verwelkte Köpfe rechtzeitig ab, denn das kann bei vielen Stauden die unerwünschte SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. verhindern.
Leg beim Basteln ein altes Laken unter. Was an Samen und Bruchstücken herunterfällt, trägst du mit dem Laken in einem Rutsch nach draußen.
Kardenigel
Ein großer, trockener Kopf wird zum Igelkörper. Die Kinder kleben an einem Ende Wackelaugen auf und formen aus Filz eine Schnauze. Beine aus Pfeifenreinigern stecken sie unten zwischen die Stacheln. Damit nichts piekst, halten sie den Kopf dabei am Stängelrest fest.
Trockenstrauß mit Gräsern
Köpfe mit langem Stängel passen in einen Trockenstrauß. Die Kinder kombinieren sie mit getrockneten Gräsern aus dem Garten. Farbe bringt Geflügelter Strandflieder, dessen farbige Kelchblätter auch beim Trocknen ihre Farbe behalten. Für Trockensträuße wird er bei voller Blüte geschnitten und kopfüber an einem luftigen Ort aufgehängt.
Kardenbürste nach altem Vorbild
Für eine Bürste kleben die Kinder mehrere trockene Köpfe dicht nebeneinander auf ein Holzbrettchen. Hält der Kleber nicht, befestigt ein Erwachsener die Köpfe zusätzlich mit Draht. Den Griff bemalen die Kinder selbst. Mit der fertigen Bürste lässt sich der Wollversuch wiederholen und vergleichen.
Kardenkopf als Stempelrolle
Ein trockener Kopf am Stängelrest wird zur Stempelrolle. Die Kinder rollen ihn auf einem Teller durch Fingerfarbe und danach über ein großes Blatt Papier. So entsteht ein Muster aus den Abdrücken der Stacheln. Getrocknet wird das Blatt zu Geschenkpapier.
Samenbomben fürs eigene Beet
Samenbomben verbinden Basteln und Aussaat. Die Kinder mischen Blumenerde mit Tonpulver und geben nach und nach Wasser dazu, bis sich der Teig formen lässt. Daraus rollen sie Kugeln. Weil die Karde im Licht keimt, drücke ich die Samen nur außen in die feuchten Kugeln, statt sie einzukneten. Die Kugeln trocknen an der Luft und kommen dann an einen sonnigen bis halbschattigen Platz. Sie landen nur im eigenen Garten, an einer Stelle, an der die Pflanze zwei Jahre stehen darf.
Weiterführende Projekte
Ein Wachstumstagebuch über zwei Jahre
Das Forscherheft begleitet die Karde vom Keimling bis zum Fruchtstand. Im ersten Jahr messen die Kinder den Durchmesser der Rosette. Im zweiten Jahr messen sie die Höhe des Stängels, dafür reicht ein Holzstab, auf dem sie Striche ziehen. Für die Wuchshöhe gibt es unterschiedliche Angaben, und die Kinder tragen ihren eigenen Messwert daneben ein. Welche Arbeiten im ersten und zweiten Kulturjahr anstehen, zeigt der monatsweise Pflegeplan für Karden.
Ich stecke im ersten Herbst neben jede Rosette einen Holzstab mit Namensschild. Beim Jäten zeigt das Schild, welche flache Blattrosette zur Karde gehört.
Eine Kardenecke für Vögel und Insekten
Die Wilde Karde gilt als nützlingsfreundlich, und der Stieglitz frisst im Winter ihre Samen. Wie sich die Kardenarten unterscheiden und was sie Tieren bieten, erklärt der Ratgeber über Kardenarten und ihre Bedeutung für Insekten und Vögel.
Aus den stehen gelassenen Köpfen wird ein Winterprojekt. Die Kinder beobachten die Ecke vom Fenster aus und notieren, welche Vögel an den Fruchtständen landen. Wildbienen brauchen neben Blüten je nach Art offene Bodenstellen, Hohlräume oder Pflanzenstängel zum Nisten. Deshalb bleiben in der Kardenecke einige dürre Stängel stehen, und eine kleine Fläche Boden bleibt unbewachsen. Ein Teil dieser Stängel kann das ganze Jahr stehen bleiben und Insekten Unterschlupf bieten.
Wo die Ecke im Garten wirkt und womit sich Karden kombinieren lassen, zeigt der Ratgeber zu Karden als Strukturpflanzen. Den Platz kannst du vorher mit den Kindern im Beetplaner skizzieren. Gedüngt wird die Ecke nicht, denn die Wilde Karde braucht im Garten keine zusätzliche Düngung. Entdecken die Kinder Blattläuse, genügt bei schwachem Befall häufig ein Wasserstrahl.
Samentütchen und Keimprobe
Aus den ausgeschüttelten Samen werden Samentütchen. Gesammelt wird bei trockenem Wetter, wenn die Samen reif sind und sich leicht lösen. Die Kinder trocknen sie auf Papier nach, füllen sie in Tüten und beschriften jede Tüte mit Pflanze und Erntejahr. Kühl, dunkel und trocken gelagert bleiben die meisten selbst gesammelten Blumen- und Staudensamen etwa 3 Jahre keimfähig. Das ist eine Orientierung und keine Garantie für jede Art.
Bei Samen, deren KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut. fraglich ist, planst du die KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt. etwa 4 Wochen vor der Aussaat ein. Die Kinder legen abgezählte Samen auf feuchtes Küchenpapier in eine flache Schale und decken sie nicht ab, weil die Karde im Licht keimt. Das Papier bleibt durchgehend feucht. Rechne mit einer Keimdauer von 10 bis 14 Tagen, danach zählen die Kinder die Keimlinge und rechnen aus, welcher Anteil gekeimt ist.


