Nachtkerzen: Vom Samen zur blühenden Pflanze, mit Wurzelernte und Öl
- Nachtkerzen (Oenothera) öffnen ihre Blüten am Abend; die Gewöhnliche Nachtkerze bildet im ersten Jahr eine Rosette und blüht im zweiten.
- Aussaat der Gewöhnlichen Nachtkerze von März bis April, am besten direkt ins Beet.
- Saattiefe 0,5 cm: Samen mit Erde bedecken und bis zur Keimung feucht halten.
- Abstand bei Reihensaat im Beet: 25 cm in der Reihe, 30 cm zwischen den Reihen.
- Sonniger Platz, durchlässiger und nicht übermäßig nährstoffreicher Boden, keine zusätzliche Düngung nötig.
- Die Pfahlwurzel sicher bestimmter Pflanzen wird vom Herbst des ersten bis zum Frühjahr des zweiten Wuchsjahres geerntet.
- Nachtkerzenöl stammt aus den Samen; nachgesagte Heilwirkungen ersetzen keinen ärztlichen Rat.

Du hast Nachtkerzen gesät, und im ersten Sommer liegt nur eine flache Blattrosette im Beet? Bei der Gewöhnlichen Nachtkerze ist das der normale Lauf, denn sie wächst zweijährig und blüht erst im zweiten Jahr. Wer das nicht weiß, hält die Rosette leicht für einen Fehlschlag. Ich säe Nachtkerzen deshalb gleich an den Platz, an dem sie blühen sollen, und markiere die Reihe mit einem Stab.
Was sind Nachtkerzen?
Nachtkerzen sind Pflanzen der Gattung Oenothera aus der Familie der Nachtkerzengewächse, botanisch Onagraceae. Ihren Namen tragen sie wegen der Blüten, die sich am Abend öffnen und am nächsten Morgen wieder schließen. Die meisten Gartenformen blühen gelb, einige Arten weiß oder rosa. Die bekannteste Art ist die Gewöhnliche Nachtkerze, Oenothera biennis. Alle Aussaat- und Pflegewerte in diesem Ratgeber gelten für sie.
Die Gewöhnliche Nachtkerze ist mehr als eine Zierpflanze. Sie bildet eine essbare PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche., und aus ihren Samen wird Nachtkerzenöl gepresst. Deshalb begegnet sie dir im Staudenbeet ebenso wie in der Wildgemüseküche und in der Naturkosmetik.
Woher stammt die Nachtkerze?
Die Gewöhnliche Nachtkerze stammt ursprünglich aus Nordamerika. Nach Europa kam sie als Zierpflanze, inzwischen ist sie hier eingebürgert und wächst vielerorts verwildert. Draußen findest du sie vor allem auf offenen, sonnigen Flächen. Solche Bedingungen sucht sie auch im Garten: Sonne, trockene, sandige bis lehmige Böden und keinen Nährstoffüberfluss.
Wie wächst die Nachtkerze im ersten und im zweiten Jahr?
Im ersten Jahr bildet die Gewöhnliche Nachtkerze eine Blattrosette dicht am Boden. Darunter wächst eine Pfahlwurzel in die Tiefe. Die Jugendentwicklung verläuft langsam, deshalb musst du Beikräuter in dieser Phase klein halten. Die Rosette bleibt über den Winter im Beet stehen.
Im zweiten Jahr schiebt die Rosette einen aufrechten, oft verzweigten Stängel. An ihm öffnen sich die Blüten nacheinander am Abend und welken in der Regel am nächsten Morgen. Am Stängel folgen über die Blütezeit immer neue Knospen. Nach der Samenreife stirbt die Pflanze ab, neue Nachtkerzen wachsen aus den Samen nach.
Zweijährig heißt bei der Gewöhnlichen Nachtkerze: Keimung und Rosette im ersten Jahr, Blüte, Samen und Absterben im zweiten. Eine einzelne Pflanze blüht also nur in einem Sommer.
Welcher Standort passt zur Nachtkerze?
Licht und Klima
Gib der Gewöhnlichen Nachtkerze einen sonnigen Platz. Sie hat eine hohe Trockenheitstoleranz und kommt deshalb mit trockenen Sommerphasen zurecht. Nässe verträgt sie schlechter als Trockenheit, darum muss der Boden Wasser gut ableiten. Die Rosette überwintert draußen im Beet. Ich setze Nachtkerzen an den sonnigsten Rand des Beets, wo nach Regen kein Wasser stehen bleibt.
Boden
Am besten passen trockene, sandige bis lehmige Böden, die nicht übermäßig nährstoffreich sind. Wichtig ist eine gute Durchlässigkeit bei mittlerer Feuchte. Wie du Bodenart, pH-Wert und ein Sandbeet für Stauden allgemein einschätzt, steht im Stauden-Überblick im Abschnitt Standort und Boden.
Wann und wie säst du Nachtkerzen?
Der richtige Zeitpunkt
Die Gewöhnliche Nachtkerze säst du von März bis April. Für den Feldanbau ist in diesem Zeitraum die Direktsaat beschrieben. Daneben gibt es dort ein zweijähriges Verfahren mit Aussaat von Ende Juli bis Mitte August. Ich säe im Garten zum Frühjahrstermin und trage ihn mir im Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser zum Ausdrucken ein.
| Aussaat-Wert | Gewöhnliche Nachtkerze |
|---|---|
| Aussaatzeit | März bis April |
| Saattiefe | 0,5 cm |
| Keimdauer | 14 bis 21 Tage |
| Keimtemperatur, Minimum | 9 °C |
| Keimtemperatur, Maximum | 23 °C |
Direktsaat oder Vorkultur?
Ich empfehle die Direktsaat an den endgültigen Platz. Weil die Samen schon ab 9 °C keimen und auch im Feldanbau direkt gesät wird, brauchst du keine warme Fensterbank. Das Beet lockerst du, sobald der Boden ausreichend abgetrocknet ist. Wurzelunkräuter ziehst du dabei samt allen Wurzelstücken heraus.
Dann ziehst du Saatrillen in der angegebenen Tiefe, legst die Samen hinein und bedeckst sie mit Erde. Drück die Erde leicht an und halte die Saatreihe feucht, bis die Keimlinge da sind. Mit 14 bis 21 Tagen Keimdauer brauchst du etwas Geduld. Bis dahin jätest du nur zwischen den Reihen, damit du keine Keimlinge erwischst.
Boden abgetrocknet und gelockert, Wurzelunkräuter entfernt. Rillen 0,5 cm tief ziehen, Reihen markieren. Samen mit Erde bedecken, andrücken und bis zur Keimung feucht halten. Nach dem Auflaufen auf den Pflanzabstand vereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe..
Wer trotzdem vorzieht, nimmt salzarme Aussaaterde in Schalen oder Töpfen, aus denen überschüssiges Gießwasser abfließen kann. Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt für Aussaaterden einen Salzgehalt unter 0,5 g/Liter. Eine Abdeckung nimmst du beim ersten Keimling ab und stellst die Schale hell, aber ohne pralle Sonne auf. Dicht stehende Sämlinge vereinzelst du nach den ersten Laubblättern mit einem PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch.. Dabei hältst du sie an den KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen., ohne zu ziehen. Vor dem Auspflanzen härtest du die Jungpflanzen etwa eine Woche an einem windgeschützten, schattigen, aber hellen Platz ab.
Welche Abstände und welche Tiefe brauchen Nachtkerzen?
Bei ReihensaatReihensaat ist eine Saatweise, bei der die Samen in flache, gerade Rillen gesät werden, sodass die Pflanzen später in Reihen stehen. Gegenüber der Breitsaat, bei der die Samen flächig ausgestreut werden, erleichtert sie die Pflege. im Beet: 25 cm Abstand in der Reihe, 30 cm Reihenabstand, Saattiefe 0,5 cm.
Die Abstände gelten für Reihensaat im Beet. In der Reihe vereinzelst du die Sämlinge auf 25 cm. Zwischen den Reihen lässt du 30 cm Platz, dort kommst du zum Jäten an die RosettenRosetten sind Blattanordnungen, bei denen die Blätter dicht gedrängt stehen und scheinbar alle an derselben Stelle entspringen, weil die Sprossachse, also der Stängel, stark gestaucht ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Dachwurz. heran. Die Saattiefe liegt bei 0,5 cm. Bedecke die Samen also mit Erde, statt sie nur aufzustreuen.
Vorgezogene Jungpflanzen setzt du mit denselben Abständen. Vor dem Pflanzen tauche ich jeden Topfballen in Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Danach drücke ich die Erde rund um den Ballen an und gieße gründlich an. Mehrere Reihen kannst du vorab mit dem Beetplaner auf deine Beetfläche legen.
Wie pflegst du Nachtkerzen?
Die Pflege dreht sich um vier Punkte: Wasser, Nährstoffe, Gesundheit und den Winter. Dazu kommt in der Jugend das Jäten.
Gießen: Wie viel Wasser brauchen Nachtkerzen?
Bis zur Keimung hältst du die Saat feucht. Danach gießt du nach Bedarf, denn die Pflanze hat eine hohe Trockenheitstoleranz und mag mittlere Bodenfeuchte. Ich fühle vor dem Gießen mit dem Finger in die Erde und gieße nur, wenn sie sich trocken anfühlt.
Frisch ausgepflanzte Jungpflanzen gießt du bei anhaltender Trockenheit wiederholt durchdringend, bis sie eingewachsen sind. Das gilt auch für trockenheitsverträgliche Arten. Gieß morgens und direkt an die Wurzeln statt über die Blätter, damit weniger Wasser verloren geht. Stehendes Wasser kann Wurzelfäule begünstigen, deshalb gehört die Nachtkerze nicht in Senken mit Staunässe.
Düngen: Brauchen Nachtkerzen Dünger?
Im Garten braucht die Gewöhnliche Nachtkerze keine zusätzliche Düngung. Sie bevorzugt ohnehin Böden, die nicht übermäßig nährstoffreich sind. Zusammen heißt das: Beim Düngen des übrigen Beets lässt du die Nachtkerzen aus. Auch Kompost zählt dabei mit, denn er liefert neben organischer Substanz Nährstoffe. Wirken die Pflanzen schwach, lass eine Bodenuntersuchung machen, bevor du nachdüngst.
Im Frühjahr bekommt das ganze Staudenbeet Kompost, und die Nachtkerzen stehen mittendrin. Die Frühjahrsgabe ist für Prachtstauden gedacht, die Nachtkerze braucht sie nicht. Spar ihre Reihe beim Verteilen aus.
Mulchen und Jäten
Wegen der langsamen Jugendentwicklung hältst du Beikräuter klein, bis die Pflanzen den Boden geschlossen bedecken. Ich jäte rund um die Rosetten von Hand und lockere dabei nicht tief, damit die Pfahlwurzel unbeschädigt bleibt.
Eine Mulchdecke hemmt die Verdunstung und vermindert die Erwärmung des Bodens. Roher Rindenmulch bindet Stickstoff und eignet sich nicht für junge Staudenpflanzungen. Rasenschnitt bringst du angewelkt und dünnschichtig aus. Steht die Nachtkerze im Kiesbeet, ist Rindenmulch dort wegen des feucht-sauren Milieus ungeeignet. Dort nimmst du mineralischen Mulch mit einer Körnung von 8 bis 16 mm. Die Schicht trägst du 5 bis 7 cm stark auf.
Krankheiten und Schädlinge: vorbeugen und kontrollieren
Ein weißer, mehlartiger Belag auf Blättern und Stängeln kann auf Echten Mehltau hindeuten. Für die Keimung dieser Pilze kann schon eine relative Luftfeuchte von 70 % ausreichen. Der trockene, sonnige Platz, den die Nachtkerze bevorzugt, schließt Mehltau deshalb nicht aus. Vorbeugen kannst du mit ausreichenden Pflanzabständen, guter Belichtung und einer ausgewogenen Nährstoffversorgung.
Orangefarbene Pusteln auf der Blattunterseite können auf Rostpilze hindeuten. Pilzbefallene Blätter entfernst du schon im Herbst und gibst sie nicht auf den Kompost.
Blattläuse saugen gern an jungen Trieben. Bei schwachem Befall genügt häufig ein Wasserstrahl, der die Läuse abspült. Marienkäfer und Florfliegen gehören zu ihren natürlichen Feinden, deshalb lasse ich ihnen im Garten ungestörte Ecken.
Schnecken können vor allem junge Nachtkerzen stark schädigen. Ein Schneckenzaun hilft, verlass dich aber nicht allein darauf: Innerhalb des Zauns sammelst du weiterhin regelmäßig Schnecken ab. Weinbergschnecken stehen unter Schutz, die lässt du in Ruhe.
Chemischen Pflanzenschutz setze ich im Nachtkerzenbeet nicht ein. Wer ihn als letzte Stufe nutzt, nimmt nur Mittel mit Zulassung für Haus- und Kleingarten und hält sich an die Gebrauchsanweisung. Schutzkleidung, Wartezeit und die Entsorgung von Resten gehören dazu, vor allem wenn du Wurzeln essen willst. Solche Mittel können auch Nützlinge treffen.
Überwinterung: Was passiert im Winter?
Im ersten Winter steht nur die Rosette im Beet. Lass abgestorbene Blätter rund um sie im Herbst liegen, denn abgestorbene Stängel und Blätter bilden einen natürlichen Winterschutz. Gesundes altes Laub kann bis April oder Mai stehen bleiben. Pilzbefallene Blätter nimmst du dagegen schon im Herbst ab.
Nach der Blüte im zweiten Jahr bleiben die dürren Stängel stehen, solange sie standfest sind. Zurückgeschnitten wird erst im Spätwinter. Einen Teil der Stängel kannst du auch das ganze Jahr stehen lassen, weil Insekten darin Unterschlupf finden. Ich lasse am Beetrand ein paar dürre Stängel bis in den Sommer stehen und schneide die übrigen im Spätwinter ab.
Wann und wie erntest du Wurzel, Blätter und Blüten?
Die Wurzel
Die Pfahlwurzel der Gewöhnlichen Nachtkerze ist essbar, sofern die Pflanze sicher bestimmt ist. Geerntet wird sie vom Herbst des ersten bis zum Frühjahr des zweiten Wuchsjahres. Ich lockere den Boden neben der Rosette mit der Grabegabel und hebe die Wurzel dann im Ganzen heraus. Weil die Wurzel genau zwischen Rosette und Blütenstängel geerntet wird, entscheidest du je Pflanze: Wurzel oder Blüte.
Ich säe zwei Reihen. Aus der einen grabe ich im Herbst Wurzeln für die Küche, die andere lasse ich für die Blüte im nächsten Jahr stehen.
Blätter und Blüten
Junge Blätter werden in der Wildgemüseküche roh im Salat oder gekocht wie Spinat verwendet. Die Blüten dienen als essbare Dekoration für Salate und Desserts. Du pflückst sie am Abend nach dem Öffnen oder früh am nächsten Morgen. Für Blätter und Blüten gilt dieselbe Regel wie für die Wurzel: Gegessen wird nur, was sicher als Gewöhnliche Nachtkerze bestimmt ist.
Samen
Für Saatgut lässt du einige Blütenstände an der Pflanze ausreifen. Wann die Kapseln reif sind, zeigt die Anleitung, wie du Nachtkerzensamen erntest, trocknest und lagerst. Allgemeines zum Lagern von Staudensamen steht im Stauden-Überblick unter Schnittblumen und Saatgut.
Was machst du mit Nachtkerzen in Küche, Naturheilkunde und Kosmetik?
Nachtkerze in der Küche
Die Wurzel wird geschält und gekocht, geschmacklich erinnert sie an Schwarzwurzeln. Ich bereite sie zu wie Schwarzwurzeln: schälen, in Stücke schneiden, garen. Für ein Püree zerdrückst du die gekochten Wurzeln und schmeckst sie mit Butter und Gewürzen ab. Junge Blätter mischst du mit anderen Wildkräutern zu einem Salat, die Blüten kommen zum Schluss obenauf.
Iss nur Pflanzen, die du sicher als Gewöhnliche Nachtkerze bestimmt hast. Erkennst du eine Pflanze aus Garten oder Natur nicht sicher als essbar, verzichtest du auf den Verzehr. Hat jemand vermutlich giftige Pflanzenteile gegessen, ruf das Giftinformationszentrum an oder hol ärztliche Hilfe und löse kein Erbrechen aus.
Nachtkerzenöl in der Naturheilkunde
Nachtkerzenöl wird aus den reifen Samen gepresst, schonend meist kalt. Bekannt ist es für seinen Gehalt an Gamma-Linolensäure, einer Fettsäure. In der Naturheilkunde hat die Nachtkerze eine lange Tradition, und dem Öl werden verschiedene Wirkungen nachgesagt. Die Nachtkerze ist eine Gartenpflanze, keine Medizin. Nachgesagte Heilwirkungen ersetzen keinen ärztlichen Rat. Wenn du Nachtkerzenöl aus gesundheitlichen Gründen nutzen willst, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Nachtkerzenöl in der Kosmetik
In der Naturkosmetik steckt Nachtkerzenöl in Cremes, Lotionen und Pflegeölen. Wer selbst rührt, mischt es mit anderen Pflanzenölen zu einem Pflegeöl. Ebenso lässt es sich in einen Lippenbalsam aus Bienenwachs einarbeiten. Bewahre das Öl kühl und dunkel auf und schütze es vor direkter Sonne.
Wo passen Nachtkerzen im Garten hin?
Gestaltungsideen und Gartentypen
Weil sich die Blüten am Abend öffnen, setze ich Nachtkerzen an den Rand der Terrasse, wo ich abends sitze. Im Naturgarten und in Wildblumenflächen darf sie sich über Selbstaussaat ausbreiten und wechselt so von Jahr zu Jahr ihren Platz. Im Kiesbeet findet sie die trockenen, durchlässigen Bedingungen, die sie bevorzugt.
In einseitig betrachteten Staudenbeeten stehen die höheren LeitstaudenLeitstauden sind die prägenden Stauden eines Beets: langlebige Arten mit mächtigem, auffälligem Wuchs und üppiger Blüte. Sie bilden das Gerüst der Pflanzung, auf das die Begleitstauden abgestimmt werden. hinten und niedrige BodendeckerBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz. vorne. Mit ihren aufrechten Blütenstängeln gehört die Gewöhnliche Nachtkerze dort eher nach hinten. Im Bauerngarten passt sie als Nutzpflanze mit essbarer Wurzel.
Gute Nachbarn
Als Nachbarn passen Pflanzen mit ähnlichen Ansprüchen: Sonne, durchlässiger Boden und kein Nährstoffüberfluss. Wie du Stauden in Gruppen, Höhenstufen und passender Dichte kombinierst, steht im Stauden-Überblick unter Gestalten und kombinieren.
Nachtkerzen und Insekten
Die abends geöffneten Blüten werden von Nachtfaltern besucht. Dürre Stängel, die stehen bleiben, bieten Insekten auch über den Winter Unterschlupf. Wer die Nachtkerze für Insekten pflanzt, lässt deshalb einen Teil der Stängel stehen.
Nachtkerzen im Kübel
Auf Balkon und Terrasse kannst du die Gewöhnliche Nachtkerze im Kübel ziehen. Für die Pfahlwurzel wähle ich ein tiefes Gefäß. Prüfe vor dem Befüllen, ob der Gefäßboden freie Abzugslöcher hat, damit sich kein Wasser staut. Ein größeres Erdvolumen speichert mehr Wasser und verlängert die Zeit bis zur nächsten Wassergabe.
Bei torffreier Erde prüfst du die Feuchte auch unten im Gefäß oder hebst den Topf an. Eine trockene Oberfläche kann nämlich feuchte tiefere Schichten verdecken. Bleibt die Rosette im Winter draußen, isolierst du den Topf so, dass du weiterhin gießen kannst. Wie du Nachtkerzen unter Glas mit Licht, Temperatur und Winterruhe führst, steht in der Anleitung, wie du Nachtkerzen im Wintergarten kultivierst.
Welche Nachtkerzen gibt es? Arten und Sorten
Neben der Gewöhnlichen Nachtkerze werden mehrere Oenothera-Arten im Garten gezogen. Die Rotkelchige Nachtkerze, Oenothera glazioviana, ist eine großblütige Art mit leuchtend gelben Blüten. Die Missouri-Nachtkerze, Oenothera macrocarpa, wird oft noch als Oenothera missouriensis geführt. Sie wächst niedrig und trägt große gelbe Blüten.
Oenothera speciosa ‘Siskiyou’ ist eine niedrige Sorte mit zartrosa Blüten. Oenothera lindheimeri kennst du vielleicht noch unter dem früheren Namen Gaura, sie blüht weiß bis rosa. Lebensweise, Wuchshöhe und Ansprüche weichen je Art ab. Bei diesen Arten hältst du dich deshalb an die Angaben auf der Saatguttüte statt an die Werte in diesem Ratgeber.
Wer die Wurzel essen will, sät die Gewöhnliche Nachtkerze, denn für sie gilt die Ernteanleitung oben. Sammelst du Samen von Hybridsorten, können die Nachkommen deutlich anders aussehen als die Mutterpflanze. Für sortenechte Pflanzen kaufst du dann neues Saatgut.
Häufige Probleme mit Nachtkerzen
Warum blüht meine Nachtkerze nicht?
Im ersten Jahr ist eine Rosette ohne Blüte normal, der Blütenstängel kommt im zweiten Jahr. Blüht die Pflanze auch im zweiten Jahr nicht, prüfe den Standort. Sie bevorzugt einen sonnigen Platz und Böden, die nicht übermäßig nährstoffreich sind. Ein kräftig gedüngtes oder reich mit Kompost versorgtes Beet entspricht ihren Ansprüchen nicht.
Wie begrenzt du die Ausbreitung?
Nachtkerzen säen sich selbst aus. Entfernst du verwelkte Blüten rechtzeitig, kann das unerwünschte Selbstaussaat verhindern. Keimlinge an falschen Stellen jätest du, solange sie klein sind. Ich lasse an einer Beetecke ein paar Samenstände ausreifen und schneide die übrigen nach dem Verblühen ab.
Insektenschutz und Ausbreitungsbremse schließen sich dabei nicht aus. Du schneidest die verwelkten Blüten ab und lässt die dürren Stängel trotzdem stehen. Wie du die Selbstaussaat gezielt lenkst, zeigt die Anleitung zum Vermehren von Nachtkerzen über Selbstaussaat und Stecklinge.




