Vergissmeinnicht und Insekten: Nutzen für Bienen und passende Plätze im Naturgarten
- Vergissmeinnicht zählen zu den Pflanzen, die vorwiegend von Bienen besucht werden.
- Die Wildart Wald-Vergissmeinnicht blüht von April bis Mai an frischen Gehölzrändern.
- Sumpf-Vergissmeinnicht blüht von Mai bis September und wächst an feuchten bis nassen Standorten.
- Im Beet stehen Vergissmeinnicht in größeren Gruppen mit 15 bis 20 cm Pflanzabstand.
- Ungefüllte Blüten wählen, denn gefüllte Blüten können Insekten weniger Pollen bieten.
- Eine Insektenweide braucht Partner, die vor und nach den Vergissmeinnicht blühen.

Vergissmeinnicht sind im Frühjahr eine Futterquelle für Bienen, aber nur dort, wo sie zu ihrem Platz passen. Das Wald-Vergissmeinnicht will frischen Boden am Gehölzrand, das Sumpf-Vergissmeinnicht feuchten bis nassen Grund am Wasser. Steht eine Pflanze zu heiß und zu trocken, können ihre Blüten schneller verblühen und weniger Pollen und Nektar bieten. Ich suche den Platz deshalb nach dem natürlichen Standort der Art aus und plane erst danach, was daneben blüht.
Welchen Nutzen haben Vergissmeinnicht für Bienen und andere Insekten?
In der Pflanzenliste von Natur im Garten stehen Vergissmeinnicht bei den Pflanzengruppen, die vorwiegend von Bienen besucht werden. Für die Planung zählt vor allem die Blütezeit. Die Wildart Wald-Vergissmeinnicht blüht von April bis Mai. Das Sumpf-Vergissmeinnicht beginnt im Mai und blüht bis in den September.
Hast du einen frischen Gehölzrand und einen nassen Uferstreifen im Garten, kannst du beide Arten setzen. Zusammen bieten sie dann Vergissmeinnicht-Blüten von April bis September.
Für Insekten insgesamt zählt, dass auf die Vergissmeinnicht weitere Blüten folgen. Insektenfreundliche Pflanzungen bieten ein zeitlich gestaffeltes Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Spätherbst. Wie du das rund um deine Vergissmeinnicht aufbaust, steht weiter unten bei der Blühfolge.
Für die Insektenweide zu gefüllten Gartenformen greifen. Bei gefüllten Blüten können pollenführende Staubblätter zu Blütenblättern umgebildet sein, sodass Insekten weniger Pollen finden. Wähle deshalb ungefüllte Blüten.
Welchen Standort brauchen Vergissmeinnicht?
Die beiden Wildarten für den Naturgarten kommen von ganz verschiedenen Standorten. Danach richtest du ihren Platz im Garten aus.
Wald-Vergissmeinnicht: frischer, humoser Boden
Das Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica) wächst wild an frischen, nährstoffreichen Standorten wie Waldsäumen und Gehölzrändern. Im Garten braucht es humosen, durchlässigen Boden ohne StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt.. Überdüngst du mit StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll)., wachsen die Pflanzen leicht zu dicht und zu groß. Gerade dann steigt die Gefahr von Winterschäden.
Sumpf-Vergissmeinnicht: feuchter bis nasser Grund
Das Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides) wächst in feuchten bis nassen Wiesen, an Grabenrändern und an anderen nährstoffreichen Feuchtstandorten. Im Garten passt es an den Teichrand, an einen Graben oder in eine nasse Senke. Ein Beet, das im Sommer austrocknet, entspricht diesem Standort nicht.
Vergissmeinnicht im Topf und Balkonkasten
Für die professionelle Topfkultur von Wald-Vergissmeinnicht wird ein Substrat-pH von 6,5 bis 7,0 angegeben. Achte auf Ablauflöcher im Gefäß, denn sie helfen, Staunässe zu vermeiden. Das blau blühende Chinesische Vergissmeinnicht ist botanisch keine Myosotis-Art, sondern eine Hundszunge namens Cynoglossum amabile. Es eignet sich als Insektenpflanze für Beete und Balkonkästen.
„Vergissmeinnicht wachsen überall.“ Das stimmt so nicht. Das Wald-Vergissmeinnicht braucht frischen, humosen und durchlässigen Boden ohne Staunässe, das Sumpf-Vergissmeinnicht feuchten bis nassen Grund. Ein trockener, sonniger Steingarten passt zu keiner der beiden Arten. Dort setzt du besser die Kranz-Lichtnelke, die trockene bis sehr trockene Bedingungen verträgt und deren Blüten Bienen und Schmetterlinge besuchen.
Wo setzt du Vergissmeinnicht im Naturgarten als Insektenweide ein?
Welche Art an welchen Platz gehört, zeigt die Übersicht. Für Gehölzrand, Teich und Staudenbeet folgen darunter die Handgriffe.
| Platz im Garten | Passende Art | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Gehölzrand, Saum vor Hecken | Wald-Vergissmeinnicht | frischer, humoser, durchlässiger Boden ohne Staunässe |
| Teichrand, Graben, nasse Senke | Sumpf-Vergissmeinnicht | feuchter bis nasser Boden |
| Staudenbeet | Wald-Vergissmeinnicht, auch Gartenmischungen | größere Gruppen mit 15 bis 20 cm Pflanzabstand |
| Kübel, Balkonkasten | Wald-Vergissmeinnicht, Chinesisches Vergissmeinnicht | Ablauflöcher; Substrat-pH 6,5 bis 7,0 in der Profi-Topfkultur |
| Wildblumenwiese | je nach Bodenfeuchte | Mischung passend zum Standort |
| trockener, sonniger Steingarten | keine der beiden Arten | trockenheitsverträgliche Arten wie Kranz-Lichtnelke |
Auch in der Wildblumenwiese haben Vergissmeinnicht einen Platz als Frühblüher. Wie das gelingt, liest du im Ratgeber, wie du Vergissmeinnicht in einer Wildblumenwiese ansiedelst. Für eine nasse Fläche wählst du eine Mischung, die zur Bodenfeuchte passt, etwa eine Regiosaatgutmischung für Feuchtwiesen.
Ist der Boden frisch, humos und durchlässig? Bleibt nach Regen kein Wasser stehen? Liegt ein Laubhaufen oder Totholz in der Nähe? Blüht nach dem Mai noch etwas für Insekten? Steht das Sumpf-Vergissmeinnicht wirklich im nassen Bereich?
Als Bodendecker am Gehölzrand
Am Gehölzrand setzt du Wald-Vergissmeinnicht in größeren Gruppen. So wird aus vielen Einzelpflanzen im Frühjahr eine blühende Fläche vor dem Gehölz. Ich lasse zwischen den Gruppen kleine Stellen mit offenem Boden frei. Offene oder schütter bewachsene Bodenstellen bieten bodennistenden Wildbienen Lebensraum und ergänzen damit Nisthilfen aus Holz oder Röhren.
Totholz, Laub- und Steinhaufen bieten verschiedenen Insekten Brutplätze, und Niststrukturen brauchen ein vielfältiges Blütenangebot in unmittelbarer Nähe. Ein Laubhaufen direkt neben der Vergissmeinnicht-Gruppe bringt also Nistplatz und Frühjahrsfutter zusammen, wenn danach weitere Blüher folgen.
Die Gewöhnliche Nachtviole verträgt Sonne und HalbschattenHalbschatten nennt man einen Standort, an den die Sonne nur einen Teil des Tages direkt scheint, bis zu etwa vier Stunden. Typisch sind die Ost- und Westseite von Gebäuden und Mauern oder Plätze unter Bäumen mit dichter Krone. und blüht von Mai bis Juli, also im Anschluss an das Wald-Vergissmeinnicht. Sie liefert Wildbienen Pollen und wird vor allem von Nachtfaltern bestäubt; in Deutschland gilt sie als etablierter Neophyt. Für spezialisierte Wildbienen ergänzt du Glockenblumen, denn einzelne Scherenbienenarten sammeln ihren Pollen ausschließlich an ihnen. Die Nesselblättrige Glockenblume gehört zu einer Schattsaum-Mischung für Gehölzränder.
Am Teichrand
Am Teich gehört das Sumpf-Vergissmeinnicht in die feuchte bis nasse Uferzone. Dafür lege ich einen Uferabschnitt flach und rau an. Insekten finden an rauen, flach benetzten Rändern einer Wasserstelle Halt, an tieferen Stellen brauchen sie Ausstiegshilfen. Der flache Uferstreifen ist damit Pflanzplatz für das Sumpf-Vergissmeinnicht und Wasserstelle für Insekten zugleich.
Soll der Teich auch Amphibien und Libellen dienen, bleibt er fischfrei, weil Fische deren Eier und Larven fressen. Als Nachbar am nassen Rand passt der heimische Blutweiderich, der feuchte bis nasse und zeitweise überflutete Standorte besiedelt.
Im Staudenbeet
Im Staudenbeet setzt du Vergissmeinnicht in größeren Gruppen zwischen die Stauden, mit 15 bis 20 cm Pflanzabstand innerhalb der Gruppe. Vergissmeinnicht wird gewöhnlich zweijährig kultiviert. Zweijahresblumen blühen im zweiten Jahr nach der Aussaat und sterben nach der Samenbildung meist ab. Im Garten erhält sich das Vergissmeinnicht durch SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat.. Lässt du die Samen reifen, kommt der Nachwuchs also aus dem Beet selbst, während du nach frühem Abräumen neu säen musst.
Eine insektenfreundliche Staudenpflanzung kombiniert Blütenangebote über die gesamte VegetationsperiodeDie Vegetationsperiode, auch Vegetationszeit, ist der Teil des Jahres, in dem Pflanzen wachsen, blühen und fruchten. Sie beginnt im Allgemeinen, wenn das Tagesmittel der Lufttemperatur mindestens 5 Grad Celsius erreicht.. Die Vergissmeinnicht übernehmen darin das Frühjahr, die Stauden den Sommer und Herbst. Stehen gelassene, verholzte Staudenstängel und Blütenreste können kleinen Insekten als Winterversteck dienen. Ich schneide mein Staudenbeet deshalb erst im Frühjahr zurück und entferne dabei krankes Pflanzenmaterial. Wie du die Gruppen auf deiner Fläche verteilst, kannst du vorab im Beetplaner einzeichnen.
Wie wird aus Vergissmeinnicht eine Insektenweide übers Jahr?
Vergissmeinnicht decken nur einen Abschnitt des Gartenjahres ab. Insektenfreundliche Pflanzungen sollten ungefüllte Blüten und ein gestaffeltes Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Spätherbst bieten. Die Tabelle zeigt, was vor und nach den Vergissmeinnicht blühen kann.
| Zeitraum | Pflanze | Hinweis |
|---|---|---|
| etwa Februar und März | Frühjahrs-Krokus | als gesondert gepflanzte Ergänzung |
| April bis Mai | Wald-Vergissmeinnicht (Wildart) | frischer Gehölzrand |
| häufig etwa Mai und Juni | heimische Blumenwiese | Hauptblühzeitraum |
| Mai bis Juli | Gewöhnliche Nachtviole | Pollen für Wildbienen, Nachtfalter als Bestäuber |
| Mai bis September | Sumpf-Vergissmeinnicht | Teich- und Grabenrand |
| etwa Juni bis September | Kornblume, Ringelblume | je nach Aussaat und Sorte; Kornblume liefert Nektar für Honigbienen, Erd- und Steinhummeln |
| etwa September und Oktober | Herbstastern | im ergänzenden Staudenbereich |
Die Wildart Wald-Vergissmeinnicht blüht im April und Mai. Eine heimische Blumenwiese hat ihre Hauptblüte dagegen häufig etwa im Mai und Juni. Das Vergissmeinnicht am Gehölzrand füllt also die Zeit zwischen den Krokussen und dem Höhepunkt der Wiese. Die Monate sind Anhaltswerte, denn Witterung und Klima beeinflussen die Entwicklung der Pflanzen und damit ihre Blühtermine.
Blüten allein reichen nicht. Ein insektenfreundlicher Garten braucht auch Nistplätze, Überwinterungsräume und Nahrungspflanzen für die Entwicklungsstadien der Insekten. Heimische Wiesenpflanzen dienen auch spezialisierten Insekten als Nahrung. Insekten, die von heimischen Wildpflanzen leben, sind wiederum Nahrung für Vögel, Igel, Amphibien und Reptilien.
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zählt neben Lebensraumverlust und Strukturverarmung zu den Belastungen für Insekten. Auf der Insektenweide verzichtest du deshalb darauf. Den Überblick, welchen Nutzen Wildblumen für Insekten haben und wo du sie im Garten einsetzt, findest du im Wildblumen-Ratgeber.
Ich notiere jedes Frühjahr, wann die ersten Vergissmeinnicht-Blüten offen sind und welche Insekten ich an ihnen sehe. Solche phänologischen Beobachtungen halten wiederkehrende Stadien wie Austrieb, Blüte und Fruchtreife fest. Mit den Notizen plane ich, welche Partner vor und nach den Vergissmeinnicht blühen sollen.
Arten, Aussaat und Pflege kurz gefasst
Im Naturgarten sind das Wald-Vergissmeinnicht und das Sumpf-Vergissmeinnicht die beiden Wildarten mit klar getrennten Standorten. Vom Wald-Vergissmeinnicht gibt es zudem Gartenmischungen wie die winterharte Jewel-Mischung.
Für Wald-Vergissmeinnicht ist eine Freilandaussaat von Mitte Juni bis Mitte Juli beschrieben. Bei der Jewel-Mischung werden die Samen nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt, vorgezogene Pflanzen kommen im Spätsommer an ihren endgültigen Platz.
Im ersten Winter erhält die Jewel-Mischung eine leichte Schutzabdeckung. Blattläuse an jungen Triebspitzen streifst du als erste Maßnahme vorsichtig mit Handschuhen ab. Ausführlich steht im Ratgeber, wie du Vergissmeinnicht säst, pflegst und vermehrst, auch zur WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. und zur Selbstaussaat.




