Wildblumenmischungen für bedrohte Insekten: Spezialisten, Raupenfutter und Studienlage
- Spezialisierte Wildbienen brauchen bestimmte Pflanzengruppen: Glockenblumen, gelbe Korbblütler, gelbe Schmetterlingsblütler oder Knautien und Skabiosen.
- Für Schmetterlinge gehören Raupenfutterpflanzen wie Wilde Möhre, Große Brennnessel und Gräser auf die Fläche, nicht nur Nektarblüten.
- Die Bezeichnung Wildblumen garantiert keine heimischen Arten, deshalb zählt die Artenliste.
- Ungefüllte Blüten wählen: Vollständig gefüllte Blüten bieten keinen Pollen und nur wenig Nektar.
- In Riedstadt wurden auf Wildblumenflächen je nach Fangmethode 212 bis 260 Prozent mehr Insektenexemplare erfasst als auf Flächen mit exotischen Gehölzen.
Auf vielen Saattüten steht „Wildblumen“, daneben ist eine Biene abgebildet. Ob in der Mischung eine Pflanze steckt, von der eine spezialisierte Wildbiene leben kann, verrät die Vorderseite nicht. Ich drehe deshalb jede Tüte zuerst um und lese die Artenliste. Manche Scherenbienenarten holen ihren Pollen nämlich nur an Glockenblumen. Fehlen Glockenblumen in der Mischung, finden diese Bienen auf der Fläche keinen Pollen, so bunt sie auch blüht.
Dazu kommt, dass die Bezeichnung Wildblumen keine heimischen Arten garantiert. Für bedrohte Insekten stellen sich drei Fragen. Sind die Pflanzen dabei, auf die Spezialisten angewiesen sind? Finden Raupen und Larven Futter? Und besteht die Fläche lange genug für Insekten, deren Brut erst im übernächsten Jahr schlüpft?
Warum Spezialisten den Unterschied machen
Artenreiche Wiesen bieten Insekten Nahrung und zugleich Raum für Fortpflanzung, Rückzug und Überwinterung. Zu den Belastungen für Insekten zählen Lebensraumverlust, Strukturverarmung, Zerschneidung und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Wie diese Belastungen wirken und was Forschung und Monitoring dazu zeigen, liest du im Beitrag darüber, warum Wildblumenwiesen für Insekten und Biodiversität zählen.
Für die Wahl einer Mischung ist ein Unterschied unter den Wildbienen wichtig. Manche Arten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen: auf Glockenblumen, auf gelbe KorbblütlerKorbblütler sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten unter anderem Kopfsalat, Endivie, Chicorée und Schwarzwurzel gehören. In der Fruchtfolge zählen sie zu den besonders gefährdeten Familien und sollten nicht zu häufig auf derselben Fläche stehen., auf gelbe Schmetterlingsblütler oder auf Knautien und Skabiosen. Die Glockenblumen-Sägehornbiene, Melitta haemorrhoidalis, ist beim Pollensammeln zum Beispiel auf Glockenblumen spezialisiert.
Polylektische Wildbienen sammeln Pollen an verschiedenen Pflanzengruppen. Spezialisierte Arten wie die Glockenblumen-Scherenbiene halten sich an eine Gruppe, bei ihr sind es die Glockenblumengewächse. Für solche Spezialisten entscheidet, ob ihre Pflanzengruppe im Blütenangebot vorkommt.
Wichtig ist auch das Lebensstadium. Bei blattlausfressenden Schwebfliegen nutzen die erwachsenen Tiere Blüten als Nahrung, die Larven dagegen fressen Blattläuse. Ein insektenfreundlicher Garten braucht deshalb neben Blüten auch Nahrungspflanzen für die Entwicklungsstadien, dazu Nistplätze und Überwinterungsräume.
Welche Wildblumen Wildbienen und Hummeln Nahrung bieten
Beim Lesen einer Artenliste halte ich nach den Pflanzen aus dieser Tabelle Ausschau. Die rechte Spalte zeigt, wer ihre Blüten nutzt und wofür.
| Pflanze | Wer sie nutzt und wofür |
|---|---|
| Glockenblumen, etwa Rundblättrige Glockenblume oder Wiesenglockenblume | Manche Scherenbienen sammeln Pollen nur hier; die Glockenblumen-Sägehornbiene ist auf Glockenblumen spezialisiert |
| Knautien und Skabiosen, etwa Acker-Witwenblume oder Tauben-Skabiose | Spezialisierte Wildbienenarten sind auf diese Gruppe angewiesen |
| Wiesen-Margerite | Nahrung für Masken-, Furchen- und Schmalbienen, für Käfer und Schwebfliegen |
| Kornblume | Nektar für Honigbienen, Erd- und Steinhummeln sowie SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. |
| Klatschmohn | Reichlich Pollen für bestäubende Insekten, aber kein Nektar |
| Wegwarte | Pollen; Besuch von Schwebfliegen, Hummeln und Wildbienen |
| Gewöhnliches Leinkraut | Kräftige Hummeln und andere große Wildbienen öffnen und bestäuben die geschlossenen Blüten |
| Wilde Karde | Nutzbares Blütenangebot für zahlreiche Insekten |
| Gartenresede | Besuch der Reseden-Maskenbiene, Hylaeus signatus |
Die Blütenform zählt ebenfalls. Nimm ungefüllte Sorten, denn vollständig gefüllte Blüten bieten keinen Pollen und nur wenig Nektar. Bei gefüllten Blüten können die pollenführenden Staubblätter zu Blütenblättern umgebildet sein.
Auch ein schattiger Gehölzrand kann Scherenbienen etwas bieten. Eine Schattsaum-Mischung für das Ursprungsgebiet 11 enthält unter anderem die Nesselblättrige Glockenblume, also genau die Pflanzengruppe, an der diese Bienen sammeln. Plane dabei Geduld ein, denn manche Arten eines Schattsaums werden erst nach 3 bis 4 Jahren blühreif.
Porträts einzelner Arten findest du im Beitrag über Wildblumen als Nahrungsquelle für Bienen und Schmetterlinge.
„Insekten helfen nur heimische Pflanzen.“ So pauschal stimmt das nicht. Heimische Stauden für spezialisierte Wildbienen lassen sich im Garten durch früh oder spät blühende Arten anderer Herkunft ergänzen. Für einen generellen Vorteil gebietsfremder Pflanzen aus wärmeren oder trockeneren Regionen fehlen allerdings wissenschaftliche Belege.
Raupenfutter: Welche Wirtspflanzen Schmetterlinge brauchen
Nektarblüten versorgen die Falter. Für die nächste Generation brauchst du die Pflanzen, an denen die Raupen fressen.
| Futterpflanze | Raupen von |
|---|---|
| Wilde Möhre, Blätter und Stängel | Schwalbenschwanz |
| Große Brennnessel | unter anderem Tagpfauenauge und Landkärtchen |
| Gräser | Großes Ochsenauge |
| Gewöhnliches Leinkraut | Möndcheneule, Goldbraune Hauhecheleule, Roter Scheckenfalter |
| Weidenröschen, auch Nachtkerzen | Nachtkerzenschwärmer, überwiegend an Weidenröschen |
| Großer Wiesenknopf | Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling |
Die Wilde Möhre bildet im ersten Jahr nur eine Blattrosette und blüht erst im zweiten. Ich lasse diese RosettenRosetten sind Blattanordnungen, bei denen die Blätter dicht gedrängt stehen und scheinbar alle an derselben Stelle entspringen, weil die Sprossachse, also der Stängel, stark gestaucht ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Dachwurz. deshalb stehen, auch wenn noch nichts blüht. Eine Ecke mit Großen Brennnesseln spare ich am Gartenrand beim Mähen aus.
Gräser gehören in eine Wiesenmischung, nur die konkurrenzstarken Arten Weidelgras und Wiesenrispe solltest du darin meiden. Für blütenreiche Gartenflächen kommen auch mehrjährige Blühmischungen ohne zugesetzte Gräser infrage. Dem Großen Ochsenauge bringt eine solche Mischung allerdings kein Raupenfutter, weil seine Raupen Gräser als Nahrung nutzen.
Wie du Nektarblüten und Raupenfutter zusammenstellst und in den Garten einbindest, steht im Beitrag dazu, wie du eine Blühfläche für Bienen und Schmetterlinge planst.
Beispiel für bedrohte Falter: die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge
Wie eng die Bindung an eine Pflanze sein kann, zeigen der Helle und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Beide brauchen den Großen Wiesenknopf für die Eiablage und die jungen Raupen. Für die weitere Entwicklung der Larven brauchen sie zusätzlich geeignete Knotenameisen. In Bayern gilt der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling als stark gefährdet, der Dunkle steht auf der Vorwarnliste.
Auf Flächen, die diese Falter besiedeln, darf im Juli und August nicht gemäht werden. Die übrige Pflege wird dort an Region und Vegetation angepasst. Eine Saat mit Großem Wiesenknopf deckt also nur einen Teil dessen ab, was diese Falter brauchen.
Mischungen für bestimmte Insektengruppen
Manche Mischungen sind auf eine Insektengruppe zugeschnitten. Prüfe auch bei ihnen Artenliste, Lebensdauer und Standortangaben, denn der Name allein sagt darüber nichts Verlässliches. Wie du eine Mischung mit Gehölzen, Rasen und Staudenbeeten kombinierst, klärt der Ratgeber dazu, welche Wildblumenmischung zu deinem naturnahen Garten passt.
| Mischung | Gedacht für | Was drinsteckt | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Blühendes Biosphärengebiet für Wildbienen und Schmetterlinge | Wildbienen und Schmetterlinge | 100 % Wildblumen aus den Ursprungsgebieten 11 und 13 | für durchlässige, nicht zu nährstoffreiche Gartenflächen |
| Fledermaus & Nachtfalter | Nachtfalter und Fledermäuse | 5 % Gemeine Nachtkerze, dazu unter anderem Gewöhnliche Nachtviole und Weiße Lichtnelke | Pflanzen sollen nach der Blüte Fruchtstände bilden dürfen |
| Einjährige Bienenweide- und Zwischenfruchtmischung | Bienen | Phacelia, unter anderem mit Kornblume, Ringelblume, Buchweizen, Borretsch und Dill | einjährig |
Wildbienen
Für Wildbienen prüfe ich zuerst, welche Pflanzenfamilien in der Mischung stecken.
So prüfe ich eine Mischung für Wildbienen:
- Sind Korbblütler, Kreuzblütler, LippenblütlerLippenblütler sind eine Pflanzenfamilie, deren verwachsene Blütenblätter eine Ober- und eine Unterlippe bilden. Typisch sind ein vierkantiger Stängel und paarweise gegenüberstehende Blätter, die beim Zerreiben oft auffallend riechen; dazu gehören Küchenkräuter wie Salbei, Thymian und Majoran., Schmetterlingsblütler, DoldenblütlerDoldenblütler (Apiaceae) sind eine Pflanzenfamilie, deren Blüten meist in Doppeldolden, seltener in einfachen Dolden stehen. Dazu gehören Nutzpflanzen wie Möhre, Petersilie, Sellerie, Dill und Kümmel, aber auch tödlich giftige Wildpflanzen wie Schierling. und Glockenblumengewächse vertreten?
- Ist die Artenliste einsehbar, und steht dort ausdrücklich heimisch und mehrjährig?
- Sind die Blüten ungefüllt?
- Gibt es in der Nähe offene Bodenstellen, Totholz oder stehende Stängel zum Nisten?
Phacelia liefert Bienen Pollen und Nektar und gehört zu einer ursprünglich amerikanischen Gattung. Scherenbienen sammeln ihren Pollen aber nur an Glockenblumen. Eine BienenweideAls Bienenweide bezeichnet man Blütenpflanzen, die Honig- und Wildbienen reichlich Nektar und Pollen bieten. Auch eine Fläche, die mit solchen Pflanzen bepflanzt oder eingesät ist, heißt Bienenweide. aus Phacelia nützt also Bienen, die an verschiedenen Pflanzen sammeln, diesen Spezialisten aber nicht.
Knautien und Skabiosen stecken zum Beispiel im Veitshöchheimer Blaulicht. Dort steht die Tauben-Skabiose zusammen mit Wiesen-Salbei und Wiesen-Margerite unter den mehrjährigen Arten. Acker-Witwenblume, Wiesen-Margerite und Wiesen-Salbei werden auch gemeinsam in heimischen Wiesen- und Saummischungen eingesetzt.
Zur Blüte gehört der Nistplatz. Offene Bodenstellen und Totholz ergänzen eine Blühfläche um Nistmöglichkeiten für Wildbienen. Umgekehrt brauchen Niststrukturen ein vielfältiges Blütenangebot in unmittelbarer Nähe, damit die Tiere dort zugleich Nahrung finden.
Fehlen in einer Mischung Glockenblumen, Knautien oder Skabiosen, ergänze ich die Fläche mit einzelnen Pflanzen dieser Gruppen. Ich setze sie an den Rand der Fläche, wo ich sie beim Mähen ausspare.
Tagfalter
Für Tagfalter kombinierst du Nektarblüten mit den Raupenfutterpflanzen aus der Tabelle weiter oben. Die Stieltellerblüten der Kornrade sind vor allem an die BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. durch Tagfalter angepasst und bieten ihnen Nektar. Kornrade, Kornblume, Kamille und Mohn eignen sich für gemeinsame Ansaaten auf offenen, bearbeiteten Flächen.
Die Kornrade braucht regelmäßig bearbeiteten Boden mit vegetationsfreien Stellen, an denen ihre Samen keimen. Im Boden bleiben diese Samen nur wenige Monate keimfähig. Wächst die Fläche zu, gibt es also keinen Samenvorrat im Boden, der die Kornrade später zurückbringt.
Nachtfalter
Für Nachtfalter zählt, was abends blüht und duftet. Die Gewöhnliche Nachtkerze öffnet ihre gelben Blüten am Abend und bietet Nachtfaltern Nektar. Langrüsselige Schwärmer erreichen ihn am Ende der langen Blütenröhren. Die Gewöhnliche Nachtviole verströmt vor allem gegen Abend einen kräftigen Veilchenduft. Bestäubt wird sie hauptsächlich von Nachtfaltern, Wildbienen sammeln an ihr Pollen. In Deutschland wird die Nachtviole als etablierter Neophyt geführt.
Für den Nachtkerzenschwärmer zählt der Mähtermin. Zu seinem Schutz sollen Bestände seiner Raupenfutterpflanzen frühestens ab September oder im Winter gemäht werden, möglichst abschnittsweise.
Reduziere im Nachtfaltergarten künstliches Licht. Lampen, die du wirklich brauchst, sollten schwach und warmweiß leuchten, nach unten strahlen und über Bewegungsmelder schalten.
Und was ist mit Standort, Blühzeiten und Pflege?
Eine Mischung muss zu Licht, Bodenfeuchte und Nährstoffversorgung deines Standorts passen, denn auch nährstoffreichere Böden tragen eigene Wiesengesellschaften. Neben dichte Gehölze gehört eine Gehölzsaum-Mischung, weil eine typische Blumenwiese Sonne ohne dichte Gehölzkonkurrenz braucht. Wie du Standort und Boden für Wildblumen einschätzt und die Fläche anlegst, erklärt der Wildblumen-Ratgeber.
Insektenfreundliche Pflanzungen bieten ein zeitlich gestaffeltes Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Spätherbst. Krokusse, Winterlinge und Lungenkraut ergänzen es im Frühjahr, Wasserdost, Besenheide und Efeu im Spätsommer und Herbst. Wie du die Blütezeit einer Mischung verlängerst, zeigt ein eigener Beitrag.
Wildwiesen-Saatgut wird oberflächlich ausgebracht, angedrückt und in der Startphase durchgehend feucht gehalten. Gemäht wird je nach Wüchsigkeit ein- bis dreimal im Jahr, das Schnittgut kommt weg, und eine zeitlich versetzte Teilmahd lässt Insekten Rückzugsräume. Aussaat und Mähen behandelt derselbe Wildblumen-Ratgeber ausführlich.
Für gebietseigenes Saatgut ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete eingeteilt. Die Zertifikate VWW-Regiosaaten und RegioZert weisen die Herkunft nach, und beim Kauf fragst du nach dem Ursprungsgebiet der Mischung.
Auch Kommunen legen Blühwiesen an. Dort können regelmäßig gemähte Ränder die Akzeptanz erhöhen, und die Vegetation darf die nötige Verkehrssicht nicht verdecken. Wie Städte Flächen auswählen und mit Recht und Kosten umgehen, beschreibt der Beitrag dazu, wie Städte Wildblumenflächen planen.
Was Untersuchungen zur Wirkung zeigen
Bei Zahlen zur Wirkung von Blühflächen stelle ich mir zwei Fragen: Was wurde gezählt, und womit wurde verglichen? Die folgenden Untersuchungen beantworten das ganz unterschiedlich.
| Untersuchung | Befund | Einordnung |
|---|---|---|
| Riedstadt, zweijährigeZweijährige sind Pflanzen, die im Jahr der Aussaat nur wachsen, oft zu einer Blattrosette, und erst im nächsten Jahr blühen. Dazu gehören etwa Stiefmütterchen, Goldlack, Bartnelken und Fingerhut. Untersuchung | je nach Fangmethode 212 bis 260 % mehr Insektenexemplare auf Wildblumenflächen | Vergleich mit Flächen mit exotischen Gehölzen; die Zahl betrifft Exemplare, nicht Arten |
| Campus Hubland, Würzburg, mehrjährige Erfassung | 170 Wildbienenarten, darunter 31 Arten, die auf der bayerischen Roten Liste mindestens als gefährdet gelten | zeigt, wie viele gefährdete Wildbienenarten auf einem einzelnen Campusgelände vorkommen können |
| Projekt FlowerBeet | neben Blühstreifen mehr Nützlinge und teilweise weniger Blattläuse | kein zuverlässig höherer Zuckerrübenertrag |
| Winterweizenfelder in neun Landschaften bei Göttingen | Gewinn mit Blühstreifen einschließlich Zuschüssen geringfügig unter dem konventioneller Kontrollflächen | Agrarkontext, kein Gartenversuch |
Gesamtzahlen verraten nicht, ob eine bestimmte bedrohte Art auf einer Fläche zurechtkommt. Bei den Wiesenknopf-Ameisenbläulingen etwa hängt das an Wirtspflanze, Ameisen und Mahdtermin zugleich. Ob eine Umgestaltung wirkt, lässt sich durch Kartierungen vor und nach der Maßnahme dokumentieren. Beim Bielefelder Blühwiesenprojekt wurden so die Wirkungen veränderter Mahd und regionaler Einsaaten erfasst.
Warum Dauer für bedrohte Arten zählt
Langlebige, artenreiche Wiesen, Säume und Wegränder sind für Insekten wertvoller als Blühflächen, die nur vorübergehend bestehen. Einjährige Sommerblumenflächen werden im Spätherbst abgemäht und im folgenden Frühjahr neu angelegt. Markstängelnistende Wildbienen ziehen aber frühestens im Folgejahr in abgestorbene Königskerzen- und Distelstängel ein, und ihre Brut schlüpft erst im übernächsten Jahr. Auf einer jährlich neu angelegten Fläche fehlen ihnen also Stängel, die lange genug stehen.
Ich lasse abgestorbene Karden- und Distelstängel am Rand meiner Wiese zwei Jahre stehen. Einjährige Arten haben trotzdem ihren Platz: Kornblume und Klatschmohn kannst du einer dauerhaften Mischung für einen schnellen ersten Blüheffekt beimischen. Vor einer Neuansaat lohnt außerdem die Prüfung, ob sich eine vorhandene Fläche durch angepasste extensive Pflege oder Selbstbegrünung aufwerten lässt. Was ein- und mehrjährige Mischungen sonst trennt, zeigt der Vergleich dazu, worin sich ein- und mehrjährige Mischungen unterscheiden.
Willst du sehen, was auf deiner Fläche fliegt, leg eine feste Zählstrecke fest. Beim Tagfalter-Monitoring wird so eine Strecke von April bis September mindestens zehnmal begangen, besser wöchentlich. Ich notiere bei jedem Gang Datum, Wetter und die Falter, die ich erkenne.





