Chilisorten der Welt: woher sie stammen und welche Küchen sie prägen
- Chili und Paprika haben ihre Heimat im tropischen Zentral- und Südamerika.
- Nach Europa kam Paprika im 16. Jahrhundert aus Südamerika.
- Ancho heißen getrocknete rote Poblanos, Chipotle sind in Mexiko geräucherte reife Jalapeños.
- Die Sorte Thai Chili trägt dünnfleischige Früchte von 3 bis 4 cm Länge.
- Paradieskörner kommen von einem Ingwergewächs und sind keine Chili.

Du stehst vor einer Auswahl Chilisamen und liest Namen wie Jalapeño, Ají oder Scotch Bonnet. Die Schärfe allein verrät dir wenig darüber, wofür eine Sorte in ihrer Heimatküche gedacht ist. Mal kommt die Frucht frisch in die Salsa, mal wird sie getrocknet und gemahlen, mal geräuchert und trägt dann einen neuen Namen. Ich wähle meine Chilis deshalb zuerst nach Herkunft und Verwendung aus und erst danach nach Schärfe.
Hier findest du bekannte Chilisorten nach Weltregionen geordnet, von Mexiko und Peru über Indien, Thailand und Korea bis nach Afrika und in die Karibik. Zu jeder Region erfährst du, wie die Küche dort mit ihren Chilis umgeht.
Woher stammen Chilis?
Die Heimat von Chili und Paprika liegt im tropischen Zentral- und Südamerika. Auch die Gemüsepaprika, botanisch Capsicum annuum, kommt aus Süd- und Mittelamerika. Nach Europa gelangte Paprika im 16. Jahrhundert, und zwar aus Südamerika.
Heute gehören Chilis auch in Indien, Thailand, Korea, Afrika und der Karibik zur Küche. Viele Sorten tragen dort eigene Namen, und in Mexiko bekommt sogar die getrocknete oder geräucherte Frucht einen neuen.
Welche Chilisorten gibt es? Der Überblick nach Weltregion
Die Tabelle zeigt dir, wo eine Sorte zu Hause ist und wie sie dort in die Küche kommt. Die Porträts danach ordnen Geschmack und Schärfe knapp ein.
| Region | Bekannte Sorten | So kommen sie in die Küche |
|---|---|---|
| Mexiko | Jalapeño, Poblano, Habanero | frisch in Salsas, gefüllt, getrocknet als Ancho, geräuchert als Chipotle |
| USA | Tabasco, Cayenne | als fermentierte Würzsauce, getrocknet und gemahlen |
| Peru und Andenländer | Ají, Aji Panca, Rocoto | Aji Panca getrocknet oder als Würzpaste |
| Indien | Bhut Jolokia, Kashmiri | für Schärfe, Kashmiri vor allem für rote Farbe |
| Thailand | Thai Chili | frisch oder getrocknet, etwa in Currys und Suppen |
| China | Facing Heaven | getrocknet und gemahlen in der Sichuan-Küche |
| Korea | Taeyang hot | getrocknet als Würzpulver für Kimchi |
| Afrika | Peri-Peri | als Sauce zu Gegrilltem |
| Karibik | Scotch Bonnet, Jamaican Hot | in Fleisch- und Fischgerichten, im Jerk-Gewürz |
Auf jede Samentüte schreibe ich neben den Sortennamen die Herkunftsregion und die geplante Verwendung, bei Poblano etwa „Mexiko, zum Füllen“. Beim Säen weiß ich dann schon, welche Früchte ich frisch verarbeite und welche ich trocknen will.
Welche Chilisorten prägen Mexiko und die USA?
Mexiko: Jalapeño, Poblano und Habanero
In der mexikanischen Küche zählt nicht nur die Sorte, sondern auch, wie die Frucht verarbeitet wurde.
Jalapeño: Diese Chili ist mild bis mittelscharf und wird grün wie rot geerntet. Grün landet sie in Salsas und auf Nachos. Ich ernte einen Teil meiner Jalapeños grün und lasse die übrigen an der Pflanze ausreifen.
Poblano: Die große, milde Chili lässt sich gut füllen, etwa für Chiles Rellenos oder Chiles en Nogada.
Habanero: Die Habanero ist sehr scharf und hat ein fruchtiges Aroma. In Mexiko ist sie weit verbreitet.
Ancho ist der Name für rote Poblanos im getrockneten Zustand. Als Chipotle kennt man in Mexiko reife Jalapeños, die geräuchert wurden.
Für Ancho und Chipotle brauchst du also keine eigene Sorte, sondern ausgereifte Früchte von Poblano und Jalapeño. Wer beides aus eigener Ernte herstellen will, lässt diese Früchte an der Pflanze reifen, statt alles grün zu pflücken.
USA: Tabasco und Cayenne
In der US-Küche begegnen dir zwei Chilis vor allem als Würzmittel.
Tabasco: Die kleinen, spitzen Früchte kennst du von der gleichnamigen Sauce. Für sie werden die Chilis fermentiert und mit Essig verarbeitet.
Cayenne: Die schlanke, rote Chili wird meist getrocknet und gemahlen. Nach ihr ist der Cayennepfeffer benannt.
Welche Chilis kommen aus Südamerika?
In Peru und den anderen Andenländern heißen viele Chilis Ají. Die Spanne reicht dort von mild bis sehr scharf.
Aji Panca: Diese Chili kommt aus Peru, wo man sie traditionell getrocknet oder als Würzpaste verwendet.
Rocoto: Sie ist in den Anden zu Hause, sehr scharf und an ihren schwarzen Samen zu erkennen.
Welche Chilisorten nutzt die asiatische Küche?
Viele asiatische Küchen würzen heute ganz selbstverständlich mit Chili. Ursprünglich heimisch sind die Pflanzen dort aber nicht, denn Chilis stammen aus dem tropischen Zentral- und Südamerika. Auch die Thai Chili oder die für Kimchi genutzte Sorte Taeyang hot gehen also auf amerikanische Vorfahren zurück.
Indien: Bhut Jolokia und Kashmiri
Bhut Jolokia: Die Sorte ist auch als Ghost Pepper bekannt und gehört zu den sehr scharfen Chilis.
Kashmiri: Diese Chili ist mild und färbt Gerichte kräftig rot. In der indischen Küche sorgt sie etwa beim Vindaloo für die Farbe.
Thailand: Thai Chili
Thai Chili: Die Sorte trägt dünnfleischige Früchte von 3 bis 4 cm Länge. Frisch oder getrocknet kommt sie in der asiatischen Küche zum Einsatz, in Thailand etwa in Currys und Suppen. Kleine Chilis dieses Typs findest du auch unter dem Namen Bird’s Eye.
Im Thailändischen heißt Chili schlicht Prik. Die kleinen, scharfen Früchte nennt man dort Prik Kee Noo.
China und Korea: Facing Heaven, Gochugaru und Taeyang hot
Facing Heaven: Die Früchte wachsen mit der Spitze nach oben, daher der Name. Getrocknet und gemahlen würzt die Sorte Gerichte der Sichuan-Küche.
Gochugaru und Taeyang hot: In Korea gehört Gochugaru, ein grob gemahlenes Chilipulver, in traditionelle Gerichte wie Kimchi. Getrocknet eignet sich die Sorte Taeyang hot als Würzpulver für Kimchi.
Welche Chilis prägen Afrika und die Karibik?
Afrika: Peri-Peri
Peri-Peri: Diese Chili kennt man auch als African Bird’s Eye, und sie ist eng mit der Küche Mosambiks verbunden. Die gleichnamige Sauce würzt vor allem Gegrilltes und hat Fans weit über Afrika hinaus.
Paradieskörner gelten manchmal als afrikanische Chili. Tatsächlich stammen sie von Aframomum melegueta, einem Ingwergewächs, und sind keine Chili-Sorte.
Karibik: Scotch Bonnet und Jamaican Hot
Scotch Bonnet: Diese Chili ist sehr scharf und hat ein fruchtiges Aroma. Damit passt sie zu Fleisch- und Fischgerichten und gibt etwa Jerk Chicken seine Schärfe.
Jamaican Hot: Ihre Schärfe liegt ähnlich wie bei der Scotch Bonnet, ihr Aroma ist ein anderes. Auf Jamaika gehört sie oft in die Jerk-Gewürzmischung.
Welche Rolle spielen Chilis in Küche und Kultur?
Chilifrüchte kommen frisch oder getrocknet in die Küche, um Speisen zu schärfen. In vielen Regionen geben sie Klassikern ihren Charakter. In Mexiko gehört Mole dazu, eine Sauce aus Chilis, Schokolade und zahlreichen Gewürzen, außerdem Salsas und Guacamole. In Indien, Thailand und Korea ist Chili ebenso fester Teil der traditionellen Küche, vom Curry bis zum Kimchi.
Ich bewahre getrocknete Chilis nach Sorte getrennt auf, damit ich beim Kochen gezielt zwischen Farbe und Schärfe wählen kann.
Wie sehr eine Region ihre Chili feiert, zeigt Hatch im US-Bundesstaat New Mexico. Dort dreht sich ein eigenes Festival um die Hatch-Chili, die in der Gegend angebaut wird.
Auch die moderne Küche setzt Chili an ungewohnten Stellen ein, etwa in Schokolade, Pralinen, Eiscreme oder Cocktails. Anregungen für Gerichte, Würzmittel und Süßspeisen mit Chili findest du in unserer Rezeptsammlung. Willst du gezielt mild oder kräftig scharf kochen, helfen dir Rezepte, sortiert nach deinem Schärfeempfinden.
Wie baust du Chilis selbst an?
Chilis brauchen eine lange Anzucht, deshalb säe ich sie im Februar im Haus aus. Von der Aussaat bis zur Ernte erklärt dir unser Ratgeber, wie du Paprika und Chili anbaust, und der Aussaatkalender für Paprika und Chili zeigt dir die passenden Termine. Welche Chilisorten sich für den Anbau zu Hause eignen, vergleicht ein eigener Beitrag nach Schärfe, Aufwand und Ertrag.
Wie scharf ist scharf, und was heißt das für die Gesundheit?
Die Schärfe einer Chili wird in Scoville-Einheiten angegeben, kurz SHU, und diese stehen für ihren Gehalt an Capsaicin. Die Zahl misst also einen Gehalt und keine Verzehrmenge, deshalb lässt sich aus ihr keine allgemein sichere Menge ableiten. Wie die Messung funktioniert, erklärt der Beitrag darüber, wie die Scoville-Skala Schärfe misst.
Chilis sind Lebensmittel und keine Medizin; was beim Essen zählt, steht im Abschnitt über Küche, Nährwerte und sicheres Verarbeiten unseres Paprika-und-Chili-Ratgebers. Große Mengen Capsaicin aus sehr scharfen Speisen oder Konzentraten können Magen-Darm- und Kreislaufbeschwerden auslösen, und Kinder reagieren besonders empfindlich. Beim Schneiden scharfer Chilis trage ich Küchenhandschuhe, weil die Scharfstoffe Augen und Schleimhäute reizen können.





