Chilisorten für den Heimanbau: 10 Sorten von mild bis sehr scharf im Vergleich
- Ohne oder mit wenig Schärfe: Lombardo, Poblano Ancho San Luis, NuMex Suave Red und meist auch Pimientos de Padrón.
- Mittlere Schärfe bringen Jalapeño Ruben und Hungarian Hot Wax mit.
- De Cayenne wird mit etwa 50.000 SHU angegeben, Habanero Orange trägt sehr scharfe Früchte.
- Habanero Orange gehört zu Capsicum chinense und eignet sich für den geschützten Anbau.
- Für Chilis im Kübel wird ein standfestes Gefäß mit mindestens 10 Litern Volumen empfohlen.
- Die Fruchtfarbe verrät die Schärfe nicht zuverlässig, und scharfe Sorten schneidest du mit Küchenhandschuhen.
Wer im Winter Chilisamen aussucht, legt damit Schärfe, Platzbedarf und Aufwand für die ganze Saison fest. Ich entscheide deshalb zuerst, wofür ich die Schoten in der Küche brauche und wo die Pflanzen stehen sollen. Farbe und Form kommen erst danach.
Die zehn Chilisorten in diesem Vergleich reichen von der Peperoni ohne Schärfe bis zur sehr scharfen Habanero. Zu jeder Sorte erfährst du, wie scharf sie ausfällt, wie sie wächst und was sie beim Anbau von dir verlangt. Die Grundlagen fasse ich weiter unten nur kurz zusammen; ausführlich stehen sie in meinem Überblick zu Aussaat, Pflege und Ernte von Paprika und Chili.
Welche Chilisorte passt zu dir?
Drei Fragen klären die Auswahl: Wie scharf darf es sein, wo stehen die Pflanzen, und zu welcher Art gehört die Sorte?
Schärfe: auf die Skala achten
Schärfeangaben begegnen dir in zwei Formen. Manche Beschreibungen ordnen Sorten auf einer Zehnerskala von 0 bis 10 ein, andere nennen Scoville-Einheiten, kurz SHU. In der Tabelle unten steht deshalb bei jeder Sorte dabei, welche Angabe gemeint ist.
Auch der Typname sagt wenig über die Schärfe. Santiago ist eine Jalapeño mit Schärfegrad 0 bis 2, und NuMex Suave Red verbindet Habaneroaroma mit derselben milden Einstufung. Wer nach Schärfe auswählt, liest also die Angabe zur Sorte und nicht nur den Typ.
Von der Fruchtfarbe auf die Schärfe schließen. Die Farbe einer Chili verrät ihre Schärfe nicht zuverlässig. Maßgeblich sind die Angabe zur Sorte, der Reifegrad und die Sonne und Wärme, unter denen die Früchte wachsen.
Platz: Kübel oder Beet
Im Kübel brauchen Chilis ein standfestes Gefäß mit Wasserablauf, damit keine StaunässeStaunässe entsteht, wenn der Boden Regenwasser nicht schnell genug aufnehmen kann und sich das Wasser im Boden staut. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff, und die Pflanzen werden geschwächt. entsteht. Empfohlen werden mindestens 10 Liter Volumen. Der Durchmesser sollte etwa 30 cm betragen.
Im Beet planst du als System. In der Reihe und zwischen den Reihen bleiben bei Capsicum annuum jeweils 30 bis 50 cm, und jede Pflanze bekommt eine eigene Stütze. Wenn du mehrere Sorten nebeneinander setzt, teilst du die Fläche vorab mit dem Planungswerkzeug für deine Beete ein.
Art: Capsicum annuum oder eine andere Art
Capsicum annuum ist die Art der Gemüsepaprika und der Chilis, die zu ihr gehören. Chilis verteilen sich aber auf mehrere Arten, darunter auch Capsicum baccatum und Capsicum chinense. Die gängigen Keimwerte beziehen sich auf Capsicum annuum, deshalb richtest du Aussaat und Ernte bei anderen Arten nach den Angaben zur jeweiligen Sorte. Ich notiere mir beim Saatgutkauf zu jeder Sorte die Art und die Schärfeangabe.
Schärfeangabe auf der Tüte lesen und auf die Skala achten. Art der Sorte notieren, besonders bei Capsicum chinense. Platz klären: Kübel ab 10 Litern oder Beet mit Abstand und Stütze. Samenfeste Sorte wählen, wenn du später eigenes Saatgut gewinnen willst.
Die 10 Chilisorten im Vergleich
Die Tabelle ordnet die Sorten nach ihrer angegebenen Schärfe, von ohne bis sehr scharf. Thai Chili und Scotch Bonnet folgen am Schluss, weil ich sie vor allem nach Wuchs und Frucht auswähle.
| Sorte | Schärfe | Merkmale für Anbau und Küche |
|---|---|---|
| Lombardo | Grad 0 (Skala 0 bis 10) | Peperoni mit 10 bis 15 cm langen, süß-aromatischen Früchten; FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle., Gewächshaus und Topf |
| Poblano Ancho San Luis | mild | Früchte etwa 10 cm lang und 7 cm breit; frisch zum Füllen, getrocknet als Ancho |
| NuMex Suave Red | Grad 0 bis 2 (Skala 0 bis 10) | tropisch-fruchtiges Habaneroaroma |
| Pimientos de Padrón | häufig mild, einzelne Früchte scharf | kleine grüne Früchte, die mit der Reife schärfer werden |
| Jalapeño Ruben | Grad 3 bis 5 (Skala 0 bis 10) | dickfleischige, etwa 7 cm lange Früchte, rot abreifend, mit sortentypischen Verkorkungen |
| Hungarian Hot Wax | 5.000 bis 10.000 SHU | mittelscharf, einzelne Früchte noch schärfer |
| De Cayenne | etwa 50.000 SHU | frisch oder getrocknet zum Schärfen |
| Habanero Orange | Grad 9 bis 10 (Skala 0 bis 10) | Capsicum chinense; fruchtig-aromatisch, orange abreifend; für den geschützten Anbau |
| Thai Chili | Angabe zur Sorte prüfen | niedrig und buschig; dünnfleischige Früchte von 3 bis 4 cm; frisch oder getrocknet |
| Jamaican Scotch Bonnet rot | Angabe zur Sorte prüfen | je nach Standort etwa 60 bis 80 cm hoch |
Die zehn Sorten im Porträt
1. Lombardo: ohne Schärfe, für Beet und Topf
Lombardo ist eine milde Peperoni mit süß-aromatischen Früchten ohne Schärfe. Die Früchte werden 10 bis 15 cm lang. Weil sich die Sorte für Freiland, Gewächshaus und Topf eignet, kannst du sie dort ziehen, wo gerade Platz ist. In der Küche nimmst du sie für Salate, zum Dünsten und zum Einlegen.
2. Poblano Ancho San Luis: mild, mit breiten Früchten zum Füllen
Der Poblano Ancho San Luis ist mild und bildet etwa 10 cm lange Früchte. Sie werden etwa 7 cm breit und frisch zum Füllen verwendet. Getrocknete rote Poblano-Früchte heißen Ancho. Für Ancho lasse ich die Früchte deshalb an der Pflanze rot werden, bevor ich sie abschneide.
3. NuMex Suave Red: Habaneroaroma bei milder Schärfe
NuMex Suave Red verbindet ein tropisch-fruchtiges Habaneroaroma mit milder Schärfe. Auf der Zehnerskala liegt sie bei 0 bis 2. Unter dem Namen NuMex Suave gibt es außerdem einen gelb abreifenden, milden Habanero mit sehr fruchtigem Aroma, der sich aber nicht als Trockenchili eignet. Die Sorte kommt infrage, wenn du Habaneroaroma suchst und wenig Schärfe willst.
4. Pimientos de Padrón: meist mild, manchmal scharf
Die kleinen grünen Früchte von Pimientos de Padrón sind häufig mild. Einzelne Früchte können aber scharf ausfallen, und mit zunehmender Reife werden sie schärfer. Ich ernte sie deshalb grün und schneide sie mit der Schere ab, solange sie klein sind.
Weitere Sorten mit wenig Schärfe und wie du sie in der Küche nutzt, stelle ich bei den milden Chilis für den sanften Einstieg vor.
5. Jalapeño Ruben: fruchtige Schärfe im mittleren Bereich
Für Jalapeño-Chilis wird beispielhaft eine Spanne von 2.500 bis 8.000 SHU angegeben. Jalapeño Ruben liegt auf der Zehnerskala bei 3 bis 5 und hat eine fruchtige Schärfe. Ihre dickfleischigen Früchte werden etwa 7 cm lang und reifen rot ab. Die Verkorkungen auf der Schale gehören zur Sorte. Reife Jalapeño-Früchte werden in Mexiko geräuchert und heißen dann Chipotle.
6. Hungarian Hot Wax: mittelscharf, einzelne Früchte schärfer
Hungarian Hot Wax wird mit 5.000 bis 10.000 SHU als mittelscharf beschrieben. Einzelne Früchte können noch schärfer ausfallen. Wenn ich für Gäste koche, entferne ich bei solchen Sorten die inneren Scheidewände und die Samen, um die Schärfe zu vermindern.
7. De Cayenne: scharf, frisch oder getrocknet
Für De Cayenne wird ein Schärfewert von etwa 50.000 SHU angegeben. Damit liegt sie deutlich über den Spannen von Jalapeño-Chilis und Hungarian Hot Wax. Chilifrüchte nutzt du frisch oder getrocknet zum Schärfen von Speisen. Zum Trocknen halbiere ich ausgereifte Früchte mit Handschuhen längs, entferne den Stielansatz samt Samen und lege sie flach nebeneinander aus. Getrocknete scharfe Früchte lassen sich im Mörser zu Chilipulver zerreiben.
8. Habanero Orange: sehr scharf, für den geschützten Anbau
Habanero Orange trägt sehr scharfe, fruchtig-aromatische Früchte, die orange abreifen. Auf der Zehnerskala steht sie bei 9 bis 10. Für scharfe Habanero-Typen werden zusammen 100.000 bis 350.000 SHU genannt. Die amtliche Tabelle reicht dabei bis 250.000 SHU.
Die Sorte gehört zu Capsicum chinense und eignet sich für den geschützten Anbau. Die Keimwerte für Capsicum annuum passen deshalb nicht automatisch, und Aussaat und Erntezeit richtest du nach den Angaben auf ihrer Saatguttüte. Frisch eignet sie sich besonders für feurige Soßen. Die Gelbe Habanero lässt sich bei 10 °C kühler überwintern; an einem solchen Platz gießt du weniger.
9. Thai Chili: niedrig und buschig
Thai Chili wächst niedrig und buschig. Ihre dünnfleischigen Früchte werden 3 bis 4 cm lang und in der asiatischen Küche frisch oder getrocknet verwendet. Wie alle Chilis lässt sie sich gut im Kübel auf Balkon oder Terrasse ziehen. Die Schärfe liest du in der Beschreibung deines Saatguts nach.
10. Jamaican Scotch Bonnet rot: früh an den Stab
Jamaican Scotch Bonnet rot erreicht je nach Standort etwa 60 bis 80 cm Wuchshöhe. In der Hausanzucht werden Paprikapflanzen ab etwa 30 cm Höhe gestützt. Ich stecke den Stab bei dieser Sorte deshalb gleich beim Pflanzen mit in den Topf. Ihre Schärfe entnimmst du der Sortenbeschreibung, und bis du sie kennst, schneidest du die Früchte mit Handschuhen.
Schärfe: warum dieselbe Sorte mal milder, mal schärfer ausfällt
Scoville-Einheiten stehen für den Gehalt an Capsaicin, dem Scharfstoff der Chilis. Die Zahl beschreibt damit einen Gehalt und keine Verzehrmenge. Wie die Skala entstanden ist und wie heute gemessen wird, erkläre ich im Sortenkapitel meines Anbau-Überblicks.
Die Schärfe einer Chili hängt von ihrer genetischen Anlage und von Umweltbedingungen wie Temperatur und Wasserversorgung ab. Auch Reifegrad, Sonne und Wärme wirken mit, sodass Früchte derselben Pflanze unterschiedlich scharf ausfallen können. Die Angaben zu den zehn Sorten sind deshalb Einordnungen und keine Zusage für jede einzelne Frucht.
Ertrag: was du bei allen Sorten beeinflussen kannst
Wie viele Früchte deine Pflanzen tragen, hängt auch an Bedingungen, die du selbst beeinflusst. Temperaturen unter 14 °C können bei Paprika geringere Erträge und verformte Früchte verursachen. Wassermangel kann zu Blütenabwurf, Fruchtrissen und BlütenendfäuleBlütenendfäule ist eine physiologische Störung vor allem an Tomaten und Paprika: Durch Calciummangel in der Frucht bildet sich an der Blütenansatzstelle ein dunkler, wässriger Fleck, der später eintrocknet und verhärtet. Sie ist kein Pilz- oder Schädlingsbefall. führen, während gleichmäßige Bodenfeuchte der Blütenendfäule vorbeugt. Bevor ich gieße, prüfe ich bei torffreier Erde auch die Feuchte unter der schnell trocknenden Oberfläche.
Paprika befruchtet sich selbst. Im Gewächshaus oder auf einem sehr windstillen Balkon mit wenig Insektenflug schüttelst du die Pflanzen leicht, um die BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. zu unterstützen. Die erste Blüte musst du bei kleinfrüchtigen Peperoni und Chilis nicht entfernen, das ist bei großfrüchtiger Gemüsepaprika vorgesehen.
Anbau in Kürze: Aussaat, Standort und Ernte
Wegen ihrer langen Anzuchtphase säst du Chilis im Februar im Haus aus. Für Capsicum annuum liegt die Keimdauer bei 7 bis 14 Tagen. Die Termine für das ganze Jahr zeigt dir der Aussaatkalender für Paprika und Chili zum Ausdrucken.
Ins Freiland kommen die Pflanzen gewöhnlich nach den EisheiligenDie Eisheiligen sind die Namenstage von fünf Heiligen vom 11. bis 15. Mai. Bauernregeln zufolge häufen sich dann späte Frostnächte, deshalb gelten sie im Garten als Merkdatum für die Spätfrostgefahr. Mitte Mai, entscheidend bleibt aber das tatsächliche Wetter. Sie brauchen einen warmen, sonnigen und windgeschützten Platz. Nach dem Auspflanzen schützen Haube oder FrühbeetEin Frühbeet, auch Frühbeetkasten genannt, ist ein Beetkasten, der die Wachstumsbedingungen für Gemüse verbessert. Darin kannst du früher aussäen und ein bis drei Wochen früher ernten als im offenen Beet. die Pflanzen, bis sie gut angewachsen sind.
Bei Capsicum annuum wird von Juni bis Oktober geerntet. Als Anhaltspunkt bis zur ersten Ernte gelten etwa 6 Wochen ab dem Pflanzen, wobei diese Faustregel weder Sorte noch Farbreife festlegt. Ich schneide die Früchte mit der Schere ab und ernte die letzten vor dem ersten Frost. Ausführlich steht das alles in meinem Anbau-Überblick zu Paprika und Chili.
Samen von deinen Sorten selbst gewinnen
Wenn du eine Sorte im nächsten Jahr aus eigenen Samen ziehen willst, wählst du eine samenfeste Sorte. Die Nachkommen von F1-HybridenF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. können uneinheitlich ausfallen. Paprika befruchtet sich zwar selbst, Fremdbefruchtung ist aber möglich. Werden deine Chilis von anderen Paprikasorten bestäubt, ist die Fruchtqualität der Pflanzen aus ihren Samen ungewiss.
Die Samen nimmst du aus voll ausgereiften Früchten und streifst sie mit Messer oder Löffel ab. Besonders viel Capsaicin steckt im Plazentagewebe, an dem die Samen sitzen, deshalb trägst du bei scharfen Sorten auch dabei Küchenhandschuhe. Getrocknet werden die Samen auf einer trockenen Unterlage an einem warmen Ort, gelagert dann kühl und trocken. Eine Probeaussaat mit abgezählten Samen zeigt dir, wie gut älteres Saatgut noch keimt.
Chilis in der Küche: frisch, getrocknet, gefroren
Frische Chilis halten sich im Gemüsefach des Kühlschranks etwa 1 Woche. Bei Zimmertemperatur sind es etwa 2 bis 3 Tage. Kleingeschnitten lassen sie sich auch einfrieren. Getrocknete Chilis bewahrst du luftdicht, dunkel, kühl und trocken auf.
Schneide scharfe Chilis mit Küchenhandschuhen, denn die Scharfstoffe können Augen und Schleimhäute reizen. Kinder reagieren besonders empfindlich auf scharfe Chili-Produkte. Hohe Capsaicin-Aufnahmen aus sehr scharfen Speisen können Magen-Darm- und Kreislaufbeschwerden auslösen, und eine sichere Menge lässt sich aus der Scoville-Zahl nicht ableiten. Mutproben mit sehr scharfen Sorten lässt du deshalb bleiben.
Mehr dazu, woher Chilis stammen und welche Küchen der Welt sie prägen, habe ich gesondert aufgeschrieben. Gerichte findest du bei den Rezepten, die zu deinem Schärfeempfinden passen. Für Würzmittel und Süßspeisen gibt es eigene Ideen für Würzmittel und Süßspeisen mit Chili.







