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Saatgutvielfalt erhalten: Warum alte Sorten wichtig sind und wie du sie vermehrst

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Saatgutvielfalt meint die genetische Bandbreite unserer Kulturpflanzen, von alten Landsorten bis zu modernen Züchtungen.
  • In alten Kulturpflanzensorten bleiben genetische Eigenschaften bewahrt, die für künftige Züchtung und Ernährungssicherung nutzbar sein können.
  • Gesichert werden Sorten in Genbanken und zusätzlich durch wiederholten Anbau und Vermehrung in Gärten.
  • Für eigenes Saatgut brauchst du samenfeste Sorten und musst Fremdbestäubung im Blick behalten.
  • Von Zucchini und anderen Cucurbita-pepo-Kürbissen nimmst du kein eigenes Saatgut, wenn Zierkürbisse in der Nähe wachsen.

Du nimmst Samen von deiner liebsten Sorte, säst sie im nächsten Frühjahr aus und erntest Früchte, die anders aussehen und schmecken. Das kann daran liegen, dass die Sorte eine Hybride war oder dass sich eine andere Sorte eingekreuzt hat. In beiden Fällen hast du gesät, aber die Sorte nicht erhalten. Ich lege deshalb schon beim Saatgutkauf fest, welche Sorten ich weitervermehren will, und plane ihren Platz im Beet zuerst.

Was bedeutet Saatgutvielfalt?

Saatgutvielfalt meint die genetische Bandbreite unserer Kulturpflanzen. Dazu gehören alte Landsorten ebenso wie moderne Züchtungen. Als alte Sorten gelten Sorten, die Bauern und Gärtner über Generationen vermehrt und weitergegeben haben. Für den Garten zählt dabei vor allem, ob eine Sorte samenfest ist. Samenfeste Sorten geben ihre typischen Sortenmerkmale über Samen an folgende Generationen weiter, sofern sortenerhaltend vermehrt wird.

Woher stammt die Vielfalt?

Am Anfang steht die Domestikation: Dabei können die genutzten Pflanzenteile größer werden, und natürliche Ausstreu- oder Ausbreitungsmechanismen können verloren gehen. Zu den historischen Vielfaltszentren, die auf Vavilov zurückgehen, zählen China, Indien, Zentralasien, Vorderasien, der Mittelmeerraum, Äthiopien, Mesoamerika und Teile Südamerikas.

Ein Vielfaltszentrum ist nicht zwangsläufig das Ursprungsgebiet einer Kulturpflanze. Die Formenvielfalt kann sich auch in Regionen entwickeln, in die eine Kulturpflanze erst eingewandert ist. Kartoffel und Apfel zeigen, wie Wanderung die Vielfalt geprägt hat. Die europäischen Kartoffeln gehen sowohl auf Pflanzen aus den Anden Perus als auch auf chilenische Kartoffeln zurück. Beim Apfel brachte der Transport entlang der Seidenstraße zuvor getrennte Abstammungslinien in Kontakt und ermöglichte neue Kreuzungen. Vielfalt ist demnach dort gewachsen, wo Menschen Pflanzen mitgenommen, angebaut und weitergegeben haben.

Warum sind alte Sorten für Biodiversität und Nachhaltigkeit wichtig?

In alten Kulturpflanzensorten bleiben genetische Eigenschaften bewahrt, die für künftige Züchtung und Ernährungssicherung nutzbar sein können. Das ist eine Möglichkeit und keine Zusage. Eine Sorte, die weder angebaut noch eingelagert wird, steht dafür aber nicht mehr bereit.

Sortenvielfalt ist genetische Vielfalt innerhalb einer Kulturpflanzenart und damit ein Teil der Biodiversität in deinem Garten. Den anderen Teil gestaltest du über Arten und Strukturen. Wachsen verschiedene Pflanzenarten im Garten, sinkt das Risiko, dass bei Extremwetter alle Pflanzen gleichzeitig ausfallen. Im ökologischen Anbau fördern vielfältige Fruchtfolgen, Hecken und Blühstreifen die Biodiversität. Blühinseln und Hecken unterstützen im Bio-Garten zudem die Nützlinge. Wenn du mehr Arten ins Beet holen willst, zeigt dir der Mischkultur-Planer, welche Gemüsearten als Nachbarn zusammenpassen.

Nachhaltig ist der Anbau alter Sorten in einem schlichten Sinn: Die Sorte bleibt verfügbar, weil sie immer wieder angebaut und vermehrt wird. Von einer samenfesten Sorte gewinnst du Saatgut, säst es wieder aus und gibst einen Teil weiter.

Mythos-Check

„Alte Sorten sind grundsätzlich nährstoffreicher.“ Pauschal lässt sich das nicht sagen. Der Nährstoffgehalt von Gemüse und Obst hängt unter anderem von Sorte, Klima, Witterung, Boden und Erntezeitpunkt ab. Achte bei der Sortenwahl auf Gesundheit, Geschmack und Ertragsleistung, und prüfe das im eigenen Garten.

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Wie werden alte Sorten erhalten?

Kulturpflanzensorten lassen sich außerhalb des Anbaus in Genbanken sichern. Zusätzlich bleiben sie durch wiederholten Anbau und Vermehrung in Gärten erhalten. Beide Wege ergänzen sich.

Kurz erklärt

In-situ-Erhaltung bewahrt Pflanzenbestände in ihrem Vorkommensgebiet. Ex-situ-Erhaltung sichert genetische Ressourcen außerhalb dieses Gebiets, zum Beispiel in einer Genbank.

Was leisten Genbanken?

Genbanken lagern Saatgut und Pflanzenmaterial ein und kontrollieren es. So arbeiten einige Einrichtungen:

Einrichtung Wie sie sichert
Genbank Gatersleben Der größte Teil der Sammlung lagert als Saatgut bei −18 °C.
Genbank Gatersleben Material, das sich nicht als Saatgut lagern lässt, wird unter anderem als Gewebe in flüssigem Stickstoff bei −196 °C kryokonserviert.
Saatguttresor auf Spitzbergen Dort liegen Sicherheitsduplikate anderer Genbanken.
Dahlemer Saatgutbank Saatgut wird vor dem Einfrieren und danach alle fünf Jahre auf Keimfähigkeit geprüft. An Privatpersonen wird kein Saatgut abgegeben.

Für deinen Garten heißt das: Genbanken sichern Sorten außerhalb des Anbaus, und die Dahlemer Saatgutbank gibt kein Saatgut an Privatpersonen ab. Rechne also nicht damit, dort Saatgut für dein Beet zu bekommen. In den Garten kommen bedrohte Sorten auf einem anderen Weg.

Woher bekommst du Saatgut alter Sorten?

Erhaltungsinitiativen stellen Saatgut bedrohter Kulturpflanzensorten für den Eigenbedarf bereit, damit es im Garten weitervermehrt wird. Eine weitere Quelle sind Saatgutbibliotheken. Dort leihst du Saatgut aus, säst, pflegst, erntest und gibst selbst gewonnenes Saatgut zurück. Dazu kommt der Tausch mit anderen Gärtnerinnen und Gärtnern.

Auch im Handel findest du alte Sorten. Für landwirtschaftliche Erhaltungssorten, Gemüse-Erhaltungssorten und Gemüse-Amateursorten gibt es ein vereinfachtes Zulassungsverfahren.

Tauschsaatgut wird mit Erntejahr, Pflanzenart und Sorte beschriftet. Fehlt eine dieser Angaben, frage ich nach, bevor ich die Tüte einsortiere. Eine Grenze gilt für jeden Tausch: Lebensfähige Samen invasiver gebietsfremder Pflanzen der Unionsliste darfst du grundsätzlich nicht vorsätzlich tauschen.

Was gilt rechtlich beim Vermehren und Weitergeben?

Handlungen im privaten Bereich zu nicht gewerblichen Zwecken erfasst der deutsche Sortenschutz nicht. Das Saatgutverkehrsgesetz knüpft gewerbliches Inverkehrbringen daran, dass Saatgut im Rahmen eines Gewerbes oder zu Erwerbszwecken angeboten oder abgegeben wird. Beide Regeln setzen beim Gewerbe an, deshalb steht das Vermehren für den eigenen Garten anders da als der Verkauf. Willst du Saatgut verkaufen, kläre die Vorgaben vorher mit der zuständigen Behörde.

Welche Sorten kannst du selbst vermehren?

Zum Erhalten brauchst du samenfeste Sorten. Bei sortenerhaltender Vermehrung behalten sie ihre typischen Eigenschaften über Generationen.

Bei F1-Hybriden ist das anders. Die Bezeichnung steht für die erste Generation aus der gezielten Kreuzung geeigneter Elternlinien. Deren Nachkommen können in der F2-Generation unterschiedliche Eigenschaften zeigen und erhalten die ursprüngliche Merkmalskombination nicht zuverlässig. Mit Gentechnik hat das für sich genommen nichts zu tun, denn Hybridzüchtung ist eine Form der Kreuzungszüchtung. Schlechter sind Hybriden deshalb nicht: Der Heterosiseffekt kann zu besonders leistungsfähigen und ertragreichen Pflanzen führen. Zum Weitervermehren eignen sie sich aber nicht zuverlässig.

Das Bio-Logo beantwortet die Frage nach der Vermehrbarkeit nicht. Bio-Saatgut stammt aus ökologischer Vermehrung und kann auch von Hybridsorten stammen, wie die Zucchinisorte Dunja F1 zeigt. Ökologisch vermehrtes Saatgut kann außerdem aus einer konventionell gezüchteten Sorte kommen. Weil Hybrid-Nachkommen ihre Merkmale nicht zuverlässig behalten, suchst du auf der Tüte nach der Angabe samenfest. Ich prüfe diese Angabe beim Bestellen zuerst und schreibe sie im Gartentagebuch neben den Sortennamen.

Was Begriffe wie Resistenz und Toleranz bedeuten und wie du die Angaben auf der Saattüte liest, erklärt ein eigener Ratgeber. Die eigene Jungpflanzenanzucht eröffnet dir außerdem eine große Auswahl an samenfesten Gemüsesorten.

So erhältst du eine Sorte im eigenen Garten

Mit welchen Arten fängst du an?

Bei Selbstbestäubern wie Tomaten oder Bohnen ist die Saatgutgewinnung vergleichsweise einfach. Fremdbestäuber wie Kürbisse verlangen mehr Aufmerksamkeit, weil sich andere Sorten leichter einkreuzen. Neue Arten probiere ich zuerst mit einer einzigen Sorte aus.

Achtung

Von Zucchini und anderen Cucurbita-pepo-Kürbissen verwendest du kein eigenes Saatgut für die nächste Aussaat, wenn Zierkürbisse in der Nähe wachsen. Schmeckt ein Kürbisgewächs bitter, spuckst du es sofort aus und entsorgst es. Auch Erhitzen beseitigt die giftigen Bitterstoffe nicht zuverlässig.

Wie verhinderst du, dass sich Sorten kreuzen?

Auch bei samenfesten Sorten kann Fremdbestäubung durch passende andere Sorten oder verwandte Pflanzen zu abweichenden Nachkommen führen. Samenfest allein reicht also nicht: Die Merkmale bleiben nur bei sortenerhaltender Vermehrung erhalten, und dazu gehört, fremden Pollen fernzuhalten. Wie viel Abstand dafür nötig ist, unterscheidet sich von Art zu Art. Ich baue deshalb von jeder Art, die ich vermehre, nur eine Sorte an. Damit du den Überblick über verwandte Kulturen behältst, kannst du im Beetplaner einzeichnen, wo welche Sorte steht.

Welche Pflanzen eignen sich als Samenträger?

Wähle gesunde Pflanzen, die das typische Bild der Sorte zeigen. Ich markiere sie früh mit einem Stab, damit sie beim Ernten stehen bleiben. Lass Früchte und Samenstände vollständig ausreifen, bevor du die Samen entnimmst.

Marias Erfahrung

Ich schreibe im Gartentagebuch auf, welche Sorten gut keimen und sich zügig entwickeln. Vor der nächsten Anbauplanung lese ich dort nach und entscheide dann, von welchen Sorten ich wieder Saatgut nehme.

Wie trocknest, beschriftest und lagerst du das Saatgut?

Selbst gewonnenes Saatgut muss gründlich trocknen, bevor es in luftdichte Gefäße kommt. Ich breite die Samen flach aus und fülle sie erst ab, wenn sie sich trocken anfühlen. Beschrifte jedes Gefäß mit Erntejahr, Pflanzenart und Sorte, denn diese Angaben braucht auch, wer später mit dir tauscht.

Gelagert wird kühl und trocken. Für Gemüsesaatgut gelten Temperaturen von 0 bis 10 °C allgemein als günstig. Mehr dazu steht im Überblick zu Aussaat und Anzucht, im Abschnitt darüber, wie du Saatgut lagerst und mit einer Keimprobe prüfst.

Lässt sich eine Sorte auch ohne Samen erhalten?

Nicht jede Pflanze wird über Samen erhalten. Die Genbank Gatersleben nutzt für Material, das sich nicht als Saatgut lagern lässt, unter anderem die Kryokonservierung von Gewebe. Im Garten entspricht dem der Steckling: Durch Stecklingsvermehrung ziehst du Pflanzen mit den Eigenschaften ihrer Mutterpflanze nach. Lavendel, Rosmarin, Zitronenverbene und Minzen lassen sich im Sommer auch so vermehren.

Wie bleibt eine Sorte über Jahre erhalten?

Die Lagerfähigkeit von Gemüsesaatgut unterscheidet sich nach Pflanzenart und verkürzt sich bei ungünstigen Lagerbedingungen. Selbst die Dahlemer Saatgutbank prüft ihr eingefrorenes Saatgut alle fünf Jahre auf Keimfähigkeit. Eine Tüte im Schrank erhält also noch keine Sorte. Erhalten bleibt sie, wenn du sie wiederholt aussäst und frisches Saatgut gewinnst.

Gib außerdem einen Teil deines Saatguts über Tausch oder Saatgutbibliothek weiter. Dann wird die Sorte auch in anderen Gärten angebaut und vermehrt.

Häufige Fragen

Was versteht man unter Saatgutvielfalt und warum ist sie so wichtig?
Saatgutvielfalt meint die genetische Bandbreite der Kulturpflanzen, von alten Landsorten bis zu modernen Züchtungen. In alten Kulturpflanzensorten bleiben genetische Eigenschaften bewahrt, die für künftige Züchtung und Ernährungssicherung nutzbar sein können. Gesichert wird diese Vielfalt in Genbanken und zusätzlich durch wiederholten Anbau und Vermehrung in Gärten.
Wie grenzen sich samenfeste Sorten von Hybridsorten ab?
Samenfeste Sorten geben ihre typischen Sortenmerkmale bei sortenerhaltender Vermehrung über Samen an folgende Generationen weiter. F1-Hybriden sind die erste Generation aus der gezielten Kreuzung geeigneter Elternlinien. Deren Nachkommen können unterschiedliche Eigenschaften zeigen und erhalten die ursprüngliche Merkmalskombination nicht zuverlässig. Hybridzüchtung ist eine Form der Kreuzungszüchtung und für sich genommen keine gentechnische Veränderung.
Wie gewinnt man erfolgreich eigenes Saatgut aus traditionellen Sorten?
Wähle gesunde, sortentypische Pflanzen einer samenfesten Sorte aus und lass Früchte und Samenstände vollständig ausreifen. Selbst gewonnenes Saatgut muss gründlich trocknen, bevor es in luftdichte Gefäße kommt. Beschrifte es mit Erntejahr, Pflanzenart und Sorte und lagere es kühl und trocken.
Welche Voraussetzungen braucht man für die Saatgutvermehrung im Hausgarten?
Du brauchst eine samenfeste Sorte, denn die Nachkommen von Hybriden erhalten die ursprüngliche Merkmalskombination nicht zuverlässig. Außerdem musst du Fremdbestäubung im Blick behalten, weil passende andere Sorten oder verwandte Pflanzen zu abweichenden Nachkommen führen können. Von Zucchini und anderen Cucurbita-pepo-Kürbissen nimmst du kein eigenes Saatgut, wenn Zierkürbisse in der Nähe wachsen.
Wie wirken sich rechtliche Bestimmungen auf die Verbreitung alter Sorten aus?
Für landwirtschaftliche Erhaltungssorten, Gemüse-Erhaltungssorten und Gemüse-Amateursorten gibt es ein vereinfachtes Zulassungsverfahren. Handlungen im privaten Bereich zu nicht gewerblichen Zwecken erfasst der deutsche Sortenschutz nicht. Als gewerbliches Inverkehrbringen fasst das Saatgutverkehrsgesetz das Anbieten oder Abgeben im Rahmen eines Gewerbes oder zu Erwerbszwecken.
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