Blumendünger und Bestäuber: Was Dünger an Nektar, Pollen und Blüten ändert
- Mehr Nährstoffe können die chemische Zusammensetzung von Nektar und Pollen verändern, besseres Futter ist das aber nicht automatisch.
- Bei Gewöhnlichem Teufelsabbiss wurde nach höherer Nährstoffzufuhr eine verringerte Überlebenschance von Larven und Arbeiterinnen der Dunklen Erdhummel beschrieben.
- Ein Stickstoffüberschuss kann starkes Laubwachstum auf Kosten der Blütenbildung fördern.
- Phosphatbetonte Blütendünger sind keine sinnvolle pauschale Wahl, zusätzliches Phosphat fördert bei ausreichender Versorgung nicht automatisch die Blüte.
- Artenreiche Blumenwiesen werden ohne regelmäßige Düngung gepflegt, für Bienen zählt ein möglichst durchgehendes Angebot an Nektar und Pollen.

Wer im Garten etwas für Bienen und Hummeln tun will, greift schnell zum Blumendünger. Mehr Nährstoffe, mehr Blüten, mehr Futter: Ganz so geradlinig läuft es nicht. Eine erhöhte Nährstoffzufuhr kann die chemische Zusammensetzung von Nektar und Pollen verändern, und zu viel Stickstoff kann Laub auf Kosten der Blüten fördern. Ich schaue deshalb in jedem Blütenbeet zuerst auf Boden und Pflanzen, bevor ich überhaupt eine Düngergabe plane.
Was Dünger an Nektar und Pollen verändert
Nektar und Pollen sind das Futter, das Bienen und Hummeln an der Blüte sammeln. Bekommt die Pflanze mehr Nährstoffe, kann sich die chemische Zusammensetzung von beidem verändern. Besser wird das Futter dadurch nicht automatisch.
Beim Pollen lohnt ein Blick auf Bor. Das SpurenelementSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe. unterstützt die Zell- und Fortpflanzungsentwicklung der Pflanze, doch Mangel und schädlicher Überschuss liegen bei Bor besonders nahe beieinander. Eine gängige Standardanalyse für Gartenboden erfasst Phosphor, Kalium, MagnesiumMagnesium ist ein lebensnotwendiger Pflanzennährstoff, der im Blattgrün (Chlorophyll) jedes Blattes steckt. Fehlt Magnesium, vergilben die Blätter; diese Aufhellung heißt Chlorose. und pH-Wert, weitere Werte musst du gesondert beauftragen. Weil der Spielraum bei Bor schmal ist und die Standardprobe ihn nicht misst, gehört es nur nach gezielter Analyse ins Beet und nie auf Verdacht.
Ich dünge Beete, die vor allem Insekten füttern sollen, nur dann, wenn Pflanzen oder Bodenbefund einen Bedarf zeigen. Vorher sehe ich mir Wuchs, Blattfarbe und Knospenansatz an und vergleiche mit meinen Notizen aus dem Vorjahr.
Was ein Versuch mit Hummeln zeigt
Wie weit Düngung bis zu den Insekten reichen kann, zeigt ein Versuch mit Gewöhnlichem Teufelsabbiss. Nach höherer Nährstoffzufuhr wurde dort eine verringerte Überlebenschance von Larven und Arbeiterinnen der Dunklen Erdhummel beschrieben. Betroffen waren also nicht nur erwachsene Tiere, sondern auch die Brut.
Dünger kann Nektar und Pollen chemisch verändern, und am stärker versorgten Teufelsabbiss sank die Überlebenschance der Hummeln: Mehr Nährstoffe für die Pflanze heißen nicht automatisch besseres Futter für das Hummelvolk.
Der Befund gilt für eine Pflanzenart und eine Hummelart. Eine feste Regel für jedes Beet folgt daraus nicht. Er ist aber ein guter Grund, Blühflächen nicht vorsorglich zu düngen.
Mehr Laub, weniger Blüten: wenn Stickstoff überwiegt
Stickstoff braucht die Pflanze vor allem für die Bildung und das Wachstum von Blättern und Trieben. Ein Überschuss kann deshalb starkes Laubwachstum auf Kosten der Blütenbildung fördern. Außerdem kann zu viel Stickstoff weiches, mastiges Gewebe begünstigen. Bei Obstgehölzen zeigt sich dasselbe Muster: Übermäßiger Stickstoff fördert starkes Triebwachstum zulasten von Blüten und Früchten.
Hinzu kommt ein Nebeneffekt im Beet. Eine sehr hohe Stickstoffversorgung kann Blattläusen günstigere Ernährungsbedingungen bieten.
Im Sommer gehe ich meine Blütenbeete ab und achte auf lange, weiche Triebe bei wenigen Knospen. Das kann auf zu viel Stickstoff hindeuten, ist aber kein Beweis. Ich lasse dann die nächste Gabe aus und beobachte, wie die Pflanze weiter austreibt.
Der Wiesenstreifen bekommt beim Rasendüngen etwas mit ab. Eine artenreiche Blumenwiese wird extensiv gepflegt, ohne die regelmäßige Rasendüngung. Mit dem Abräumen des Mähguts magerst du sie zusätzlich aus.
Bringt ein phosphatbetonter Blütendünger mehr Blüten?
Hinter phosphatbetonten Blütendüngern steht eine einfache Idee: mehr Phosphat, mehr Blüten. Aus Sicht der Pflanzenernährung sind solche Dünger aber keine sinnvolle pauschale Wahl. Zusätzliches Phosphat fördert bei ausreichender Versorgung nicht automatisch die Blüte. Entscheidend sind eine bedarfsgerechte Versorgung und das Vermeiden von Stickstoffüberschüssen.
Für einzelne Arten gibt es gezieltere Hinweise. Für Lavendel ist Kalium blühfördernd. Bei Fuchsienhochstämmchen kann ab den ersten Knospen ein kaliumbetonter Dünger gewählt werden. Das sind Hinweise für diese Pflanzen, keine Regel für jedes Blütenbeet.
„Phosphor macht Blüten“ stimmt so nicht. Phosphor ist für den Energiehaushalt der Pflanze notwendig, eine zusätzliche Gabe steigert die Blütenbildung aber nicht pauschal. Mehr dazu, welche Düngermythen nicht stimmen und was stattdessen gilt, findest du im Ratgeber zu Düngerirrtümern.
Im Topf und Balkonkasten
Nach dem Umtopfen in ausreichend vorgedüngte Blumenerde brauchen Kübelpflanzen üblicherweise 4 bis 6 Wochen keine zusätzliche Düngung. Zur Blütezeit gilt für Chrysanthemen, Primeln und Topfrosen mit abnehmendem Wachstum: Stickstoff reduzieren, statt Phosphat und Kalium absolut zu erhöhen. Wann Flüssigdünger und wann Granulat zu deinen Blumen passt, erklärt ein eigener Ratgeber.
Wächst eine Topfpflanze trotz Düngung nicht weiter, ist das ein Anlass, das Umtopfen zu prüfen. Wie du alte Blumenerde aufbesserst, zeigt die Anleitung dazu.
Duft und Farbe: die Signale für Bienen
Blütenfarben und Duft dienen Bienen als Erkennungsmerkmale bei der Nahrungssuche. Wie Düngung hier mitwirken kann, zeigen einige Gartenpflanzen.
Bei Lavendel unterstützt eine zurückhaltende Düngung einen intensiveren Duft sowie kompakten und standfesten Wuchs. Stark stickstoffhaltige Dünger und Mist können dagegen zu weichem, instabilem Wuchs führen. Bei Basilikum fördert ein erhöhtes StickstoffangebotDas Stickstoffangebot ist die Menge an Stickstoff, die den Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Fachleute bestimmen diesen pflanzenverfügbaren Stickstoff mit einer Bodenanalyse, der sogenannten Nmin-Methode. zwar das Wachstum, der Gehalt an ätherischem Öl nimmt aber durch einen Verdünnungseffekt ab. Wenn Basilikum sein Öl durch mehr Stickstoff verdünnt und Lavendel bei zurückhaltender Düngung intensiver duftet, spricht das dagegen, Duft mit zusätzlichem Stickstoff fördern zu wollen.
Für mehr Blüten setzt du bei Lavendel an der Schere an. Ein regelmäßiger kräftiger Frühjahrsschnitt erhöht seine Blühfreudigkeit und die Blütengröße.
Dass Düngung auch die Blütenfarbe verändern kann, zeigt die Hortensie. Die Blaufärbung geeigneter Gartenhortensiensorten hängt von saurem Boden und verfügbarem Aluminium ab. Phosphat kann Aluminium im Substrat festlegen und dadurch die Blaufärbung beeinträchtigen. Ob Bienen eine blaue Blüte einer rosa vorziehen, lässt sich daraus nicht ablesen.
Meinen Lavendel schneide ich im Frühjahr kräftig zurück und dünge ihn nicht nach Kalender. Erst wenn er ausgetrieben hat, sehe ich mir Wuchs und Blattfarbe an und entscheide, ob er überhaupt etwas braucht.
Welche Blühpflanzen Dünger brauchen und welche nicht
Der Nährstoffbedarf unterscheidet sich stark zwischen den Pflanzengruppen. Blumenwiesen und Pflanzen magerer Standorte brauchen meist keine Düngung, kräftige Prachtstauden bekommen dagegen eine Grundversorgung.
| Pflanzengruppe | Düngung | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Artenreiche Blumenwiese | ohne regelmäßige Rasendüngung | Mähgut abräumen, damit sie ausmagert |
| Wildstauden | nur bei nährstoffarmen Böden oder erkennbaren Mängeln | Übermäßige Düngung führt bei Stauden nährstoffarmer Naturstandorte zu untypisch starkem Wachstum und schlechterer WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. |
| PolsterstaudenPolsterstauden sind niedrige, winterharte Stauden, die flach in die Breite wachsen und dabei dichte Polster oder Teppiche bilden. Sie werden vor allem im Steingarten und als Bodendecker verwendet. und trockenheitsliebende mediterrane Stauden auf mageren Standorten | keine Kompostgabe | Der karge Boden gehört zu ihrem Standort |
| Lavendel | zurückhaltend | stark stickstoffhaltige Dünger und Mist meiden |
| Garten-Strohblumen | nur mäßig, im Beet wie im Gefäß | sonniger, warmer Platz mit durchlässigem Boden |
| Prachtstauden | Kompost im Frühjahr, leicht eingearbeitet | entfällt bei stark überhöhten Phosphor- oder Kaliumvorräten |
| Starkwachsende Stauden wie Rittersporn, Phlox und Pfingstrosen | zusätzlich zum Kompost HornmehlHornmehl ist fein gemahlenes Horn, das als organischer Stickstoffdünger verwendet wird. Es gibt den Stickstoff im Boden nach und nach frei, aber schneller als die gröberen Hornspäne. möglich | bei Pfingstrosen für Insekten ungefüllte Blüten wählen |
Die Mengen für die gedüngten Gruppen stehen im Ratgeber dazu, wie viel Blumendünger du je Düngerform und Pflanzengruppe gibst.
Boden, Nährstoffe, Düngerarten: die Grundlagen in Kürze
Blumendünger ergänzt, was Boden und Kompost nicht liefern. Welcher Dünger passt, richtet sich nach dem Nährstoffvorrat des Bodens und dem Bedarf der Pflanzen; wie Nährstoffe, Boden und Düngerarten zusammenhängen, erklärt der Düngen-Ratgeber Schritt für Schritt. Stickstoff unterstützt Blatt- und Triebwachstum, Phosphor ist am Energiehaushalt beteiligt und Kalium reguliert den Wasserhaushalt.
Ob ein Blütenbeet überhaupt Nährstoffe braucht, zeigt eine Bodenuntersuchung. Sie ermittelt die pflanzenverfügbaren Vorräte und ist die Grundlage für Auswahl und Menge eines Düngers.
Organisch gebundene Nährstoffe müssen erst mineralisiert werden, bevor die Wurzeln sie aufnehmen können. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe setzen organische Dünger deshalb kaum Nährstoffe frei, Mineraldünger liefern ihre Nährstoffe dagegen meist als leicht lösliche Salze.
Ein gut versorgter Boden braucht weniger. Bei VersorgungsstufeDie Versorgungsstufe zeigt im Prüfbericht einer Bodenuntersuchung, wie gut dein Boden mit einem Nährstoff wie Phosphor, Kalium oder Magnesium versorgt ist. Die Stufen reichen von A (sehr niedrig) über C (anzustreben) bis E (sehr hoch) oder F (überhöht). D braucht nur 50 % des erwarteten Entzugs des betreffenden Nährstoffs ersetzt zu werden. Bei Stufe E kann die zusätzliche Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend auf 0 reduziert werden.
Nährstoffe, die keine Pflanze aufnimmt, können ausgewaschen werden. Übermäßige Stickstoff- und Phosphoreinträge können dann Bodenfruchtbarkeit und Gewässerqualität beeinträchtigen.
Futter über den ganzen Sommer: Pflanzenwahl für Bienen und Schmetterlinge
Bienen brauchen über den gesamten Sommer ein verfügbares Nahrungsangebot. Wichtig ist ein möglichst durchgehendes Angebot an Nektar und Pollen, und das planst du über die Pflanzenwahl. Für insektenfreundliche Zierpflanzungen wählst du unter anderem Dahlien und Pfingstrosen mit ungefüllten Blüten.
Auch Kletterpflanzen tragen dazu bei. Wilder Wein und Efeu bieten Bienen Nahrung, Jelängerjelieber-Arten dienen zusätzlich Schmetterlingen als Trachtquelle. Beim Efeu blüht allerdings nur die Altersform, und zwar im September und Oktober, während die jugendlichen Klettersprosse ohne Blüten bleiben.
Ich führe ein Gartenheft, in dem ich notiere, welches Beet in welchem Monat blüht. Lücken schließe ich dort mit neuen Pflanzen, nicht mit Dünger.
So versorgst du ein Blütenbeet bestäuberfreundlich.
- Vor dem Düngen eine Bodenprobe nehmen und den Befund lesen.
- StickstoffüberschussStickstoffüberschuss heißt, dass Pflanzen mehr Stickstoff bekommen, als sie brauchen. Sie wachsen dann üppig, bilden weiches, schwammiges Gewebe und dunklere Blätter und werden anfälliger für Krankheiten. vermeiden, besonders wenn Triebe weich werden und Knospen ausbleiben.
- Blumenwiese und Wildstauden magerer Standorte nicht mitdüngen.
- Keinen phosphatbetonten Blütendünger auf Verdacht kaufen.
- Bor nur nach gezielter Analyse geben.
- Ungefüllte Sorten und eine möglichst durchgehende Blühfolge wählen.
- Dünger auf feuchten Boden geben, nicht auf nasse Pflanzenteile.
Wurzeln nehmen Nährsalze in Wasser gelöst auf, deshalb gehören Düngen und Gießen zusammen. Wie du Düngen und Gießen bei Blumen aufeinander abstimmst, zeigt der Ratgeber zur Bewässerung.
