Kalkarten im Garten: Löschkalk, Branntkalk und kohlensaurer Kalk im Vergleich
- Kalk gehört nur auf Boden, dessen gemessener pH-Wert unter dem Zielbereich für Bodenart und Humusgehalt liegt.
- Löschkalk besteht aus Calciumhydroxid und wirkt relativ schnell, Branntkalk enthält Calciumoxid, wirkt schnell und hat eine Ätzwirkung.
- Kohlensaurer Kalk enthält typischerweise 75 bis 95 % Calciumcarbonat und wirkt vergleichsweise langsam und mild.
- Dolomitischer Kalk enthält zusätzlich Magnesiumcarbonat und passt, wenn neben dem Kalkbedarf ein Magnesiummangel festgestellt ist.
- Rhododendren, Heidelbeeren und Eriken werden nicht routinemäßig gekalkt.

Im Gartencenter stehen die Säcke oft direkt nebeneinander: Branntkalk, Löschkalk, kohlensaurer Kalk, AlgenkalkAlgenkalk ist ein Kalkdünger auf Grundlage von Rotalgen. Er besteht überwiegend aus kohlensaurem Kalk mit vielen Spurenelementen, wirkt langsam und hebt einen zu sauren Gartenboden in den leicht sauren oder neutralen Bereich. und Dolomitkalk. Auf den ersten Blick ist das alles Kalk, doch die Verbindungen darin wirken unterschiedlich schnell, und Branntkalk hat eine Ätzwirkung. Ich kaufe Kalk erst, wenn mein Bodenbefund einen zu niedrigen pH-Wert zeigt, und lese dann zuerst die Deklaration. Hier siehst du, was in den einzelnen Kalkarten steckt, wie sie sich unterscheiden und welche zu deinem Boden und deinem Zweck passt.
Kalkarten im Überblick: Verbindung und Tempo
Kalk neutralisiert Bodensäure und hebt dadurch den pH-Wert. Wie rasch das geschieht und worauf du beim Umgang achtest, hängt von der Verbindung im Sack ab.
| Kalkart | Verbindung | Wirkung | Worauf du achtest |
|---|---|---|---|
| Branntkalk | Calciumoxid | schnell | hat eine Ätzwirkung |
| Löschkalk | Calciumhydroxid | relativ schnell | Packungsangabe mit dem Befund abgleichen |
| Kohlensaurer Kalk | typischerweise 75 bis 95 % Calciumcarbonat | vergleichsweise langsam und mild | Bezugsgröße der Mengenangaben im Hausgarten |
| Algenkalk | Calciumcarbonat | langsam | SpurennährstoffeSpurennährstoffe sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in geringen Mengen aufnehmen, auf die sie aber trotzdem angewiesen sind. Dazu zählen etwa Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und Molybdän. prüfst du auf dem Etikett |
| Dolomitischer Kalk | Calcium- und Magnesiumcarbonat | langsamer als reines Calciumcarbonat | passt bei Kalkbedarf und festgestelltem Magnesiummangel |
Weitere Handelsnamen wie Muschelkalk ordnest du über die Deklaration ein. Steht dort Calciumoxid, Calciumhydroxid, Calciumcarbonat oder zusätzlich Magnesiumcarbonat, weißt du, in welche Zeile der Tabelle das Produkt gehört.
Aus meinem Bodenbefund schreibe ich mir pH-Wert und Magnesiumversorgung auf einen Zettel, dazu die Bodenart des Beets. Am Regal lese ich zuerst, welche Verbindung deklariert ist, danach Gehalt und Bezugsgröße. Erst dann vergleiche ich das Etikett mit meinen Notizen.
Die Kalkarten im Einzelnen
Was ist Löschkalk und wie wirkt er im Garten?
Löschkalk besteht aus Calciumhydroxid. Er entsteht, wenn Branntkalk mit Wasser reagiert. Im Boden gehört er zu den relativ schnell wirkenden Kalkformen, während kohlensaurer Kalk vergleichsweise langsam wirkt.
Schnell heißt im Beet nicht besser. Ergibt dein Befund einen größeren Kalkbedarf, wird die Menge ohnehin auf mehrere Jahre verteilt, und daran ändert das Tempo des Löschkalks nichts. Ein zu hoher pH-Wert kann außerdem Eisen festlegen und so Eisenmangel begünstigen. Gelbliche junge Blätter mit zunächst grünen Hauptadern können darauf hinweisen.
Für die Menge gilt bei Löschkalk wie bei jedem Kalkprodukt die Packungsangabe, abgeglichen mit deinem Befund. Ob Löschkalk auf den Komposthaufen gehört, klärt der Mythos-Check weiter unten.
Branntkalk: schnell und mit Ätzwirkung
Branntkalk enthält Calciumoxid, wirkt schnell und hat eine Ätzwirkung. Bodendünger gehört möglichst auf feuchten Boden und darf nicht auf feuchten Pflanzenteilen liegen bleiben, weil dort Ätzschäden entstehen können. Bei einem Kalk mit eigener Ätzwirkung nimmst du diese Regel besonders ernst. Für meine Beete greife ich nicht zu Branntkalk, weil ich dort keine schnelle Wirkung suche, sondern eine Kalkung nach Befund.
Lagere Kalk wie andere feste Dünger trocken und verpackt oder abgedeckt. Hat ein Kind vermutlich eine größere Menge Dünger aufgenommen, wendest du dich an ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis. Bei Vergiftungsverdacht beim Haustier gehst du sofort zur Tierarztpraxis, nimmst die Verpackung mit, gibst keine Hausmittel und löst kein Erbrechen aus.
Kohlensaurer Kalk: langsam, mild und Bezugsgröße im Hausgarten
Kohlensaurer Kalk enthält typischerweise 75 bis 95 % Calciumcarbonat. Er wirkt vergleichsweise langsam und mild. Die Mengenangaben für die Kalkung im Hausgarten sind für ihn formuliert. Auf Brannt- oder Löschkalk lassen sie sich nicht einfach übertragen, weil dort eine andere Verbindung im Sack steckt, und Branntkalk bringt zusätzlich seine Ätzwirkung mit. Für die Kalkung nach Befund nehme ich deshalb kohlensauren Kalk.
Bezieht sich eine Empfehlung auf CaO, ergibt sich die Produktmenge aus dem Bedarf mal 100, geteilt durch den CaO-Gehalt deines Produkts in Prozent. Rechenbeispiel, keine Mengenempfehlung: 250 g CaO/m² entsprechen bei einem Dünger mit 80 % CaO rechnerisch rund 313 g Produkt/m². Wie viel dein Boden tatsächlich braucht, zeigt der Befund.
Algenkalk: ebenfalls Calciumcarbonat
Algenkalk enthält Calciumcarbonat und zählt wie kohlensaurer Kalk zu den langsam wirkenden Kalkdüngern. Oft wird ihm nachgesagt, er bringe zusätzlich SpurenelementeSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe. mit. Ob ein Produkt solche Nährstoffe enthält, prüfst du auf dem Etikett, denn Spurennährstoffe stehen dort gesondert. Nimmst du im Selbstversorgergarten die Regeln des ökologischen Landbaus als Orientierung, hilft dir deren Positivliste weiter, denn darauf steht Calciumcarbonat natürlichen Ursprungs.
Dolomitischer Kalk: Calcium und Magnesium in einem
Dolomitische Kalke, kurz Dolomitkalk, enthalten Calcium- und Magnesiumcarbonat. Gegenüber reinen Calciumcarbonaten ohne Magnesium wirken dolomitische Kalke langsamer. Magnesium gehört zu den HauptnährstoffenHauptnährstoffe sind die Nährstoffe, die Pflanzen in größeren Mengen brauchen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel. Beim Düngen im Garten stehen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium im Vordergrund. und ist Bestandteil des Chlorophylls. Besteht Kalkbedarf und ist zugleich ein Magnesiummangel festgestellt, kann ein magnesiumhaltiger Kalk beides berücksichtigen.
Am pH-Wert allein erkennst du den Magnesiumgehalt nicht, eine gängige Standardanalyse für Gartenboden erfasst aber Magnesium und pH-Wert gemeinsam. Ein einziger Befund klärt also beide Fragen, bevor du zwischen kohlensaurem und dolomitischem Kalk wählst.
Dolomitkalk auf Verdacht streuen, weil Magnesium ja nicht schaden könne. Ein Magnesiumüberschuss kann das Calciumgleichgewicht stören, Wurzeln schädigen und Kaliummangel verursachen.
Welche Kalkart passt zu welchem Boden und Zweck?
Die Wahl der Kalkart folgt dem Befund. Typische Ausgangslagen im Überblick:
| Ausgangslage | Passende Wahl |
|---|---|
| pH-Wert laut Befund unter dem Zielbereich, Magnesium ausreichend versorgt | kohlensaurer Kalk |
| pH-Wert zu niedrig, Magnesiummangel festgestellt | magnesiumhaltiger, dolomitischer Kalk |
| pH-Wert im Zielbereich | keine Kalkung |
| pH-Wert über dem Zielbereich | weder Kalk noch kalkhaltige Dünger oder Kompost |
| Rhododendren, Heidelbeeren oder Eriken | kein routinemäßiger Kalk und kein Gartenkompost |
| Komposthaufen aus lockerer, strukturreicher Mischung | meist keine Kalkgabe nötig |
Die Bodenart verschiebt vor allem Zielbereich und Menge. Tonböden puffern im Allgemeinen stärker als leichte Böden, gleiche pH-Werte begründen deshalb keine gleichen Kalkmengen. Für leichte wie für schwere Gartenböden nennen die Mengenangaben kohlensauren Kalk, die Bodenart ändert also die Menge und nicht die Kalkart.
Auch BlütenendfäuleBlütenendfäule ist eine physiologische Störung vor allem an Tomaten und Paprika: Durch Calciummangel in der Frucht bildet sich an der Blütenansatzstelle ein dunkler, wässriger Fleck, der später eintrocknet und verhärtet. Sie ist kein Pilz- oder Schädlingsbefall. an Tomaten ist kein automatischer Grund für den Kalksack. Die Fäule beruht häufig auf unzureichendem CalciumtransportCalciumtransport ist die Verteilung von Calcium in der Pflanze. Calcium wandert mit dem Wasserstrom aus dem Boden in die Blätter, wo das Wasser verdunstet (Transpirationsstrom); Früchte verdunsten wenig und erhalten deshalb weniger Calcium. zur Frucht und nicht auf fehlendem Calcium im Boden. Woran du Kalkmangel an Pflanze und Boden erkennst, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Kalk gehört auf jeden Komposthaufen? Rotteorganismen bevorzugen ein Milieu um pH 7, das sich bei einer lockeren, strukturreichen Mischung meist ohne zusätzliche Kalkgabe einstellt. Kalk beseitigt keinen Sauerstoffmangel, und steigende pH-Werte und höhere Temperaturen erhöhen im Kompost den Ammoniakanteil und damit das Risiko gasförmiger Stickstoffverluste. Kalkhaltige Düngemittel werden zwar als Kompostbeschleuniger verwendet, grundsätzlich erforderlich sind solche Zusätze aber nicht. Keimfreiheit erwartest du von Gartenkompost besser nicht: Er tötet Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen nicht zuverlässig ab, weil ausreichende RottetemperaturenDie Rottetemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Komposthaufens, die entsteht, weil Mikroorganismen beim Abbau des Materials Wärme freisetzen. Liegt sie in der Heißrotte über 55 °C, hilft sie, Krankheitserreger abzutöten. oft nicht durchgehend erreicht werden.
Was rund um die Kalkart noch zählt
Kalkbedarf und Anwendung
Kalk ist nur sinnvoll, wenn der gemessene pH-Wert unter dem Bereich liegt, der zu Bodenart und Humusgehalt passt. Vor jeder Kalkung steht deshalb eine Bodenuntersuchung. Wann, wie viel und mit welcher Technik du je Gartenbereich kalkst, auch im Rasen, erklärt der Ratgeber zur Kalkanwendung.
Wirkung im Boden
Calciumionen verbinden Ton- und Humusteilchen zu stabilen Bodenkrümeln, und wie Gartenkalk Krümelstruktur und Wasserspeicherung beeinflusst, vertieft ein eigener Beitrag. Ein durch Kalkung aktiveres Bodenleben kann Humus allerdings schneller abbauen; was Kalk für pH-Wert, Bodenleben und Nährstoffkreislauf bedeutet, liest du im Ratgeber zu gesunden Böden. Wie Humus, Bodenleben und Bodenanalyse zusammenhängen, steht im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost unter Boden kennen: Humus, Bodenleben und Bodenanalyse.
Kompost als Kalziumquelle
Regelmäßige Kompostgaben von etwa 3 l/m² jährlich können im Hausgarten bereits genügend Kalzium nachliefern; ob du zusätzlich kalkst, entscheidet dann der Bodenbefund. Holzasche ist kein Ausweg: Wegen möglicher Schwermetall- und Schadstoffbelastungen gehört sie weder als Dünger ins Beet noch auf den Kompost, sondern abgekühlt in den Hausmüll. Mehr dazu steht im selben Ratgeber im Abschnitt pH-Wert und Kalk: erst messen, dann handeln.
Gemüse und Rasen
Im Gemüsebeet gehen die Ansprüche auseinander: Bei Kohl wird zur Vorbeugung gegen KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. ein Boden-pH-Wert von 7 angestrebt, Kartoffeln bevorzugen dagegen keinen hohen pH-Wert. Welche Gemüsearten wie viel Kalk brauchen, klärt der Ratgeber zum Gemüsegarten. Moos im Rasen kann durch Verdichtung, Schatten oder Nährstoffmangel begünstigt werden und beweist deshalb keinen Kalkbedarf.
Bevor der Kalk in den Einkaufswagen kommt
- Dein Bodenbefund nennt pH-Wert und Magnesiumversorgung.
- Der pH-Wert liegt unter dem Zielbereich für Bodenart und Humusgehalt.
- Auf der Fläche wachsen keine Rhododendren, Heidelbeeren oder Eriken.
- Auf dem Etikett hast du Verbindung, Gehalt und Bezugsgröße gelesen.
- Ohne Magnesiummangel wählst du kohlensauren Kalk, mit festgestelltem Mangel dolomitischen.
