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Ökologisches Grubbern: Was das Lockern ohne Wenden für den Boden leistet

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Grubbern lockert und durchmischt den Boden, wendet ihn aber nicht wie der Pflug.
  • Wird der Boden weniger gestört, kann das größere und vielfältigere Populationen von Bodenorganismen fördern, Regenwürmer eingeschlossen.
  • Gegrubbert wird auf tragfähigem Boden, denn auf feuchtem Boden können Reifen schädliche Verdichtungen auch in tieferen Schichten verursachen.
  • Nach der Getreideernte arbeitet der erste schneidende Gang gegen Wurzelunkräuter 5 bis 10 cm tief, danach unterdrückt eine rasch deckende Zwischenfrucht Unkräuter durch Lichtkonkurrenz.
  • Im Garten lockert der Sauzahn kreuzweise, ohne die Schichten zu wenden, und nur dort, wo der Oberboden tatsächlich gestört ist.
Gesunde, humusreiche Gartenerde in den Händen
Foto: Juan J. Morales-Trejo · Pexels License · Quelle ↗

Jeder Arbeitsgang mit Spaten, Fräse oder Grubber greift in ein Bodengefüge ein, das Wurzeln und Bodenleben mit aufgebaut haben. Wer bei Nässe oder ohne Anlass lockert, kann dieses Gefüge zerstören und den Boden verdichten. Ich prüfe deshalb vor jedem Lockern im Beet zuerst, ob der Boden es überhaupt braucht.

Auf dem Acker steht der Grubber für dieses vorsichtige Prinzip: Er lockert und durchmischt den Boden, ohne ihn wie der Pflug zu wenden. Wie viel das für Bodenstruktur, Bodenleben und Erosionsschutz bringt, hängt davon ab, wann, wie tief und in welcher Fruchtfolge gegrubbert wird.

Was beim Grubbern im Boden passiert

Ein Grubber zieht Zinken mit Scharen durch den Boden. Die Erde wird dabei gelockert und durchmischt, aber nicht umgedreht. Genau das unterscheidet ihn vom Pflug, der den Boden wendet. Im Ackerbau ist deshalb von nichtwendender oder pflugloser Bodenbearbeitung die Rede.

Kurz erklärt

Grubbern lockert und mischt den Boden, ohne ihn zu wenden. Stoppelbearbeitung nennt man die Bearbeitung einer abgeernteten Getreidefläche. Bei der Mulchsaat bleibt eine Schicht organischen Materials auf der Bodenoberfläche liegen.

Was nichtwendende Bearbeitung leisten kann und wo ihre Grenzen liegen, zeigt der Überblick:

Frage Kurz gesagt
Was passiert mit dem Boden? Er wird gelockert und durchmischt, nicht gewendet.
Bodenleben Weniger Störung kann größere und vielfältigere Populationen von Bodenorganismen fördern, auch von Regenwürmern.
Erosion Bei der Mulchsaat schützt die organische Schicht an der Oberfläche vor Erosion und Verschlämmung.
Wurzelunkräuter Nach der Getreideernte schneidet der erste ganzflächige Arbeitsgang mit Flügel- oder Gänsefußscharen 5 bis 10 cm tief.
Kraftstoff Je nach Zahl der Überfahrten nicht zwangsläufig weniger als beim Pflügen.
Ertrag In ökologischen Dauerfeldversuchen je nach Standort verschieden, Unkrautdruck und Witterung waren wesentlich.

Bodenstruktur: lockern, wo der Boden es braucht

Ein verdichteter Boden hat weniger Porenraum. Darunter leiden Luftversorgung, Wasserbewegung und Wurzelwachstum. Staut sich Wasser über einer verdichteten Schicht, kann Sauerstoffmangel entstehen, der Wurzelfäulnis auslöst und die Nährstoffaufnahme stoppt.

Lockern ist deshalb eine Maßnahme für gestörte Böden und keine Routine. Zusätzliche Lockerung gehört nur auf Oberböden, die tatsächlich gestört sind, denn unnötige Eingriffe können das vorhandene Bodengefüge zerstören.

Ein stabiles Gefüge entsteht, wenn Ton, Humus, biologische Aktivität und Durchwurzelung zusammenwirken. Bodenmikroorganismen tragen Schleimstoffe bei, die Bodenaggregate stabilisieren können. Wer ohne Befund lockert, greift also in ein Gefüge ein, an dem Bodenleben und Wurzeln mitgebaut haben.

Strukturelle Probleme wie Verdichtung ordnest du mit einer Spatendiagnose ein. Dabei beurteilst du unter anderem Bodengefüge, Verdichtungen, Feuchtigkeit und Wurzelbild.

Marias Erfahrung

Bevor ich ein Beet lockere, steche ich mit dem Spaten eine Scheibe Erde ab und lege sie auf ein Brett. Ich schaue, ob sie krümelt oder in dichten Platten bricht, wie feucht sie ist und wohin die Wurzeln laufen. Erst danach entscheide ich, ob der Sauzahn durchs Beet muss.

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Bodenleben: warum weniger Störung zählt

Wird der Boden weniger gestört, kann das größere und vielfältigere Populationen von Bodenorganismen fördern, Regenwürmer eingeschlossen. Für das Bodenleben ist das der Kern dessen, was nichtwendende Bearbeitung leisten kann.

Regenwurmgänge unterstützen die Durchlüftung des Bodens und die Versickerung von Wasser. Wer weniger stört, kann also gerade die Tiere fördern, deren Gänge Luft und Wasser in den Boden lassen.

Mikroorganismen setzen bei der Mineralisierung organischer Stoffe mineralische Nährstoffe frei. Wie das Bodenleben zusammengesetzt und wie aktiv es ist, hängt unter anderem von Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffangebot ab. Humus ernährt diese Organismen; mehr dazu, wie Humus, Bodenleben und Bodenanalyse zusammenhängen, findest du in den Grundlagen zu Düngen, Boden und Kompost.

Erosionsschutz: was an der Oberfläche liegen bleibt

Bei der Mulchsaat bleibt eine Schicht organischen Materials auf der Bodenoberfläche. Diese Schicht schützt den Boden vor Erosion und vor Verschlämmung. Vor Winderosion können zusätzlich Mulchbedeckung und windbremsende Gehölze schützen.

Auch über den Winter zählt die Bedeckung. Überwinternde Grüneinsaaten halten den Boden durchwurzelt und schützen ihn vor Abschwemmung und Nährstoffauswaschung.

Im Garten übernimmt eine Mulchauflage diese Aufgabe, denn sie vermindert Verdunstung und sommerliche Bodenerwärmung und schützt die Oberfläche vor Verschlämmung und Erosion. Wie dick du mulchst und ab wann, gehört zu den Grundlagen über Mulchen und Gründüngung.

So wird im Ackerbau gegrubbert

Im Ackerbau entscheiden drei Dinge über das Ergebnis: der Zeitpunkt, die Arbeitstiefe und das, was danach auf der Fläche wächst.

Zeitpunkt: erst wenn der Boden trägt

Vor jedem Arbeitsgang steht der Blick auf die Bodenfeuchte. Auf feuchtem Boden können Reifenbelastungen schädliche Verdichtungen auch in tieferen Schichten verursachen. Trockener Boden ist dagegen tragfähiger, und nasse Böden sollten gar nicht befahren werden.

Ein typischer Einsatz folgt auf die Getreideernte. Dann beginnt die Stoppelbearbeitung, mit der das Grubbern in die Fruchtfolge eingebunden wird.

Arbeitstiefe: flach schneiden, nur gezielt tiefer

Nach der Getreideernte dient der erste ganzflächig schneidende Arbeitsgang der mechanischen Bekämpfung von Wurzelunkräutern. Er wird flach mit Flügel- oder Gänsefußscharen gefahren. Auch die Pflege während der Vegetationszeit gilt als oberflächliche Bearbeitung.

Zahl im Blick

5 bis 10 cm tief arbeitet der erste ganzflächig schneidende Gang gegen Wurzelunkräuter nach der Getreideernte. Für die sekundäre Bodenbearbeitung während der Vegetationszeit werden etwa 3 bis 10 cm beschrieben.

Tiefer gelockert wird nur, wo der Oberboden tatsächlich gestört ist.

Fruchtfolge: auf die Stoppel folgt die Zwischenfrucht

Mit der Stoppelbearbeitung ist die Arbeit nicht getan. Danach sollte sich rasch eine gut deckende Zwischenfrucht etablieren, weil sie Unkräuter durch Lichtkonkurrenz unterdrückt.

Beide Schritte greifen ineinander: Der flache Schnitt geht mechanisch gegen Wurzelunkräuter vor, die Zwischenfrucht nimmt nachfolgenden Unkräutern das Licht. Bleibt die Fläche nach dem Schnitt offen liegen, fehlt genau diese Lichtkonkurrenz.

Möglichst kurze Brachzeiten, Gründüngung und Mulch können außerdem Nährstoffverluste und ungeschützte Bodenphasen vermindern.

Grenzen: Ertrag und Kraftstoff sind kein Automatismus

Nichtwendende Bearbeitung wirkt nicht überall gleich. In ökologischen Dauerfeldversuchen unterschieden sich die Ertragswirkungen pflugloser Bearbeitung von Standort zu Standort. Wesentlich waren dabei Unkrautdruck und Witterung.

Weil der Unkrautdruck dabei so viel Gewicht hatte, ist die Unkrautregulierung nach der Ernte keine Nebensache. Stoppelbearbeitung und rasch deckende Zwischenfrucht setzen genau dort an.

Mythos-Check

„Grubbern spart immer Kraftstoff.“ So pauschal stimmt das nicht. Reduzierte Bodenbearbeitung braucht nicht zwangsläufig weniger Kraftstoff als herkömmliches Pflügen, es kommt auf die Anzahl der Überfahrten an.

Grubbern im Garten: Sauzahn statt Spaten

Im privaten Selbstversorgergarten können die Regeln der ökologischen Landwirtschaft als Orientierung für biologisches Gärtnern dienen. Das Prinzip des Grubberns lässt sich direkt ins Beet übertragen: lockern, ohne zu wenden.

Den Sauzahn ziehst du im Frühjahr in kreuzenden Bahnen durch Gemüsebeete und neu zu bepflanzende Zierbeete. Zwischen den Bahnen liegen etwa 20 cm, und die Bodenschichten werden dabei nicht umgewendet. Ein Handkultivator dient der flachen Bodenlockerung, der Saatbettvorbereitung und dem Entfernen von Unkraut zwischen den Pflanzen.

Wann das Beet bearbeitungsreif ist

Ich greife erst zum Sauzahn, wenn der Boden so weit abgetrocknet ist, dass keine Erde mehr am Gerät haftet. Die Beetfläche betrete ich dabei möglichst nicht, damit Porenraum und Wasserspeicherfähigkeit erhalten bleiben.

Häufiger Fehler

Im Frühjahr ins Beet gehen, solange die Erde noch klebt. Nasser Boden sollte weder betreten noch befahren werden, weil dabei Verdichtung und Gefügeschäden entstehen können.

Gemüseaussaaten brauchen danach einen mäßig feuchten, lockeren Boden, dessen Oberfläche bis zum Auflaufen nicht hart verkrustet. Bildet sich nach Starkregen eine Kruste, lockerst du sie nach dem Abtrocknen flach bis etwa 3 cm Tiefe. Flaches Hacken offener Flächen unterbricht zudem wasserleitende Kapillaren und vermindert so die Verdunstung.

Unkraut: hacken, ausstechen, nicht zerfräsen

Einjährige Samenunkräuter hackst du oberflächlich. Ausdauernde Wurzelunkräuter schwächst du durch wiederholtes tiefes Entfernen oder Ausstechen. Eine Bodenfräse passt dafür nicht, denn Fräsen können Wurzelunkräuter wie Quecke durch Zerteilen vermehren.

Ob sich ein motorisiertes Bodenbearbeitungsgerät überhaupt lohnt, hängt von Einsatzhäufigkeit und Flächengröße ab, außerdem vom Aufwand für Reinigung, Wartung und Reparatur. Meine Handgeräte reinige und repariere ich vor dem Einwintern, öle die Metallteile und reibe die Holzstiele mit Leinöl ein.

Umgraben, Kompost und Gründüngung

Umgraben zur Frostgare ist nur dort sinnvoll, wo du anschließend mit einem Durchfrieren des Bodens rechnen kannst. Kompost arbeitest du nur oberflächlich ein, weil tiefer im Boden bei Sauerstoffmangel pflanzenschädigende Fäulnisprodukte entstehen können.

Nach der Ernte übernimmt im Beet eine Gründüngung die Rolle der Zwischenfrucht, weil sie freigesetzte Nährstoffe bindet und deren Auswaschung vermindert. Zerkleinert bleibt sie als Mulch liegen oder wird flach eingearbeitet; bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung sollten dann meist 2 bis 3 Wochen vergehen. Gelbsenf und Ölrettich zählen wie Kohl zu den Kreuzblütlern und brauchen in der Gemüsefruchtfolge eine Anbaupause von 3 bis 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern. Solche Anbaupausen kannst du direkt im Beetplaner einplanen.

Mini-Checkliste

Vor dem Lockern im Beet

  • An Sauzahn oder Kultivator haftet keine Erde mehr.
  • Die Spatenprobe zeigt, dass der Oberboden tatsächlich gestört ist.
  • Der Sauzahn läuft kreuzweise und wendet die Schichten nicht.
  • Wurzelunkräuter stichst du aus, statt sie zu zerfräsen.

Häufige Fragen

Was ist ökologisches Grubbern und wie unterscheidet es sich von der konventionellen Bodenbearbeitung?
Beim Grubbern wird der Boden gelockert und durchmischt, aber nicht gewendet wie beim Pflügen. Diese geringere Störung kann größere und vielfältigere Populationen von Bodenorganismen fördern, auch von Regenwürmern. Bleibt bei der Mulchsaat zusätzlich eine Schicht organischen Materials an der Oberfläche, schützt sie den Boden vor Erosion und Verschlämmung.
Warum ist die richtige Arbeitstiefe beim Grubbern entscheidend?
Die Tiefe richtet sich nach dem Ziel des Arbeitsgangs. Gegen Wurzelunkräuter nach der Getreideernte wird der erste ganzflächig schneidende Arbeitsgang mit Flügel- oder Gänsefußscharen in 5 bis 10 cm Tiefe gefahren. Zusätzliche Lockerung gehört nur auf Oberböden, die tatsächlich gestört sind, weil unnötige Eingriffe das vorhandene Bodengefüge zerstören können.
Welcher Zeitpunkt eignet sich am besten für die Durchführung des ökologischen Grubberns?
Maßgeblich ist die Bodenfeuchte, denn trockener Boden ist tragfähiger. Auf feuchtem Boden können Reifen schädliche Verdichtungen auch in tieferen Schichten verursachen. Im Ackerbau folgt die Stoppelbearbeitung auf die Getreideernte, im Garten wartest du, bis keine Erde mehr an den Geräten haftet.
Worin unterscheiden sich Grubber und Pflug in ihrer Wirkung auf die Bodenorganismen?
Der Pflug wendet den Boden, der Grubber lockert und durchmischt ihn nur. Diese geringere Bodenstörung kann größere und vielfältigere Populationen von Bodenorganismen fördern, Regenwürmer eingeschlossen. Regenwurmgänge wiederum unterstützen die Durchlüftung des Bodens und die Versickerung von Wasser.
Wie lässt sich ökologisches Grubbern in die Fruchtfolge integrieren?
Ein typischer Einsatz ist die Stoppelbearbeitung nach der Getreideernte. Danach sollte sich rasch eine gut deckende Zwischenfrucht etablieren, weil sie Unkräuter durch Lichtkonkurrenz unterdrückt. Im Gemüsebeet zählt dabei die Pflanzenfamilie: Gelbsenf und Ölrettich sind wie Kohl Kreuzblütler und brauchen eine Anbaupause von 3 bis 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern.
Ist konservierende Bodenbearbeitung weniger effektiv als konventionelles Pflügen?
Pauschal lässt sich das weder bejahen noch verneinen. In ökologischen Dauerfeldversuchen unterschieden sich die Ertragswirkungen pflugloser Bearbeitung zwischen den Standorten, wesentlich waren Unkrautdruck und Witterung. Auch beim Kraftstoff braucht reduzierte Bodenbearbeitung nicht zwangsläufig weniger als das Pflügen, denn es kommt auf die Zahl der Überfahrten an.
Welche praktischen Schritte sind bei der Saatbettbereitung mit dem Grubber zu beachten?
Zuerst prüfst du die Bodenfeuchte: Haftet noch Erde am Gerät, ist der Boden noch nicht weit genug abgetrocknet. Im Garten ziehst du einen Sauzahn in kreuzenden Bahnen mit etwa 20 cm Abstand durch das Beet, ohne die Bodenschichten zu wenden. Ein Handkultivator lockert flach und bereitet das Saatbett vor. Für die Aussaat soll der Boden mäßig feucht und locker sein, und seine Oberfläche darf bis zum Auflaufen nicht hart verkrusten.
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