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Pferde- und Rinderdung im Bio-Garten: Öko-Regeln, Herkunft, Kosten und Umwelt

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Im privaten Garten können die Regeln des Ökolandbaus als Orientierung für biologisches Gärtnern dienen.
  • Stallmist und kompostierter Stallmist dürfen im Ökolandbau nicht aus industrieller Tierhaltung stammen.
  • Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft liefert dort insgesamt höchstens 170 kg Stickstoff je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und Jahr.
  • Im Garten sollte Rinder- oder Pferdestallmist wegen der Phosphatzufuhr 3 kg je m² nicht überschreiten.
  • Mist kann Herstellungsenergie gegenüber synthetischen Düngern einsparen, verhindert Auswaschung aber nicht automatisch.
Misthaufen aus Stallmist als organischer Naturdünger
Foto: Antranias · Pixabay Content License · Quelle ↗

Bietet dir ein Reitstall oder ein Bauernhof Mist an, liegt der Gedanke an einen Bio-Dünger nahe. Ob die Fuhre in deinen Bio-Garten passt, entscheiden aber die Herkunft, die Behandlungen der Tiere und die Menge, die deine Fläche verträgt. Ich frage deshalb vor dem Aufladen nach, wie die Tiere gehalten werden und ob sie Tierarzneimittel bekommen haben.

Kurz erklärt

Stallmist besteht aus Kot und Harn der Tiere zusammen mit Einstreu, meist Stroh. Pferde- und Rindermist zählen zu den Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft, für die im Ökolandbau eigene Regeln gelten.

Welche Öko-Regeln für Pferde- und Rinderdung gelten

Welche Düngemittel und Bodenverbesserer in der ökologischen Produktion zulässig sind, führt Anhang II der Durchführungsverordnung (EU) 2021/1165 auf. Die dort genannten Beschränkungen sind ebenso einzuhalten wie zusätzliche düngerechtliche Anforderungen. Für Stallmist und kompostierten Stallmist gilt eine Herkunftsgrenze: Beide dürfen nicht aus industrieller Tierhaltung stammen. Hornmehl und Wolle sind in der Öko-Positivliste enthalten.

Bei der Menge zählt der Stickstoff. Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft darf im EU-Ökolandbau insgesamt höchstens 170 kg Stickstoff je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und Jahr liefern. Öko-Betriebe müssen außerdem bei verwendeten Düngemitteln Zeitpunkt, Produktbezeichnung, Menge, Kulturen und Parzellen dokumentieren.

Chemisch-synthetische Stickstoffdünger sind im ökologischen Landbau verboten, bestimmte mineralische Dünger wie Kalke oder Kaliumsulfat dagegen zulässig. Stickstoff kommt dort deshalb etwa aus Mist und Horndüngern oder von Leguminosen, die mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden können.

Was davon in deinem Garten gilt

Im privaten Selbstversorgergarten können die Regeln der ökologischen Landwirtschaft als Orientierung für biologisches Gärtnern dienen. Die Düngeverordnung regelt vorrangig landwirtschaftlich genutzte Flächen und erfasst andere Flächen nur, soweit sie das ausdrücklich bestimmt. Auch die Stickstoffgrenze des Ökolandbaus ist als Wert je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche formuliert.

Für dein Beet gibt es eine eigene Gartenempfehlung: Rinder- oder Pferdestallmist sollte im Garten 3 kg je m² nicht überschreiten, damit die Phosphatzufuhr begrenzt bleibt. Während die Öko-Regel den Stickstoff je Hektar begrenzt, setzt die Grenze im Garten also beim Phosphat an.

Woher der Mist kommt, zählt mit

Mist hat keine feste, überall gleiche NPK-Zusammensetzung. Seine Nährstoffkonzentration schwankt mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil. Bei Pferdemist spielen zusätzlich Haltungsform, Tieralter sowie Art und Dauer der Lagerung eine Rolle.

Frischer Pferde- und Rindermist kann außerdem Unkrautsamen, Krankheitserreger sowie Rückstände und Abbauprodukte von Tierarzneimitteln enthalten. Pferdemist sollte deshalb möglichst aus bekannten Haltungen stammen, denn Angaben zu Behandlungen fehlen häufig. Rückstände von Antiparasitika im Pferdemist können auch bodenlebende Protozoen und wirbellose Tiere beeinträchtigen. Stallmist dient Bodenorganismen als Nahrung, mit Rückständen belasteter Mist kann also genau die Lebewesen treffen, für die du ihn ausbringst.

Mini-Checkliste

Das frage ich am Hof, bevor ich Mist mitnehme:

  • Welche Tiere stehen im Stall, und wie werden sie gehalten?
  • Wurden die Tiere mit Tierarzneimitteln behandelt, etwa mit Antiparasitika?
  • Welche Einstreu wird verwendet?
  • Seit wann lagert der Mist?
Marias Erfahrung

Öko-Betriebe dokumentieren ihre Dünger, und ich halte es im Kleinen genauso. Für jede Fuhre notiere ich Hof, Tierart, Datum und die Auskunft zu Behandlungen in meiner Gartenmappe. Dazu schreibe ich, auf welche Fläche der Mist gekommen ist.

Gekaufter Mistdünger: was „biotauglich“ bedeutet

Im Handel gibt es Mist auch getrocknet, pelletiert oder als Fertigkompost. Welche Form zu welcher Kultur passt, liest du im Ratgeber zu den Handelsformen von Pferde- und Rinderdung. Für den Bio-Garten zählt eine zweite Frage: Ist das konkrete Produkt öko-konform?

Die Betriebsmittelliste Deutschland dokumentiert die FiBL-Prüfung auf Öko-Konformität. Du suchst dort das Handelsprodukt über seinen Produkt- oder Firmennamen. Eine Listung bestätigt die geprüfte Verwendbarkeit, aber keine geprüfte Düngewirksamkeit. Ob ein Öko-Betrieb ein gelistetes Produkt konkret einsetzen darf, entscheidet die zuständige Kontrollstelle. Eine Betriebsmittelzertifizierung nach dem GGBM-Standard umfasst Dokumentenprüfung, Produktanalysen und Inspektionen der Herstellungsstätten.

Häufiger Fehler

Auf dem Düngersack nach dem EU-Bio-Logo suchen. Biotaugliche Düngemittel dürfen nicht mit diesem Logo gekennzeichnet werden, deshalb führt dich der Blick in die Betriebsmittelliste weiter.

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Wo Mist im Bio-Garten nicht passt

Eine Gartenfläche sollte entweder Kompost oder Stallmist erhalten, weil beide zugleich organische Substanz und Nährstoffe zuführen. Ich lagere zugekauften Mist deshalb getrennt vom Gartenkompost, damit ich ihn nicht versehentlich auf eine Kompostfläche gebe.

Kulturheidelbeeren brauchen sauren Boden und bekommen weder Mist noch üblichen Gartenkompost, weil deren Kalkgehalt meist zu hoch ist. Bei Lavendel können stark stickstoffhaltige Dünger und Mist zu weichem, instabilem Wuchs führen.

In Wasserschutzgebieten können örtliche Schutzverordnungen oder behördliche Entscheidungen bestimmte Handlungen verbieten oder einschränken. Lies dann die Schutzverordnung für dein Gebiet, bevor du Mist ausbringst.

Achtung

Trag beim Umgang mit Mist Handschuhe und wasch dir danach gründlich die Hände. Gemüse aus gedüngten Beeten wäschst du nach der Ernte gründlich. Auch eine Lagerung von mindestens einem Jahr ersetzt keinen Hygienenachweis, und eine Rotte im Hausgarten macht Mist nicht nachweislich keimfrei.

Kurz angerissen: lagern, kompostieren, ausbringen

Für den Gemüsegarten sollte Stallmist mindestens ein Jahr gelagert sein, eine Kompostierung mit Pflanzenresten ist zusätzlich empfehlenswert. Gut kompostierter Mist wird mürbe und riecht meist angenehm. Wie du frischen Mist lagerst und kompostierst, beschreibt der Ratgeber vom frischen Mist zum gebrauchsfertigen Dünger.

Abgelagerter Stallmist wird im Frühjahr vor der Pflanzung flach in Beete für Starkzehrer wie Kohl, Tomaten, Gurken oder Zuckermais eingearbeitet. Wie viel du wann ausbringst und wie du die Gabe auf Bodentyp und pH-Wert abstimmst, steht im Ratgeber zu Dosierung, Zeitpunkt und Einarbeitung von Mist. Welche deiner Beete Starkzehrer tragen, planst du mit der Zehrer-Einstufung im Beetplaner.

Wie Mist wirtschaftlich abschneidet

Für die Kosten zählt zuerst die Anrechnung. Die Nährstoffe aus Stallmist ziehst du bei der Berechnung zusätzlicher Düngergaben ab. Jeder angerechnete Nährstoff verringert die Menge, die du an Dünger zukaufen musst.

Als Stickstoffquelle bringt Mist je Kilogramm wenig mit. Rindermist enthält als durchschnittlicher Tabellenwert etwa 0,5 % Gesamtstickstoff, einzelne Chargen weichen ab. Pferdemist liegt bei etwa 0,4 %. Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl enthalten dagegen typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff. Dafür liefert Mist neben Nährstoffen organische Substanz, die Humusversorgung und Bodenstruktur verbessern kann.

Zahl im Blick

In einer Versuchskalkulation für den Erwerbsgartenbau ergeben 12 % Stickstoff im Hornmehl und 80 € je 100 kg Dünger Kosten von 6,67 € je kg Gesamtstickstoff. Für Mist setzt du den Stickstoff je Tonne Frischmasse an: etwa 3,6 bis 5,7 kg bei Pferdemist, etwa 3,7 bis 6 kg bei Rindermist. Dein Preis je Tonne geteilt durch diesen Wert ergibt die Kosten je kg Gesamtstickstoff. Phosphat, Kalium und organische Substanz bildet diese Rechnung nicht ab.

Pferdemist setzt seinen Stickstoff vergleichsweise langsam frei und ist kein schnell wirkender Stickstoffdünger. Ein Preis je Kilogramm Gesamtstickstoff sagt deshalb wenig darüber, was deine Pflanzen in der laufenden Saison davon haben.

Wie Mist ökologisch abschneidet

Die Herstellung synthetischer Düngemittel ist energieaufwendig und mit Ressourcenverbrauch sowie Treibhausgasemissionen verbunden. Mist als organischer Dünger kann gegenüber synthetischen Düngemitteln Ressourcen und Herstellungsenergie einsparen. Kompostierter Mist verbessert zudem die Bodenstruktur, fördert das Bodenleben und gibt Nährstoffe langsam frei. Auf leichten Sandböden verbessert Stallmist die Wasserhaltefähigkeit, auf schweren Lehmböden den Lufthaushalt. Die Grundlagen dazu stehen im Abschnitt über Humus, Bodenleben und Bodenanalyse.

Jede Mistgabe bringt aber auch Phosphat und Kalium in den Boden.

Je Tonne Frischmasse Gesamtstickstoff Phosphat (P₂O₅) Kaliumoxid (K₂O) Bezug für Phosphat und Kali
Pferdemist etwa 3,6 bis 5,7 kg 2,7 kg 9,3 kg 30 % Trockenmasse
Rindermist etwa 3,7 bis 6 kg 2,5 kg 5,9 kg gering eingestreut, 18,5 % Trockenmasse

Die Stickstoffwerte sind veröffentlichte Orientierungswerte, die von Datengrundlage und Mistbeschaffenheit abhängen. Die Phosphat- und Kaliwerte sind LfL-Vergleichswerte für die angegebene Trockenmasse. Tabellenwerte ersetzen keine Untersuchung der konkreten Charge. Wie sich die beiden Mistarten in Nährstoffen, Struktur und Bodenwirkung unterscheiden, vergleicht der Ratgeber zu den Unterschieden von Pferde- und Rinderdung.

Übermäßige Phosphoreinträge fördern das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen, deren Abbau im Gewässer Sauerstoff verbraucht. Nitrat kann mit dem Sickerwasser ins Grundwasser gelangen, besonders nach der Ernte, wenn Pflanzen nichts mehr aufnehmen und starke Niederschläge fallen. Ein hohes Stickstoffangebot im Boden kann außerdem die Nitratanreicherung in Gemüse fördern. Das spricht nicht gegen Gemüse, wohl aber für bedarfsgerechtes Düngen.

Mythos-Check

„Organischer Dünger wäscht nicht aus.“ Das stimmt so nicht. Auch im Ökolandbau können Stickstoffverluste auftreten, organische Düngung verhindert Auswaschung also nicht automatisch. Feuchtwarme Bedingungen begünstigen bei organischen Düngern eine starke Nährstofffreisetzung und damit Auswaschungsrisiken.

Im Hausgarten wird eine Bodenanalyse etwa alle 3 bis 5 Jahre empfohlen. Zeigt sie für Phosphat die sehr hohe Versorgungsstufe E, wird dieser Nährstoff vorübergehend nicht zusätzlich gedüngt. Weil Mist Phosphat immer mitbringt, ist er auf einer solchen Fläche dann keine passende Grundgabe.

Häufige Fragen

Warum eignen sich Pferde- und Rinderdung für den Bio-Anbau?
Im ökologischen Landbau sind chemisch-synthetische Stickstoffdünger verboten, Stallmist darf dagegen eingesetzt werden, solange er nicht aus industrieller Tierhaltung stammt. Mist liefert neben Nährstoffen organische Substanz, die Humusversorgung und Bodenstruktur verbessern kann. Kompostierter Mist fördert zudem das Bodenleben und gibt Nährstoffe langsam frei. Im privaten Garten können die Öko-Regeln als Orientierung dienen.
Welche Regeln gelten nach der EU-Öko-Verordnung für Tierdung?
Im EU-Ökolandbau darf Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft insgesamt höchstens 170 kg Stickstoff je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und Jahr liefern. Stallmist und kompostierter Stallmist dürfen nicht aus industrieller Tierhaltung stammen. Öko-Betriebe müssen bei verwendeten Düngemitteln Zeitpunkt, Produktbezeichnung, Menge, Kulturen und Parzellen dokumentieren. Im privaten Selbstversorgergarten können diese Regeln als Orientierung für biologisches Gärtnern dienen.
Worauf achte ich bei der Herkunft von Pferde- und Rinderdung für den Bio-Garten?
Im Ökolandbau darf Stallmist nicht aus industrieller Tierhaltung stammen. Pferdemist sollte möglichst aus bekannten Haltungen kommen, weil Tierarzneimittelrückstände enthalten sein können und Angaben zu Behandlungen häufig fehlen. Rückstände von Antiparasitika können bodenlebende Protozoen und wirbellose Tiere beeinträchtigen. Frag deshalb am Hof nach Haltung und Behandlungen der Tiere.
Woran erkenne ich, ob gekaufter Mistdünger öko-konform ist?
Such das konkrete Handelsprodukt über den Produkt- oder Firmennamen in der Betriebsmittelliste Deutschland, die die FiBL-Prüfung auf Öko-Konformität dokumentiert. Das EU-Bio-Logo hilft dir dabei nicht, denn biotaugliche Düngemittel dürfen damit nicht gekennzeichnet werden. Eine Listung bestätigt die geprüfte Verwendbarkeit, aber keine geprüfte Düngewirksamkeit.
Welche Nährstoffe enthalten Pferde- und Rinderdung?
Pferde- und Rindermist liefern Stickstoff, Phosphat und Kalium, deren Gehalte mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil schwanken. Rindermist enthält als durchschnittlicher Tabellenwert etwa 0,5 % Gesamtstickstoff. Pferdemist liegt bei etwa 0,4 % und setzt seinen Stickstoff vergleichsweise langsam frei. Tabellenwerte ersetzen keine Untersuchung der konkreten Charge.
Stimmt es, dass frischer Mist besser wirkt als kompostierter Dung?
Für den Garten wird abgelagerter statt frischer Mist empfohlen. Frischer Pferde- und Rindermist kann keimfähige Unkrautsamen, Krankheitserreger und Tierarzneimittelrückstände enthalten. Bei Pferdemist liegt das C/N-Verhältnis häufig über 30:1, was die Rotte verlangsamen und vorübergehend pflanzenverfügbaren Stickstoff binden kann. Im Gemüsegarten sollte Stallmist mindestens ein Jahr gelagert sein, einen Hygienenachweis ersetzt diese Lagerdauer aber nicht.
Verhindert Mist als natürlicher Dünger Überdüngung und Auswaschung?
Nicht automatisch: Auch organische Dünger können bei übermäßiger Anwendung Pflanzen und Umwelt belasten. Selbst im Ökolandbau können Stickstoffverluste auftreten. Feuchtwarme Bedingungen begünstigen bei organischen Düngern eine starke Nährstofffreisetzung und damit Auswaschungsrisiken. Rechne die Nährstoffe aus Mist deshalb an, bevor du zusätzlich düngst.
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