Gärtnern mit Kindern: Mithelfen, Naschen und Insekten entdecken
- Kinder übernehmen unter Aufsicht einfache Aufgaben wie Laubrechen und Gießen mit kleinen Kannen.
- Gegossen wird direkt im Wurzelbereich, damit die Blätter möglichst trocken bleiben.
- Naschen nur nach Rückfrage bei einer erwachsenen Person, die Ernte vorher mit Trinkwasser abspülen.
- Grüne Gartenbohnen nur ausreichend gegart essen, bittere Zucchini sofort ausspucken.
- Schwebfliegen besuchen Blüten, ihre Larven fressen Blattläuse: Kinder können beide beobachten.
- Ein umgedrehter Blumentopf mit Holzwolle wird zum Unterschlupf für Ohrwürmer.
Wenn Kinder im Garten mithelfen, gebe ich ihnen echte Arbeit: eine kleine Kanne, ein Stück Beet zum Jäten, einen Korb für die Kartoffelernte. Dazu gehören von Anfang an feste Regeln, denn im Garten wächst nicht nur Essbares. Beides zusammen macht das Gärtnern mit Kindern entspannt, für die Kleinen und für dich.
Gärtnern mit Kindern: Pädagogik ohne Lehrplan
Für das Gärtnern mit Kindern brauchst du kein pädagogisches Konzept, aber eine feste Reihenfolge. Ich lasse zuerst machen, dann schauen wir gemeinsam hin, und erklärt wird zum Schluss. Die Fragen liefert der Garten dabei selbst. Warum gießen wir an die Wurzel und nicht über die Blätter? Wer frisst eigentlich die Blattläuse?
Ich wähle Aufgaben, deren Ergebnis das Kind selbst sieht. Das ist die dunkle, feuchte Erde nach dem Gießen, die ausgegrabene Knolle oder die ganze Wurzel im Unkrauteimer. Eine Aufgabe, die das Kind allein schafft, gebe ich ihm ganz ab. Dann ist es für dieses Stück Garten zuständig.
Spielen gehört dazu. Lässt sich ein Kind beim Jäten von einem Regenwurm ablenken, schauen wir uns eben gemeinsam den Regenwurm an. Für das freie Spiel im Garten reichen Sandspielzeug, Kreide und Geräte in Kindergröße.
Eine neue Aufgabe machen wir immer erst einmal zusammen. Ich sage dabei laut, worauf ich achte. Beim zweiten Mal erklärt mir das Kind die Schritte, und erst danach arbeitet es allein.
Mithelfen im Alltag: Aufgaben für Kinderhände
Unter Aufsicht schaffen Kinder einfache Gartenaufgaben, zum Beispiel Laub rechen oder mit kleinen Kannen gießen. Jede Aufgabe braucht einen klaren Handgriff, den sich das Kind merken kann. Diese Arbeiten gebe ich gern an Kinder ab:
| Aufgabe | So macht das Kind mit | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Gießen | mit einer kleinen Kanne direkt in den Wurzelbereich | die Blätter bleiben möglichst trocken |
| Laub rechen | Laub von Rasen und Wegen zusammenholen | in dünnen Lagen darf es auf abgeräumten Beeten oder zwischen Stauden liegen bleiben |
| Mulchen | angewelkten Grasschnitt im Gemüsebeet verteilen | nur so dünn, dass der Boden noch durchscheint, bei Bedarf erneuern |
| Jäten | Wurzelunkraut wie Quecke samt Wurzel herausziehen | zurückbleibende Wurzelstücke können wieder austreiben |
| Ernten | bei Mangold nur die äußeren Blätter abnehmen | die Herzblätter bleiben für den weiteren Austrieb stehen |
| Geräte pflegen | in der Winterpause Gartengeräte reinigen | das Schärfen von Scheren und Messern übernimmst du |
Tomaten vorsichtig zu rütteln ist eine gute Aufgabe für Kinder, die schon behutsam mit Pflanzen umgehen. Das Rütteln kann die Selbstbestäubung unterstützen, weil dabei Pollen auf die Narbe gelangt. Nebenbei kannst du erklären, wie aus einer Blüte eine Frucht wird.
Gießen: an die Wurzel, nicht über die Blätter
Gießen machen Kinder meist besonders gern. Zeig dem Kind, wie es die Kanne unten an der Pflanze ansetzt. Gemüse bekommt sein Wasser direkt im Wurzelbereich, damit die Blätter möglichst trocken bleiben.
Für einen durchdringenden Gießgang im Gemüsebeet sind etwa 20 bis 25 l/m² vorgesehen, solange der Unterboden noch leicht feucht ist. Eine kleine Kinderkanne ersetzt diesen Gießgang also nicht. Ich lasse das Kind zuerst gießen und gieße danach dort nach, wo die Erde noch trocken aussieht. Wie du Gießgänge grundsätzlich planst, steht in den Grundlagen zum Gießen im Gemüsegarten.
Holt ihr das Gießwasser aus der Regentonne, muss sie kippsicher stehen und einen Deckel haben, damit kein Kind hineinfallen kann. Wie du den ganzen Garten sicher und familienfreundlich mit Spielbereichen gestaltest, zeigt ein eigener Ratgeber.
Jäten als Suchauftrag
Jäten steht bei Kindern selten ganz oben auf der Liste. Ich mache daraus einen Suchauftrag und zeige vorher eine Pflanze, die bleiben soll, und eine, die raus darf. Bei Wurzelunkräutern wie Quecke oder Disteln kommt es auf die ganze Wurzel an, weil zurückbleibende Wurzelstücke wieder austreiben können. Leg eine abgerissene und eine ganze Wurzel nebeneinander, dann sieht das Kind den Unterschied selbst. Disteln fasst das Kind nur mit Handschuhen an. Hör auf, solange das Kind noch Lust hat.
Ernten: Schatzsuche mit Regeln
Die Kartoffelernte ist für Kinder eine Schatzsuche. Lagerkartoffeln holt ihr bei trockenem Wetter aus der Erde, und zwar erst etwa zwei Wochen nach dem Absterben des Laubes. Grabt schonend, damit die Knollen heil bleiben. Grüne Knollen sortiert das Kind gleich aus, denn grüne oder stark keimende Kartoffeln werden nicht gegessen. Der Rest kommt kühl, dunkel und trocken ins Lager.
Bei Mangold pflückt das Kind nur die äußeren Blätter samt Stiel. Die Herzblätter bleiben stehen, damit die Pflanze weiter austreibt. Wie ihr Gemüse insgesamt erntet und lagert, findest du in den Grundlagen zur Gartenplanung.
Naschen erlaubt: mit festen Regeln
Naschen direkt im Beet gehört für Kinder zum Gärtnern dazu. Bei uns gelten dafür ein paar Regeln, über die nicht verhandelt wird. Vor dem Essen fragt das Kind eine erwachsene Person, ob die Pflanze essbar ist. Die Ernte wird vorher mit Trinkwasser abgewaschen, und nach der Gartenarbeit waschen alle gründlich die Hände. Weil zum Abspülen Trinkwasser gehört, bleibt das Wasser aus der Regentonne fürs Gießen.
Manches Gemüse ist roh tabu, auch wenn es im Beet reif aussieht. Grüne Gartenbohnen enthalten in Samen und Hülsen Phasin und kommen nur ausreichend gegart auf den Teller. Schmeckt eine Zucchini oder ein Kürbis bitter, spuckt das Kind das Stück aus, und die Frucht wird entsorgt. Auch Erhitzen zerstört die giftigen Cucurbitacine nicht.
Bei der Großen Kapuzinerkresse darf mehr in den Mund: Blätter, Blüten und Knospen sind essbar. Mit den Blüten kann ein Kind den Salat dekorieren.
Blauer Eisenhut ist stark giftig und gehört deshalb nicht in einen kinderfreundlichen Garten. Bei notwendigen Gartenarbeiten an der Pflanze trägst du Handschuhe.
Kinderbeet, Naschsorten und Werkzeug: kurz gefasst
Ein eigenes kleines Beet gibt dem Kind einen Bereich, für den es selbst zuständig ist. Dazu gehört Werkzeug in Kindergröße, denn Geräte für Erwachsene sind für Kinderhände zu groß und zu schwer. Wie du ein Kinderbeet anlegst, Naschsorten auswählst und passendes Werkzeug findest, zeigt der Ratgeber zu Gartenprojekten mit Kindern.
Insekten entdecken: Schwebfliegen, Marienkäfer, Regenwürmer
Bei Tieren passiert für Kinder mehr als bei Pflanzen: Es krabbelt, fliegt und gräbt. Für alle Tiere gilt bei uns dieselbe Regel. Anschauen ja, festhalten nur kurz, und jedes Tier kommt an seinen Fundort zurück.
Schwebfliegen: ein Tier, zwei Fundorte
Erwachsene SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. besuchen Blüten. Ungefüllte Korbblüten und Doldenblüten bieten ihnen Pollen und Nektar, an die sie gut herankommen. Ihre Larven fressen Blattläuse und lassen sich an Blattlauskolonien beobachten. Hat dein Garten ungefüllte Korb- oder Doldenblüten und irgendwo eine Blattlauskolonie, kann ein Kind also beide Lebensabschnitte desselben Tiers finden: die fliegende Schwebfliege an der Blüte und die Larve zwischen den Läusen.
Sucht gemeinsam eine Blattlauskolonie und schaut mit einer Lupe nach den Larven. Danach setzt ihr euch an ungefüllte Blüten und wartet auf die erwachsenen Schwebfliegen. Das Kind malt anschließend beide Formen nebeneinander auf.
Marienkäfer, Bienen und Regenwürmer
Marienkäfer dürfen über die Hand krabbeln. An Bienen und Schmetterlingen lässt sich zeigen, wie Blüten bestäubt werden. Regenwürmer fressen Pflanzenreste und machen daraus neue Erde, beim Umsetzen des Komposts kann das Kind nach ihnen suchen.
Reifer Kompost ist feinkrümelig, dunkelbraun und riecht nach Walderde. Lass das Kind daran riechen und ihn zwischen den Fingern zerkrümeln. Danach geht es zum Händewaschen.
Wachstum beobachten: Sonnenblume, Keimprobe, Samen
Die Sonnenblume als Messlatte
An einer Sonnenblume kann ein Kind Wachstum mit dem Zollstock nachmessen. Gesät wird von April bis Mai direkt ins Beet. Alternativ ziehst du sie früh im Gewächshaus vor, mit zwei bis drei Samen pro Topf. Später bleibt nur der kräftigste SämlingSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. stehen, und das Aussuchen übernimmt das Kind. Die Sonnenblume braucht einen sonnigen Platz, hohe Pflanzen bekommen gegebenenfalls eine Stütze.
Schlagt dafür einen Stab neben die Pflanze und markiert daran die Höhe, jedes Mal mit Datum. Die Gemeine Sonnenblume gilt außerdem als nützlingsfreundlich, an der Blüte könnt ihr gleich nach Insekten schauen.
Die Sonnenblume ist einjährigEinjährige, auch Annuelle genannt, sind Pflanzen, deren Lebenszyklus üblicherweise innerhalb eines Jahres beendet ist. Sie legen als Pflanze keine Ruhezeit ein, nur ihre Samen überdauern ungünstige Zeiten., und stehen gelassene Fruchtstände bieten Gartenvögeln im Herbst und Winter Nahrung. Den verblühten Kopf müsst ihr also nicht abräumen: Bleibt er stehen, kann das Kind im Winter Vögel daran beobachten.
Die Gemeine Sonnenblume auf einen Blick.
- Aussaat: April bis Mai, direkt ins Beet oder früh im Gewächshaus
- Keimdauer: 7 bis 20 Tage
- Blütezeit: Juni bis Oktober
- Wuchshöhe: 30 bis 500 cm
- Lebensdauer: einjährig, nicht winterhart
Keimprobe auf der Fensterbank
Eine KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt. ist ein kleines Experiment zum Zählen. Ihr zählt die Samen genau ab und sät sie aus. Keimen innerhalb von zwei bis drei Wochen nur wenige, kommt dichteres Säen oder neues Saatgut infrage. Ich lasse das Kind beide Werte aufschreiben: wie viele Samen gesät wurden und wie viele aufgegangen sind.
Die Keimlinge aus der Probe sind zum Zählen da, nicht zum Essen. Selbst gezogene Sprossen und Keimlinge werden nur durcherhitzt gegessen.
Samen sammeln fürs nächste Jahr
Beim Samensammeln sieht das Kind, dass aus der Pflanze wieder Saatgut wird. Gartenkresse lasst ihr dafür ausreifen und reibt die Samen aus. Verpackt werden sie erst, wenn sie vollständig getrocknet sind. Papiertütchen falten und beschriften ist danach die Bastelaufgabe.
Bei HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. wächst aus selbst gesammelten Samen keine zuverlässig sortenechte Pflanze nach. Kürbiskerne aus der eigenen Ernte säe ich mit Kindern nicht aus. Hat ein Zierkürbis eingekreuzt, können daraus in der nächsten Generation bittere und giftige Früchte wachsen.
Basteln im Garten: kleine Projekte mit Kindern
Ohrwurmtopf
Ein umgedrehter Blumentopf, mit Holzwolle gefüllt, dient Ohrwürmern als Unterschlupf. Das Stopfen der Holzwolle schafft ein Kind allein, das Anbringen übernehme ich. Den Platz sucht das Kind aus, und zwar so, dass es ohne Umweg nachschauen kann. Wer drinnen wohnt, wird angeschaut und bleibt drin.
Steine als Pflanzschilder
Bemalte Steine ersetzen im Gemüsegarten die Pflanzschilder. Sucht gemeinsam flache Steine und malt Erbsen, Radieschen oder Möhren darauf. Jeder Stein kommt neben die Reihe, die er zeigt. Beim Hinlegen sagt das Kind laut, was in dieser Reihe wächst.
Samenbomben
Samenbomben sind ein Matschprojekt. Mischt lehmige Erde mit Kompost und arbeitet Blumensamen ein, bis sich die Masse zu Kugeln formen lässt. Nehmt dafür Blumen mit ungefüllten Korb- oder Doldenblüten, denn die bieten später auch den Schwebfliegen Nahrung. Die Kugeln lasst ihr trocknen und verteilt sie danach im eigenen Garten oder verschenkt sie.
Anzuchttöpfe aus Zeitung und Papprollen
An Regentagen basteln wir drinnen Anzuchttöpfe aus Zeitungspapier oder leeren Toilettenpapierrollen. Das Kind füllt sie mit Erde und sät ein. Torffreie Erde trocknet an der Oberfläche rasch ab, deshalb prüft der Finger die Feuchte weiter unten. Diese Fingerprobe kann das Kind selbst machen. Mehr Ideen, wie aus Alltagsdingen Gartenobjekte werden, findest du bei den Upcycling-Projekten vom Gummistiefeltopf bis zum Kabeltrommeltisch.
Beetplan zeichnen
Mit Schulkindern zeichne ich das Beet maßstabsgetreu auf Papier. Für Beetpläne passt der Maßstab 1:50. Dann wird jeder Meter im Beet auf dem Papier zu 2 cm. Eingetragen wird, welches Gemüse wo steht und wann es das Beet belegt, samt Vor- und NachkulturEine Nachkultur ist Gemüse, das im Sommer auf einem frei gewordenen Beet gesät oder gepflanzt wird, nachdem die erste Kultur abgeerntet ist. Es wird noch vor den ersten Frösten reif oder bleibt über den Winter stehen.. Wer mag, überträgt den Plan danach gemeinsam mit dem Kind in einen digitalen Beetplan und schaut nach, welche Nachbarn im Beet zusammenpassen.

