Astschere richtig einsetzen: So schneidest du Äste sauber, kraftsparend und sicher
- Eine Astschere ist als Orientierung für Äste bis etwa 4,5 cm Durchmesser gedacht, dickere Äste sägst du ab.
- Angegebene Schnittgrenzen reizt du besonders bei hartem, trockenem Holz nicht aus.
- Bypass-Scheren schneiden präzise an frischem Holz, Amboss-Scheren haben ihre Stärke bei hartem, trockenem Totholz.
- Den Astring lässt du unverletzt, beim Einkürzen setzt du kurz über einer nach außen gerichteten Knospe an.
- Klemmt die Klinge, öffnest du die Schere wieder und nimmst die Säge, statt zu hebeln.
- Hände bleiben aus dem Schnittbereich, hohe Äste schneidest du vom festen Boden aus.
Klemmt die Astschere im Holz und du drückst mit aller Kraft nach, riskierst du gequetschte Rinde und eine überlastete Schere. Ich entscheide deshalb vor jedem dickeren Ast, ob er noch zur Schere passt oder schon zur Säge gehört. Die Astschere, vielerorts auch Astschneider genannt, arbeitet mit zwei Händen und langen Griffen. Damit schafft sie mehr als eine Gartenschere, aber nicht jeden Ast.
Wann ist die Astschere das passende Werkzeug?
Die Astschere ist für Äste da, die für die Gartenschere zu dick sind, aber noch keine Säge brauchen. Ich messe nicht jeden Ast nach, schaue mir vor dem Ansetzen aber Dicke und Holz genau an.
Eine Gartenschere nimmst du als Orientierung für dünnere Zweige bis etwa 2 cm Durchmesser. Die Astschere ist als Orientierung für Äste bis etwa 4,5 cm Durchmesser gedacht. Was dicker ist oder mit der Schere nicht erreichbar, gehört zu einer geeigneten Säge.
Auch die Schnittkapazität, die der Hersteller auf der Schere angibt, ist nur eine Orientierung. Bei hartem, trockenem Holz reizt du sie nicht vollständig aus. Ein trockener Ast nahe an 4,5 cm gehört deshalb eher unter die Säge, auch wenn er rechnerisch noch in die Astschere passt.
Für dünnere Zweige bleibt die Handschere zuständig. Welche Gartenscheren es gibt und für welchen Schnitt sie sich eignen, zeigt ein eigener Überblick.
Bypass oder Amboss?
Bei der Bypass-Astschere gleiten Klinge und Gegenklinge aneinander vorbei und schneiden präzise, das passt zu frischem Holz. Die Amboss-Astschere drückt ihre Klinge auf eine stumpfe Gegenfläche, hat ihre Stärke bei hartem, trockenem Totholz und kann weiches Schnittgut quetschen. Welches Schneidprinzip zu welchem Holz passt, klärt ein eigener Vergleich, welche Bauarten es gibt und worauf du beim Kauf achtest, der Überblick zu Astscheren.
Wie setzt du die Astschere richtig an?
Bevor ich schneide, schaue ich mir an, wo der Ast abzweigt und wohin er wächst. Dann entscheide ich, ob er ganz herauskommt oder nur kürzer wird.
Nimmst du einen Ast ganz heraus, bleibt der Astring unverletzt. Das ist die ringförmige Verdickung am Astansatz. Du setzt die Schere also knapp außerhalb dieses Rings an und schneidest nicht bündig am Stamm.
Kürzt du einen Obstbaumtrieb ein, schneidest du kurz oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe. Die Knospe verletzt du dabei nicht, und einen langen Stummel lässt du auch nicht stehen. Bei der Bypass-Schere lege ich die Schneidklinge auf die Seite, die am Gehölz bleibt, und die Gegenklinge an das Stück, das fällt.
Die Schere wird angesetzt, bevor der Astansatz angeschaut ist. Dann bleibt ein langer Zapfen stehen, oder der Astring geht mit weg. Schau zuerst hin und setz die Klinge so, dass der Ring bleibt und kein Stummel übrig ist.
Wie du einen Schnitt vom Schnittwinkel bis zur Veredelung sauber ansetzt, vertieft ein eigener Ratgeber.
Wie dosierst du die Kraft?
Mit zwei Händen und längeren Griffen holt die Astschere mehr Hebel heraus als eine einhändige Gartenschere. Ich fasse die Griffe deshalb an den Enden und nicht kurz hinter dem Gelenk. Den Ast lege ich möglichst tief in die Klingenöffnung, nah ans Gelenk, weil dort die Kraft der Griffe am stärksten ankommt. Modelle mit Getriebeübersetzung oder ausziehbaren Holmen können den Kraftaufwand weiter senken.
Ein Handwerkzeug setzt du nur für seinen Zweck und den Kraftaufwand ein, für den es gedacht ist. Musst du dich mit dem ganzen Körper gegen die Griffe stemmen, spricht das dafür, dass der Ast für diese Schere zu dick oder zu hart ist. Klemmt die Klinge im Holz, hebele und drehe ich nicht, sondern öffne die Schere wieder und nehme sie heraus.
Bei jedem dickeren Ast setze ich zuerst probeweise an und schließe die Griffe langsam. Läuft die Klinge nicht gleichmäßig durch, höre ich auf und hole die Säge, statt nachzudrücken.
Stehen viele gleichartige Schnitte an, kann eine Akkuschere die körperliche Belastung reduzieren. Bei längeren Schnittarbeiten wechsle ich zwischendurch die Tätigkeit und räume zum Beispiel das Schnittgut zusammen. Wechsel von Haltung oder Tätigkeit und regelmäßige Pausen unterbrechen einseitige Belastungen.
Wann nimmst du bei dicken Ästen die Säge?
Große Äste sägst du ab, statt die Astschere an ihre Grenze zu treiben. Bei größeren Ästen arbeitest du in drei Schnitten:
- Säge den Ast zuerst von unten an.
- Trenne ihn etwas weiter außen von oben ab.
- Nimm den verbliebenen Stumpf mit dem letzten Schnitt sauber ab und lass den Astring dabei unverletzt.
Handsägen mit Japanzahnung schneiden am stärksten, wenn du sie zum Körper ziehst. Für Arbeiten unterhalb der Schulterhöhe gibt es sie mit geradem Blatt, für Arbeiten darüber mit gebogenem. Hinterlässt die Säge keine sauberen Schnittflächen mehr, prüfst du das Blatt und setzt bei Bedarf ein neues ein.
Schnitte an Starkästen mit mehr als 10 cm Durchmesser vermeidest du bei der Aufastung möglichst. Hoch sitzende Äste schneide ich vom festen Boden aus, mit einer Stangenschere am Seilzug oder einer geeigneten Teleskopstangensäge.
Schere oder Säge?
- Ast dicker als etwa 4,5 cm: Säge.
- Hartes, trockenes Holz nahe an der Schnittgrenze der Schere: Säge.
- Klinge läuft nicht gleichmäßig durch: absetzen und sägen.
- Ast hoch oben: Stangenschere oder Teleskopstangensäge vom Boden aus.
Wie hilft die Astschere beim Formschnitt?
Beim FormschnittFormschnitt ist der regelmäßige, intensive Schnitt, mit dem Hecken und andere Gehölze in einer festen Form gehalten werden, etwa als kantige Formhecke. Er unterscheidet sich vom zurückhaltenden Schnitt frei wachsender Gehölze. übernimmt die Heckenschere die Fläche. Wo eine motorisierte Heckenschere an dicken Ästen an ihre Grenzen stößt, sind Astschere oder Säge vorgesehen.
Ist eine frei wachsende Hecke zu dicht geworden, lichtest du sie aus. Dicke Triebe nimmst du dabei bodennah heraus, statt sämtliche Äste einzukürzen.
Eine Thujahecke schneidest du im Querschnitt trapezförmig, unten breiter als oben. Bis ins alte Holz gehst du nicht zurück, weil dort neue Triebe nur zögerlich oder gar nicht entstehen. Für den regelmäßigen Pflegeschnitt eignen sich Juni und Juli, sonnige Tage meidest du wegen möglicher Verbrennungen an freigelegten Trieben.
Bei Hitze verschiebst du den Heckenschnitt auf kühlere, bedeckte Tage. Beim Formschnitt trete ich zwischendurch zurück und schaue mir die Form von weitem an, bevor ich weiterschneide.
Zwischen Anfang März und Ende September darfst du Hecken grundsätzlich weder beseitigen noch auf den Stock setzen. Schonende Form- und Pflegeschnitte bleiben zulässig, wenn du den Artenschutz beachtest. Prüfe vor jedem Gehölzschnitt, ob geschützte Tiere oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten betroffen sind.
Was schneidest du an welchem Gehölz und wann?
An jedem Gehölz hat die Astschere andere Aufgaben, und auch der Zeitpunkt hängt an der Pflanze. Die Tabelle zeigt, wofür ich sie an typischen Gartengehölzen einsetze.
| Gehölz | Was du schneidest | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Apfel, Birne, Quitte | Triebe kurz über einer nach außen gerichteten Knospe einkürzen, Äste am Astring entfernen | häufig im Winter; Kernobst lässt sich bei trockenem Wetter bis etwa −5 °C schneiden |
| Kirsche, Zwetschge, Pflaume | bei Pflaume und Zwetschge vorzugsweise auf geeignete Seitenäste ableiten, statt viele Triebe stark einzukürzen | Steinobst vorzugsweise im Sommer, Kirschen und Zwetschgen nach der Sommerernte, sehr späte Zwetschgensorten ausgenommen; bei über 25 °C kühlere Tage abwarten |
| Walnuss | nur erforderliche Schnitte | August, weil dann weniger Saft aus den Schnittstellen austritt |
| Forsythie, Ranunkelstrauch, Flieder | ältere und schwache Triebe bodennah entfernen, überlange Zweige auf eine tiefere Verzweigung zurücknehmen | unmittelbar nach der Blüte |
| Sommerflieder, Bartblume | RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen.; Sommerflieder blüht an neuen Trieben | etwa März bis April, sobald keine strengen Fröste mehr zu erwarten sind |
| Rosen | feinere Triebe mit der Bypass-Schere; einmal blühende Strauchrosen behalten ihr mehrjährigesMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Blütenholz und werden nur gelegentlich ausgelichtet | öfter blühende Rosen im Frühjahr nach den starken Frösten |
Bei Obstbäumen meidest du einen Schnitt von Oktober bis Dezember möglichst, weil Reservestoffverlagerung und Wundverschluss in dieser Zeit ungünstig sind.
Ein starker Winterschnitt fördert kräftigen Neuaustrieb, und ein starker Obstbaumschnitt kann zulasten von Blüte und Ertrag gehen. Wer im Winter viele dicke Äste auf einmal herausnimmt, riskiert also vor allem neue Triebe auf Kosten der Früchte. Bei alten Streuobstbäumen entfernst du je Eingriff in der Regel höchstens 30 % der Kronenmasse.
Beim Ableiten schneidest du einen Ast über einem Seitenast ab, der als Zugast die Führung übernimmt. An Streuobstbäumen sollte der verbleibende Zugast ungefähr 1/3 des Durchmessers des bisherigen Hauptastes haben.
Allgemeines zu Scherentypen, Schnittzeitpunkt und Schnittwunden steht im Technik-Ratgeber im Abschnitt Schneiden.
Wie arbeitest du mit der Astschere sicher?
Vor dem ersten Schnitt prüfe ich die Schere auf sichtbare Schäden und auf ihre Funktion. Die Klingen sollen sich ohne Seitenspiel öffnen und schließen lassen, an Griffen und Gehäuse dürfen keine verletzenden Grate sein. Eine beschädigte Schere benutzt du nicht weiter, bis sie instand gesetzt oder ersetzt ist.
Hände, die nicht an den Griffen liegen, bleiben außerhalb des Schnittbereichs. Das gilt auch für jemanden, der dir den Ast hält, und bei elektrischen Scheren genauso. Eine elektrische Schere sicherst du gegen unbeabsichtigtes Auslösen, auch bei jeder Arbeitsunterbrechung. Kinder halten Abstand, solange geschnitten wird.
Zur Ausrüstung gehören geschlossene Schuhe mit rutschfester Sohle, Handschuhe und ein sicherer Stand. Können beim Schneiden Teile wegfliegen, trägst du einen Augenschutz. Zum Tragen schließt und sicherst du die Schere, beim Ablegen achtest du darauf, dass sie nicht herunterfallen kann. Bei schweren Verletzungen wählst du unmittelbar den Notruf 112. Mehr zu Handhabung, Notfall und Ruhezeiten findest du im Technik-Ratgeber im Abschnitt Sicher arbeiten.
Was braucht die Astschere nach dem Schnitt?
Nach dem Schneiden wische ich die Klingen sauber und trocken und ziehe lockere Schrauben nach. Für Scheren dient gründliches Nachschärfen etwa alle 1 bis 2 Jahre als Orientierung, je nach Nutzung und tatsächlichem Verschleiß. Wie du deine Astschere reinigst, schärfst, ölst und Teile tauschst, beschreibt der Pflege-Ratgeber; die Grundlagen stehen im Technik-Ratgeber unter Werkzeug pflegen, reparieren und lagern.

