Nachhaltige Anzuchtschalen: Alternativen zu Plastik und welche Schale wozu passt
- Eine gebrauchte Anzuchtschale ersetzt die neue, wenn du sie vor jeder Aussaat gründlich reinigst.
- Joghurtbecher und Getränkekartons brauchen Abflusslöcher, weil stehendes Wasser Wurzelfäulnis begünstigt.
- Töpfe aus Papier, Karton und Pflanzenfasern sind für einen Durchgang gedacht und gehen mit der Jungpflanze ins Beet.
- Biobasiert heißt nicht abbaubar, und ein Zertifikat für industrielle Kompostierung belegt keine Eignung für den Gartenkompost.
- Tomaten startest du in der Saatschale, Paprika und Chili lassen sich auch einzeln in Multitopfplatten säen.

Jedes Frühjahr stehe ich vor derselben Wahl: neue Anzuchtschalen kaufen oder mit dem säen, was schon da ist. In meinem Keller warten dafür zwei Kisten, eine mit gespülten Joghurtbechern und halbierten Getränkekartons, eine mit Kunststoffschalen aus früheren Jahren. Eine Schale, die du schon besitzt und wieder benutzt, muss nicht neu hergestellt werden. Deshalb beginnt nachhaltige Anzucht für mich beim Vorrat und erst danach im Laden.
Als Alternative zur neu gekauften Plastikschale kommen gebrauchte Schalen, umgebaute Haushaltsgefäße und Töpfe aus Papier, Karton oder Pflanzenfasern infrage. Bei Bio-Kunststoff lohnt ein zweiter Blick auf die Packung.
Welche Alternativen zu Anzuchtschalen aus Plastik gibt es?
Im Kern gibt es zwei Wege. Entweder nutzt du ein Gefäß viele Male und reinigst es zwischen den Aussaaten. Oder du nimmst einen Topf, der nach einem Durchgang mit der Jungpflanze ins Beet oder auf den Kompost geht. Beide Wege ersparen dir neue Einwegschalen, verlangen aber unterschiedliche Handgriffe.
| Gefäß | Wie oft | Nach der Anzucht | Darauf achten |
|---|---|---|---|
| Gebrauchte Kunststoffschalen, Multitopfplatten, alte Töpfe | immer wieder, solange sie heil sind | reinigen, trocknen, neu einsäen | vor jeder neuen Aussaat gründlich reinigen, brüchige Stücke aussortieren |
| Joghurtbecher, halbierte Getränkekartons | immer wieder, solange sie heil sind | ausspülen und aufheben | Abflusslöcher in den Boden |
| Klopapierrollen, gefaltetes Zeitungspapier, Karton | ein Durchgang | mitpflanzen oder kompostieren | werden feucht weich, deshalb eng zusammenstellen |
| Töpfe aus Kokos- und anderen Pflanzenfasern | ein Durchgang | werden zum Mitpflanzen angeboten | Angaben auf der Packung lesen |
| Schalen aus biobasiertem Kunststoff, etwa aus Maisstärke | je nach Produkt | Gartenkompost nur mit ausdrücklicher Kennzeichnung | biobasiert heißt nicht abbaubar |
Für mich entscheidet weniger das Material als die Frage, wie oft ein Gefäß bei mir zum Einsatz kommt. Eine Kunststoffschale aus dem Vorrat nutze ich, bis sie bricht. Töpfe aus Papier oder Fasern nehme ich für Jungpflanzen, die direkt aus diesem Topf ins Beet gehen.
Ich schreibe mit wasserfestem Stift das Jahr auf den Boden jeder Kunststoffschale, die neu zu mir kommt. Beim Durchsehen im Herbst erkenne ich so die Schalen mit vielen Durchgängen und prüfe bei ihnen Rand und Boden besonders genau.
Biobasiert, abbaubar, kompostierbar: Was die Angaben bedeuten
Bei Schalen aus Maisstärke oder mit Bambusanteil lese ich die Packung genauer als bei jeder anderen Anzuchtschale. Dort tauchen drei Begriffe auf, und sie bedeuten nicht dasselbe.
Biobasiert beschreibt den Rohstoff, also Kunststoff, der ganz oder teilweise aus Pflanzen wie Mais stammt. Biologisch abbaubar beschreibt, ob sich das Material am Ende zersetzt. Das eine folgt nicht aus dem anderen, denn ein biobasierter Kunststoff muss nicht biologisch abbaubar sein.
Auch kompostierbar heißt nicht überall dasselbe. Ein Zertifikat für industrielle Kompostierung belegt nicht, dass sich ein Kunststoffprodukt im Gartenkompost ausreichend zersetzt. Damit eine abbaubare Mulchfolie in den eigenen Gartenkompost darf, muss sie ausdrücklich als heim- oder gartenkompostierbar gekennzeichnet sein. Diesen Maßstab lege ich auch an Anzuchttöpfe an: Ohne diesen Hinweis kommt bei mir kein Kunststofftopf auf den Kompost.
Ein biobasierter Kunststoff baut sich nicht zwangsläufig ab, und wenn größere Kunststoffteile zerfallen, kann sekundäres Mikroplastik entstehen. Ein Bio-Kunststofftopf ohne passende Kennzeichnung kann im Beet also zerbröseln, statt sich abzubauen.
Für die Biotonne gelten die Regeln deiner Kommune. Selbst zertifiziert abbaubare Bioabfallbeutel dürfen nur dort hinein, wo die örtliche Sammlung sie zulässt. Bevor ein Topf aus Bio-Kunststoff in der Biotonne landet, frag deshalb bei deinem Entsorger nach.
„Ein Topf aus Maisstärke verrottet im Beet von selbst.“ Darauf kannst du dich nicht verlassen, denn biobasierte Kunststoffe sind nicht automatisch biologisch abbaubar. Setz einen solchen Topf nur mit, wenn die Packung das ausdrücklich vorsieht. Sonst löst du den WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt. heraus und nutzt den Topf weiter, solange er hält.
Welche Anzuchtschale passt zu welcher Pflanze?
Ob du in eine flache Schale säst oder gleich in einzelne Töpfe, hängt an der Kultur. Arten, die du pikierst, starten dicht in einer Saatschale und ziehen später in einen eigenen Topf. Wer einzeln sät, braucht von Anfang an Einzelgefäße und kann sich je nach Art das PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat. sparen.
| Kultur | Aussaat | Danach | Gefäß aus dem Vorrat |
|---|---|---|---|
| Paprika, Chili | Schale, etwa 5 cm tief, mit Aussaaterde | pikieren; wer gleich einzeln in kleine Töpfe oder Multitopfplatten sät, kann das Pikieren vermeiden | gebrauchte Multitopfplatte, Joghurtbecher mit Abflusslöchern |
| Tomaten | Saatschale | nach ungefähr 3 Wochen in 10-cm-Töpfe pikieren | gereinigte Kunststoffschale, danach gebrauchte Töpfe dieser Größe |
| Kopfkohl | Saatschale | pikieren, auspflanzen, wenn die Jungpflanzen 5 Blätter haben | Saatschale aus dem Vorrat, danach Einzeltopf |
Tomaten verlassen die Saatschale nach ungefähr 3 Wochen, und eine gründlich gereinigte Schale steht danach für die nächste Aussaat bereit. Eine einzige Saatschale kann im Frühjahr deshalb mehrere Sätze nacheinander aufnehmen, wenn du sie zwischen den Durchgängen reinigst.
Frisch gesäte Paprika und Chili gieße ich mit einer zarten Brause an, damit die Saat nicht wegschwemmt. Kopfkohl ziehe ich nach dem Pikieren gern in Papiertöpfen weiter, die mit ins Beet gehen. Vor dem Setzen reiße ich den Boden dieser Töpfe auf. Ganz gleich, in welchem Gefäß sie stehen: Vorgezogene Gemüsepflanzen müssen vor dem Auspflanzen abgehärtet werden.
Wie warm und hell die Saatschalen stehen sollten und wie groß der Endtopf für Fruchtgemüse sein muss, erklärt der Überblick zu Gefäßen, Anzucht und Beetplanung. Dort geht es auch darum, was Volumen, Wasserabzug und Wärme im Topf ausmachen.
Wohin die Jungpflanzen später kommen, lege ich schon vor der Aussaat fest. Beetflächen und Anbaupausen planst du im Beetplaner, und passende Beetnachbarn findest du im Mischkultur-Planer. Für Kohl zählt dabei die FruchtfolgeFruchtfolge ist die geplante Reihenfolge, in der verschiedene Gemüsearten über die Jahre auf demselben Beet wachsen. Wechselst du jedes Jahr die Pflanzenfamilie, sinkt das Risiko für Krankheiten und Schädlinge, und die Nährstoffe im Boden werden besser genutzt., denn Kopfkohl und andere KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. sollten höchstens alle 4–5 Jahre auf demselben Beet angebaut werden.
Wie bekommst du gebrauchte Anzuchtschalen wieder sauber?
Gebrauchte Anzuchtgefäße reinigst du vor jeder neuen Aussaat gründlich. Gründliches Reinigen oder geeignetes Desinfizieren kann Infektionsquellen für Pflanzenkrankheiten verringern. Das gilt für Kunststoffschalen genauso wie für Joghurtbecher und Getränkekartons.
So reinige ich Schalen vor der nächsten Aussaat:
- Erdreste ausklopfen und abbürsten.
- Mit warmem Wasser, Spülmittel und Bürste schrubben, auch in den Ecken und an den Abflusslöchern.
- Mit klarem Wasser nachspülen.
- Gut trocknen lassen, bevor neue Erde hineinkommt.
- Den Pflanztisch gleich mit säubern.
Ich spüle meine Schalen gleich nach dem Pikieren, solange die Erde noch nicht festgetrocknet ist. Danach stelle ich sie kopfüber zum Trocknen ins Regal. Schalen mit gerissenem Boden oder bröckelndem Rand sortiere ich dabei aus.
Wenn du zusätzlich desinfizierst, misch niemals hypochlorithaltige Reiniger mit sauren Reinigern, etwa auf Essigbasis. Dabei kann giftiges Chlorgas entstehen. Nimm für einen Reinigungsgang nur ein Mittel.
Anzuchtgefäße aus dem Haushalt: So baust du sie um
Für alle Upcycling-Gefäße gilt eine Regel zuerst: Das Wasser muss unten ablaufen können. Ohne Abflusslöcher steht die Erde nass.
- Joghurtbecher: gründlich ausspülen und mehrere Löcher in den Boden stechen. Ich nehme dafür eine spitze Schere und steche von innen nach außen.
- Getränkekartons: der Länge nach halbieren, gründlich reinigen und die Unterseite lochen.
- Klopapierrollen: aufstellen und unten leicht einfalten. Eng nebeneinander in einer Kiste stützen sie sich gegenseitig.
- Zeitungspapier: um ein Glas wickeln, unten umfalten und das Glas herausziehen. Der Papiertopf geht später mit der Jungpflanze ins Beet.
Papier und Karton saugen sich beim Gießen voll und werden weich. Ich stelle sie deshalb in eine Kiste mit dichtem Boden und gieße Wasser ab, das sich darin sammelt.
Ein Becher ohne Löcher hält das Gießwasser, bis die Erde unten nass steht. Stehendes Wasser begünstigt WurzelfäulnisBei Wurzelfäule faulen die Wurzeln einer Pflanze und sterben ab, meist weil die Erde ständig nass ist und Sauerstoff fehlt. Oft sind Schadpilze beteiligt, und die Pflanze welkt trotz feuchter Erde.. Stich die Löcher, bevor die erste Erde hineinkommt, und prüf mit dem Finger, ob das SubstratSubstrat ist der Fachbegriff für Erde oder Erdmischungen, in die du aussäst, pflanzt oder umtopfst, etwa Aussaaterde, Topferde oder Kübelpflanzenerde. Es wird aus organischen und mineralischen Bestandteilen gemischt. noch feucht ist, bevor du nachgießt.
Wohin mit ausgedienten Anzuchtschalen?
Kunststoff gehört nicht in die Biotonne. Blumentöpfe und Plastiktüten zählen beim Bioabfall als Fremdstoffe und müssen heraus, das gilt auch für alte Anzuchtschalen. In Gelbe Tonne und Gelben Sack gehören Leichtverpackungen. Gibt es bei dir eine Wertstofftonne, kann sie zusätzlich Gegenstände aus demselben Material aufnehmen. Wohin eine ausgediente Schale bei dir gehört, sagt dir dein Entsorger.
Brüchige Kunststoffschalen sortiere ich aus, bevor sie zerfallen, und sammle Bruchstücke vollständig auf.
Papier- und Kartontöpfe lege ich auf meinen Kompost, weil ich den fertigen Kompost im Garten selbst verwende. Genau dann lohnt sich Eigenkompostierung. Ob Papiertöpfe bei dir in die Biotonne dürfen, regeln die örtlichen Annahmeregeln.
Sehen SämlingeSämlinge sind junge Pflanzen, die durch Keimung aus dem Embryo eines Samens entstanden sind. Anders als Stecklinge oder veredelte Pflanzen gehen sie also aus einem Samen hervor. krank aus oder sind sie befallen, gehören sie samt Papiertopf nicht auf den eigenen Kompost. Kranke oder befallene Pflanzenteile gibst du über die kommunale Entsorgung ab, weil die Eigenkompostierung sie meist nicht vollständig hygienisiert.
Die Frage nach Material und Entsorgung stellt sich im Garten nicht nur bei Schalen. Welche Gartenschläuche aus Naturkautschuk, Recycling-PVC oder Hanf es gibt und wie sie sich entsorgen lassen, liest du im Ratgeber zu nachhaltigen Schläuchen.
Neue Schalen kaufen: Darauf schaue ich
Reicht der Vorrat nicht, kaufe ich lieber wenige stabile Schalen, die viele Durchgänge mitmachen. Beim Kauf achte ich auf drei Punkte:
- Abflusslöcher: Gemüsegefäße brauchen einen ungehinderten Wasserabzug, und das beginnt schon in der Anzucht.
- Material: Polyethylen lässt sich vergleichsweise leicht aufbereiten, das Recycling von Weich-PVC ist dagegen aufwendig. Weich-PVC enthält außerdem zugesetzte Weichmacher, die freigesetzt werden können.
- Kompost-Angabe: Bei Bio-Kunststoff zählt nur die ausdrückliche Kennzeichnung als heim- oder gartenkompostierbar, nicht das Wort biobasiert.
Stell dir für den Winter eine Kiste bereit und sammle darin Joghurtbecher und Getränkekartons. Spül jedes Gefäß gleich nach dem Leeren aus und lass es trocknen, dann ist es bei der nächsten Aussaat sofort einsatzbereit.
