Obstschnitt für die Ernte: Apfel, Feige, Beeren und Reben richtig schneiden
- Ein starker Obstbaumschnitt fördert den Neuaustrieb und kann zulasten von Blütenknospen, Ertrag und Fruchtgröße gehen.
- Apfel und Birne kannst du im Winter schneiden, bei trockenem Wetter bis etwa −5 °C.
- Feigenbüsche lichtest du im Frühjahr aus: dichte, sich kreuzende und frostgeschädigte Äste raus, die Krone nicht stark einkürzen.
- Bei Sommerhimbeeren bleiben nach der Ernte je laufendem Meter 8–12 kräftige neue Ruten stehen.
- Eine Rute am Rebstock ist ein auf 8–12 Augen gekürzter Trieb.
Ein kräftiger RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. sieht nach Ordnung aus, kann dich aber Obst kosten. Ein starker Obstbaumschnitt fördert den Neuaustrieb, und das kann zulasten von Blütenknospen, Ertrag und Fruchtgröße gehen. Ich gehe deshalb vor jedem Schnitt einmal um Baum oder Strauch herum und lege fest, welche Äste tragen sollen und welche nur Platz wegnehmen.
Für Apfel, Steinobst, Feige, Beeren und Reben bekommst du hier den passenden Zeitpunkt, den Handgriff und die Zahl der Triebe, die stehen bleiben. Dazu kommen die Schnitte direkt nach der Ernte und beim Ernten selbst.
Wie Zeitpunkt und Stärke des Schnitts den Ertrag beeinflussen
Wie kräftig ein Obstbaum nach dem Schnitt neu austreibt, hängt auch am Zeitpunkt. Starke Winterschnitte fördern kräftigen Neuaustrieb. Nach einem Sommerschnitt folgt bis zum Herbst dagegen häufig kein oder nur mäßiger Neuaustrieb. Bei Kernobst regt der Winterschnitt den Austrieb stärker an, während ein Sommerschnitt oder ein später Winterschnitt das Wachstum weniger stark fördern.
Für einen Apfelbaum, der ohnehin kräftig wächst, heißt das: Ein früher, starker Winterschnitt verstärkt genau den Austrieb, der zulasten der Blütenknospen gehen kann. Ein später Winterschnitt oder ein Teil der Arbeit im Sommer reizt ihn weniger.
Von Oktober bis Dezember schneidest du Obstbäume möglichst gar nicht. In dieser Phase sind Reservestoffverlagerung und Wundverschluss ungünstig. Bevor ich die Schere ansetze, schaue ich mir die Triebe vom Vorjahr an: Wie lang sind sie, und wo stehen sie zu dicht?
Apfel, Birne und Quitte schneiden
Apfel, Birne und Quitte werden häufig im Winter geschnitten. Bei trockenem Wetter ist der Winterschnitt von Kernobst bis etwa −5 °C möglich.
Junger Baum: erst das Gerüst, dann die Ernte
Ein junger Baum braucht zuerst eine stabile Krone. Bei einem jungen Streuobstbaum besteht sie aus einer Stammverlängerung und 3–4 aufstrebenden Leitästen. Für die Rundkrone eines jungen Apfelbaums gilt ein Astabgangswinkel von etwa 45° als günstig. Die Spindelerziehung arbeitet dagegen mit einer Stammverlängerung und einem schwachen Basisgerüst auf einer schwachwachsenden Unterlage.
Ich lege beim Jungbaum zuerst die Leitäste fest und entscheide erst danach, was weg kann. Hochstamm, Halbstamm und Busch bezeichnen übrigens unterschiedliche Stammhöhen, die Wuchsstärke des Baums legen sie nicht fest. Wie du Hochstamm, Halbstamm und Busch im Einzelnen schneidest, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Alter Baum: auslichten mit Maß
An einem alten Baum ist die Versuchung groß, viel auf einmal herauszunehmen. Für den Pflegeschnitt alter Streuobstbäume helfen dir diese Orientierungswerte:
| Punkt | Orientierung am alten Streuobstbaum |
|---|---|
| Schnittmenge | je Eingriff in der Regel höchstens 30 % der Kronenmasse |
| Große Astwunden | über 10 cm Durchmesser vermeiden, besonders auf der Astoberseite |
| Ableiten | verbleibender Zugast ungefähr 1/3 des Durchmessers des bisherigen Hauptastes |
Kleinere Wunden sind damit nicht automatisch unbedenklich. Beim Ableiten nimmst du einen stärkeren Ast auf einen Seitenast zurück und vermeidest so eine unnötig große Wundfläche. Ich verteile einen großen Rückschnitt auf mehrere Winter und markiere mir mit Band die Äste, die als Nächstes dran sind.
Steinobst und Walnuss: der Schnitt nach der Ernte
Steinobst schneidest du vorzugsweise im Sommer, weil Schnittwunden dann besser verheilen. Kirschen und Zwetschgen nimmst du dir bevorzugt nach der Sommerernte vor, sehr späte Zwetschgensorten sind die Ausnahme. Bei Temperaturen über 25 °C wartest du mit dem Sommerschnitt auf kühlere Tage.
Leg den Sommerschnitt möglichst vor eine bewölkte Wetterphase. Das vermindert das Risiko von Sonnenbrand an Früchten und Trieben, die vorher im Schatten lagen.
Pflaumen und Zwetschgen: ableiten statt einkürzen
Bei Pflaumen und Zwetschgen leitest du vorzugsweise auf geeignete Seitenäste ab. Den alten Ast nimmst du dabei bis zu diesem Seitenast zurück.
Bei Pflaumen und Zwetschgen viele Triebe stark einkürzen. Das kann kräftigen Neuaustrieb auf Kosten des Ertrags fördern. Leite stattdessen auf geeignete Seitenäste ab.
Sauerkirschen: auf den Neutrieb ableiten
Bei Sauerkirschsorten wie der Schattenmorelle leitest du nach der Ernte überhängende, abgetragene Zweige auf einen basalen Neutrieb ab. Diesen Neutrieb lässt du danach ungekürzt. Ich suche dafür am abgetragenen Zweig den Neutrieb, der am nächsten an der Basis sitzt, und nehme den Teil darüber weg.
Pfirsich und Walnuss
Pfirsichbäume kannst du während oder nach der Blüte schneiden, sobald sich Blüten- und FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so. beurteilen lassen. Für nötige Schnitte an Walnussbäumen eignet sich besonders der August, weil dann weniger Saft aus den Schnittstellen austritt.
Feigenbaum schneiden: Korrektur im Frühjahr
Bei einem aufgebauten Feigenbusch oder Feigenfächer ist der Frühjahrsschnitt ein Korrekturschnitt. Du entfernst vor allem Äste, die zu dicht stehen, sich kreuzen oder Frostschäden zeigen. Die gesamte Krone stark einzukürzen, gehört nicht dazu.
Ich arbeite mich bei der Feige von innen nach außen vor und nehme zuerst die Äste heraus, die sich kreuzen. Für Äste, die für die Gartenschere zu dick sind, nimmst du eine geeignete Säge. Steht die Feige als Fächer am Spalier, gehören die Bindungen zum Frühjahrsdurchgang: Du kontrollierst sie und passt sie an, damit sie nicht in die Triebe einwachsen.
So gehst du die Feige im Frühjahr durch:
- sich kreuzende Äste herausnehmen
- zu dichte Partien auslichtenAuslichten ist ein Schnitt, bei dem einzelne Triebe ganz herausgenommen werden, statt alle einzukürzen. Bei Sträuchern schneidest du dafür ältere, kranke oder zu schwache Triebe direkt über dem Boden ab.
- frostgeschädigte Äste entfernen
- die Krone nicht als Ganzes stark einkürzen
- am Fächer die Bindungen prüfen und anpassen
Beerensträucher: alte Ruten raus, junge stehen lassen
Bei Sträuchern mit regelmäßigen neuen Basistrieben lichtest du aus, indem du ausgewählte Altäste direkt über dem Boden entfernst. Bei Himbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren kommt die Frage dazu, wie viele junge Triebe stehen bleiben.
| Beerenobst | Zeitpunkt | Was weg kommt | Was stehen bleibt |
|---|---|---|---|
| Sommerhimbeere | nach der Ernte | abgetragene Ruten, bodennah | je laufendem Meter 8–12 kräftige neue Ruten |
| Herbsthimbeere in einjähriger Kultur | ausgangs des Winters oder im zeitigen Frühjahr | alle Ruten, bodennah | keine Rute |
| Brombeere | nach der Ernte | abgetragene Ruten, bodennah | gewöhnlich 4–5 kräftige Neutriebe, bei schwachem Wuchs oder langen dünnen Ranken gegebenenfalls nur 3 |
| Rote und weiße Johannisbeere, eingewachsen | jährlich | 3–4 alte Gerüstäste | 10–12 Gerüstäste, ergänzt durch kräftige neue Bodentriebe |
Himbeeren: erst die Sorte klären
Bevor du Himbeeren schneidest, klärst du, ob du Sommer- oder Herbsthimbeeren hast. Bei Sommerhimbeeren schneidest du nach der Ernte die abgetragenen Ruten bodennah ab. Von den neuen Ruten bleiben je laufendem Meter 8–12 kräftige stehen. Herbsthimbeeren in einjähriger Kultur schneidest du ausgangs des Winters oder im zeitigen Frühjahr komplett bodennah ab.
Ich lege dafür den Zollstock an die Reihe, zähle auf einem Meter die kräftigen Jungruten und nehme erst dann die schwächeren heraus.
Brombeeren: Ruten wechseln
Auch bei Brombeeren kommen die abgetragenen Ruten nach der Ernte bodennah weg. Stehen bleiben gewöhnlich 4–5 kräftige Neutriebe. Bei schwachem Wuchs oder langen, dünnen Ranken belässt du gegebenenfalls nur 3.
Johannisbeeren: auf das Holzalter achten
Rote und weiße Johannisbeeren tragen bevorzugt an 2–3-jährigem Holz. Schwarze Johannisbeeren tragen an jüngerem Holz, bevorzugt an 1–2-jährigem. Bei eingewachsenen roten und weißen Sträuchern erhältst du 10–12 Gerüstäste. Jährlich ersetzt du 3–4 alte davon durch kräftige neue Bodentriebe.
Ich schneide die alten Gerüstäste direkt über dem Boden heraus und lasse als Ersatz die kräftigsten neuen Bodentriebe stehen. Die Zahlen zum Gerüst beziehen sich auf rote und weiße Sträucher.
Reben schneiden: Augen zählen statt schätzen
Beim Rebschnitt richtest du dich nach den Augen am Trieb, also nach den Knospen.
Beim Rebschnitt bezeichnet eine Rute einen Trieb, der auf 8–12 Augen gekürzt ist. Ein Zapfen ist ein Trieb, der auf 1–2 Augen gekürzt ist.
Beim Zapfenschnitt am Rebspalier setzt du die Schere 1–2 cm über dem untersten sichtbaren Auge an. Ich zähle die Augen von der Basis des Triebs aus und schneide erst dann. Die Bindungen am Rebspalier behandelst du wie bei jedem Spalierobst.
Spalierobst: flach erziehen und Bindungen im Blick behalten
Am Spalier ziehst du Obst flach an einer Wand oder einem Gerüst. Eine einfache Palmette baust du aus einem Mitteltrieb und zwei Leitästen auf. Die Leitäste führst du im Winkel von 45°.
Aprikosen, Pfirsiche und Sauerkirschen lassen sich am Spalier auch in einer freien Form erziehen. Dabei füllen neue Äste den verfügbaren Raum, und überzählige Triebe nimmst du heraus. Bindungen an Spalierpflanzen kontrollierst du regelmäßig und passt sie an, damit sie nicht in die wachsenden Triebe einwachsen.
Ich löse jede Bindung, die schon eng am Trieb anliegt, und setze sie ein Stück versetzt neu.
Ist das Gerüst aus Holz, behandelst du es nicht mit pflanzenschädlichen Lasuren oder Farben mit Bioziden. Holzteile setzt du möglichst ohne direkten Erdkontakt, Pfostenschuhe oder Bodenhülsen können die Verankerung übernehmen.
Schnitte bei der Ernte: Messer statt Schere
Rund um die Ernte schneidest du an zwei Stellen: am Strauch oder Baum direkt nach dem Pflücken und im Beet beim Ernten selbst. Die Nachernte-Schnitte an Sommerhimbeeren, Brombeeren, Sauerkirschen, Kirschen und Zwetschgen findest du weiter oben bei der jeweiligen Obstart.
Im Gemüsebeet erntest du manches direkt mit dem Messer. Für Salat nimmst du ein kurzes Erntemesser, für Kohl ein längeres. Grünspargel schneidest du mit einem scharfen Messer unmittelbar über dem Boden ab, wenn die Stangen 20–30 cm lang sind.
Mit dem Messer arbeitest du nach Möglichkeit vom Körper weg. Transportiert und aufbewahrt wird es mit Klingenschutz in einem sicheren Behältnis. Die meisten Handmesser kannst du unter fließendem Wasser reinigen und danach mit einem Tuch trocknen. Ich stecke mein Erntemesser nach dem letzten Schnitt sofort in die Schutzhülle, bevor ich zum nächsten Beet gehe.
Werkzeug, Schnittführung und Nachsorge in Kürze
Schere und Säge
Für den Gehölzschnitt bilden eine geeignete Gartenschere und eine leichtgängige Säge die Grundausstattung. Die Gartenschere eignet sich für dünnere Zweige bis etwa 2 cm Durchmesser, dickere Äste übernehmen Astschere oder Säge. Welche Schere zu welchem Holz passt, ordnen die Grundlagen zu Scherentypen, Schnittzeitpunkt und Wunden ein.
Schnittführung am Ast
Einen ganzen Ast entfernst du knapp außerhalb des Astrings, ohne diesen Rindenwulst zu verletzen. Schwere Äste sägst du zuerst von unten an, trennst sie weiter außen von oben ab und entfernst zuletzt den Stumpf sauber. Mehr zu Sicherheit und typischen Fehlern findest du in der Anleitung, wie du am Astring und mit der Drei-Schnitt-Technik sauber schneidest.
Sicher arbeiten
Beim Schneiden mit der Handschere bleibt deine freie Hand außerhalb des Schnittbereichs. Höher gelegene Äste schneide ich mit einer Teleskopstangensäge vom festen Boden aus. Bei schweren Verletzungen wählst du sofort den Notruf 112.
Nachsorge nach dem Schnitt
Schnittwunden an Apfelbäumen bestreichst du nicht vollflächig mit Wundverschlussmittel, damit Feuchtigkeit aus dem zentralen Holzkörper entweichen kann. Die Schnittstellen beobachtest du nach dem Schnitt weiter. Die Klinge deiner Gartenschere reinigst du nach jedem Arbeitstag.
Ziersträucher, Hecken, Veredelung und Schnittgut in Kürze
Ziersträucher und Schnittzeitpunkt
Für Ziergehölze gelten eigene Zeitpunkte. Frühjahrsblühende Ziersträucher schneidest du nach der Blüte, damit du nicht die bevorstehende Blüte wegschneidest. Einen Überblick, wann du welche Pflanzengruppe im Jahr schneidest, gibt der Schnittkalender.
Hecken
In Deutschland dürfen Hecken von März bis September grundsätzlich weder auf den Stock gesetzt noch beseitigt werden. Schonende Form- und Pflegeschnitte bleiben unter Beachtung weiterer Schutzvorschriften möglich. Wann und wie du welche Heckenpflanze schneidest, beschreibt der Heckenratgeber.
Schnitttechnik, Veredelung und Bonsai
Einen Trieb kürzt du kurz oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe, ohne die Knospe zu verletzen oder einen langen Stummel stehen zu lassen. Geschnitten wird schräg vom Auge weg.
Beim Veredeln müssen die Kambiumschichten von Edelreis und Unterlage möglichst großflächig eng aneinanderliegen. Die Kopulationsstelle verbindest du fest mit Bast oder Veredelungsgummi und lässt dabei die Zugaugen frei. Schnittwinkel und Veredelungsarten im Detail erklärt der Ratgeber zur sauberen Schnitttechnik vom Schnittwinkel bis zur Veredelung.
Bonsai ist eine eigene Gestaltungskunst und hat mit dem Schnitt für die Obsternte wenig gemein, deshalb lasse ich ihn hier weg.
Schnittgut und Artenschutz
Vor jedem Gehölzschnitt prüfst du, ob geschützte Tiere oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten beeinträchtigt werden. Holzige Reste aus Baum- und Strauchschnitt kannst du gehäckselt als Kompost- oder Mulchmaterial verwenden. Kranke oder schädlingsbefallene Pflanzenteile gibst du über die kommunale Entsorgung ab, weil der eigene Kompost sie meist nicht vollständig hygienisiert.

