Rüben auf Industriebrachen: Begrünung, Phytoremediation und ihre Grenzen
- Rüben und Rübsen können eine Brache begrünen, eine gute Bodenstruktur belegt aber keine Schadstofffreiheit.
- Phytoremediation umfasst Aufnahme, Abbau und Immobilisierung von Schadstoffen, die Eignung hängt vom Schadstoff und von der Pflanzenart ab.
- Wird eine Altlast mit Pflanzen saniert, werden Boden und Pflanzen untersucht und angereichertes Pflanzenmaterial wird regelmäßig entfernt.
- Bei Schadstoffverdacht ist die untere Bodenschutzbehörde des Landkreises oder der kreisfreien Stadt zuständig.
- Zuckerrüben gelten im landwirtschaftlichen Anbau als humuszehrend, Steckrüben sind Starkzehrer.

Auf einer Brache wachsen Rüben, der Boden krümelt, alles sieht nach Erholung aus. Über Schadstoffe sagt dieses Bild nichts, denn eine gute BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten. belegt keine Schadstofffreiheit. Bevor ich auf einer Fläche mit gewerblicher Vorgeschichte säe, frage ich deshalb nach der früheren Nutzung und nach vorhandenen Bodenuntersuchungen.
Rüben können auf einer Industriebrache drei Aufgaben haben, und die solltest du auseinanderhalten. Sie können die Fläche begrünen, über Wurzeln und Pflanzenmasse die Bodenstruktur verbessern und Teil einer Sanierung mit Pflanzen sein. Die ersten beiden Aufgaben sind Gartenhandwerk. Die dritte ist ein Verfahren, das nach einer Untersuchung und im Einzelfall festgelegt wird.
Was leisten Rüben auf einer Industriebrache?
Industriebrachen sind ehemals gewerblich oder industriell genutzte Flächen, die brachliegen. Ihr Boden kann verdichtet, humusarm oder mit Schadstoffen belastet sein. Eine Pflanzendecke hilft zuerst der Oberfläche: Sie beschattet den Boden, vermindert seine Verdunstung und schützt ihn vor Erosion, VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. und Verkrustung.
Dazu kommt die Pflanzenmasse. Ernterückstände, die auf der Fläche bleiben, liefern organische Substanz, wenn du sie gleichmäßig verteilst und einarbeitest. Das gilt für unbelastete Flächen. Auf belasteten Flächen wird angereichertes Pflanzenmaterial entfernt, statt es einzuarbeiten.
Gründüngung kann verdichtete, verschlämmte oder humusarme Gartenböden über Wurzelmasse und organische Substanz verbessern. Bei stark verdichteten oder geschädigten Böden kann sie ein Jahr oder länger stehen bleiben. Plane auf einer Brache also nicht mit einer einzigen kurzen Saat.
Wie Wurzeln, Humus und BodenlebenBodenleben ist die Gesamtheit der Lebewesen im Boden, von Bakterien, Pilzen und Algen bis zu Tieren wie Regenwürmern. Sie zersetzen Pflanzenreste zu Nährstoffen, legen Humus an und bauen die Bodenstruktur auf. dabei zusammenwirken, gehört zum Grundwissen. Der Ratgeber erklärt im Überblick, was Gründüngung im Boden leistet.
Hinter dem Namen Rübe stehen verschiedene Kulturen. Zuckerrübe, Futterrübe und Rote Bete gehören als Kulturformen zu Beta vulgaris. Rübsen sind dagegen KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. der Art Brassica rapa und werden als ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. gesät.
Welche Rübe passt zu welchem Brachboden?
Für die Brache zählen Nährstoffbedarf, Wirkung auf den Humus und Verwandtschaft. Die Tabelle fasst zusammen, was du über die einzelnen Kulturen wissen musst.
| Kultur | Was auf der Brache zählt | Grenze |
|---|---|---|
| Zuckerrübe | Ernterückstände liefern organische Substanz, wenn sie auf der Fläche bleiben | gilt im landwirtschaftlichen Anbau als humuszehrend |
| Rote Bete | Aussaat im Freiland von Mitte März bis Anfang Juli | vier Jahre Anbaupause zu verwandten Kulturen wie Mangold und Spinat |
| Steckrübe | braucht einen nährstoffreichen Standort | StarkzehrerStarkzehrer sind Gemüsearten mit hohem Nährstoffbedarf, vor allem an Stickstoff, etwa Kohl, Kürbis, Tomaten und Zucchini. In der Fruchtfolge kommen sie zuerst auf ein frisch versorgtes Beet, zum Beispiel nach einer Kompostgabe., für magere Flächen unpassend |
| Winterrübsen | wurzeln tief, sind frostverträglich, Aussaat als Winterzwischenfrucht von Ende August bis Mitte September | Kreuzblütler, im Gemüsegarten wegen des Kohlhernierisikos nicht empfohlen |
Bei der Zuckerrübe gehören zwei Angaben zusammen. Sie gilt im landwirtschaftlichen Anbau als humuszehrende Kultur, und organische Substanz liefern die Ernterückstände, die auf der Fläche bleiben. Zum Bodenverbesserer wird die Rübe also über das, was nach der Ernte liegen bleibt und eingearbeitet wird, nicht schon durch ihr Wachstum.
Bei der Steckrübe liegt die Grenze im Nährstoffbedarf. Als Starkzehrer braucht sie einen nährstoffreichen Standort, für die erste Begrünung eines mageren Brachbodens ist sie deshalb die falsche Wahl.
Rübsen gelten als schwachzehrend und wurzeln tief. Winterrübsen nehmen den Stickstoff auf, der im Boden vorhanden ist, und speichern ihn in ihrer Biomasse. Weil sie frostverträglich sind, bleibt die Fläche auch im Winter bedeckt. Soll aus der Brache später ein Gemüsegarten werden, zählt ihre Verwandtschaft schon heute. Rübsen sind mit Kohl, Rettich und Radieschen verwandt, und wegen des Kohlhernierisikos wird im Gemüsegarten von ihnen als Gründüngung abgeraten.
Porträts der einzelnen Arten und ihre Wirkung im Beet findest du im Ratgeber dazu, wie Rübenarten den Gartenboden verbessern.
Verdichteter Boden: Was schaffen Wurzeln, was braucht Technik?
Erst prüfen, dann lockern
Wie tief eine Verdichtung reicht, siehst du der Oberfläche nicht an. Ich steche deshalb zuerst einen Spatenblock aus und beurteile Eindringwiderstand, Gefüge, Wurzelverlauf, Hohlräume, Farbe und Geruch. Durchgehende Wurm- und Wurzelröhren sind ein gutes Zeichen: Wasser und Luft kommen dann durch den Boden, und Wurzeln können ihn durchdringen.
Sitzt die Verdichtung tief, können fachgerecht eingesetzte Tiefenlockerer nötig sein. Vorher müssen Lage, Mächtigkeit und Festigkeit der verdichteten Schicht untersucht werden. War die Lockerung nötig, folgen TiefwurzlerTiefwurzler sind Pflanzen, deren Wurzeln bis in tiefere Bodenschichten reichen, im Gemüsegarten etwa Möhre, Pastinake, Tomate oder Mangold. Sie ergänzen sich gut mit Flachwurzlern, weil beide Wasser und Nährstoffe aus unterschiedlichen Schichten holen., die das gelockerte Gefüge stabilisieren.
Tiefwurzelnde Sonnenblumen können die Lockerung unterer Bodenschichten unterstützen, eingesetzt werden sie aber ergänzend zur mechanischen Lockerung. Zusammen mit der Stabilisierung nach dem Tiefenlockern ergibt das eine klare Reihenfolge: Die Technik öffnet die Schicht, die Wurzeln erhalten die Lockerung.
Ich bearbeite eine solche Fläche erst, wenn der Boden ausreichend abgetrocknet ist. Befahren bei zu hoher Bodenfeuchte vermeidest du, weil es dichte Gefüge verursachen kann.
Welche Begleitarten passen zu verdichtetem Boden?
Als Zwischenfrüchte für schwere oder verdichtete Standorte kommen unter anderem Ölrettich, Phacelia und Sandhafer infrage. Sonnenblumen, Lupinen und Ackerbohnen können standortabhängig deutlich mehr als 1 m tief wurzeln.
Tiefe Wurzeln heißen aber nicht, dass eine Art jede Sperre durchdringt. Blaue und Weiße Körnerlupinen brauchen Böden ohne Schadverdichtungen und Staunässe, und Luzerne ist für Böden mit wurzelhemmenden Sperrschichten ungeeignet. Diese Tiefwurzler kommen also erst infrage, wenn die Verdichtung beseitigt ist.
Wann welche Art gesät wird, zeigt dir der druckbare Kalender mit den Saatfenstern der Gründünger.
Phytoremediation: Was richten Pflanzen gegen Schadstoffe aus?
Phytoremediation, auch Phytosanierung genannt, ist kein einzelnes Verfahren. Der Begriff umfasst die Aufnahme von Schadstoffen in die Pflanze, ihren Abbau und ihre Immobilisierung. Untersucht werden dabei zwei Wege als unterschiedliche Verfahren. Beim ersten nehmen Pflanzen Metalle auf. Beim zweiten fördern Pflanzen den mikrobiellen Abbau organischer Schadstoffe.
Welches Verfahren sich eignet, hängt vom Schadstoff und von der Pflanzenart ab. Für Rüben folgt daraus keine pauschale Zusage: Ob sie auf einer Fläche etwas ausrichten, entscheidet sich am konkreten Schadstoff. Auch das Risiko selbst ist eine Frage des Einzelfalls. Es richtet sich nach Konzentration, Mobilität und Bioverfügbarkeit der Stoffe und nach den Eigenschaften des Bodens.
Daraus ergibt sich eine Grenze für jede Begrünung. Rüben und andere Gründünger verbessern die Struktur, und eine gute Struktur belegt keine Schadstofffreiheit. Eine Brache kann also krümelig, durchwurzelt und grün sein und trotzdem belastet bleiben.
Rüben ziehen jeden Schadstoff aus dem Boden. Das stimmt so nicht: Aufnahme, Abbau und Immobilisierung sind verschiedene Verfahren, und ihre Eignung hängt vom Schadstoff und von der Pflanzenart ab.
Wie läuft eine Sanierung mit Pflanzen ab?
Wird eine Altlast mit Pflanzen saniert, gehören Analysen von Boden und Pflanzen dazu. Das angereicherte Pflanzenmaterial wird regelmäßig von der Fläche entfernt. Den Fortschritt zeigen also Analysen, nicht der Wuchs der Pflanzen.
Wohin mit belastetem Pflanzenmaterial?
Bei einer normalen Gründüngung bleibt die Pflanzenmasse im Kreislauf der Fläche: Sie liegt als Mulch auf dem Boden, wird kompostiert oder flach eingearbeitet. Auf einer belasteten Fläche wird angereichertes Pflanzenmaterial dagegen regelmäßig entfernt.
Damit schließen sich zwei Ziele am selben Aufwuchs aus. Organische Substanz liefern Ernterückstände nur, wenn sie auf der Fläche bleiben, und aufgenommene Schadstoffe verlassen die Fläche erst mit dem abgefahrenen Material. Bei einer Sanierung mit Pflanzen geht der Abtransport vor, der Humusaufbau aus diesem Aufwuchs entfällt.
Wie das Material entsorgt wird, lässt sich nicht pauschal sagen. Welches Verfahren passt, hängt davon ab, wie der Abfall beschaffen ist und was die Behandlung erreichen soll. Auf den eigenen Kompost gehört solches Material nicht, denn von dort käme es zurück in den Gartenboden. Frag die zuständige Behörde nach dem Entsorgungsweg.
Rüben von einer Fläche mit Schadstoffverdacht behandelst du nicht als Gemüse, solange der Boden nicht untersucht ist. Bei einer Sanierung mit Pflanzen ist angereichertes Pflanzenmaterial Abfall, kein Erntegut.
Wer entscheidet bei Schadstoffverdacht?
Vermutest du Schadstoffe im Boden, ist die untere Bodenschutzbehörde zuständig. Du findest sie beim Landkreis oder bei der kreisfreien Stadt. Welche Maßnahmen nötig sind, wird nach einer Untersuchung und im Einzelfall festgelegt. Ob und wie eine Brache genutzt werden darf, klärst du außerdem vorab mit dem Eigentümer und der Kommune.
Das Bodenschutzrecht kennt Prüfwerte und Maßnahmenwerte. Ist ein Prüfwert überschritten, sind weitere Untersuchungen erforderlich. Ist ein Maßnahmenwert überschritten, sind unmittelbar Maßnahmen erforderlich.
Was zeigt eine normale Bodenanalyse nicht?
Eine übliche Gartenbodenanalyse hilft dir bei der Düngung, nicht bei Altlasten. Die Standardanalyse des Hessischen Landeslabors zum Beispiel erfasst Phosphor, Kalium, MagnesiumMagnesium ist ein lebensnotwendiger Pflanzennährstoff, der im Blattgrün (Chlorophyll) jedes Blattes steckt. Fehlt Magnesium, vergilben die Blätter; diese Aufhellung heißt Chlorose. und den pH-Wert. Schwermetalle müssen dort gesondert beauftragt werden, ein unauffälliger Standardbefund sagt über sie also nichts. Salzgehalt und Schwermetalle lassen sich bei Bodenproblemen gezielt im Labor untersuchen. Bei einer Fläche mit unklarer Vorgeschichte gebe ich deshalb ausdrücklich an, dass Schwermetalle mit untersucht werden sollen.
Frühere Nutzung der Fläche erfragen. Bei Verdacht die untere Bodenschutzbehörde ansprechen. Schwermetalle im Labor gesondert beauftragen. Erst nach dem Ergebnis über Kulturen und Ernte entscheiden.
Brache und Stadtentwicklung: Was bringt eine Zwischenbegrünung?
Was leistet die Pflanzendecke für die Fläche?
Bis über die Zukunft einer Brache entschieden ist, kann eine Begrünung den offenen Boden schützen. Eine lebende Pflanzendecke bewahrt die Oberfläche vor Sonneneinstrahlung, Starkregen, Verschlämmung und Erosion. Wurzeln und aktive Regenwürmer bilden Bioporen, durch die Regenwasser besser eindringt, sodass weniger Wasser oberflächlich abfließt.
Auf einer belasteten Fläche ist mehr Versickerung nicht automatisch ein Gewinn. Das Risiko eines Schadstoffs hängt auch an seiner Mobilität, und Bioporen lassen mehr Regenwasser in den Boden. Ob eine Begrünung dort sinnvoll ist, gehört deshalb in die Abstimmung mit der Bodenschutzbehörde.
Warum bleibt die Begrünung eine Aufgabe auf Zeit?
Eine Zwischenbegrünung kostet Wasser und Arbeit. Lebende Bestände vermindern die Verdunstung aus dem Boden, verbrauchen beim Wachsen aber selbst Wasser. Gründüngungssaaten hältst du bis zum Auflaufen feucht. Ob sich der Aufwand rechnet, hängt unter anderem von Saatgut, Aussaatverfahren und Arbeitsaufwand ab. Dazu kommt, ob die Biomasse genutzt, abgefahren oder eingearbeitet wird. Auf einer belasteten Fläche gehört die Abfuhr fest in diese Rechnung.
Auch der Gewinn im Boden ist nicht dauerhaft gesichert. Regelmäßiger Zwischenfruchtanbau speichert nur begrenzt zusätzlichen Humus, und dieser Zuwachs kann wieder verloren gehen, wenn der Anbau endet. Zusammen mit dem Schutz der Oberfläche, der an der lebenden Decke hängt, heißt das: Eine Zwischenbegrünung wirkt, solange sie gepflegt wird, und hinterlässt keinen fertigen Zustand.
Was gilt, wenn aus der Brache ein Garten werden soll?
Soll auf einer früheren Gewerbefläche ein Gemeinschaftsgarten entstehen, kommt die Untersuchung vor dem ersten Beet. Danach planst du die Fruchtfolge wie in jedem Garten, und die Begrünung zählt als Vorkultur mit. Zwischen Roter Bete und verwandten Kulturen wie Mangold und Spinat sollte eine Anbaupause von vier Jahren liegen. Rübsen zählen in der Fruchtfolge zu den Kreuzblütlern, also zur Verwandtschaft von Kohl, Rettich und Radieschen. Für die Einteilung der Flächen hilft dir der Beetplaner, mit dem du Kulturen und Beete ordnest.




