Rübsen als Zwischenfrucht: Bodenverbesserer mit Grenzen im Gemüsegarten
- Rübsen sind Kreuzblütler: Im Gemüsegarten mit Kohl, Rettich und Radieschen wird wegen des Kohlhernierisikos von ihnen als Gründüngung abgeraten.
- Rübsen binden keinen Luftstickstoff. Winterrübsen nehmen vorhandenen Bodenstickstoff auf und speichern ihn in ihrer Biomasse.
- Sommerrübsen sind nicht winterhart, Winterrübsen sind frostverträglich und dienen als Winterzwischenfrucht.
- Winterrübsen werden als Winterzwischenfrucht von Ende August bis Mitte September gesät.
- Für Rübsen gilt eine Anbaupause von 4 Jahren.
- Vor der Samenbildung mähen, nur flach einarbeiten und bis zur Folgekultur meist etwa 2–3 Wochen warten.

Wer nach der Ernte Rübsen als ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. aufs Gemüsebeet sät, holt sich einen Verwandten von Kohl, Rettich und Radieschen auf die Fläche. Damit kann das Risiko für Kohlhernie steigen. Ich säe Rübsen deshalb nur dort, wo in den nächsten Jahren kein Kohlgewächs geplant ist.
Auf solchen Flächen sind Rübsen ein brauchbarer Gründünger: Die Pflanzen wurzeln tief und nehmen Stickstoff auf, der sonst über Winter ausgewaschen werden könnte. Entscheidend sind dann die Form, der Mähtermin und die Pause bis zur nächsten Kultur.
Was sind Rübsen?
Rübsen (Brassica rapa subsp. oleifera) gehören zur Familie der Kreuzblütler und werden als Gründünger einjährig kultiviert. Die Pflanzen stehen sonnig bis halbschattig und kommen mit leichtem Sandboden zurecht, zu saurer Boden gilt als ungünstig. Wie sich die Arten unterscheiden, zeigt der Überblick über die Gründüngerpflanzen mit ihren Familien und Wuchsformen.
Passen Rübsen als Zwischenfrucht in deinen Garten?
Im klassischen Gemüsegarten eher nicht. Wegen der Verwandtschaft mit Kohl, Rettich und Radieschen und wegen des Kohlhernierisikos wird dort von Rübsen als Gründüngung abgeraten. Das gilt auch für Mischungen, die Rübsen enthalten: Alle Pflanzenfamilien einer Gründüngungsmischung müssen zur bisherigen und zur geplanten Gemüsefruchtfolge passen.
Infrage kommen Rübsen dort, wo der Grund für die Warnung entfällt: auf Flächen, auf denen weder vorher noch nachher Kohlgewächse stehen. Das kann offener Boden im Obstgarten sein, der im Juli noch eine Gründüngung bekommt. Für Beete mit Kohl nehme ich Phacelia, weil sie mit keiner gängigen Gemüseart verwandt ist.
Wie lange du mit Kreuzblütlern pausierst
In der Fruchtfolge zählen Gründünger zu ihrer Pflanzenfamilie. Rübsen gehören deshalb wie Senf, Ölrettich und Raps in die Kreuzblütlerpause. Gründünger derselben Familie folgen auf einer Fläche außerdem nicht unmittelbar aufeinander.
| Situation | Abstand |
|---|---|
| Rübsen | Anbaupause von 4 Jahren |
| Kohlgewächse, zu denen auch Stielmus zählt | Wiederkehr auf derselben Fläche erst nach 4 Jahren empfohlen |
| Kohlhernieprobleme an Kohl | Fruchtwechsel von fünf bis sechs Jahren und Verzicht auf Kreuzblütler, auch als Gründüngung |
Ich notiere mir jede Gründüngung mit Jahr und Pflanzenfamilie, damit ich die Pause später nachrechnen kann. Mit dem Werkzeug zum Planen deiner Beetbelegung legst du fest, welche Kultur auf welches Beet kommt. Die Grundregeln dazu stehen im Gründünger-Überblick im Abschnitt zu Fruchtfolge und Mischkultur.
Rübsen und ihre Alternativen im Vergleich
| Rübsen | Gelbsenf | Winterraps | Phacelia | |
|---|---|---|---|---|
| Familie | Brassicaceae, Kreuzblütler | Brassicaceae, Kreuzblütler | Brassicaceae, Kreuzblütler | Boraginaceae |
| Anbaupause | 4 Jahre | 4 Jahre | 4 Jahre | 2 Jahre |
| Nährstoffbedarf | schwachzehrend | schwachzehrend | starkzehrend | schwachzehrend |
| Wurzeltyp | tiefwurzelnd | tiefwurzelnd | tiefwurzelnd | tiefwurzelnd |
Rübsen, Gelbsenf und Winterraps sind alle drei Kreuzblütler. Bei Gemüsefruchtfolgen mit viel Kohl, Rettich oder Radieschen werden deshalb auch Senf und Raps möglichst vermieden. Der Wechsel von Rübsen zu Senf oder Raps ändert an der Familie also nichts. Phacelia ist zwar als tiefwurzelnd eingestuft, für den Hausgarten wird bei ihr aber keine besondere Tiefenwirkung angesetzt.
Was leisten Rübsen im Boden?
Tiefe Wurzeln und Wurzelkanäle
Rübsen gelten als tiefwurzelnd. Wenn die Wurzeln einer Gründüngung verrotten, hinterlassen sie Kanäle, durch die Wasser und Luft in den Boden gelangen können. Die organische Substanz, die dabei im Boden bleibt, kann die Wasserspeicherung leichter Böden und die Durchlässigkeit schwerer Böden verbessern.
Stickstoff festhalten, nicht sammeln
Winterrübsen nehmen vorhandenen Stickstoff aus dem Boden auf und speichern ihn in ihrer Biomasse. Zwischenfrüchte können so die Gefahr verringern, dass Nitrat über Winter ausgewaschen wird. Winterharte Bestände, die bis zum Frühjahr wachsen, schützen den aufgenommenen Stickstoff dabei besser als früh beendete. Weil Winterrübsen frostverträglich sind, ist die Winterform die passende Wahl, wenn du Stickstoff über den Winter im Beet halten willst.
Rübsen reichern den Boden nicht mit Stickstoff an. Zusätzlichen Stickstoff aus der Luft bringen nur Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen ein. Rübsen nutzen als Nichtleguminose den Stickstoff, der schon im Boden vorhanden ist.
Der eigene Nährstoffbedarf ist gering: Rübsen gelten als schwachzehrend.
Schutz für die Bodenoberfläche
Solange der Bestand steht, beschattet und bedeckt er den Boden. Das schützt vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten., Verkrustung und Erosion. Wie diese Wirkungen zusammenhängen, erklärt der Überblick zur Gründüngung im Abschnitt dazu, was Gründüngung im Boden leistet.
Was Rübsen nicht leisten
Eine Partnerschaft mit Mykorrhizapilzen gehen Rübsen nicht ein. Kreuzblütler gehören zu den Pflanzen, die keine arbuskuläre MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. bilden, und diese Pilze brauchen lebende WirtspflanzenWirtspflanzen sind die Pflanzen, die ein bestimmter Schädling oder Krankheitserreger befällt und von denen er lebt. Ein Schädling oder Erreger hat oft mehrere Wirtspflanzen, darunter auch verwandte Wildkräuter., um zu wachsen und sich zu vermehren. Solange auf der Fläche nur Rübsen stehen, finden die Pilze dort also keinen Wirt. Klee, Lein und Luzerne können dagegen arbuskuläre Mykorrhiza bilden.
Sommerrübsen oder Winterrübsen: welche Form als Zwischenfrucht?
Die Form entscheidet, was über Winter auf dem Beet passiert. Sommerrübsen sind nicht winterhart, Winterrübsen sind frostverträglich und werden als Winterzwischenfrucht genutzt.
| Sommerrübsen | Winterrübsen | |
|---|---|---|
| Frost | nicht winterhart | frostverträglich |
| Rolle als Zwischenfrucht | Sommerzwischenfrucht | Sommerzwischenfrucht oder Winterzwischenfrucht |
| Über Winter | friert der Bestand ab, bleibt er als Mulch liegen | Bestand bleibt bis zum Frühjahr stehen |
| Im Frühjahr | Reste flach einarbeiten | Bestand aktiv beenden, die Pflanzenmasse kann viel Handarbeit erfordern |
Ich entscheide zuerst, wann ich das Beet im Frühjahr wieder brauche. Soll dort früh gesät werden, nehme ich keine Winterform, weil ich einen winterharten Bestand erst abräumen muss.
Aussaat in Kürze
Sommerrübsen werden als Sommerzwischenfrucht im Juli bis August gesät. Winterrübsen kommen für eine Sommerzwischenfrucht von Mitte Juli bis Mitte August in den Boden, für eine Winterzwischenfrucht von Ende August bis Mitte September. Welcher Termin zu Region und Bodentemperatur passt, zeigt der Ratgeber dazu, wann und wie du Sommer- und Winterrübsen säst.
Gesät wird wie bei jeder Gründüngung: Saatgut breitwürfig verteilen, einrechen, andrücken und bis zum Auflaufen feucht halten. Für Rübsen werden 5–14 Tage Keimdauer genannt. Als Reinsaatstärke werden 15–20 kg/ha genannt, ein Wert aus dem Feldanbau; für dein Beet nimmst du die Mengenangabe auf der Saatguttüte. Die SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. deiner Gründünger kannst du dir als Aussaatkalender für Gründünger ausdrucken.
Was passiert nach dem Mähen?
Gemäht wird gewöhnlich kurz vor der Blüte und spätestens vor der Samenbildung. Rübsen gelten als verwilderungsfähig, deshalb lasse ich sie nicht bis zur Samenreife stehen. Die frische Masse wird nur flach eingearbeitet, und bis zur nächsten Saat oder Pflanzung vergehen meist etwa 2–3 Wochen. Zeitpunkt, Mulch und Wartezeit beschreibt der Gründünger-Überblick im Abschnitt zum Mähen und Einarbeiten.
Wie sich eingearbeitete Rübsen zersetzen
Bakterien, Pilze und Regenwürmer zersetzen die Reste und tragen damit zur Humusbildung bei. Ein Teil der organischen Substanz wird weiter umgesetzt, ein stabilerer Anteil bleibt länger als Dauerhumus im Boden. Die Nährstoffe, die die Pflanzen vorher aus dem Boden aufgenommen haben, werden beim Verrotten wieder frei.
Wie schnell das geht, hängt von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab. Auch das Alter zählt: Junge Pflanzen haben ein engeres Verhältnis von KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. zu Stickstoff als ältere und werden deshalb schneller umgesetzt. Verholzte Reste verrotten langsamer und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden. Wer Rübsen zu lange stehen lässt, muss also mit einer langsameren Rotte rechnen und mit Stickstoff, der der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. zeitweise fehlt.
Frische Grünmasse gehört nur in die oberste Bodenschicht, weil sie tief vergraben unter Luftabschluss faulen kann. Im Frühherbst bleibt der Bestand stehen, denn Einarbeiten kann Nährstoffe vorzeitig freisetzen und ihre Auswaschung begünstigen.
Die Wartezeit von etwa 2–3 Wochen ist eine Orientierung, die tatsächliche Zersetzung zählt mit. Ich steche vor dem Pflanzen an einer Stelle mit der Grabegabel ein und schaue, ob die Reste noch grün und faserig sind.
Wie viel Stickstoff du für die Folgekultur anrechnest
Der Stickstoff aus der Biomasse steht der Folgekultur je nach Boden, Witterung und Umbruch nicht vollständig zur Verfügung. Die Freisetzung muss außerdem zeitlich zu ihrem Bedarf passen. Als pauschale Rechenhilfe für die Gartendüngung dient die Höhe des Aufwuchses:
| Aufwuchshöhe der Gründüngung | Anrechenbarer Stickstoff |
|---|---|
| unter 5 cm | 1 g/m² |
| 5–14 cm | 2 g/m² |
| 15–30 cm | 4 g/m² |
| über 30 cm | 6 g/m² |
Die Werte ersetzen keine Düngeplanung für die Folgekultur, sie helfen beim Abschätzen.
Rübsen im Hochbeet und im Kübel
Im Hochbeet ist eine Gründüngung sinnvoll, wenn die Fläche nach der Ernte mehrere Wochen oder über Winter ungenutzt bleibt. In kleinen Gefäßen lohnt sie sich meist nicht, weil sich die Erde dort einfach austauschen lässt. Die Familienregel gilt im Hochbeet genauso: Standen dort Radieschen, Rettich oder Kohl oder planst du sie als Nächstes, nimmst du keine Rübsen.
Hochbeete erwärmen sich schneller als Bodenbeete und können rascher austrocknen, und eine Gründüngungssaat soll bis zum Auflaufen feucht bleiben. Ich fühle im Hochbeet deshalb nach der Saat mit dem Finger nach, statt mich auf den Regen zu verlassen. Bleiben Winterrübsen bis zum Frühjahr stehen und brauche ich danach ein feines Saatbett, räume ich den Bestand ab und kompostiere ihn.
Welche weiteren Nutzungen bieten Rübsen?
Im Feldanbau werden Sommerrübsen auch für die Körnernutzung gesät, im österreichischen Anbauschema von März bis Anfang April. Im Hausgarten kennst du die Art eher als Gemüse, denn zu Brassica rapa gehören auch Speiserüben, Stielmus, Mizuna und Tatsoi. Bei den Speiserübenformen sind Blätter und Rüben roh oder gekocht verwendbar, Stielmus wird wegen seiner jungen Blätter und Blattstiele angebaut.
Für die Küche säe ich diese Gemüseformen eigens aus und überlasse den Gründüngungsbestand dem Boden. Stielmus kannst du von Mitte März bis Anfang August direkt ins Freiland säen. Auch er zählt als Kreuzblütler in die Fruchtfolge der Kohlgewächse.
Blühende Rübsen gelten als nützlingsfreundlich, die Blütezeit der Art reicht von Mai bis August. Lässt du sie für Insekten blühen, beendest du den Bestand nach der Blüte, aber vor der Samenreife. Mehr zu Blüten als Insektennahrung steht im selben Überblick bei den Familien und Wuchsformen.
Mit Zuckerrübe, Futterrübe und Roter Bete haben Rübsen nur den ähnlichen Namen gemeinsam, denn diese drei sind Kulturformen von Beta vulgaris. Was sie im Beet bewirken, zeigt der Ratgeber dazu, wie Rübenarten Struktur und Nährstoffhaushalt des Gartenbodens beeinflussen.
Pflege, Schädlinge und Krankheiten in Kürze
Gründüngung braucht nach dem Auflaufen wenig Pflege. Bei trockener Witterung kann vor allem in der Keimphase wiederholtes Gießen nötig sein. Mehr dazu steht im Gründünger-Überblick im Abschnitt zu Pflege, Gießen und Düngen.
Bei den Krankheiten zählt vor allem die Kohlhernie, wegen der von Rübsen im Gemüsegarten abgeraten wird. Die Feldbefunde zur Nematodenbekämpfung betreffen resistente Ölrettich- und Senfsorten, nicht Rübsen. Wo die Grenzen solcher Bodenkuren liegen, ordnet der Überblick im Abschnitt zu NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt., Biofumigation und Krankheiten ein.





