Schattenrasen unter Bäumen: Pflege bei Wurzel-, Wasser- und Lichtkonkurrenz
- Unter Bäumen fehlt dem Rasen Licht, und die Baumwurzeln konkurrieren mit ihm um Wasser und Nährstoffe.
- Der Boden unter der Krone kann auch nach Regen trocken bleiben, deshalb prüfst du die Bodenfeuchte dort gesondert.
- Laub und Schnittgut nehmen dem Schattenrasen weiteres Licht und werden regelmäßig abgeräumt.
- Im Schatten mähst du auf mindestens 4,5 cm.
- Im Wurzelraum keine Wurzeln verletzen und keine zusätzliche Erde aufschütten.
- Bei starkem Lichtmangel mit Wurzelkonkurrenz kann eine Schattenpflanzung besser passen als Rasen.
Unter einem Baum fehlt dem Rasen Licht, und die Baumwurzeln holen sich Wasser und Nährstoffe aus demselben Boden. Ein Schattenrasen unter Bäumen braucht deshalb eine Pflege, die Licht, Wasser und Wurzeln zugleich berücksichtigt. Ich schaue mir unter einer Krone zuerst das Licht und die Bodenfeuchte an, bevor ich zu Saat oder Dünger greife.
Was unter der Krone mit dem Rasen konkurriert
Unter Gehölzen leiden Rasengräser nicht nur unter Lichtmangel. Die Wurzelkonkurrenz schränkt zusätzlich ihre Versorgung mit Wasser und Nährstoffen ein. Für Licht, Wasser und Wurzeln gibt es jeweils eigene Handgriffe, deshalb gehe ich die drei nacheinander durch.
Wurzelkonkurrenz heißt, dass Baum und Rasen Wasser und Nährstoffe aus demselben Boden holen. Unter Gehölzen kommt sie zum Lichtmangel hinzu.
Die Grundlagen, wie du Rasen anlegst, mähst, gießt und düngst, gelten unter Bäumen genauso. Dort steht auch, was einen Schattenrasen von anderen Rasentypen unterscheidet.
Licht: Was der Schatten mit den Gräsern macht
Fehlt Licht, treiben Rasengräser weniger AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. und wachsen stärker in die Länge. Dabei zählt nicht nur, wie lange Licht auf die Fläche fällt, sondern auch, zu welcher Tageszeit. Ich gehe an einem sonnigen Tag zu verschiedenen Zeiten über die Fläche und notiere, wo Sonne liegt und wie lange.
Unter Laubbäumen mache ich diese Lichtrunde zweimal: im Frühjahr vor dem Laubaustrieb und im Sommer bei voller Krone. Erst beide Notizen zusammen zeigen mir, wie viel Licht die Fläche über das Jahr bekommt.
Vor dem Laubaustrieb fällt unter sommergrünen Gehölzen noch Frühlingslicht auf den Rasen. Eine frühe Versorgung nutzt dieses Licht, deshalb liegt die erste Düngung unter Laubbäumen möglichst vor dem Austrieb. Als Orientierung dient die Forsythienblüte.
Auch beim Dünger zählt die Lichtreaktion der Gräser mit. Weil sie im Schatten ohnehin stärker in die Länge wachsen, dosierst du Stickstoff dort vorsichtig, damit das Haupttriebwachstum nur moderat angeregt wird.
Im Schatten mähst du auf mindestens 4,5 cm. Für eingewachsenen Schattenrasen werden 5 bis 6 cm empfohlen, damit genug Blattfläche für die Lichtaufnahme stehen bleibt. Mähtechnik und Drittelregel erklärt der Rasen-Ratgeber im Abschnitt Mähen.
Wie du mit Lichtanalyse, Reflexion und Baumpflege mehr Licht auf den Schattenrasen bringst, zeigt ein eigener Beitrag.
Laub und Schnittgut: Warum sie unter Bäumen nicht liegen bleiben
Was an Laub und Schnittgut auf der Fläche liegen bleibt, nimmt dem Schattenrasen weiteres Licht. Unter Bäumen räumst du beides deshalb regelmäßig ab, auch wenn du auf sonnigen Flächen mulchmähst. Das Laub harke ich mit dem Federrechen zusammen. Den Mäher mit Fangkorb nehme ich dafür nur, solange die Gräser noch wachsen.
Im Herbst kommt ein zweiter Grund hinzu. Winterliche Pilzkrankheiten wie Schneeschimmel werden durch kühl-feuchte Bedingungen bei 0 bis 8 °C, durch Staunässe und durch liegen gebliebenes Laub begünstigt. Wer unter dem Baum das Laub abräumt, gibt dem Rasen also Licht zurück und nimmt solchen Pilzen zugleich eine ihrer günstigen Bedingungen. Welche Krankheiten im Schattenrasen auftreten und wie du sie erkennst, steht in einem eigenen Beitrag.
Wasser: Warum der Boden unter der Krone trocken bleiben kann
Unter einer dichten Krone erreicht Regen den Wurzelraum unter Umständen nur unzureichend. Was ankommt, teilen sich Rasen und Baum, denn die Baumwurzeln konkurrieren mit den Gräsern um Wasser. Ich prüfe die Bodenfeuchte unter der Krone deshalb gesondert: Mit dem Spaten steche ich ein und schaue, wie tief der Boden feucht ist.
Im Schatten bleibt der Boden von selbst feucht? Unter Bäumen kann der Rasenboden auch nach Regen trocken bleiben. Schatten allein ist kein Beleg für eine ausreichende Wasserversorgung.
Für die schattentolerante Lägerrispe ist das ein Problem. Im Schatten bevorzugt die Lägerrispe kühle, feuchte und nährstoffreiche Bedingungen, ihre Trockenheitstoleranz ist gering. Unter einem Baum konkurrieren die Wurzeln aber genau um Wasser und Nährstoffe, und vor Trockenheit schützt die Lägerrispe ihre Schattenverträglichkeit nicht.
Ist der Boden trocken, gießt du durchdringend.
Für eine durchdringende Wassergabe auf Schattenrasen gelten je nach Bedarf 10 bis 15 l/m². Sie soll den Boden etwa 10 cm tief durchfeuchten.
Ich stelle beim Sprengen einen Regenmesser auf die Fläche und lese ab, wie viel Wasser tatsächlich ankommt. Läuft das Wasser auf dem trockenen Boden oberflächlich ab, verteilst du die Gabe auf mehrere Durchgänge mit kurzen Pausen. Gießzeitpunkt und Abstände zwischen den Wassergaben erklärt der Rasen-Ratgeber im Abschnitt Gießen.
Örtliche Bewässerungsverbote und Einschränkungen gehen jeder Gießempfehlung vor, auch unter dem Baum.
Wird der Rasen in einer Trockenphase braun, ist er nicht automatisch abgestorben. Etablierte Gräser können eine Ruhephase überstehen und nach Regen wieder austreiben. In der Trockenphase betrittst und mähst du die Fläche weniger und vertikutierst nicht.
Wurzeln: Was du im Wurzelraum besser lässt
Wenn du im Wurzelraum eines Baums gräbst, achtest du darauf, keine Wurzeln zu verletzen. Freigelegte Wurzeln schützt du vor dem Austrocknen. Das gilt für jede Arbeit unter der Krone, vom Lockern vor einer NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. bis zum Pflanzloch für eine Schattenstaude. Wurzeln abzustechen, um dem Rasen Platz zu verschaffen, ist genau die Verletzung, die du dort vermeiden willst.
Eine Schicht Erde über die Baumwurzeln schütten, damit der Rasen mehr Boden bekommt. Zusätzliche Erde im Wurzelbereich kann die Belüftung verschlechtern und so die Wurzeln eines bestehenden Baums schädigen.
Weil die Baumwurzeln auch um Nährstoffe konkurrieren, kann Rasen unter Bäumen mindestens drei Düngetermine im Jahr brauchen. Ob Kalk oder einzelne Nährstoffe fehlen, zeigt eine BodenuntersuchungEine Bodenanalyse ist die Laboruntersuchung einer Bodenprobe, die du aus vielen Einstichen einer Fläche zusammenmischst. Sie zeigt, welche Nährstoffe im Boden stecken und wie viel Kalk er braucht, und ist die Grundlage für bedarfsgerechtes Düngen.. Wie du Schattenrasen nach Zeitpunkt, Düngerart und Menge düngst, erklärt der Beitrag zur Düngung.
Gräser, Moos, Vertikutieren und Nachsaat: was unter Bäumen gilt
Gräser. Auch schattenverträgliche Gräser haben ihre Grenzen. Rotschwingel ist trockenheitstolerant, aber nur mäßig trittfest, und die Hainrispe verträgt häufiges Mähen schlecht. Die Arten im Vergleich findest du im Rasen-Ratgeber unter Rasengräser.
Moos. Schatten kann Moos fördern, genauso wie ein verdichteter Boden, NährstoffmangelNährstoffmangel heißt, dass eine Pflanze von einem oder mehreren Nährstoffen zu wenig bekommt oder aufnehmen kann. Sie bleibt dann im Wachstum zurück und zeigt Verfärbungen, etwa hellgrünes oder vergilbendes Laub. oder ein zu tiefer Schnitt. Moos allein beweist keinen Kalkbedarf, und wer es bekämpft, beseitigt damit keinen Lichtmangel. Wie du Moos im Schattenrasen bekämpfst und verhinderst, steht in einem eigenen Beitrag.
VertikutierenVertikutieren ist ein Pflegeschritt für den Rasen: Scharfe Messer ritzen die Fläche leicht an und holen den Rasenfilz heraus. Rasenfilz ist eine Schicht aus liegen gebliebenem Schnittgut, abgestorbenen Pflanzenresten und Moos.. Den Vertikutierer setzt du im Schattenrasen nur ein, wenn Filz oder Moos stören, und dann nach dem zweiten Schnitt im April oder Mai. In Trockenphasen bleibt er stehen. Filzgrenze und Arbeitstiefe erklärt der Rasen-Ratgeber unter Vertikutieren und AerifizierenAerifizieren heißt, den Boden unter dem Rasen mit Zinken zu durchlöchern. Die Hohlräume verbessern den Luftaustausch im verdichteten Boden und fördern so Wurzelwachstum und Bodenleben..
Nachsaat. Ich säe unter Bäumen erst nach, wenn ich Licht und Bodenfeuchte geprüft und das Laub abgeräumt habe. Wie du Lücken im Schattenrasen nachsäst und wie du einen ausgedünnten Schattenrasen Schritt für Schritt regenerierst, zeigen zwei eigene Beiträge. Für eine Neuanlage gibt es eine Anleitung, wie du Schattenrasen vom Saatzeitpunkt bis zur ersten Bewässerung aussäst.
Jahresplan. Welche Pflege dein Schattenrasen in welcher Jahreszeit braucht, fasst ein eigener Pflegeplan zusammen.
Wann Rasen unter dem Baum an seine Grenze kommt
Liegt eine Fläche in tiefem Schatten von Gehölzen, hält sich dort auf Dauer auch mit einer Schattenrasenmischung kein zufriedenstellender Rasen. Kommt zum starken Lichtmangel noch die Konkurrenz der Baumwurzeln, kann eine schattenverträgliche Ersatzpflanzung besser passen als Rasen. Ich entscheide das nicht für den ganzen Garten, sondern für die Fläche direkt unter der Krone.
Infrage kommen zum Beispiel Elfenblumen, Purpurglöckchen, Farne und Funkien. Auch BodendeckerBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz. brauchen Pflege, bis sie geschlossen sind: Waldsteinia ternata eignet sich für den Schatten, verlangt bis zum FlächenschlussFlächenschluss ist der Zustand, in dem Stauden, Gräser oder Bodendecker einer Pflanzung so weit zusammengewachsen sind, dass sie eine geschlossene Pflanzendecke bilden und kaum noch offener Boden zu sehen ist. aber intensive Entwicklungspflege. Beim Pflanzen gilt im Wurzelraum dieselbe Regel wie beim Rasen, also keine Wurzeln verletzen und keine zusätzliche Erde aufschütten. Welche Alternativen zum Rasen im Schatten infrage kommen, liest du im Beitrag zu den typischen Schattenproblemen.






