Hangrasen anlegen: Gräser und Aussaat gegen Erosion
- Rotschwingel eignet sich besonders für nährstoffarme Böschungsrasen, Wiesenrispe festigt die Narbe mit unterirdischen Ausläufern.
- Rechenrillen quer zum Gefälle vermindern, dass die Saat abgeschwemmt wird.
- Halte die Aufwandmenge der Mischung ein, denn eine Überdosierung kann Pilzkrankheiten begünstigen.
- Ein Wachstumsvlies kann die Hangansaat schützen und kommt bei 4 bis 5 cm Grashöhe herunter.
- Punktuell zulaufendes Wasser hält auch ein Erosionsschutz nicht auf, deshalb klärst du die Entwässerung vor der Aussaat.
Am Hang kann Regen frische Rasensaat abschwemmen, bevor sie überhaupt gekeimt hat. Bis die Gräser eine geschlossene, durchwurzelte Decke bilden, liegt der Boden offen. Ich plane einen Hangrasen deshalb in zwei Schritten: erst die Gräser, die den Boden später halten, dann die Aussaattechnik, mit der die Saat bis dahin liegen bleibt.
Was den Boden am Hang hält
Eine rasch geschlossene Pflanzendecke, die den Boden zunehmend durchwurzelt, macht eine Böschung weniger anfällig für Erosion. Die Decke schützt die Oberfläche außerdem davor, unter aufprallenden Regentropfen zu verschlämmen. Wo noch keine Decke steht, fehlt dieser Schutz. Starkregen kann auf Rasenflächen oberflächlichen Abfluss auslösen und gelöste Nährstoffe mit dem Sickerwasser aus dem Wurzelraum verlagern. Für deinen Hangrasen zählen deshalb zwei Entscheidungen: die Gräser für die Zeit danach und der Schutz der Saat in der Anwachsphase.
Welche Gräser in einen Hangrasen gehören
Die Mischung richtest du nach der Nutzung der Fläche. Am Hang lautet die erste Frage also: Gehst du regelmäßig darüber, oder ist es eine Böschung, die vor allem den Boden halten soll? Für Gebrauchsrasen werden Kombinationen aus Deutschem Weidelgras, Wiesenrispe und Rotschwingel eingesetzt. Diese Gräser bringen am Hang unterschiedliche Stärken mit.
| Grasart | Was sie am Hang mitbringt | Keimt bzw. läuft auf nach |
|---|---|---|
| Rotschwingel | eignet sich besonders für nährstoffarme Landschafts- und Böschungsrasen; trockenheitstolerant, verträgt etwas Schatten; ausläuferbildende Formen können Lücken schließen; im Allgemeinen nur mäßig trittfest, die Sorten unterscheiden sich | keimt nach 10 bis 18 Tagen |
| Wiesenrispe | festigt mit unterirdischen AusläufernAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. und kann Lücken schließen; entwickelt sich anfangs langsam | keimt nach 14 bis 21 Tagen |
| Deutsches Weidelgras | keimt schnell und schließt Lücken rasch; mit Wiesenrispe Hauptgras trittfester Sportrasenmischungen | keimt nach 7 bis 15 Tagen |
| Rohrschwingel | grobblättrig, wurzelt tief, hitze- und trockenheitsverträglich; eignet sich für sehr trockene Standorte | läuft nach 9 bis 16 Tagen auf |
Die Tage gelten unter geeigneten Bedingungen. Für eine Hangmischung mit Wiesenrispe folgt daraus: Sie braucht Schutz über die ganze Anwachsphase. Ihre Ausläufer festigen die Narbe, doch sie keimt erst nach 14 bis 21 Tagen und entwickelt sich anfangs langsam. In dieser Zeit können raschwüchsige Mischungspartner sie sogar verdrängen.
Sonniger Hang, schattiger Hang
Trocknet dein Hang in der Sonne schnell ab, gehören trockenheitsverträgliche Arten in die Mischung. Rotschwingel und Schafschwingel vertragen trockenere Bedingungen vergleichsweise gut. Beim Schafschwingel lohnt der genaue Blick: Raublättriger Schafschwingel verträgt häufiges Mähen, Gemeiner und Haar-Schafschwingel besiedeln vor allem extensiv genutzte Flächen. Tiefer wurzelnde Gräser wie Rohrschwingel und Wiesenschwingel können bei einer Neuanlage die Verträglichkeit trockener Bedingungen verbessern. Auch solche Mischungen brauchen weiterhin Wasser. Trockenheitsverträglichere Mischungen reagieren nur später auf Trockenheit und können sich nach Regen schneller erholen.
Am schattigen Hang verträgt Rotschwingel etwas Schatten. Lägerrispe ist schattentolerant, reagiert aber empfindlich auf Austrocknung. Unter Bäumen kommt hinzu, dass die Baumwurzeln mit dem Rasen um Wasser und Nährstoffe konkurrieren. In tiefem Dauerschatten liefert auch eine Schattenmischung langfristig keinen zufriedenstellenden Rasen.
Worauf ich beim Kauf der Mischung schaue
Ich lese auf der Packung zuerst die Arten und gleiche sie mit Licht, Boden und Nutzung meines Hangs ab. Danach prüfe ich, ob es sich um Rasensorten handelt. Auf Rasennutzung geprüfte Sorten sind Futtersorten vorzuziehen, denn Futtersorten besitzen häufig nur eine geringe Raseneignung. In der Sortenprüfung wird die Eignung auf einer Skala von 1 bis 9 bewertet, und höhere Noten stehen für eine bessere Eignung zum jeweiligen Rasentyp. Für die Ansaat wählst du eine Regelsaatgutmischung, die zur vorgesehenen Nutzung passt.
Vor der Aussaat: Boden lockern, Wasser lenken
Lockere den Boden vor der Neuanlage als Orientierung mindestens 15 cm tief, besonders nach verdichtenden Bauarbeiten. Das zählt doppelt, wenn du auf TiefwurzlerTiefwurzler sind Pflanzen, deren Wurzeln bis in tiefere Bodenschichten reichen, im Gemüsegarten etwa Möhre, Pastinake, Tomate oder Mangold. Sie ergänzen sich gut mit Flachwurzlern, weil beide Wasser und Nährstoffe aus unterschiedlichen Schichten holen. wie Rohrschwingel setzt: Verdichtung begünstigt ein flaches Wurzelwerk, und dann fehlt genau die Wurzeltiefe, für die du ihn wählst. Tragschicht, Feinplanum und BodenprobeEine Bodenanalyse ist die Laboruntersuchung einer Bodenprobe, die du aus vielen Einstichen einer Fläche zusammenmischst. Sie zeigt, welche Nährstoffe im Boden stecken und wie viel Kalk er braucht, und ist die Grundlage für bedarfsgerechtes Düngen. erkläre ich in den Grundlagen zu Standort und Boden für Rasen.
Wasser, das gebündelt auf den Hang trifft
Schau dir vor der Ansaat an, wo bei Regen Wasser auf den Hang läuft und wo es austritt. In einem Böschungsversuch verhinderten Erosionsschutzsysteme keinen Bodenabtrag durch punktuell starke Wasserzutritte oder Wasseraustritte. Solche Stellen gehst du deshalb vor der Aussaat an. Reichen einfache Maßnahmen wie Sickerschlitze nicht aus, kann eine Rohrdränage nötig werden, und die erfordert in der Regel professionelle Hilfe. Auch Senken, in denen sich Wasser sammelt, können nach der Einsaat Lücken hinterlassen.
Lass vor der Aussaat einmal den Regner über den vorbereiteten Hang laufen. Dann siehst du, wo das Wasser abläuft und wo es stehen bleibt. Markiere diese Stellen mit Stäben, bevor du die Rillen ziehst.
Aussaat am Hang: quer zum Gefälle
Für die Ansaat gelten diese Richtwerte. Am Hang kommen Handgriffe dazu, mit denen die Saat liegen bleibt.
| Arbeitsschritt | Richtwert |
|---|---|
| Bodentemperatur zur Aussaat | mindestens 10 °C |
| Saatfenster | etwa Mitte April bis Mitte Juni und August bis Mitte September, wenn Bodentemperatur und Feuchtigkeit passen |
| Saatmenge | im Regelfall 25 g je m² bei einer passenden Regelsaatgutmischung; bei anderen Mischungen gilt deren Angabe |
| SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. | etwa 0,5 cm, danach andrücken |
| Wässern in der Keimphase | in den ersten drei Wochen alle 1 bis 2 Tage 5 l/m², bei Bedarf bis 10 l/m²; bei großer Hitze zusätzlich kurz überbrausen |
| Feucht halten | obere Bodenschicht 3 bis 4 Wochen, auch wenn schon Halme stehen |
| Vlies abnehmen | bei 4 bis 5 cm Grashöhe |
| Erster Schnitt | bei 8 bis 10 cm Aufwuchs, nicht unter 5 cm kürzen |
Ich säe am Hang bevorzugt im Fenster ab August. Die Aussaat zum Herbst hin profitiert von gespeicherter Bodenwärme, und die Feuchtigkeit lässt sich leichter sicherstellen. Im Frühjahr kann dagegen stärkerer Unkrautdruck auftreten. Die Saatfenster hast du mit dem druckbaren Aussaatkalender für Rasen im Blick.
So säe ich am Hang
- Rillen quer zum Gefälle ziehen. Mit dem Rechen ziehe ich Rillen quer zum Hang. Die Rechenrillen vermindern das Abschwemmen der Samen.
- Bei Windstille säen. Verteile die Saat gleichmäßig in zwei Gängen, einmal längs und einmal quer zum Hang.
- Flach einarbeiten und andrücken. Die Saat kommt etwa 0,5 cm tief in den Boden und wird angedrückt. Zu tiefes Einarbeiten kann Lücken hinterlassen, und offen liegende Samen erreichen Vögel leichter.
- Mit dem Schwachregner angießen. So verschlämmt die Oberfläche nicht.
- Vlies auflegen. Ein licht- und wasserdurchlässiges Wachstumsvlies kann die Hangansaat schützen.
„Am Hang muss mehr Saat drauf, weil ein Teil abrutscht.“ Eine Überdosierung verstärkt die Konkurrenz zwischen den Keimlingen und kann Pilzkrankheiten begünstigen. Halte dich an die Aufwandmenge der Mischung und setze gegen das Abschwemmen auf die Rillen quer zum Gefälle.
Angießen, ohne dass es abläuft
Keimende Samen brauchen durchgehend Feuchtigkeit, denn trocknet ein Keimling aus, kann er absterben. Zu viel Wasser schadet ebenfalls. Die meisten Rasengräser brauchen zur Keimung ausreichend Sauerstoff im Boden, deshalb vermeidest du VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. durch VernässungVernässung bedeutet, dass ein Boden zeitweise oder anhaltend so viel Wasser enthält, dass ihm Luft fehlt. Sie ist der Oberbegriff für Nässe durch Grundwasser, Stauwasser, Haftwasser oder Hangwasser; Staunässe ist eine dieser Formen.. Läuft das Wasser am Hang oberflächlich ab, verteile ich die Gabe auf mehrere Durchgänge mit kurzen Versickerungspausen.
Deutsches Weidelgras kann unter günstigen Bedingungen schon nach gut einer Woche keimen. Wiesenrispe braucht gut drei Wochen. Halte die obere Bodenschicht deshalb 3 bis 4 Wochen feucht, auch wenn schon erste Halme stehen.
Vlies und Erosionsschutz in der Anwachsphase
Nimm das Wachstumsvlies bei 4 bis 5 cm Grashöhe ab, damit es nicht einwächst. Bis dahin kann es die Saat auch vor Vogelfraß schützen. Für Böschungen gibt es außerdem Erosionsschutzsysteme. Passend ausgewählt und fachgerecht verlegt, ergänzen sie in der Anwachsphase den Oberflächenschutz, den die junge Pflanzendecke noch nicht leistet.
Hydrosaat und Rollrasen
Bei der Hydrosaat wird ein Gemisch aus Wasser, Saatgut, Dünger, Zellulose und Klebemittel auf die Fläche gespritzt. Maschinen im Rasenbau können mehrere Arbeitsgänge zusammenfassen und mehr Fläche schaffen als die Handsaat.
Rollrasen bringt die geschlossene Decke gleich mit. Gegen Erosion wirkt die Decke aber zusammen mit ihrer Durchwurzelung, deshalb hat ein Hang mit Rollrasen den vollen Schutz erst, wenn die Soden angewachsen sind. Verwurzelt ist er, wenn du ihn nicht mehr ohne Weiteres anheben kannst. Verlege die Bahnen spätestens 12 bis 24 Stunden nach der Lieferung auf Stoß ohne Kreuzfugen und walze sie an. Rollrasen kostet in der Anschaffung mehr als Saat, und in den Vergleich gehört die Fertigstellungspflege.
Pflege am Hang: mähen, gießen, düngen
Gepflegt wird ein Hangrasen nach denselben Grundregeln wie jeder Rasen, die Werte zu Schnitthöhe, Wassermenge und Düngung stehen im Rasen-Ratgeber. Am Hang achte ich zusätzlich auf diese Punkte.
Mähen. Mähe nur trockene Halme, denn Regen und Tau sprechen gegen einen Schnitt. Nach Starkregen befährst du den Hang mit schwerem Gerät erst, wenn der Boden wieder trägt und keine Fahrspuren entstehen. Einen Mähroboter lässt du zum Schutz von Kleintieren weder nachts noch in der Dämmerung fahren.
Gießen. Etablierten Rasen gießt du durchdringend, sodass das Wasser 10 bis 15 cm tief in den Wurzelbereich eindringt. Läuft es ab, hilft dieselbe Teilung in mehrere Durchgänge mit Pausen wie bei der Saat. Ein geeigneter Zeitpunkt ist der frühe Morgen.
Düngen. Richte die Düngung nach einer Bodenuntersuchung aus und gib sie in Teilgaben. Am Hang hat das einen zusätzlichen Grund: Starkregen kann gelöste Nährstoffe mit dem Abfluss und dem Sickerwasser verlagern.
Kahle Stellen und Trockenschäden
Bevor ich am Hang nachsäe, suche ich die Ursache der Lücke. Sie kann durch Austrocknung, ungleichmäßige Saatverteilung, zu tiefes Einarbeiten oder Wasser in einer Senke entstanden sein. Nachgesät wird mit der ursprünglich verwendeten Mischung und wieder mit Rillen quer zum Gefälle. Halte die Stelle etwa vier Wochen gleichmäßig feucht, denn spät keimende Gräser können so lange brauchen. Kleine Stellen kannst du mit Vlies vor Vogelfraß schützen.
Braun heißt nach Trockenheit nicht automatisch tot: Etablierter Rasen kann eine Trockenruhe überstehen und nach ausreichendem Regen wieder austreiben. Für eine Probe stichst du ein braunes Stück 5 bis 8 cm tief aus und hältst es im Topf feucht. Neue grüne Spitzen nach etwa einer Woche weisen auf verbliebene Vitalität hin. Nachgesät wird erst, wo Pflanzen tatsächlich abgestorben und größere Lücken geblieben sind, nach sommerlicher Trockenheit etwa im September oder Oktober. Dann kannst du die NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. mit einer Mischung verbinden, die besser zu deinem Standort passt.
Nach einem Starkregen gehe ich den Hang von oben nach unten ab. Ich schaue, wo Boden frei liegt, wo sich Wasser gesammelt hat und wo das Vlies verrutscht ist. Diese Stellen notiere ich für die Nachsaat.
Wenn Rasen am Hang nicht passt
Für den Bodenschutz zählt eine dauerhafte Pflanzendecke, im tiefen Schatten etwa aus Schattenstauden wie Elfenblumen, Farnen und Funkien. Einen sonnigen Hang, den du kaum betrittst, kannst du als Blumenwiese anlegen. Die Wiese wird je nach Mischung etwa 60 bis 100 cm hoch und steht während des hohen Aufwuchses nicht als Fläche zum Betreten zur Verfügung.







