Spinnenpflanze (Cleome) vermehren: Stecklinge bewurzeln und Jungpflanzen pflegen
- Die Spinnenpflanze ist bei uns einjährig und nicht winterhart, Überwintern bleibt ein Versuch mit einer Kübelpflanze.
- Von Cleome spinosa gibt es stecklings- und samenvermehrte Sorten, und ein Steckling erhält die Eigenschaften seiner Mutterpflanze.
- Für Stecklinge wählst du feste, noch unverholzte und möglichst blütenfreie Triebe einer gesunden Mutterpflanze.
- Bewurzelt wird in frischer Aussaaterde unter einer Abdeckung, die du täglich kontrollierst und kurz lüftest.
- Stutzen fördert kürzere, buschigere Jungpflanzen, zu viel Wasser und Dünger machen sie lang und schwach.
- Eine Teilung kommt nur bei einer geglückt überwinterten, mehrtriebigen Kübelpflanze infrage.

Deine Spinnenpflanze blüht in genau der Farbe, die du suchst, doch mit dem Frost ist sie vorbei. Bei uns wird die Spinnenpflanze einjährig kultiviert, und winterhart ist sie nicht. Mit StecklingenEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. ziehst du Nachwuchs von genau dieser Pflanze heran. Ich schneide nur von gesunden Mutterpflanzen und schaue jeden Tag unter die Abdeckung, weil Schwitzwasser dort Pilzerkrankungen begünstigt.
Spinnenblume überwintern: ein Versuch, kein Regelweg
Weil die Spinnenpflanze nicht winterhart ist, bleibt eine Überwinterung ein Versuch mit einer Kübelpflanze, die vor dem ersten Frost ins Haus kommt. Wie du diesen Versuch angehst, erklärt der Ratgeber, wie du Spinnenpflanzen in Beet und Kübel pflegst. Was für Sommerblumen im Topf allgemein gilt, findest du im Überblick zu Topf, Überwintern und Stecklingen bei Sommerblumen.
Warum sich Stecklinge bei der Spinnenpflanze lohnen
Spinnenpflanzen gehören zur Gattung Cleome aus der Familie Cleomaceae. Ihre weit herausragenden Staubblätter erinnern an Spinnenbeine, und Bienen finden in der Blüte Nektar. Welchen Wert sie in naturnahen Pflanzungen hat, zeigt der Ratgeber, wie du die Spinnenpflanze in den Naturgarten einbindest.
Von Cleome spinosa gibt es samenvermehrte und stecklingsvermehrte Sorten. Ein Steckling gibt die Eigenschaften seiner Mutterpflanze vegetativ weiter. Aus selbst geernteten Samen von HybridsortenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. können dagegen Pflanzen wachsen, die anders aussehen als die Mutterpflanze. Willst du eine stecklingsvermehrte Sorte oder eine einzelne schöne Pflanze behalten, ist der Steckling deshalb der passende Weg.
Ziehst du die Stecklinge nur für deinen eigenen Garten, bewegst du dich im privaten Bereich. Auf Handlungen dort zu nicht gewerblichen Zwecken erstreckt sich die Wirkung des Sortenschutzes nicht.
Wann du Stecklinge schneidest
Für Kopfstecklinge krautiger Pflanzen, etwa von Geranien oder Fuchsien, gibt es zwei Zeitfenster. Im Frühjahr gelten Januar bis März als ideal, wenn die Mutterpflanzen in einem Wintergarten oder Kleingewächshaus stehen. Im Herbst schneidest du ab August bis zum Abräumen der Sommerbepflanzung.
Bei der Spinnenpflanze setzt das Frühjahrsfenster eine Mutterpflanze voraus, die drinnen überwintert hat. Weil die Art nicht winterhart ist, bleibt schon das ein Versuch. Im Spätsommer steht dir dagegen die Pflanze aus Beet oder Kübel als Mutterpflanze zur Verfügung. Der bewurzelte Steckling verbringt den Winter dann als kleine Topfpflanze im Haus, und auch das ist bei dieser Art ein Versuch.
Wie es mit bewurzelten Cleome-Stecklingen in der gärtnerischen Anzucht weitergeht, zeigt ein Versuch.
In einem Anzuchtversuch wurden bewurzelte Cleome-Stecklinge Mitte bis Ende März getopft. Danach folgten zwei Wochen Einwurzeln bei 18 °C Heiztemperatur und anschließend die Weiterkultur bei 15 °C Tagesmitteltemperatur. Zwei Wochen nach dem Topfen wurden die Stecklinge einmal gestutzt. In einem Sortimentsversuch kamen Cleome-Pflanzen in Woche 21 zu dritt in 35-cm-Container.
Stecklinge schneiden und bewurzeln
Mutterpflanze und Trieb wählen
Ich schneide nur von einer gesunden, kräftigen Mutterpflanze und sehe mir vorher Triebspitzen und Blattunterseiten an. Geeignet sind feste, noch unverholzte Triebe, die möglichst keine Blüten tragen. Blütenansätze am Steckling entferne ich. Der Trieb muss so lang sein, dass er gut in der Erde steckt, ohne dass Blätter die Erde berühren.
Ich ziehe beim Schneiden Handschuhe an, denn die Spinnenblumen-Mischung ‘Wasserspiel’ hat leicht stachelige Triebe.
Schneiden und vorbereiten
Ich schneide mit einem scharfen, sauberen Messer direkt unter einem Blattknoten. Danach entferne ich die unteren Blätter, denn Blätter in der Erde faulen sehr schnell. Die Blätter an der Spitze bleiben stehen. Gesteckt wird gleich nach dem Schnitt.
Erde und Topf
Ich bewurzele direkt in Erde, so bilden sich die Wurzeln gleich im Substrat. Für die Bewurzelung nimmst du frische Aussaaterde und saubere Töpfe mit Wasserabzug. Nach dem Stecken gießt du den Steckling gut an.
Aussaaterde ist hygienisch, nährstoffarm, humos und durchlässig. Ihr Salzgehalt liegt unter 0,5 g je Liter. Als allgemeine Orientierung gelten bis 1,5 g je Liter beim Pikieren und 2,5 bis 3 g je Liter bei Kübel- und Balkonkastenerde. Der bewurzelte Steckling kommt später in vorgedüngte Erde.
Abdecken, hell stellen, täglich kontrollieren
Über den Topf stülpe ich eine durchsichtige Plastiktüte, die nicht luftdicht abschließt. Der Topf steht auf einer warmen, hellen Fensterbank, aber nicht in praller Sonne. Unter der Abdeckung sehe ich täglich nach, ob sich Schwitzwasser sammelt oder ein Steckling Schadstellen zeigt. Danach lüfte ich kurz und setze die Tüte wieder auf.
Gesunde Mutterpflanze, feste und blütenfreie Triebspitze, sauberer Schnitt unter dem Blattknoten, keine Blätter in der Erde, frische Aussaaterde, sauberer Topf mit Abzugsloch, helle Fensterbank ohne pralle Sonne, täglich kontrollieren und kurz lüften.
Woran du erkennst, dass Wurzeln wachsen
Ob dein Steckling Wurzeln bildet, zeigt er dir selbst. Sobald er neue kleine Blättchen bekommt, ist er eingewurzelt. Für Kopfstecklinge krautiger Balkon- und Kübelpflanzen, die hell und warm unter Folie stehen, gelten etwa drei bis vier Wochen bis zur Wurzelbildung. Ab den ersten neuen Blättchen nehme ich die Tüte nach und nach länger ab, damit sich der Steckling an die Zimmerluft gewöhnt.
Bewurzelte Stecklinge eintopfen und anwachsen lassen
Ist der Steckling eingewurzelt, kommt er in einen eigenen Topf mit vorgedüngter Blumenerde. Dort muss er seinen Topf erst durchwurzeln. In dieser Zeit kommt es auf Erde, Wasser, Dünger und deinen Blick auf die Blätter an.
Erde und Abzugsloch
Für Cleome spinosa eignen sich durchlässige, nicht zu schwere Böden und entsprechend beschaffene Gefäßsubstrate. Bei der Mischung ‘Wasserspiel’ vermeidest du Staunässe, weil ihre Wurzeln empfindlich sind. Jeder Topf braucht ein freies Abzugsloch, und eine Kiesschicht im Topf ersetzt es nicht. Zum Einwurzeln stelle ich den frisch getopften Steckling hell und warm, später etwas kühler.
Einmal stutzen für einen buschigen Wuchs
Stutzen fördert bei jungen Spinnenpflanzen einen kürzeren, buschigeren Wuchs. Ich kneife dafür einmal die Triebspitze ab, sobald der getopfte Steckling sichtbar weiterwächst. Bei vielen blühenden Kübelpflanzen verzögert das EntspitzenEntspitzen heißt, die weiche Triebspitze einer Pflanze mit den Fingern abzuzwicken oder mit der Schere zu kürzen. Die Pflanze treibt darunter meist mehrfach aus, verzweigt sich und wächst buschiger. allerdings zunächst die Blüte. Diesen Aufschub nehme ich für eine kompaktere Pflanze in Kauf.
Gießen nach Gewicht, nicht nach Kalender
Einen allgemein gültigen Gießrhythmus gibt es nicht, der Bedarf hängt von Wetter, Topfgröße und Gefäßmaterial ab. Ich hebe den Topf an und schätze die Feuchte an seinem Gewicht. In torffreier Erde kann die Oberfläche schon trocken sein, während es weiter unten noch nass ist. Deshalb prüfe ich mit dem Finger auch tiefer im Topf. Gegossen wird durchdringend, bis das Substrat am Topfboden feucht ist, und Wasser im Untersetzer gieße ich weg.
Ein kleiner Topf trocknet schneller aus als ein großer, und an der Oberfläche siehst du nicht, wie feucht es unten ist. Beim frisch eingetopften Steckling greife ich deshalb öfter zum Topf, statt auf Verdacht zu gießen.
Ein schlaffer Steckling bekommt sofort Wasser. Welke Blätter können aber von Trockenheit und genauso von beginnender Wurzelfäule kommen. Prüf deshalb zuerst die Erde, und ist sie nass, gießt du nicht nach.
Düngen erst nach einem Blick auf die Packung
Bei der Nachdüngung zählt die GrunddüngungDie Grunddüngung ist die Düngergabe unmittelbar zu Beginn einer Kultur oder der Wachstumszeit. Was die Pflanzen danach noch brauchen, bekommen sie mit einer oder mehreren Nachdüngungen, den sogenannten Kopfdüngungen. mit, die schon in der Erde steckt. Wie lange der Vorrat einer vorgedüngten Erde reicht, prüfst du auf der Verpackung. Weil der Steckling aus nährstoffarmer Aussaaterde in vorgedüngte Erde wechselt, düngst du nicht gleich nach dem Eintopfen. Die Menge misst du nach der Dosierungsanweisung ab und gibst die Lösung nur auf feuchte Erde, um Wurzelschäden zu vermeiden. Einen kränkelnden Steckling dünge ich erst, wenn er sich erholt hat. Mehr als angegeben gebe ich nie, weil zu viel Dünger die Spinnenpflanze schwach und lang wachsen lässt.
Blätter und Triebspitzen im Blick
Die Spinnenpflanze hat nur wenige Probleme mit Schädlingen und Krankheiten. Gelegentlich fressen ErdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. an den Blättern. Beim Gießen sehe ich mir trotzdem Triebspitzen und Blattunterseiten an. Gekräuselte oder verkrüppelte Blätter und Triebe können auf Blattläuse hindeuten. Bei schwachem Befall schaue ich zuerst nach Nützlingen und spritze die Läuse dann vorsichtig mit einem Wasserstrahl ab. Gelbliche Sprenkel, feine Gespinste und weiße Häutungsreste an den Blattunterseiten können auf SpinnmilbenDie Spinnmilbe ist eine winzige, etwa 0,5 Millimeter große Milbe, die vor allem auf Blattunterseiten lebt und dort feine Gespinste bildet. Befallene Blätter färben sich fahlgrün bis gelb und vertrocknen bei starkem Befall. hinweisen. Die Tiere sind etwa 0,5 mm groß.
Ich beschrifte jeden Stecklingstopf mit Sorte und Schnittdatum. Beim Kontrollieren sehe ich so auf einen Blick, welcher Trieb von welcher Mutterpflanze stammt.
Abhärten und auspflanzen
Vor dem Auspflanzen gewöhnst du die Jungpflanzen allmählich an draußen. Tagsüber stehen sie dafür zunächst windgeschützt und schattig. Ins Freiland kommen sie nach den EisheiligenDie Eisheiligen sind die Namenstage von fünf Heiligen vom 11. bis 15. Mai. Bauernregeln zufolge häufen sich dann späte Frostnächte, deshalb gelten sie im Garten als Merkdatum für die Spätfrostgefahr., an einen sonnigen, warmen und windgeschützten Platz. Die Spinnenpflanze Mischung von Cleome hassleriana setzt du mit 50 cm Abstand in der Reihe. Zur Nachbarreihe hältst du ebenfalls 50 cm, und die Pflanzen stehen frei im Beet. Die Reihen kannst du mit dem Beetplaner auf deine Fläche übertragen.
Für kleine Balkonkästen ist die großwüchsige Spinnenpflanze nicht geeignet, für einen Kübel dagegen schon. Welche Erde und welches Gefäß dort passen, zeigt der Ratgeber, wie du die Spinnenblume auf dem Balkon im Kübel ziehst.
Fäulnis bei Stecklingen erkennen und vermeiden
Ein frischer Steckling hat noch keine Wurzeln und steht unter der Tüte in feuchter Luft. Hohe Luftfeuchte und Schwitzwasser begünstigen dort Pilzerkrankungen. Steht im Topf zusätzlich Wasser, begünstigt das Wurzelfäulnis, und bei ‘Wasserspiel’ reagieren die Wurzeln empfindlich auf Staunässe. Unter der Abdeckung treffen also feuchte Luft und das Risiko nasser Erde zusammen. Deshalb gehören tägliches Lüften und eine Erde, die nicht nass steht, fest zu jedem Stecklingstopf.
Woran du Fäulnis erkennst
Welkt ein Steckling, obwohl die Erde nass ist, kann das auf Wurzelfäule durch Staunässe hindeuten. Bei Geranien gelten braune, weiche und leicht abreißende Wurzeln als Hinweis auf Staunässeschäden. Darauf schaue ich auch, wenn ich einen Steckling umsetze. Ein grauer Belag auf faulenden Pflanzenteilen kann bei hoher Luftfeuchte auf Grauschimmel hinweisen.
So beugst du vor
Saubere Töpfe, frische Aussaaterde und eine gesunde Mutterpflanze stehen am Anfang. Jeder Topf hat ein freies Abzugsloch, und die Erde hältst du feucht, aber nicht nass. Ich stecke mehrere Stecklinge mit Luft zwischen den Blättern, weil ein dichter Stand Grauschimmel begünstigt. Abgestorbene Pflanzenteile entferne ich, sobald ich sie sehe, und die Blätter halte ich trocken.
Viel Wasser lässt einen Steckling schneller wurzeln, heißt es. Unter der Tüte ist die Luft aber ohnehin feucht, und stehendes Wasser im Topf begünstigt Wurzelfäulnis. Bei der Spinnenpflanze führt zu viel Wasser außerdem zu schwachem, langem Wuchs. Feucht, aber nicht nass bleibt deshalb meine Regel.
Wenn ein Steckling fault
Steht die Erde nass, gieße ich überschüssiges Wasser ab und warte mit dem nächsten Gießen, bis die Fingerprobe trockener ausfällt. Faulende Teile mit grauem Belag schneide ich weg, um den Befall einzudämmen. Ist nur der untere Teil weich und die Spitze noch fest, schneide ich den Trieb unter einem gesunden Blattknoten neu an. Dann stecke ich ihn in frische Aussaaterde und einen sauberen Topf. Messer und Handschuhe reinige ich danach, bevor ich an gesunden Pflanzen weiterarbeite.
Teilung: nur ein Sonderfall
Für eine bei uns einjährige Pflanze ist die Teilung kein Regelweg. Infrage kommt sie nur bei einer Kübelpflanze, die den Winter geglückt überstanden hat und mehrere Triebe bildet. Ob sich das lohnt und wie du die Teilstücke versorgst, gehört in den Ratgeber zur Pflege der Spinnenpflanze in Beet und Kübel.
Aussaat bleibt der Regelweg
Für die nächste Saison bleibt die Aussaat der Regelweg zu neuen Spinnenpflanzen. Ich nehme dafür frisches Saatgut, weil die KeimfähigkeitDie Keimfähigkeit gibt an, wie viel Prozent der Samen einer Saatgutpartie unter optimalen Bedingungen zu normalen, gesunden Keimlingen auswachsen. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal von Saatgut. der Samen nach etwa 12 Monaten nachlässt. Wie Aussaat und Anzucht gelingen und woran Keimprobleme liegen können, zeigt der Ratgeber, wie du die Spinnenpflanze anbaust und typische Fehler vermeidest.




